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Dienstag, 24. Mai 2016

Morphologisch ist ein schönes Wort ...

Morphologisch ist ein schönes Wort, ein Gestalt bildendes, darin mmm ein orph wohnt, holo das Wort gisch... t ...

[Schneckenhäuschen]

Vielleicht ist es auch der Morpholog, den das Wort in und mit uns führt, vielleicht der Morpholo, dessen Flug mit den Möwen ...

Ratur jedenfalls wandte sich tztztz seinem Ausdenker zu und sagte:

"Siehste?"

Ludwig Janssen © 19.3.2016

Montag, 1. Februar 2016

Gastspiel auf einer fliegenden Insel

Liebe Leser,

mit großer, stiller Freude nahm ich heuer den Literaturpreis 2015 der Isla Volante entgegen. Die "isla volante" ist ein Weblog von Rittiner&Gomez, das ebenfalls vom Deutschen Literatur-Archiv in Marbach langzeitarchiviert wird, in dessen Katalog "Literatur im Netz" Aufnahme fand und, etwas ganz Besonderes, Teil von litblogs.net ist, einem Sahnehäubchen deutscher Netzliteratur.

Dieser Preis schließt seitens Rittiner&Gomez die Einladung ein, für ein Jahr lang gemeinsame Inhalte der Isla Volante zu schaffen als Text zum Bild und/oder Bild zum Text.

Einige literarische Gestalten des Springvogels werden also ein Gastspiel auf der fliegenden Insel geben, und, dass es Ihnen nicht zu langweilig wird, in neu gesponnenen Fäden erzählen, schillern und - da sein, einfach.


Den Anfang machen Ratur und Lite, die, wie der geneigte Leser bereits festgestellt haben mag, mal eins sind und dann wieder zwei, und, vielleicht ein wenig wie Rittiner&Gomez, erst in ihrem Zusammenspiel zu einem Ganzen finden, das neu ist und mehr, als einer von ihnen es alleine zu sein vermag. Sie kommen als Ratur Lite ans Meer, freuen sich auf ihre Metamorphose von der literarischen Gestalt zum gezeichneten Wesen und eröffnen mit der ersten Episode:


Hier entlang geht es zur Isla Volante und Ratur Lite am Meer

Statten Sie der Isla Volante Ihren Besuch ab, Sie sind herzlich willkommen!

Anmerkung: Rittiner & Gomez gestalteten die Internetpräsenz "Isla Volante" um - daher laufen einige Links ins Leere. Ratur Lite und das Meer ist hier zu lesen - rechts am Rand führt das Inhaltsverzeichnis von Episode zu Episode mit den tollen Illustrationen von Anton Rittiner.

Montag, 14. März 2011

Ratur Lite und das Einhorn

Ratur Lite hatte sich auf den Weg gemacht, das Glück zu suchen. Er ging an mir vorüber, tippte mit dem Zeigefinger an die Krempe seines Filzhutes, kippte darauf hin die Hand in die Waagerechte und wies in die Richtung, in die er seinen Weg fortzusetzen gedachte.

"Machs gut, Lite!", rief ich ihm zu.
"Merci!"
"Mercie!"
"Wurscht, Klugscheißer, französischer!"
"Machs gut, Lite, aber mach jetzt, dass ...!"

Gern hätte ich ihm einen freundlicheren Abschied gegönnt, aber Ratur hat einen eigenen Kopf, dieser wiederum einen dicken Schädel, und dessen Stirn wies in dieselbe Richtung wie der immer noch ausgestreckte Zeigefinger der rechten, im Gelenk in die Waagerechte gekippten Hand. Ratur Lite war unterwegs, daran gab es keinen Zweifel.

"He, Lite!"
"Ja?"

Kein Blick zurück.

"Wohin willst du eigentlich?"
"Da lang."

Ratur Lites Schritte takteten sich den Weg in kurze Stückchen, die sie zügig hinter sich ließen.

"Warum?"
"Warum nicht?"
"Du wirst doch wissen, wohin du willst und warum?"
"Schon."

Lites düsternde Gestalt verlor sich allmählich im milchigen Pastell des Horizonts.

"Und, magst mir nicht verraten, Lite, wohin du ..."
"Ach, ich ..."

Was mir Ratur Lite jetzt vom Horizont her zurief, als der letzte Hügel ihn und den sich windenden Weg verschluckte, weiß ich nicht, nur Fitzel wie "doch möglich sein", "i(...)wo", "sicherlich", "kein", "Unst" und "Einhorn" konnte ich verstehen.

"Viel Glück, Ratur Lite!"

Einen Wimpernschlag lang gab der Horizont einen Hut frei, der geschwenkt wurde, dann sprang er wieder an seinen gewohnten Platz und legte sich zwischen Himmel und Erde. Nicht lange, und man konnte ihn schnarchen hören.

Machs gut, Ratur Lite!

Ludwig Janssen © 6.12.2009

Ratur Lite und der Mann und die Kuh und das Gewitter (Machs gut, Ratur Lite!)

Ratur Lite hatte sich also auf den Weg gemacht. Der Tag, den er sich dazu ausgesucht hatte, hätte schöner nicht sein können: Die Sonne lächelte, die Vögel sangen und nicht ein einziges Wölkchen am Himmel zu sehen.

So kam Ratur gut voran und lief nach … hm, wohin, das wissen wir ja nicht. Nur, dass er das Glück suchen wollte. Gegen Abend erreichte Ratur Lite eine Weide. Auf der Weide stand eine Kuh. Eine schwarzbunte Kuh wars, ziemlich dick, gemütlich und mit Hörnern. Kuhhörner. Sieht man ziemlich selten, Kühe mit Hörnern, dabei würde jede Kuh zwei schicke Hörner tragen, wenn man sie ihr als Kalb nicht schon weggemacht hätte. Die schwarzbunte Kuh mit Hörnern also stand dort auf der Weide und guckte. Fraß ab und zu ein Maulvoll Gras, kaute und guckte, guckte, kaute und fraß ein Maulvoll Gras.

„Na, du Kuh?“, rief der Herr Lite.

Die Kuh guckte.

„Hm?“

Die Kuh schluckte.

Der Kuh gegenüber saß ein Mann auf einem Klappstuhl. Er sah wichtig aus. Mit Hut. Schwarzer Hut. Die Arme hatte er vor der Brust verschränkt und auf seinen Bauch gelegt, der das weiße Feinripp-Unterhemd des vielleicht wichtigen Mannes mit Hut zu einer Kugel spannte. An der Rückenlehne des Klappstuhls hing ein schwarzer Regenschirm. Der Mann saß da und guckte, guckte die Kuh an, biss von einem Butterbrot ab, kaute und schluckte, guckte der Kuh geradewegs ins Gesicht und biss und kaute, schluckte und schaute.

„Na, du Mann?“, rief Herr Lite.

Der Mann guckte die Kuh an. Die Kuh guckte zurück.

„Hm?“

Die Kuh schluckte, der Mann schluckte, die Kuh nahm ein Maulvoll Gras, der Mann biss von seinem Butterbrot ab, die Kuh kaute, der Mann kaute …

… und Ratur Lite stand am Zaun und schaute zu.

„Du?“

Nichts.

„Du, Mann da?“

„Ja, was ist?“

„Was machst du da?“

„Sieht man das nicht?“

„Doch, schon, aber …“

„Na, also.“

Ratur kratzte sich am Kopf und überlegte. Ob er vielleicht zu unhöflich war? Hätte er anders fragen sollen? Vielleicht störte er die beiden ja auch bei einer äußerst wichtigen Angelegenheit. Schließlich trug der Mann einen schwarzen Hut, dem man ansah, dass er eine Stange Geld gekostet haben musste. Außerdem sieht man nicht alle Tage einen Mann auf einem Klappstuhl einer Kuh gegenübersitzen und sie anschauen und sonst nichts tun. Ratur beschloss, einfach abzuwarten und zu schauen, was passiert. Er lehnte sich an einen eichenen Zaunpfahl und schob seinen Wanderhut in den Nacken.

Ratur Lite stand am Zaun und guckte. Kratzte sich am Kopf, guckte, schluckte und guckte, guckte und kratzte sich am Kopf und schaute weiter auf die Weide. Die schwarzbunte Kuh mit Hörnern stand dort auf der Weide und guckte. Fraß ab und zu ein Maulvoll Gras, kaute und guckte, guckte, kaute und fraß ein Maulvoll Gras. Der Mann mit schwarzem Hut im weißen Feinripp-Unterhemd saß da und guckte, guckte die Kuh an, biss von einem Butterbrot ab, kaute und schluckte, guckte der Kuh geradewegs ins Gesicht und biss und kaute, schluckte und schaute.

Ganz schön langweilig, hm?

Das dachte jedenfalls Ratur Lite. Er wusste halt nicht, dass das in dieser Geschichte genau so sein sollte und nicht anders. Und weil Ratur das nicht besser wusste, und weil außerdem ein Gewitter aufzog, der Himmel schwarz von Wolken wurde und es sicherlich bald zu regnen begann, fragte er noch einmal:

„Sie?“

Nichts. Obwohl Herr Lite jetzt höflich gefragt hatte.

„Sie, mein Herr mit Hut, ja?“

„WAS?“

Der Herr mit Hut schien sich gestört zu fühlen.

„Was machen Sie da?“

„Sieht man das nicht?“

„Ein Gewitter ist im Anzug!“
Ratur Lite fragte sich, ob er noch lange auf Antwort warten sollte. Er hatte keine Lust, sich nassregnen zu lassen. Wind kam auf, erste Tropfen tupften aufs Gras, auf die Kuh, auf den Hut des Mannes, auf Ratur Lites Kopf. Die Kuh stand und guckte, der Mann saß und guckte, Ratur stand am Zaun und rief noch einmal:

„Ein Gewitter ist im Anzug!“

„Wurde auch Zeit!“
Der Mann griff hinter sich, holte den Regenschirm vor, spannte ihn auf und hielt ihn über sich.

„Was wurde Zeit?“
Ratur spürte, dass es jetzt spannend werden könnte.

„Dass das Gewitter kommt!“
Die Stimme des Mannes mit Hut zitterte ein wenig vor Aufregung.
“Den ganzen Tag schon warte ich auf dieses Gewitter!“

„Wozu?“

„Dass ich endlich sehe, wie eine Kuh guckt, wenn’s blitzt!“

„Wie eine Kuh guckt, wenn’s donnert!“
Ratur erinnerte sich nur vage an die Redensart.

„Nein, wenn’s blitzt!“
Nicht einen Augenblick wandte der Mann seinen Blick von der Kuh ab.

Der Kuh schien das Gewitter nichts auszumachen, selbst, als der Regen jetzt heftiger wurde. Sie stand da und guckte den Mann an, der Mann saß da und guckte die Kuh an, Ratur Lite stand am Zaun und schaute die beiden an, einmal die Kuh, dann wieder den Mann.

Blitze zuckten in der Ferne, kamen näher, das Donnern rollte vom Horizont her zu den drei Gestalten auf der Kuhweide.

„Ja, stimmt, das ist sicherlich interessant!“, versuchte Ratur Lite das Prasseln der Tropfen zu übertönen, doch der Regen schluckte jeden Laut. Ratur starrte auf die Weide, um nichts von der Szene zu verpassen, denn das Gewitter hatte die Weide erreicht.

Er sah, wie die Kuh sich an die Brust griff und ein schwarz-weißes Etui hervorzog, aus dem sie eine Sonnenbrille zog und aufsetzte.

Er sah, wie der Blitz einschlug, direkt in die Spitze des Regenschirms des Mannes mit Hut und Feinripp-Unterhemd.

Er sah das grelle Gleißen des Lichts.

Er sah, wie der Blitz den Mann in eine Bratwurst mit Hut verwandelte.

Er sah, dass die Kuh grinste.

Während es donnerte, sah Ratur Lite, wie die Kuh sich die Sonnenbrille von der Nase nahm, sie zusammenklappte, ins Etui steckte und wie sie sich das Etui zurück ins Fell schob. Dabei blinzelte sie ein wenig.

Das wars.

Ratur Lite tippte an seinen klatschnassen Hut:
„Machs gut, Kuh!“, rief Herr Lite. „Adieu!“

Die Kuh guckte.

Nahm ein Maulvoll Gras, kaute und guckte, guckte, kaute und fraß ein Maulvoll Gras.
„Machs gut, Ratur Lite!“

Doch das hörte Ratur Lite nicht mehr, denn er war weitergegangen und folgte seinem Weg auf der Suche nach dem Glück.



Ludwig Janssen © 28.2.2010

Sonntag, 31. Januar 2010

Fingerübung: Dialoge mit kategorischem Imperativ - IV: Beim Joggen durch dichten Straßenverkehr

Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„Du, Ratur?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„Hm?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„Weißt, du, dass man dann richtig läuft,“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„ … wenn man sich dabei unterhalten kann?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Ach?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Ja!“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Pass auf!“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Wa?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„Scheiße!“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„Was? Also, Kant, weißt du ..“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„ Zu spät.“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„ der sagte: Handle so, daß die Maxime ...“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Da, wieder!“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„ ... deines Willens jederzeit zugleich …“
„Und wieder mittenrein“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Hörst du mir überhaupt zu?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Klar, sicher – aber jetzt pass auf, da liegt schon wieder ...“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Ach so, musst nur sagen, wenn ich Scheiße laber!“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„Nein, das nicht, nur …“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„ …als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff - Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff - Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff - Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff - Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„Warum sagts du nix? Ist Kant dir zu heavy?“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff
„Nein, ich frage mich, ob und welcher Wille zur Gesetzmäßigkeit wurde, dass ...“
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff –
„ … du in jeden Haufen reintreten musst, ..."
Schluff- Tipp-Tapp-Tupp - Schluff – Tipp-Tapp-Tupp – Schluff -
„… und ob sich dagegen aufzulehnen Wille genug ist für ein im Prinzip allgemeines Handeln, Lite.“

Fingerübung: Dialoge mit kategorischem Imperativ - III: Schicht unter dem goldenen M

Lite rückte ihr Schiffchen zurecht und schüttelte den Fritierkorb.
„Du, Ratur?“
„Hm, Litemausi?“ Ratur schnurrte.
„Handelst du immer so …“
„So, was, Litemausi?“
„Zweimal Pommes, ein ChickenMMazznuggets und ein KOOOlaaa!“
„Die Pommes mit Mayo?“
„Nein, Knoblauchsoße!"
„Sie meinen Sauce, hm?"
„Soße, du Klugscheißpommesschüttler.“
„HU-rrrmpff...“
„Ratur?“
„Ja, minne lütte Liteschmieteschnute?“
*Fritierfettgebrutzel*
„Handelst du immer so, dass die Maxime deines Willens jederzeit …“
„Jederzeit, mein Hasenschnütchen, jeder ...“
„Wird’s bald mit den Pommes? Quatsch nicht so rum hier, zack, zack, ich hab’ …“
„DU - HASS...sss - WAS ... sssssssss?“
„Hunger!“
„Also, dass sie jederzeit, mein Herz König, als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne?“
„Aber sicher doch, meine Lille-Lite-Herz Königin … und du
Ratur wandte sich wieder um …
„Willst jetzt SICHER DOCH NOCH MAYO DRAUF, HA?"
"Du bist sooo klug, Ratur!"
"Wer sagt das, Litelein?"
"Kant!"
"Kenn ich nicht, du?"
"Nö!"
"Wie kommt der dann auf mich?"
"Weiß nich ..."
"Das's Sokrates, Litelütt."
"Oh!"
"Mhm..."
:)
"Du, Ratur?"
"Hm?"
:)
"Ach, nur so ..."

Fingerübung: Dialoge mit kategorischem Imperativ - II: Beerdigung

„Ratur König war ein Mann, der …“
„Kannten sie ihn?“
„Wen, Ratur?“
„Ja.“
„Jeder, der den lieben Verstorbenen zu Lebzeiten kannte, fühlte sich …“
„Ich war sein Freund, sein …“
„Psst!“
„ … ein treusorgender Familienvater, der die eigenen Interessen immer …“
„Wie ‚psst’ was soll das?“
„Nicht so laut!“„Ach, so.“
„ … viel zu früh von uns …“
„Also sein Freund waren Sie.“
„Sein Alter Ego!“
„HÄ? Was?“
„pssst.“
„Ach, ja stimmt, dabei habe ich selbst …"
„ …handelte unser lieber Ehemann, …“
„Geschieden, geschieden war er“
„... Vater und Freund immer so, dass die Maxime …“
„Ob er tatsächlich der Vater war, dessen war er sich nie gewiss!“„Ach was?“
„ … dass die Maxime seines Willens, Handelns, seiner Güte, seine stete Suche nach Sinn …“
„Wenn ich’s doch sage!“„Nur, weil Sie so ein altes Ego von ihm gewesen sein wollen …“
„Gewesen? Ich BIN!“

„ … als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung …“
„Was, ich bin? Wollen Sie damit etwa andeuten, dass …“
„MAUL HALTEN!"
„… hätte gelten können. Wir verneigen uns vor …“

„HEY, DER ARSCH IST GAR NICHT TOT!“

Fingerübung: Dialoge mit kategorischem Imperativ - I: Straßenarbeiter an Presslufthammer

HEY!“ TRRRRR – TRRRR – T – trrRRRRrrt –
„JA?“ King Ratur lupfte den Helm, wischte sich den Schweiß von der Stirn und lachte Lite an:
„Weißt du, - „ TRRRRR – TRRRRR „warum“ TRRRRRRRRdugguduggudugguRRRRRRRRRRR – T-TRRRRRRR-TRRR – „Bier in mei“ TRRRR – T – trrr „nem Rei“ TRRR „ch, nix kost’?“dugguduggu
„HÄ?“
„MACH DAS DING AUS!“
„WA?“
„FEIERABEND!“
„Ja, gez schon?“ Lite schuffelte ein Asphaltstückchen über die Straße, „ja, dann sach auch, Ratur!“
„Weil, wenn mein Wille jederzeit …“
Lite prüfte den Sitz des Pressluftschlauchs, dugguduggu tuckerte der Kompressor dugguduggudu,
„Raaaatuuuur, sach schon …“
„Ja, also“, Ratur wischte die Hände an der Hose ab, „die Maxime meines Willens, weiße, die is Gesetz, also, sollte es sein, nach Kant, und da …"
TRRRRRRR-T-TRRRRR –
„LITE, DU ARSCH!“
Trrr dugguduggututdug TRRRRR-T-T-T – TRRRRRRRRRRRR, King Ratur gabs auf …“ weil ich eben so ein’ Durs’ hab’ – Freibier … du Sack!“
Trrr dugguduggututdug TRRRRR-T-T-T – TRRRRRRRRRRRR
Trrr dugguduggututdug TRRRRR-T-T-T – TRRRRRRRRRRRR

- t - UN...nnn k lack -
...

„FREIBIER?“
„Ja, Alter.“
„WO?“
duggugduguuguuuguddugtuggtuduggt
„Kant.“
„Kenn ich nich.“
„Ja, Lite, dachte ich mir schon.“
duggugduguuguuuguddugtuggtuduggt
„Du und dein blödes Bayern-Alpha. Wirs’ noch’n Intelleketuellen, du.“
„Ja, schon, gut, Lite, mach weiter.“
duggugduguuguuuguddugtuggtuduggt
T-
T – t – T

TRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR

Samstag, 5. Dezember 2009

Kunst schreiben

Lite und Ratur sind zwei Weise
Lite denkt so und Ratur halt anders
so, anders und ganz, woanders
als Mücken im Bauch eines Sala
manders


Ludwig Janssen © 20.8.2009