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Mittwoch, 25. Mai 2016

An meine Kinder, zur Nacht

... denn gedacht hab ich, an
euch, mein Gefleuch, mein Lieben
ist geblieben, kann (noch) fliegen
sich in Gedanken um euch legen, das
Leben lehrt uns loszulassen, fass
gelassen dir ein Herz zum Abschied
sing ein Nachtlied und fühle das weiße
Band auf ein Wie-auch-immer-Wieder
sehen wir uns gehen auf fernen Wegen


Ludwig Janssen © 25.5.2016

Sonntag, 5. Mai 2013

Sequenz … mit einem Kind und einer alten Frau darin

Der Blick ihrer großen blauen Augen staunt in eine Welt hinein, aus der ihrer sich verliert. Ihr Begegnen wirkt eine Brücke, eine, die sich unverhofft spannt und einlädt. Auf einen Schritt weiter. Vom Scheitel ihres Bogens aus hinabgesehen und etwas streicht durch mich hindurch wie der Südwind durch die Hecken im Mai. Sterblich jung jede Falte, Brosamen auf den Heimweg gestreut. Einen nach dem anderen aus der Hosentasche verloren wie zufällig. Graue Tauben im Gefolge. Das Kind ein heiles, von der Welt und den Versuchen, es wund zu zähmen, erzählt es mit Verwundern. Die Alte lächelndes Loslassen, Demenz? Nein. Es sind die Dinge, die sich verlieren, wenn nichts mehr hält, sie und das Bleiben. An der Hecke erstes Grün, nicht das Erinnern, das eine links, das andere rechts, der eine Blick im Blick der anderen, der wieder aus dem der anderen sich verliert mit der Welt.
Ludwig Janssen © 5.5.2013

Sonntag, 7. April 2013

Aphorismus zu Quakfröschchen und Seelen

Die Größe einer alten Seele verhält sich zu Kindern wie stille Seen zu kleinen Fröschen. Springt einer hinein, quittiert das Wasser dies mit leisem „Glück!“ und Wellenkreisen, in denen sich Spiegelbilder wiegen. Der See bleibt, wo er ist, die Frösche kommen und gehen.
 
Ludwig Janssen © 9.3.2006