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Montag, 23. März 2026

Gesperrt. Auch gut, sagte der Schmied im Kölner Zoo.



Abstand – wohl der größte Gewinn, den du dir erschließen kannst aus dem Entzug des Zugriffs auf die Möglichkeit, Texte zu veröffentlichen auf dieser Plattform keinVerlag.

Am Tag eins nach der Sperre ist die Mail an den Webmaster raus, die Einsicht, dass auch der ein Mensch ist und das auch bleiben darf, ist nicht neu. Revue passieren lassen, was genau da eigentlich abging und welcher Gaul mit dir selbst durch: Alles im grünen Bereich, kann man aufrechten Hauptes abnicken, passt. Kein Bedauern.

Auch nicht, was die Verfügbarkeit angeht. Deren größter Nachteil: Man kann noch lesen, was an Texten veröffentlicht wird: Rosinenbrot. Die vollmundige Selbstbeschreibung des Forums verkündet es jedenfalls. Die Fliegen darin sind den Rosinen wie immer zahlenmäßig voraus. Ich schmunzle.
Da hatten sie eine Woche Gelegenheit, von meiner sie behelligenden virtuellen Präsenz befreit, anspruchsvolle Texte einzustellen, und, ergriffen sie diese Gelegenheit beim Schopf? Nein.

Gelegentlich ein lesenswerter Text. Im Nichtschwimmerbecken jedoch die üblichen Arschbomben. Ob sie jetzt, da der Spiegel ihrer bösen Stiefmutter schweigt, bemerken, dass sie sich schon eine geraume Weile darin zu übertreffen suchen, den dämlichsten Texten des Forums ebenbürtige Texte zu verfassen? Es sieht nicht danach aus. Von den sich in geradliniger Pose liebenden Schandmäulern dieselben Schmierenkomödien. Sie feiern ihre bescheidenen, durchtriebenen Hinterforzigkeiten ab und klopfen sich anerkennend auf die Schulter. Dabei zittern sie, dass ihre Absichten unerkannt bleiben, versichern einander daher, Stippeföttche, dass man schon weiß, wer gemeint ist. Das Hinterteil zeigen. Eine nicht nur im Tierreich verbreitete Geste der Unterwerfung, böse Kräfte und Dämonen zu besänftigen. Was da wohl zerrieben wird? Die eigene charakterliche Kurzsichtigkeit, denn vorne will kaum einer der Protagonisten wahrhaben, welche Werte ihm hinten jedem Unbedarften offen sichtlich am Arsch vorbeigehen.

Ich warte ein paar Tage länger, als die Sperre währt, dass die paar wenigen, die ihre Ergüsse an meiner virtuellen Präsenz auf keinVerlag festmachen, sich eines Besseren besinnen, also dessen, was sie zu sein sich vergewissern in Endlosschleife. Dass davon etwas literarisch aussickert. Fehlanzeige.
Im Gegenteil: Gerade so, als wäre ihren schwachbrüstigen Phantasien die wesentliche Stütze abhandengekommen, drängen sie sich Halt suchend um den letzten phallischen Text des Forums. Offenbaren ihr intellektuelles Potential, abstrakte Begriffe wie Menstruationslyrik mit Geist anfüllen zu können statt mit Phrasen und kindischem Purzelgebaum. Reihenweise gehen sie dabei in die Knie. Bleiben stecken in postanaler frühpubertärer Lyrik. Albern rum. Sagte der Schmied: Auch gut. Wenns sie glücklich macht ...

Abstand, der größte Gewinn. Mit Abstand zum Geschehen gewinnt man Übersicht. Gibt es auch jemanden, der noch eine Rechnung offen habe könnte mit dir und sich jetzt zurückhält? Ja, es gibt jemanden. Mehr als einen. Bedauerlich, dass auch die schweigen, für die man Partei ergriff, versuchte irgendwer sie vorzuführen oder ihnen intrigante Unwahrheiten unterzuschieben. Sie werden sich halt fürchten, selbst zur Zielscheibe revanchistischen Bashings zu geraten. Auch gut, meinte der Schmied. Betrachtet das entweder versonnen (oder unschlüssig oder peinlich berührt - weiß man ja nie genau) von der Spitze des Pavianfelsens auf die kreischende Hektik am Wassergraben spähender Alphamännchen.

So ein Besuch im Kölner Zoo ist … mit Abstand … das Beste, was man unternehmen kann, wenn man Abstand gewinnen will, Abstand auch von der eigenen Disharmonie, die in vergleichbarem Maß, mit dem du dich auf literarisch intendierte und charakterlich demaskierende Missklänge keinVerlags einlässt, von dir selbst und der eigenen Sicht auf die Dinge Besitz ergreift. Du erkennst, dass du dich gefangensetzen ließest von ein paar Hanswürsten und deren Treiben, das dich eigentlich anwidert. Du erkennst, dass du kein Spiegel bist, kein Spiegel sein kannst. Weil du, reflektierst du ihre Dumpfheit und deren bösartige Auswüchse, dich veränderst, zum Schlechten. Du magst dich nicht. Warum nur immer wider dieselben Windmühlen? Letztendlich hast du dann im Rücken, was die antreibt. Und von genau dort agieren sie, weil sie sich fürchten, anders als hintenrum zu kommen. So ist doch eigentlich nichts weltbewegend Schlimmes daran, dass sich literarisch Unbedarfte an überkommenen Mustern orientieren, die ihnen Orientierung bieten und Sicherheit. Die Sicherheit, und solche Bestätigung brauchen sie, zumindest von einer Handvoll Gleichgesinnter angenommen und in ihren Augen ein Dichter von Wert zu sein. Was soll schlimm sein daran, die eigenen Störungen in liebevoll phrasierten Wortpäckchen zu entsorgen und dafür verständnisvolle, bestätigende Streicheleinheiten zu empfangen? So ist es rührend, wie sie einander stützen, helfen und aufbauen. Den frischen Streusel Schnittlauch loben, der die aufgewärmte Dose Latein würzt. Oder ein nett aufbereitet stinkendes Häufchen Lüge. Und die, die den HiFi-Stereotypen ihre hilfreiche Hand reichen zum High-Five oder auf den Rücken eines virtuellen trojanischen Pegasus‘, sind sie nicht die wahren Samariter deutscher Klitoradtourforen? Wahrscheinlich. All ihr seiner Agens enthobenes pädalogisches Geschick sublimieren sie in lobenswert aufopferungsvoller Hilfestellung am literarischen Reck. So leistet ein Forum wie keinVerlag sich eine kleine Sub-Community, die sich eigentlich herzlich wenig von so etwas wie der Idee einer Entwicklung des Schreibens der User KVs aufhalten lässt, sondern sich unmittelbar daran begibt, ihre Mitglieder als gute Menschen dastehen zu lassen. Überzeugend, zumindest im kleinen Kreis, wie man liest. Und, wie gesagt: unter Anderem, unter Anderen! Unter. Unter aller, aller und sich selbst Sau jagen sie einander sowie ihre fixen Ideen durchs Dorf. Spektakel. Daily Soap.

Doch das eigentlich Wesentliche, das man im Kölner Zoo und vor dem Pavianfelsen verharrend erfährt und dass das Besondere am Abstand ist, den man gewinnt, wenn man gesperrt ist, ist, dass man den Pavianfelsen darin als Teil sieht und erkennt, dass dessen quirliges, selbstverliebtes Drehen um sich selbst und die Menschen auf der anderen Seite des Wassergrabens für das eigene Schreiben irrelevant sein sollte und dass es mit bereits einer halben Drehung dem Zoo und dem Ganzen zu an Bedeutung verliert.

Bereits vor meiner Sperrung aufgrund einer ebenso empörten wie aufrichtig gemeinten Schmähung des meiner Ansicht pietätlosen Verhaltens eines Nutzers KeinVerlags und dessen geradliniger Dekompensation darob hatte ich damit begonnen, die Texte bestimmter Autoren nicht mehr zu lesen. Weil sie nichts Neues brachten. Weil sie sich in den immer gleichen Mustern verstrickten. Weil sie entweder Kassiber von Insidern für Insider darstellten oder sich in profanem Ringelpietz mit Anfassen verloren. Weil Kritik an ihren Texten verschwendet ist. Die zu ignorieren: Eine wirklich entspannende Übung in Selbstdisziplin.

Weitere Texte auf KV zu veröffentlichen nehme ich mit dem Vorsatz auf, dies fortzusetzen und mich vom Pavianfelsen weg der Suche nach den Antilopen des Zoos zuzuwenden, der Suche nach dem Sphüngs, den ich aus den Augen verlor und der sicherlich nicht im Zoo zuhause ist.

Sagte der Schmied: Auch gut.


Essay zum Thema Eigene Welt
Ludwig Janssen © 17.1.2013

Montag, 1. Januar 2024

Tumult im Lyrwana

Das scheue Lyrich duckt sich
metrisch in das Gedichticht
Stil schwankt ein Rohr
im Winde der Eloquenz

Ein Ichdu auf der Jagd!

Metaphern rauschen
im Lyrwana das Elysium
Inspiration lauscht Schweigen
dichter Reigen prasselt

Ein Ichdu auf der Jagd!

Ellipsen knabbern
aus Sätzen sabbern
wehrlosen Elfen
schleimende Reime

Ein Ichdu auf der Jagd!

Verse brechen in wilder Flucht
durchs untere Bewusstsein
ein Elegeion pentametert
das Distichon hexat und zetert

Ein Ichdu auf der Jagd!

Silbenglanz der Weiher
darin der Mondschwein
ein Silbler, wie gewohnt
schweigt und geigt

Ein Ichdu auf der Jagd!

Das scheue Lyrich im Rhyth
mischen leise Sichtwaisen
elegisch sein Sprung ins Lied
entsprungen auch Lyrdu sieht

prosaistischen Ichdu sich trollen


Ludwig Janssen © 23.09.2004

Mittwoch, 19. Juli 2023

the first cut is the deepest

Scharfsinnige Menschen täten gut daran, ihren Intellekt in Behutsamkeit zu schulen - messerscharfes Denken klappt nämlich zuerst im eigenen Hirn auf ...

Ludwig Janssen © 27.11.2004

Mittwoch, 7. Juni 2023

Das Wehrlose einer Kritik


Einen kritischen Kommentar zu einem Text zu verfassen, der auf einem Forum wie [...] veröffentlicht wurde, ist ein gewagtes Vorhaben, zieht man sich doch nicht nur den Unmut des Verfassers zu, sondern auch den seiner Entourage. Sofern der Verfasser sich einen solchen Hofstaat aufgebaut hat, also Wert legte auf Schranzen, Buckelkratzer, Rosettenschlüpfer und Lippenleser - selbst all dies den anderen war (ein übrigens billiges Unterfangen, sind doch anstrengende Charaktereigenschaften wie Integrität und Sachlichkeit eher hinderlich und somit ihr Fehlen von Vorteil), hat man mit einer Vielzahl von Anfeindungen zu rechnen.

Solche Anfeindungen sind immer auf die Galerie zu geschrieben, auf der man diejenigen weiß, mit denen man über PN in Verbindung steht und die sich bereits empörte, diejenigen, die mit dem Verfasser des kritischen Kommentars ein Hühnchen zu rupfen haben möchten und dann noch die paar Armseligen, die zwar selten einen Grund erklären können, jedoch gerne einen Anlass geboten bekommen, sich als moralisch Erhabene strafend profilieren zu können. Selten wird die Kritik angegriffen, meist der Kritisierende. Das reicht bis hin zu Diffamierungskampagnen, habe ich hier zur Genüge erleben müssen. Hierzu schämen manche Ehrenmännchen und -weibchen sich nicht, sich darin zu entblöden, in eigens hierzu erstellten Texten zum Kritiker-Bashing zu ermuntern. Bei solchen sich einander bestätigenden Ausgrenzungen eines Anders- hier: Querdenkenden schütten die Belohnungszentren des Kleinhirns stimulierende Substanzen aus.

Ich habe daher die begründete Phantasie, dass einen kritischen Kommentar unter einen Text der sich stetig lausenden und umkuschelnden Autoren zu platzieren in etwa gleichzusetzen ist mit dem Unterfangen, im Anzug durch einen Swingerclub zu flitzen und zu fotografieren, oder, auch hier nur spekuliert, das jedoch lebhaft, mit jemandem, der im Darkroom eine Taschenlampe oder gar das Licht anknipst.

Dabei (deswegen?) steht der kritische Kommentar mittlerweile ohnehin auf der roten Liste, ist vom Aussterben bedroht und wird in täglich schwindende Reservationen zurückgedrängt. Weil nämlich der kritisch Kommentierende etwas macht, was oft genug der Verfasser des kritisierten Textes selbst versäumt zu realisieren: Er stellt sich und seinen Gedanken zur Diskussion, exponiert sich und sein Denken. Ein Akt der Wehrlosigkeit. Ist doch die Kritik selbst ebenfalls ein Text.

Nun ist es bei einem Literaturforum, wie [...]  eines ist, nein, sein möchte, nein, Wunschdenken, also: was [...]  nie werden wird, aber denen, die so was brauchen, sein soll -… ist es also so, dass kaum jemand wirklich ein Kritiker ist. Kaum jemand wird den zehn Geboten für Literaturkritiker gerecht, die Marcel Reich-Ranicki aufstellte, erst recht nicht dem zehnten: „… Du sollst nicht begehren, selbst zu dichten …“

Ich selbst bezeichne mich gerade deswegen nicht als Kritiker. Doch verfasse ich Kritiken mit der Gewissheit, nicht unbedingt mich selbst, aber meine Denke und mein Schreiben in Frage gestellt zu lesen zu bekommen. Denn wie nach Nietzsche der Freund dem Einsamen der Dritte ist, so ist dies, was das Schreiben angeht und dessen Entwicklung, der Widerpart dem schreibenden Einsamen wie ich einer bin.

Eine Empfehlung, die ich abschließend mir selbst und denen, die sich in dieser Kolumne verstanden fühlen, mit auf den Weg schreibe ist, Swinger-Clubs und Darkrooms zu meiden, und, gerät man doch hinein, zumindest Vorsorge zu treffen, hier: Keine bleibenden Eindrücke festhalten und nie, nie das (also dein!) Licht anknipsen.

Samstag, 8. April 2023

Klangschalen

Manches, das wundersam klingt, schlägt irgendwer es an, ist in seinem Inneren hohl und in seinem Äußeren hart.

Ludwig Janssen © 3.4.2023

Montag, 26. September 2022

Don Q und die Kunst der Windstille

schon weise bleibt der dürre Ritter
ein Reiter auch mit kleinem Bauch
von Träumen äußerlich nur matt
aus seinem Innern ist ein Schillern
und Rosinante frisst sich satt
am Heu von Dulzineens Weiden auch
noch Kräuterduft von Magenbitter

die Lanze steckt im Bohnenbeet
an ihr ranken sich Geschichten
und er, der Alte, spielt die Flöte
aus Riesenknochen, Morgenröte
fließt aus Atem in ein Dichten
das dem Wind entgegen weht

es ist das Stille zwischen Tönen
fügt sich leiser Spur zum Liede
dem Wind zu Horizont und Ruh'
so wird der still auch und hört zu
Mühlenflügeln, welche Schwingen
gleich sich senken - wenn die Luft

nicht tragen mag und lauscht
dem Liede einer kleinen Flöte
aus toten Riesen, Morgenröte
im Denken eines weisen Mannes
bess're Wehr als Schwert und Lanze
Mühlen? reimloses Lächeln!

Ludwig Janssen © 9.11.2004

Sonntag, 14. August 2022

Kohlweißlinge, Lyrik und fliegender Kappes

Ja, auch Kohlweißlinge sind Schmetterlinge,  halt nicht so langlebig wie Zitronenfalter. Und ja, sie müssen sich als Raupe durch jede Menge Kappes fressen, ehe sie sich verpuppen. Und ja, sie verwandeln dabei Kappes in Köttel.
Kappes zu Köttel und Raupe.

So ist Prosa.

Kaum hat der Kappes sich verpuppt, kaum, dass er Kohlweißling ist, flattert er plimm-plimm dahin auf der Suche nach seinesgleichen ... Kohlweißlinge und Kappes.

Schön.

Menschen sind da anders. Die haben einen Kohlweißling vor ihrem inneren Auge und meinen, Lyrik verfasst zu haben, kaum dass sie Kappes haben flattern lassen, ihren. Vielleicht mit einem Kohlweißling darin, einer dürren, bei Bedarf moralinsauren Raupe, Kötteln - doch eigentlich fliegt da Kappes. Kappesköppe kriegen halt nicht mehr zustande, da darf man nicht zu streng sein. Wenn sie Glück haben, legt ein Kohlweißling seine Eier auf sie ab, schlüpfen dessen Raupen, fressen sich durch den ganzen Kappes und verwandeln Kappes zu Kötteln und Raupe ... und gaukeln plimm-plimm anderen den Kohlweißling vor. So ist Kappes.

Ruft jemand: Kappes!

... gibt er den Kohlweißling.

Und auch das ist Prosa.

Mittwoch, 21. Juli 2021

Gedanke zum Thema Arrangement

Ich glaube, dass beim Schreiben nichts tückischer ist als das Bedürfnis, die eigene Vorstellung perfekt umgesetzt zu wissen. Es verführt uns zum Arrangement mit Unzulänglichkeiten, die wir lediglich nur zu lange anstarrten und zu oft sich breit machen ließen in unserem Hirn, so oft, dass uns der eine Wunsch zur überzeugenden Sackgasse des anderen wird. Schon manifestiert sich unser Wunsch nach einem Windhund letztlich in einem Dackel, dessen treuseliger Blick uns überzeugte. Man hat sich arrangiert.

Ludwig Janssen © 11.9.2007

Dienstag, 23. März 2021

Ein Vogel singt [Kritik der Spreu geläufigen Phrasendrusches]

"Ein Vogel singt" Solch eine Zeile ist, lyrisch gesehen, nicht mehr als eine aufgeblasene leere Brötchentüte. Sicherlich wird sich wer finden, der die aufgreift, schüttelt, das Knistern der trockenen Krümel darin interpretiert und diesem Wert beimisst, sicherlich könnte und sollte man diese Tüte mit lautem Knall zum Platzen bringen, dass Ruhe ist. 

Ein Hund bellt. 

Das wars.

Ludwig Janssen © 02.05.2009





(Und doch mag es das eine oder andere Gedicht geben, in dem eine solche Zeile das Salz in der Suppe ist und eben nicht die Schaufel Salz.)

Dienstag, 1. Dezember 2020

Gedanke zum Thema Griesbrei

Auf der Verpackung in beeindruckenden Lettern: "Das Wunder der Poesie", darunter, in nicht minder gewichtigem Schriftzug ein Name. Dazu Kleingedrucktes: Zucker ist schon (reichlich) drin! Ich weiß alles - schon drin! Fett? Arm! - auch drin. Nicht rühren! Nicht nachwürzen! Nicht meckern! Das Wunder der Poesie ungestört vor sich hin köcheln, eindicken und anbrennen lassen ... [Ach so ...]

Ludwig Janssen © 4.9.2007

Gedanke zum Thema Abnehmen (Kleine Bosheit zum Thema Kritikresistenz)

Der Gedanke an die Möglichkeit, den Nährwert von Gedichten bestimmen zu können, hat hin und wieder etwas Tröstliches, denn schließlich müssen sie dazu verbrannt werden ...

Ludwig Janssen © 24.9.2007

Dienstag, 8. Mai 2018

Freitag, 6. Januar 2017

Über weiße Elefanten im Porzellan



Was braucht man einen Elefanten in einer Porzellankiste, wenn deren Mutter, die Vorsicht, mit einer Sturzgeburt niederkam? Nun, man könnte ihm ein Tutu anlegen und ihn mittig positionieren, unauffällig, als Sympathie- und Leistungsträger zugleich. Und, wozu sonst ein Tutu, wenn nicht um seinen Träger als Träger von Ausdruck, ja, da wer A sagt, muss auch B … Bedeutung auszuzeichnen. Schließlich sind Elefanten, domestizierte jedenfalls, Lasttiere, reißen Bäume aus und was sonst noch, und das, also der Umstand, dass sie was reißen, macht sie so beliebt, macht sie beeindruckend. Nicht ihre massige Gestalt, nicht ihr Vermögen, im Innern einer Porzellankiste mittig und unauffällig zugleich anwesend sein zu können, beeindruckt uns, nein, sie reißen was, ja, nahezu alles, sieht man den Bäumen an, und, so nebenbei, lässt sich vorzüglich auf ihnen reiten.

Selbst durch einen Porzellanladen, auch wenn einschlägige Redewendungen Gegenteiliges glauben machen möchten, denn, wer in einer Kiste voller Porzellan klarkommt, wird sich in einem im Vergleich dazu weiträumigen Laden mit elfengleicher Grazie bewegen, der auf ihm Reitende selbstredend eingeschlossen. Porzellanläden, das sind zumeist über große Schaufenster lichtgeflutete Räume, in denen sorgsam arrangiertes Porzellan zur Schau und zum Erwerb angeboten wird. Porzellan, das Porzellankisten entnommen wurde. Kisten, in denen sich mitunter auch besagte Elefanten befanden, die, selbstredend ebenso unauffällig wie mittig ihren Kisten entstiegen, im Porzellanladen nun ebenfalls bemüht sind, sich etwas reißend und als Träger von Bedeutung ihrer Exposition und den damit verbundenen Aufgaben zu widmen, ohne dass man sie als Elefanten im Tutu ausmacht. Daran nämlich scheitert alles Mühen besagter Elefanten um Unauffälligkeit: Dass irgendwer sie anlässlich ihres Aufenthalts im Porzellanladen bemerkt, als Elefanten ausmacht und am Tutu zupft.

Elefanten sind schreckhafte Tiere. Sie mögen nicht, wenn man sie aufscheucht. Erst recht nicht, am Tutu gezupft zu werden. Merkwürdig ist, dass der Elefant an sich weniger zur Dekompensation neigt als der Elefant in Gesellschaft. Nehmen wir an, dass es ungefähr zwanzig Porzellankisten braucht, um einen kleinen Porzellanladen zu bestücken, eher vierzig. So steigt mit jeder Kiste die Wahrscheinlichkeit, dass sich in einer ein Elefant befindet, mit jeder weiteren Kiste könnte ein zweiter Elefant hinzukommen, schlimmstenfalls ein dritter. Sie entsteigen den Porzellankisten, deren Mutter diese bis dahin vor dem Schlimmsten bewahrten, manche Mütter kamen gar erst im Laden nieder, und, ist mehr als einer angekommen, nimmt das Unglück seinen Lauf: Nimmt ein Elefant die Witterung eines anderen auf, hebt er zunächst suchend seinen Rüssel. Dann grüßt er den Artgenossen, indem er laut und vernehmlich auf sich aufmerksam macht. Dies bleibt nicht lange unerwidert. Schon stürmen die beiden durch den Porzellanladen aufeinander zu, springen einander freudig erkennend kreuz und quer, fechten kurz aber entschlossen die Rangordnung aus und schließen sich zu einer Herde zusammen. Das hat bislang noch kein Porzellanladen unbeschadet überstanden.

Es gibt zweierlei Vorkehrungen gegen Elefanten in Porzellanläden: Zunächst trage jeder, der einen Porzellanladen einrichtet, lieber keine Kiste mit einem Elefanten darin über die Schwelle. Es sei denn, es handelt sich bei den Porzellankisten um die eingangs erwähnten Sturzgeburten. Denn sollte ein Elefant darin sein, kann man den beim Öffnen sofort zwischen den Scherben ausmachen, Sorge tragen, dass er im Inneren des Ladens keinem Artgenossen begegnet, und ihn nach Belieben etwas reißen lassen. Diese Maßnahme ist so einleuchtend wie sinnlos, denn wer einen Porzellanladen einrichten will, braucht Porzellan, nicht Scherben. Und so kommen wir auf die einzig wirkliche Maßnahme gegen in der Einrichtung eskalierende Elefanten: Das Tutu! Ja! Denn trägt ein Elefant ein Tutu, geht eine seltsame Wandlung mit ihm vor. Zunächst fühlt er sich als Ballerina, durchgeistigt und erstarrt in würdevoller und kunstbeflissener Pose – der Grund, aus dem Elefanten in Porzellankisten unsichtbar sind und es auch im Porzellanladen bleiben. Solange, ja, solange niemand am Tutu zupft, denn das nimmt ihnen allen Zauber und bringt den wahren Elefanten in ihnen zum Vorschein.


Also lautet der abschließende Rat an alle, in deren Porzellanläden Elefanten leben, dass sie verhindern müssen, dass irgendwer ihren Elefanten an die Wäsche geht.

Ludwig Janssen © 15.1.2012

Dienstag, 6. Dezember 2016

Unaufdringliche Weißheit über Gedichte in Literaturforen (Kritik)


Bei manchen Gedichten lässt man von seinem Lesen, so man es ausdrücken kann. Bei anderen wieder schreibt man nichts von alldem darunter, weil sie es nicht wert sind oder ihr Autor sich bereits als jemand erwies, der sich selbst genügt und nicht mehr will als gelesen sein … und bestätigt werden.

Manche Gedichte strahlen genau das aus: Sie genügen sich selbst und wollen nicht mehr als das - und gelesen sein. Solche Gedichte sind selten.

Sie tragen vom Filigranen des Weißen an und in sich, zelebrieren das Wort, verströmen vom Duft des Sprachvermögens ihrer Ausdenker – ohne danach zu stinken. Man liest ihnen an, dass jedes Wort seinen Platz fand – und folgt offenen Mundes, liest ihre Worte übermütig koppheister gehen – und lächelt ihnen zu. Andere wieder verschließen sich, starren, harten aus, vor, mit – Wort – und man liest sich wund.

Es kommt vor, dass darinnen ein lyrisches Ich aufgestellt ist. So ein lyrisches Ich, das sein darf, was und wie es ist – das lyrische Ich dieses einen Gedichtes, wOrt, nicht mehr, doch genug, einem Leser zu sein. Zu sein? Zu sein. Das genügt.

Es gibt Dilettanten, die geben vor, das lyrische Ich sei der lyrische Teil ihres Ichs und gehöre ihnen. Unter diesen findet man auch die Sprachwurster, die insgeheim überzeugt sind, dass Lyrik einfacher zu schreiben sei als Prosa. Sobald die Prosa schreiben, bleibt ihrer bigotten Ignoranz nicht einmal dieses Baströckchen.

Ihre langweiligen Texte schreiben, geben vor, müssen schreien ich ICH, Ich … manche wimmern i i i c h so gewollt unabsichtlich wie gekonnt, erinnern den leidgeprüften Kenner im Abgang an Gollum und daran, dass auch der letztendlich zu etwas nütze war.

Ja, ja. Mit dem Schreiben, dem Verfassen von Lyrik, der Weißheit darin und der Weisheit verhält es sich so wie mit dem Schwarzbunten Niederungsrind und dessen Weißheit als solcher und im Besonderen: Mal ist sie hier, mal ist sie dort. Mal ist weniger, mal ist mehr zu erkennen. Mal ist sie am Kopf, mal ist sie am Arsch zu finden, meist auch irgendwo dazwischen. Und wo die Kuh schwarz ist, ist keine Weißheit, aber selbst diese Erkenntnis ist so weise wie der Umstand selbst in Ordnung.

Doch niemand, selbst in einem Literaturforum nicht, sollte und darf sich erdreisten, unter schwarzbunten Niederungsrindern einer Kuh abzuraten, auf die Weide zu scheißen. Genau an der Stelle, wo sie steht, so viel, wie – und: was sie kann.


Ludwig Janssen 6.7.2010, überarbeitet 4.12.2016 

Dienstag, 11. Oktober 2016

Betroffenheitslyrik


betroffenheitslyrik greift
irgendwelche wörter auf
fremdes leid packt sie
es zwischen umbrüche
alle finden das irgend
wie toll. [KOPI LUWAK]


Ludwig Janssen © 10.10.2016


Montag, 22. September 2014

Kritische Kommentare – eine aussterbende Spezies?

Kritische Kommentare sind vom Aussterben bedroht! Ihre Biologie ist kompliziert, die künstliche Nachzucht in Zoos ausgeschlossen, sie brauchen lange bis zur Reife, sie werden übermäßig bejagt und haben keine Schutzzonen. 
In einem Literaturforum über Kommentare und das Kommentieren zu schreiben ist in der Steppe dem Gras vom Gras vorlesen, dem Gras, das über Gras wächst. 
In einem Literaturforum wie ████ übers Kommentieren zu schreiben ist auf einer Weide dem Gras vom Gras vorlesen und Rindviechern. Nur die klugen unter ihnen fragen sich jetzt, ob ihnen vom Gras vorgelesen wird oder dem Gras von ihnen. Nur dann, wenn sie dies hier lasen. Die anderen begnügen sich damit, Gras zu fressen, es zu verdauen und auszuscheiden, ins Gras, selbstverständlich, und damit, Gras plattzuliegen. Das wiederum bevorzugt an Stellen, die von unverdaulichen, aus Rindviechern entleerten Überbleibseln frei sind, jedoch von Gras bewachsen. 
Diese Rindviecher, zumeist Kühe, kommen morgens und abends nach (- und gehen vor -) dem Melken und halten sich ansonsten wie das Jungvieh und Mastbullen rund um die Uhr über, im und auf dem Gras auf, jenem Gras, dem ich über all das Gras und die Rindviecher vorläse, würde ich in einem Literaturforum wie ████ übers Kommentieren schreiben. 
Nun ist das, was man gemeinhin mit „Gras“ bezeichnet, für grün hält, weil die Pflanzen mit grünwelligen Lichtstrahlen nichts anfangen können und diese abweisen, reflektieren, eine je nach Standort und Bewirtschaftung mehr oder weniger artenreiche, vielfältige Pflanzengemeinschaft. 
Doch weder dem Gras, der Pflanzengemeinschaft noch den Rindviechern möchte ich hier das Wort reden, sondern einer Spezies, von der zwar oft die Rede ist, manchmal gar das Geschrei, die jedoch äußerst selten, und wie ich darlegen möchte, vom Aussterben bedroht und somit schützenswert ist: 
Der kritische Kommentar
Vorweg: Nicht jeder Kommentar, der kritischer genannt wird, ist einer. Die einen nennen ihre persönlich gemeinten Spitzen kritische Kommentare, weil solche Widerlichhaken besser hängen bleiben und sich gleich einer künstlichen Fliege vorzüglich appetitlich aufbereiten lassen. Die anderen nennen kritischen Kommentar, was nichts anderes ist als Vorturnen, wie sie selbst einen Text geschrieben hätten, manchmal „lieber gerne selbst geschrieben“. 
Und es kommt noch schlimmer: Nicht jeder kritische Kommentar ist ein guter Kommentar! Damit meine ich gut in dem Sinne, dass er dem Autor des kritisierten Textes weiterhilft. 
Die Gesamtheit aller Kommentare stellt die Kultur des Kommentierens dar. Da hilft es nicht, gegen die eine oder andere Art und Weise anzuschreiben. Man kann nicht das Kommentieren abschaffen, um kritischen Kommentaren Raum zu geben – auch wenn manche Landwirte Gras unterpflügen, um Gras zu säen, Gras, das ebenfalls von Rind…
████ wird, was den kritischen Kommentar angeht, immer Gras mit Rindviechern sein und bleiben.

Das einzig Erreichbare ist eine Subkultur, eine Ökonische für den kritischen Kommentar. Den gepflegten kritischen Kommentar, der polarisieren darf, zuweilen muss, um wachzurütteln, schüttelt er doch zuweilen gewohnte und vielleicht faule Denkmuster vom Lorbeerbäumchen.

Dieser Subkultur möchte ich gerne das Wort reden. Dazu brauchen wir "subversierte Elemente", denen tatsächlich an Austausch liegt und Zuarbeit. Das sind durchaus anstrengende Kommentare, die auffordern, das eigene Schreiben zu überdenken. Das schreibe ich jetzt völlig unabhängig davon, ob er/sie (was er/sie tatsächlich tut) mir auf den Keks geht oder nicht, ob ich mit seiner/ihrer Schreibe was anfangen kann oder nicht. Ich habe Hirn genug, um mir ein Bild von dem Maß an Integrität und Kompetenz machen zu können, um sein/ihr Urteilen = Mitteilen = Am-Denken-Teilhaben-Lassen einordnen zu können.
Ich will ja nicht sein Denken, sondern seine Meinung! Und die will ich lediglich wissen, nicht mir aneignen. Das gilt für jeden engagierten Kritiker.
 
Eigentlich ist jeder (gut) kritische Kommentar eine Bitte um, eine Aufforderung zu Kritik, weil der Kritisierende seine eigene Meinung zur Disposition stellt.

Braucht es den Kritiker überhaupt? Den Kritiker überhaupt - ja! Das andere ergibt sich aus dem Detail, also z.B. welchen Kritiker. Auch "wozu?" (man ihn braucht) ist/wäre eine im Detail und nicht hier zu klärende Frage. Was jedoch offensichtlich ist: Nicht jeder, der einen bräuchte bzw. gebrauchen könnte, kann einen Kritiker brauchen.
Daher beschränkt sich die Anerkennung des Kritikers, der "kritischen Frage" (denn man muss schließlich kein Kritiker sein, um kritisch zu hinterfragen, zu analysieren) auf eine ökologische Nische. Genauer: viele ökologische Nischen.

Dabei ist die biologisch-fachliche Diversität "der Kritiker" recht groß:
Stationär praktizierend sind sie wohlgelitten wie das Salz der Erde, jedoch schlecht ausgelastet. Obwohl sie Schönheitschirurgen sind, sind ihre Diagnosen unpopulär und damit für die Öffentlichkeit ungeeignet. Der Eingriff als solcher soll nicht als solcher erkannt werden.
Ambulant praktizierend sind sie das Salz in der Wunde und entsprechend unbeliebt. Man sähe sie gerne stationär praktizierend und schreibt ihnen beständig entsprechende Ecken zu, in die sie sich gefälligst selbst zu stellen haben, anstatt anderen das Gefühl zu vermitteln, in eben diese Ecken gestellt worden zu sein. Ja, ja.

Kritische Kommentare sind eine bedrohte Spezies.

Sind sie auch schützenswert?
Gras ist Gras, Rindvieh ist Rindvieh, Kritik ist Kritik - ihre Rezeption wie auch ihre Akzeptanz im Wesentlichen unabhängig davon, wie gehaltvoll sie ist. So bestimmt letztlich die Kritikfähigkeit von Kritisiertem und Kritiker darüber, ob sich Kritik positiv oder negativ auswirkt/auswirken kann. (Zur Kritikfähigkeit später mehr.)
 
Um (kurz, … kurzschlüssig?) im Kontext positiv/negativ zu bleiben: Kritik legt Spannung an. Diese Spannung baut sich zwischen den beiden Polen Minus und Plus auf - schließt sich der Stromkreis, z.B. durch Handreichung oder Handschlag, fließt Strom und die Spannung gleicht sich aus. Welch ein Segen, wenn dann zumindest ein (!) Glühbirnchen aufleuchtete. Das allerdings muss vorhanden und angeschlossen sein.

Kritische Kommentare sind schützenswert! Und sei es, um andere vorm Stromschlag zu bewahren. Isolieren Sie die kritische Phase!

Kritische Kommentare sind schützenswert! Und sei es nur deshalb, weil ohne Spannung kein Lämpchen leuchten würde  … weil ohne sie auch kein Lämmchen glühen würde!
[Lammschein on my shoulders makes me happy, Lammschein in my eyes can make me cry (frei überätzt nach John Denver)] 
Der kritische Kommentar als Lösungsmittel – oder: Katarrh und Katharsis:
 
Jeder will ihn haben, doch keiner möchte das Gesicht verlieren, wenn er ihn bekommt. Schließlich wird Eitelkeit beschädigt - … poliert?  "Bitte zuvor an unauffälliger Stelle prüfen" steht auf der Verpackung von Fleckenmitteln. Geht bei Kritik nicht immer. Zumal Kritik nicht zwingend Fleckentferner ist (prima, wenn sie das anbietet), sondern in erster Linie Markierung.

Wer kritisiert, macht sich unbeliebt. Vor allem, wenn er das offen bei offen ausgestellten Eitelkeiten macht. Da auch Lob Kritik ist, hm, sein kann, sei angemerkt, dass bekanntlich die Dosis das Gift macht.

An anderer Stelle wies ich darauf hin, dass Kritik auch ein (gehaltener) Steigbügel sei und auch so genutzt werde: Offene Kritik an Texten, kritische Erwiderung offenbarter Weisheiten ist der eigentliche Steigbügel, in dem sich die Kritisierten, anstatt die Kritik anzunehmen, zu diskutieren, zu widerlegen, sich lustvoll hochstemmen. 
Selbst ein Verriss macht den lahmsten Klepper für einen köstlichen Moment Aufregung zum Pegasus, zum Bukephalos. Ist der Steigbügel, der die (selten genutzte) Chance zu brillanter Replik bietet, Empfehlungen und Leseaufrufe bringt. Bestes Marketing.

Sicherer Halt für den Sprung über den Doppeloxer 'Langeweile'.

Einige angeblich alterserfahrene Mädchen realisieren nicht einmal, wie auffällig sie geradezu um Beachtung durch den "bösen Kritiker" buhlen, ihn krampfhaft herbei zu kokettieren suchen, indem sie anderen Kommentatoren namentliche Andeutungen machen (Eine Unhöflichkeit, die dem eigentlich Kommentierenden ebenso wie ein "ja, ja" zeigt, dass sein Kommentar zwar nett ist, aber nicht der (heimlich, eigentlich) erwartete Adrenalinschub).

Der kritische Kommentar ist reinste Verschwendung.
Eigentlich Wunder, dass sie immer wieder verschwendet wird. Es muss ein Vergnügen in dieser Verschwendung liegen, das mit dem Füttern von Enten im Park (Guru! Guru!), dem Weckgummi-Schuss nach einer Fliege, dem Werfen von Steinchen in ein Gewässer zu vergleichen ist.
Verschwendung! Das wird wohl auch der Grund sein, warum er in Foren, insbesondere 
████ ist hier gemeint, aussterben wird. Wer verschwendet sich schon gerne auf Dauer, macht sich gerne unbeliebt? Wie war das noch einmal mit dem Überbringer einer schlechten Nachricht?

Kritische Kommentare - bedrohte Spezies!

Sollte man kritische Kommentare in Zoologischen Gärten vor dem Aussterben bewahren?
 
Refugien schaffen, in denen kritische Kommentare sich tummeln und neugierige Besucher sich auf Sichtweite nähern können? Eine vorzügliche Metapher, will ich meinen! In einem Zoo gäbe es den Pavianfelsen! Die Löwengrube! Die Voliere! Das Freigehege der Antilopen! Da gäbe es den Pantherkäfig! Das Aquarium! Das Noctuarium gar!

Gräben, Glasscheiben, Gitter. Alles übersichtlich. Alles sicher, da schön voneinander getrennt.
Und mittendrin wandelt der überlegene Geist, erhaben schaudernd und frei von Kritik. Wenn da nicht die Möwen und Lamas wären. Mist. Doch wieder ein Beispiel mit Holzbein. Oder etwa nicht?

Steht DAS zur Wahl? Zoologischer Garten oder Safaripark?
Ja. Nein. So ein Literaturforum wie ████ eines ist, ist, noch, eher wie ein Safaripark:
"Mutti, kurble das Fenster hoch!" "Was macht der Pavian am Spiiiiiiiie...!" 
Nein, lieber doch kein Safaripark, in dem ein Pavian dem Vehikel (Vektor?) des Gedankens den Außenspiegel abbricht und dem Auto(r) vor(s Gesicht)hält, genauer: in dem die Möglichkeit besteht, dass so etwas geschehen kann? Fangen wir also lieber mit einem Zoologischen Garten an. Die kritischen Kommentare hinter Schloss und Riegel, der erhabene Geist wandelt inmitten und kauft sich eine Kugel Mond in der Waffel, flaniert ein Sonett und knabbert, füttert Aphorismen an die Möwen, in der Jackentasche die Monatskarte.
Genau der richtige Ort, um kritische Kommentare, die Eisbären und Eichhörnchen vor dem Aussterben zu bewahren ... [gedachtes *Hach*]

Oder?

Kritikfähigkeit – Königin der Nacht oder Gras? 
Wenn man dem Gras und den Rindviechern darauf, darin und drumherum vom Gras vorliest, darf man ein Kapitel nicht auslassen: Das Kapitel von der Kritikfähigkeit. Schließlich ist die Kritikfähigkeit etwas, das sich auf beiden Seiten entwickelt, auf Geber- und Nehmerseite. Die Kritikfähigkeit ist es auch, die das Schicksal eines jeden kritischen Kommentars entscheidet. Somit auch das Schicksal des kritischen Kommentars an sich und sein Überleben auf ████ im Besonderen.
Da der intelligente Mensch davon ausgehen kann, dass Kritikfähigkeit nicht naturgegeben und bei gutem Willen erlernbar ist, könnte er seinem Gegenüber die Möglichkeit einräumen, sie sich anzueignen [Ich schreibe absichtlich nicht von lernen oder gar lehren!]. Das könnte in einem Zoologischen Garten geschehen, in dem er, ohne zwingend in das Geschehen eingebunden zu werden, sich das Wechselspiel von kritischen Kommentaren und individueller Entwicklung des Schreibens betrachten kann.

[Naturtalente könnten es ja gleich mit dem Safaripark versuchen.]
Die Er- und Einrichtung eines entsprechenden Geheges - kann sich das aus Learning-by-Doing entwickeln? Wie finden sich Leute, die sich darauf einlassen? Wer stellt sich als Antilope zur Verfügung und rennt eine Diagonale durchs Löwengehege? Wer stellt sich als Löwe zur Verfügung und rennt eine Diagonale durch Antilopengehege?

Finden sie sich überhaupt? Schließlich wird man doch schnell müde, kritisch Stellung zu nehmen, wenn man dafür abgewatscht wird, wird man müde, wenn auf einen gut gemeinten Hinweis auf einen RS-Grammatik-Syntax-Fehler hin eine (durchaus legitime) Abfuhr erteilt bekommt?

Womit wir wieder bei "Verschwendung" wären. Arbeitet man nicht sogar kreative Energie auf, wenn man Kritik übt, wo sie unwillkommen ist? Energie, die man selbst und fürs eigene Schreiben einsetzen könnte. Außerdem ist kreative Energie ein langsam nachwachsender Rohstoff (jetzt bitte nicht von Schüben berichten, sondern die Lebensspanne betrachten).

Nacht ists, und die Sterne funkeln, / Palmström musiziert im Dunkeln ... (Morgenstern)
In einem Literaturforum über Kommentare und das Kommentieren zu schreiben ist in der Steppe dem Gras vom Gras vorlesen, dem Gras, das über Gras wächst. 
In einem Literaturforum wie ████ übers Kommentieren zu schreiben ist auf einer Weide dem Gras vom Gras vorlesen und Rindviechern. Nur die klugen unter den Rindviechern fragen sich jetzt, ob ihnen vom Gras vorgelesen wird oder dem Gras von ihnen. Nur dann, wenn sie dies hier lasen. Die anderen begnügen sich damit, Gras zu fressen, es zu verdauen und auszuscheiden, ins Gras, selbstverständlich, und damit, Gras plattzuliegen. Das wiederum bevorzugt an Stellen, die von unverdaulichen, aus Rindviechern entleerten Überbleibseln verdauten Grases frei sind, jedoch von Gras bewachsen. 
Diese Rindviecher, zumeist Kühe, kommen morgens und abends nach (- und gehen vor -) dem Melken und halten sich ansonsten wie das Jungvieh und Mastbullen rund um die Uhr über, im und auf dem Gras auf, jenem Gras, dem ich über all das Gras und die Rindviecher vorläse, würde ich in einem Literaturforum wie ████ übers Kommentieren schreiben.
Im Übrigen ein rhetorisches Mittel, solch eine Wiederholung … :)
Ludwig Janssen 25.10.2010
 
 
 

Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Kniff im Sofakissen, der Gummibaum, der röhrende Hirsch - Verinfizierung II.

Wie nicht anders erwartet begann bereits kurz nach Einführung des His-Masters-Trust-Schildchens [Näheres hier] dessen Befrachtung mit Legende. Dabei stülpt ein jeder dem neu aufgerichteten Zaun an Bedeutung über die Sprießel, was ihm beliebt. Entlarvend selektierend diese Äußerung:

„… Streng genommen ist ein nicht verifizierter Nutzer bedenklich. …“
Wie wird einer, der so kategorisiert, dann mit nicht verifizierten Nutzern, wie er es nennt, umgehen? Eine Rampe errichten? Beim Einlass in die eigene verarbeitende Aufmerksamkeit nachschauen, wem das goldene Schildchen am Anzug heftet?
Letztendlich ist der „streng genommene“, selektierende Einwurf eines pensionierten Helden des Frontalunterrichts Ausdruck dessen Verunsicherung und seines Wunsches nach Sicherheit. Er möchte ausgewiesen haben, wer bedenklich ist und wer unbedenklich. Selbstverständlich nicht sich selbst, sondern anderen gegenüber. Und das ausgerechnet in einem Forum, in dem es um das Ausstellen und Diskutieren selbstverfasster Texte gehen soll, die Nutzer in der Mehrzahl unter Pseudonym veröffentlichen. Und, um beim Denken zu bleiben, von den Lesenden entschieden wird, ob ihnen der Text bedenkenswert wert ist oder gar gedankenlos hingeschnoddert, unbedenklich rosarot.
Was, bitte, kann da ein Prüfsiegel an Sicherheit bringen, das lediglich ausweist, dass der Betreiber der Webseite sich sicher ist, dass die bei der Anmeldung angegebenen (und nur ihm einzusehenden) persönlichen Daten korrekt sind?
Nichts. Nichts und wieder nichts.
Aber: Es bietet Raum zur Legendenbildung, Raum, der bereits vor Einführung des Siegels reichlich befüllt wurde, jede dieser Legenden Ausdruck irgendeines auf besagtes Forum bezogenen Wunschdenkens. Jede dieser Legenden, jeder dieser Räume weiter gefasst, als das Instrument tatsächlich zulässt.Keine dieser Hoffnungen dreht sich um ein gehobeneres Niveau der Texte, nahezu jede bringt den Wunsch nach Schutz vor dem jeweilig als unangemessen eingestuften Benehmen des Gegenübers zum Ausdruck.
Schutz. Zaun.
Man sieht einen Zaun errichtet, hinter den man sich zurückziehen und von dem aus man urteilen kann, dass die auf der anderen Seite des Zaunes bedenklich sind. New Springfield. Ein Kniff im Sofakissen. Spießbürgertum hinter Zaun, mit Gummibaum.
Und da hinter jenem Zaun der röhrende Hirsch des in vorauseilendem Gehorsam sich verinfizieren lassen habenden Autors ungestört seine eingefahrenen Runden drehen kann und man eines nahezu endgültig ausgeschaltet sieht: Seinen Hirsch und damit sich Schreibenden durch einen anderen lesenden Schreibenden in Frage gestellt zu sehen auf eine Art und/oder von Leuten, die man nicht mag, die einen nicht mögen, fühlt man seinen Wunsch nach Sicherheit erfüllt, zieht sich bereitwillig (bereit und willig?) hinter diesen Zaun zurück.
Um in nicht allzu ferner Zeit festzustellen, dass es innerhalb des neuen Zauns auch altbekannte neue Herrscher gibt: Dünkel und Langeweile.
Um in nicht allzu ferner Zeit festzustellen, dass man sich, zurückgezogen unter Seinesgleichen, jene Gleichheit selbst zur Fessel anlegte. Die Helden des Frontalunterrichts mögen solche Fesselspiele selbstgenerierter Unterwürfigkeit, die röhrenden Hirsche, Gummibäume und jene mit den Texten wie ein Kniff im Sofakissen ebenfalls.
Und der Webmaster? Wird der nun wirklich entlastet werden?
Kaum. Auch weiterhin werden diejenigen, die mit den Urteilen anderer über ihre Texte oder das in denen zu Tage gelegte Denken nicht klarkommen – und den darob innerlich generierten Hass- und Vergeltungswünschen erliegen, ihn und den Admin zu instrumentalisieren trachten. Innerhalb eines neuen Zauns dann der neuerliche Ruf nach dem Wärter und dem Zoodirektor.
Denn die Erläuterung zum goldenen, an Anti-Viren-Software erinnernden His-Masters-Trust-Schildchen ist, in Bezug auf Seriosität entlarvend konterkarierend, mit der Drohung versehen, dass bei ungebührlichem Betragen der Entzug dieses Siegels in den bislang geltenden Sanktionskatalog aufgenommen ist. Mit (dem Webmaster nach – und hierin wird sich die Flut zukünftiger Rufe nach seinem Schiedsspruch festmachen) ungebührlichem Betragen in Diskussionen wird also (entschieden durch den Webmaster) die einmal erfolgte Bescheinigung jener Übereinstimmung der Anmeldungsdaten entzogen? Ha … ha … ha. Wie in der Vergangenheit werden die dessen Geübten danach trachten, den Webmaster über (eigene und inszenierte) Beschwerdemails in die Dekompensation zu trietzen. Was mit Erfolg beschieden ist, sobald auch die andere Seite sich, demontierenden Diffamierungskampagnen erlegen, Hilfe suchend an den Webmaster wendet.
Und das Forum? Wird die Zahl der Nutzer nun endlich nicht mehr schwinden wie in den vergangenen zwei Jahren?
Besonders vorauseilend Intelligente, die gern im Mühen um Sympathie ihren Gegenübern gönnerhaft (gonorrhoeft?) Intelligenz bescheinigen, stellen bereits in Aussicht, dass Intelligente (nicht anders entlarvend selektierend als „bedenklich/unbedenklich“) jenes Siegels wegen fortan dem Forum zuströmen werden. Intelligente Sofakissen (mit Kniff) werden sie meinen, nehme ich an, nicht zwingend intelligent Schreibende.
Las man früher als Replik auf eine Textkritik, die man, Leser besagten Textes, im Anschluss ans eigene Lesen verfasst hatte, solch mäßig intelligent aufgeschäumte Formulierungen wie die, dass man das dem Urteil seiner Leser anheimstelle, und nicht mehr, wird man zukünftig sicherlich zu lesen bekommen, dass man das dem Urteil der zertifizierten Leser anheimstelle und die Frage, Franz-Josef Strauß ruhe in Frieden, ob man denn überhaupt zertifiziert sei.
Nichts wird sich ändern, auch nicht der Schwund an Nutzern bis auf das nunmehr konsolidierte, den Ton angebende Gehege mit Schildchen. Und ungefähr achthundert sich im Verlauf eines Jahres einstellende Eintagsfliegen mit Jahresfrist.
Was bleibt?

Dass eine gute Idee und eine gute Zigarre gemein haben, dass sie, einmal entzündet, aufbrennen und ihr Genuss gegen Ende zu wünschen übrig lässt.

Ludwig Janssen © 8.5.2014

Sonntag, 4. Mai 2014

Verinfizierung

Der Brain-Drain der zurückliegenden zwei Jahre einer vorgeblich literarisch intendierten Community hat zur Folge, dass der Webmaster den Verbliebenen immer kleinere Möhrchen an den langen Stock binden braucht und sie dennoch den immer leichter werdenden Karren voranziehen. Im Kreis.

Das neueste Möhrchen in der Arena ist, die Möglichkeit verifizierter Accounts einzurichten.
Das erinnert an die oft bemühte Phrase von dem vielen Neuen und Guten, von dem das Neue nicht gut und das Gute nicht neu ist. So ist man dort bei seiner Anmeldung verpflichtend angehalten, neben seiner Email-Adresse auch Realnamen und Anschrift anzugeben, die beiden Admins haben Gelegenheit, dies stichprobenartig zu überprüfen. So kam es in der langen Vergangenheit wiederholt zu Sperrungen „wegen falscher Angaben“, heißt, die Admins werden die Angaben zum Account verifiziert haben.
Also nichts Neues, neu ist lediglich, dass dort zukünftig ausgewiesen werden soll, nämlich, dass anhand noch festzulegender Kriterien und nach Gusto des Eigentümers bestätigt wird, dass der Webmaster … Ja, was denn? Dass er weiß, wie Realname und Anschrift von Hasi234 lauten?
Gut an der scheinbaren Neuerung soll angeblich sein, dass die über ein Phantasielogo verifizierten Autoren die Urheberrechte an ihren Texten sichern: „mehr Sicherheit in Bezug auf seine Urheberrechte“ und dass der Webmaster seine „Rechtssicherheit als Betreiber“ sowie „die Möglichkeit zur Durchgriffshaftung erhöht“ sieht. Letzteres wird sicherlich der Fall sein, doch ist der Webmaster kein Notar, wird nicht Urheberschaft verifiziert - und somit ist dieses Argument ein verifiziertes Möhrchen.
Doch da ist noch etwas. Vertrauen soll sie schaffen, die Einführung des Phantasielogos inklusive Durchgriffshaftung gegen Gottweißwas-Authentisches. Der Umgangston der Community soll, so eine Hoffnung, ein feinerer werden, beleidigungsfrei. Ein Witz. Versuch des Kurierens an Symptomen.
Nicht einer der Texte dort wird authentischer werden. Nicht einer interessanter. Nicht einer lesenswerter. Und nicht einer der dort sich tummelnden Menschen ein besserer. Die eigentliche Ursache für Mitgliederschwund, Intrigen und letztendlich in Verbalinjurien ausufernde Grabenkämpfe und ermüdende Diffamierungskampagnen wird auch durch die Einführung eines mit derlei Hoffnungen behängten Bildchens nicht beseitigt:
Gähnende Langeweile, und, als Folge forcierten Kritikerschwundes, Überhang an Texten auf dem literarischen Niveau von Poesiealben, zunehmende Konzentration kritikresistenter, diffamierungsaffiner Knuddelklübchen auf immer enger werdendem Raum muffiger Lehrerzimmer  und erdrückender Streichelzoos und, irgendwo ganz hinten, eine Meierei.
Machte es Sinn, einem Taubenzüchterverein, der sich in der Körung von Jungtauben ergeht, vorzuhalten, dass er nicht eine einzige das Fliegen lehrte, erst recht nicht den Kakapos mit Kokarde?
Langeweile. Stagnation. Verifiziert.
Eines kann man den noch nicht verifizierten, mittlerweile Verinfizierten jenes Forums jedoch bescheinigen: Dass gut ist, dass sie sich immerzu im Kreis drehen und drehen werden, um sich selbst, zukünftig mit His-Masters-Trust-Schildchen, denn wenn das anders wäre, weiß man von Lemmingen, würde es tragisch enden. Auf jeden Fall schneller.
Ludwig Janssen © 4.5.2014

Freitag, 24. Januar 2014

Werwort Wiewort

Bloß keine Adjek
tive Lokomo
tel mit Apfelschim
melsfarbe Blau Zug
pferd im Gedicht
Wiewort Werwort
und irrgehnd Welche


Stümper Richter
Lichter Lohe Leder
Halt Bares Blöd
Sinn Schwätzer

Ludwig Janssen © 24.1.2014

Dienstag, 14. Januar 2014

Zur Realität virtueller Welten

Stückwerk ist unser Erkennen.

Als ich begann, mein Schreiben auf Internetforen zu veröffentlichen, begegnete mir und meinem Erkennen der häufige Trugschluss, die Welt dort sei eine virtuelle - und dass die Welt der Schreiber, also die, in der die Ausdenker der Gedichte , Texte und somit die der meist mäßig talentierten Bregenträger stofflich präsent sind, die reale sei.
Das eigentliche Antonym der Virtualität ist nicht die Realität, sondern die Physis, also das Stoffliche. Auch dies: ein Behelf. Schließlich ist ein Gedanke, ist jede Vorstellung an stoffliche Träger und Vermittler gebunden.
Ist Virtualität omnipräsent, also allgegenwärtig? Sie ist - im Gegenteil zur Physis - nicht stofflich. Auf jeden Fall ist sie im All dort gegenwärtig, wo Menschen anzutreffen sind und, mit jedem von ihnen präsent, das, was ihm wirklich ist und vorstellbar.
Was ihm wirklich ist ... Wirklichkeit und Virtualität scheinen mir Schwestern zu sein, Musen, von denen ein Mensch geküsst - und besessen ist. Das, was auf uns wirkt, das, was aus uns heraus wirkt, ist Wirklichkeit und zugleich virtuell. Wir sind Gefangene unserer Sinne und deren Beschränktheit. Das gilt für den Menschen als solchen und jeden einzelnen insbesondere. Unsere Sinne stellen uns Wirklichkeit vor, inszenieren Wirklichkeit, die nichts anderes sein kann als Virtualität. Also das, was uns vorgestellt, vor die Sinne gestellt, über unsere Sinnesorgane vors (ins?) Hirn gestellt wird und somit unserm Vorstellungsvermögen zur Interpretation zur Verfügung gestellt.
Nehmen wir das Sehen, unseren der Häufigkeit der Inanspruchnahme nach wichtigsten Sinn: Was wir sehen, ist daran gebunden, dass Lichtteilchen die Rezeptoren in unseren Augen erreichen. Das muss außerdem in genügender Menge geschehen – es muss eine Reizschwelle überschritten werden, denn das einzelne Photon an sich ist uns unsichtbar. Wir sind also, was diese Art der Wahrnehmung angeht, darauf angewiesen, dass von einer uns fernen Leuchtquelle Photonen sich entfernen, auf Gegenstände treffen und von diesen reflektiert werden, dann unsere Sinneszellen in genügender Menge treffen und von diesen und den ihnen nachgeschalteten Auswertungseinheiten interpretiert werden.
Was da auf uns wirkt, ist Virtualität, also Möglichkeit, denkbare Möglichkeit, ist Vorstellung – nicht Realität.
Und vermittelt wird es von etwas, dessen Ruhemasse gleich Null ist, das also in der Ruhe (also dann, wenn es mit dem Auftreffen auf unsere Sinne zur Ruhe kommt,) nicht stofflich ist, nicht Materie, also nicht physisch: Photonen.
Unsere in und aus unserer Vielzahl als Menschen generierte Realität aus Realitäten ist Virtualität, und die ist für unser an unsere Physis gebundenes Erleben also bestimmender, als wir wahrhaben, als wir wahr haben wollen.
Ludwig Janssen © 14.1.2014