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Samstag, 23. März 2024

Der Hyperteur

Myk Rokosmos war Hyperteur und lebte nahe Liegenste in Flandern.  

Eines Nachts, er widmete sich in seinem Expolaboraquarium wieder einmal der Frage nach fundamentholen Zusammensängen, kam es zu einer spontanen Verquantung. Zunächst im Reagenzglas, dessen durch die freiwerdende Bindungsenergie geschmolzene Kügelchen sich in den Edelstahltisch fraßen, dann griff sie auf den Hyperteur selbst über, der sich in planckes Wohlgefallen auflöste. Als sich die Stätte der fraktalen Einswerdung abkühlte, blieb für eine Weile noch der Duft von Flieder, auf den die Witwe des Hyperteurs 'ich komme wieder' reimte und sich daher am silben Platz eine hyperteure Gartenlaube nebst Bank errichten ließ. 

Ludwig Janssen © 10.7.2006 


Dienstag, 23. Mai 2023

Letzter Moment

Das Bett, in dem du starbst: hochgefahren, sauber, desinfiziert und auf ernüchternd kalte Art verlassen. Wie auch dein Körper, der, der dich knechtete, verlassen dalag, erkaltete. Doch glich er den Blumen, die du pflücktest an guten Tagen, deren letzten Moment du konserviertest zwischen Zeitungspapier mit Schnee von gestern und schweren Büchern, die weder von Blumen noch von Starre erzählten. Eine Blume, verlassen von Atmen und Atem. Abschied. Ein Moment des Abschieds, konserviert für den Schnee von gestern in meinem Schreiben, meinem Erinnern.


Ludwig Janssen 29.4.2023

Sonntag, 26. März 2023

Tweets

Eigentlich sind es Wellen, die anlanden, sich verlaufen, verlieren im Sand, weichen, Meer bleiben mit dir am Strand und doch bleibst du Dünung, weit draußen, bewegt, der Boden zu deinen Füßen Tiefe, fern, oder für eben diesen einen Moment Aufmerksamkeit trügerische Nähe aus Sand

Ludwig Janssen © 23.3.2023

Samstag, 18. Juni 2022

Gedanke zum Thema Untergang

Ich trage so viel Ernst in mir, das halte ich bald nicht mehr aus. Wenn ich da nicht hin und wieder einen Kopfstand mache, und den schaffe ich physisch nicht, reißen meine Mundwinkel, mit denen ich mir den Ernst der Lage hin und wieder von der Seele nach oben ziehe. Dann blieben sie hängen und ich liegen, gäbe es keine Gezeiten mehr, das Ernst würde mich fluten, die nährenden Fische darin fräßen den Fischer (und nicht seine Frau) - und was noch schlimmer wäre: Es wäre mir egal …

Ludwig Janssen © 20.9.2007

Sonntag, 16. Januar 2022

Sequenz, mit Seh[n]en darin

Ich sehe nach und sehe nach, habe gerne das Nachsehen - und werde mich vor-, weil alles Sehen doch letztlich ein Schmetterling ist, vor allem das Einsehen, ein grauer Falter, Nachtschwärmer vielleicht, dem ein möglicherweise fehlendes n bläuliches Schimmern verleiht, solange es, die Flügel geschlossen, auf einem sonnenbeschienenen Fleckchen Welt verweilt.

Ludwig Janssen © 18.1.2013

Mittwoch, 19. Mai 2021

Frau K auf der Suche nach dem Glück. Heute wieder. In ihren Augen noch Rauch von der Angst, die aufstieg aus: Wo bin ich hier? und: Was kommt jetzt? Der Aufbruch in ein verlorenes Gestern voller Selbstverständlichkeiten führt ihr: Ich will nach Hause! in mühselige Meter Asphalt.

Ludwig Janssen © 11.5.2021

Dienstag, 18. Mai 2021

Leben im Hier und Jetzt. Kein anderer Wahlspruch verlor in meinen Augen so viel an Wert wie dieser. Täglich erlebe ich Menschen, denen gar nichts anderes übrig bleibt als das: Leben im Hier und Jetzt. Im verloren gehenden Augenblick. Ihr Selbst unverständliches: Bleib bei mir!

Ludwig Janssen © 11.5.2021

Einem fernen Leuchtturm

Leuchtturm, reich mir deine Hand! All meine Gewissheiten lösten sich zu Nebel, diese Luft trägt meine Füße nicht. Furcht treibt mich hinaus ins Gestern um längst verlorene Inseln. Reicht dein Licht auch nur eine Viertelstunde weit: Sing das Lied, in dem ich mich zu Hause fühle.

Ludwig Janssen © 18.5.2021