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Sonntag, 13. Juni 2021

moon, imbued with sunlight

I, a moon, hope some of the lyrical rays you outpour remain within you to let the beauty of your mind shine at night when that darkness springing from doubt, sorrow and grief makes ones mind longing [as all moons do] for a sun to come and - sun, sun, sun, here it comes [do do do]

Ludwig Janssen © 5.6.2021

Sonntag, 20. Mai 2018

Heuer höre ich den Kuckuck nicht rufen ...

Wenn es dich tröstet, kann ich dir von einem Kuckuck berichten, der sich in eine Uhr aus dem Schwarzwald verliebt hatte und seitdem jeden Morgen auf der Fensterbank zu deren Stube sitzt und ihrem Rufen lauscht. Er meint, dass es Stunde um Stunde schlimmer um sie und ihre Sehnsucht nach ihm bestellt sei. Am Mittag hält er das nicht mehr aus und er fliegt schweigend zurück in den Wald, in die Stille. Bis ihn so gegen ein Uhr nachts, weil da die Stille der Welt ihren tiefsten Atemzug nimmt, ihr einsamer Ruf wieder erreicht. Vielleicht ist es so und nicht anders.


Ludwig Janssen © 20.5.2018

Montag, 1. Mai 2017

Ich schreibe Briefe aus dem Niemandsland



Weißt du noch?

"So wie jetzt schreibst du nie wieder ..."

Ich erinnere mich, dass meine Schwägerin das zu mir sagte, ich war siebzehn und schlug mir regelmäßig beim großen Bruder den Magen voll, badete und wusch meine Wäsche, dünn war ich, dünn, verträumt und ahnungslos.

Dass ich "das" unbedingt aufheben solle, meinte sie, denn so würde ich nie wieder schreiben. Den Klang ihrer Stimme habe ich noch in den Ohren, es ist dieselbe, die jetzt am Telefon hunderte von Kilometern weiter westlich nach dem Bruder ruft oder mir zuvor sagte, dass es ein großer Vertrauensbeweis sei, wenn man mich "so aus der Lamäng" verließe. Doch damals meinte sie, dass ich nie mehr so denken und schreiben würde wie mit siebzehn.

Siebzehn! Mein Gott, ich war auch einmal siebzehn, ein ganzes Jahr lang, und dieses Jahr war ein sehr langes Jahr - ich schrappte sooo dicht am H vorbei, in dem ich einige meiner Freunde zurücklassen würde, bevor ich nicht mehr siebzehn wäre, das wusste ich da noch nicht. Ich schrieb, sah die Welt an, die Welt sah mich an, ich schrieb.

"Haben Sie so etwas öfter?", fragte Frau Stamm, meine Frau Stamm, die Frau Stamm, die erste Lehrerin, der ich Gedichte von mir zeigte - sie hatte mein Vertrauen, weil sie Gegensätzliches gelten ließ und meine Aufsätze waren das immer, verglichen mit denen der Klassenbesten, das Gegenteil. Aber gut, eigen, und "Tugend ist, wenn keiner kommt" - Frau Stamm - wie sonderbar prüfend und warmherzig zugleich schaute sie das fremde Mädchen an, das ich mitbrachte. Ins Theater, man gab Ibsens Wildente. Ob die von mir ob ihres Sinns für die Jugend im Stillen verehrte Dame mit immer lebendigen braunen Augen nun, im Foyer während der Pause, die klassische Schönheit, die feingeschnittenen Züge meines Mädchens mit dem Gedicht von mir abglich, das sie gelesen hatte? Frau Stamm, Hand aufs Herz, die Kleine habe ich nach der Vorführung in die U-Bahn gesetzt und nie wieder gesehen, kannte sie kaum, aber ich hatte doch die zweite Karte, und ... :)

Ich hob in der Tat nur wenig auf aus dieser Zeit, vieles ging verloren, was andere als ich wegwarfen, als sie mich loswerden wollten. Nichts wirklich Wichtiges ging in die Brüche, damals nicht, gestern nicht und morgen wirds nicht anders sein. Der Krug am Brunnen ist nur ein Gefäß, Wasser trinkt man, trägt es nicht in der Gegend umher.

Da gebe ich einem jungen Menschen mal diesen Ratschlag meiner Schwägerin weiter, denn er ist klug. Bewahre, was du mit siebzehn schreibst. Ich habe einmal Sachen verglichen, die ich mit 24 schrieb, die strahlen eigentlich dieselbe Geisteshaltung aus wie die, die ich zum Zeitpunkt des Lesens hatte, so um die Vierzig war ich da, und selbst, wenn ich als Neunundvierzigjähriger anders in die Welt schaue als mit siebzehn, ist noch derselbe Mensch in mir. Derselbe Träumer, Spinner, der Weiche, Verletzliche, der Verlierer, nur eben noch einen Tick nachdenklicher und daher langsam, noch "sehender" und dadurch mit Skrupeln und (immer wieder mehr) zaudernd in der Sache wie entschlossen zugleich, wenn es gilt, etwas abzuschließen. Wie soll man sich auch wehren, wenn man Kinder durch die Welt zu tragen hat - und wessen oder wem soll man wehren, wenn die nicht mehr sind?

Ich erinnere mich noch gut, wie ich mich als Jugendlicher an der Welt blutig stieß, die mich in Frage stellte, was sie heute auch noch macht, nur eben anders, kälter und derart berechnend, dass ich keine Lust auf sie habe. Ping, pang, pung - auf die Welt, wie die mit den Taschenrechnern sie sich ausdenken und mir vorhalten: die überzogene Rechnung für Handaufhalten und Erniedrigungen, die ich nie bestellte, sondern nur ertrug.

Denke ich mir halt eine eigene Welt aus.
So wie du.
Und schreibe aus dem Niemandsland.
So wie du.
Briefe.
Eigentlich sind die für mich. Ich lasse nur mitlesen.
So wie du.

Jetzt ist es schon ein Brief, nicht wahr? Komm, lies und stelle dir vor, dass ich ihn an dich schrieb, weil ich dir nichts Gescheiteres sagen konnte, als von mir zu erzählen, und daher vom Gefühl schrieb, mit dem ich aus deinem Text wieder herauskam.

Ich war unterwegs mit einer jungen Frau, streifte durch nächtliche Gärten, schaute ihr zu und atmete ein, atmete aus, ein "alter Mann" wird so wieder jung, siebzehn, läuft durchs nächtliche Bonn, bringt seine Begleitung zur U-Bahn und trollt sich dann Richtung Endenich, die Poppelsdorfer Allee hinunter, schmeckt die Nacht, würde gerne wieder siebzehn sein und der Deutschlehrerin erklären, dass er jetzt viel lieber mit ihr bei einem starken Kaffee sitzen und übers Theater, über Gedichte reden würde. Jetzt, zweiunddreißig Jahre später, fällt mir das ein.

Auch diesen Brief hier schicke ich ins Niemandsland - wer weiß, wer ihn liest ...
Vielleicht wird noch ein gescheiter Text daraus, den Anfang habe ich schon ein paar Tage im Kopf.
Schenk uns ein Lächeln! Danke.


Ludwig Janssen © 19.8.2008 (21.03.2008)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Vertraute Unbekannte

Du. Eines der lieben, bist in meinem Kopf.
Von dir gibt es ein ganzes Land dort zu finden
ohne Karten, ausgebreitet, ohne Menschenfuß.
Doch aus Mensch nur, schmiegt es sich an dich
wie der Horizont das vermag, niemals nimmt,
nimmt es Teil von dem An, das es nicht hat
oder den oder an oder ab oder zu, monden,
gleich oder viel Leicht, wenn schwer fällt, was
schwer wiegt, wog, sich wiegte und wagte
die Nähe zu dir, zum unbekannten Land in
einem Glas Milch und Brombeerhecken finde
ich von dir, ein Plätzchen für mich, ein wenig
die Linie entlang Zwischen, Himmel und Erde
und Meer, mir menschlich entgegen und klug
irgend dein Wie summt es, spielt es und erwartet
nichts, wartet nicht, zartet vor sich hin und so
verlande ich von dem, was zu mir weht, was Falben
sind am Küchentisch, weiß ich von dir und was
dich bewegt, so spannt ein Himmel sich über das
Land, das Du, dieses denkwürdige Du, das meines
ist und deines auch, fern deinem Bauch und fern
deinem gelebten Ich und Du von mir, einem Land
ohne Karten und Menschenfuß, mit Himmel und
ohne Erwarten, das da ist, entsteht aus unser beider
Begegnen … - Möge der Himmel dich segnen.

Ludwig Janssen © 23.12.2008

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Brief von Sekante

Lieber Kreis,

der du in deinem Rund mich hältst, zum Kuss der Hypotenuse erhebst, was treibt dich um?

Liegst da in deiner Zweidimensionalität, suchst, dass ich mich einzig wähne, süße Worte, gibst dich wund … und?

Kuss der Hypotenuse, ja, und die Katheten? Was du quakquaken über eine von drei Seiten, eine, nur eine von dreien (?!) ließest, bin ich. Nein, von mir ist, was dich schneidet, nicht tangierte, nicht passierte.

Nichts passierte, meinst du, und doch hast du, der du dich wund gibst und geschnitten, mich in dir, liegst ungerührt so voll und rund um drei von uns, die ihre Schenkel …

Willig. Du schließt ein, bemüht um Ebenmaß, die aus Pytha, aus Go, aus Ras anreisten, Sekanten, die dein Zeiger zu Sekunden zählt? Kuss der Hypotenuse, du Kreis, ist Widerhall in dir, ist, wenn wir gleich sein sollen, wie du sagst, und keine geringer als die andere, das dreimal in dir: Wie viel A, wie viel B und b nach c – welch Gequake! Welch ein Lärm!

Was mich halbiert, so schwer fällt es dem Punkte zu, an dem die anderen dich berühren, wie du mir schriebst, in dir aufgehen oder auf ewig schmerzlich Ort des Abschieds bleiben. Du rundest stumm für dich, um uns, schweigst und genießt: Das Ebenmaß unserer Schenkel, die sich dir öffnen. Dazu trägst du in deiner eignen Mitte die des kleinen Runds, das aus unser dreier Schwerlinien Aufeinandertreffen knospend sich in dir an uns schmiegt, uns tangiert, mich zur Tangente macht. Tangente, Kreis, Tangente! Tangente, das bedeutet: nur ein Punkt, Kreis! Nur ein Punkt gehört mir, mir allein und ganz.

Du willst mich in dir wissen, dich weiß ich, wenn auch klein, an mich geschmiegt – du kannst nicht anders, dort als Innenkreis, und alles Dreieck, dem ich Seite, ist eines nur von vielen möglichen, die mehr als nur Tangente für dich oder en passant …

Wo, Kreis, träumte dir unser Kennenlernen?

Du bist mir Weh, Kreis.

Deine Sekante


Ludwig Janssen © 15.8.2010

Brief an Sekante

Liebe Sekante,

du bist, nicht nur zu mir, immer erfrischend geradeheraus.
Als wir uns kennenlernten, wusste ich noch nicht, was diese Berührung aus mir werden lassen, wie sie mich verändern würde - es lag ein Zauber in ihr, den du aus der Endlosigkeit mitbrachtest. Ein Zauber, der diesem Punkt Ewigkeit bescherte und den du auch für dich behalten solltest, doch wusste ich das da noch nicht.

Wie ein heißes Messer durch die Butter gingst du durch mich hindurch - und gingst. Tratest an einem ebenso wie sein Gegenüber mir jetzt ewigen, aber schmerzlich dimensionslosen Fleck meines in sich geschlossenen Kreisens aus meinem Rund und verlorst dich im Unendlichen, aus dem kamst.

Wirklich?

Nein. Wirklich blieb mir ein Teil von dir, ein Teil, der zu dir gehört auf ... nun, ja - warum nicht auf immer und ewig? Der Teil, der mich teilt, in und zu was auch immer. Lass die Leute reden, dass du nicht zu mir passtest, dass ich dir nicht den Raum geben konnte, der dir zusteht, den du brauchst, um du selbst sein zu können. Ich bin geschnitten, ja, nicht wund, nicht weh, in mir:

Der Kuss der Hypotenuse. Allem Kathete und Ankathete bist du mir von A nach B, bist c quakquak. Quakst aus und allem a, was quakt und b quakendratet recht winklig in einem runden Teich - 'Wie hieß der doch gleich?' - wirst du dir denken, irgendwo da draußen, das also mir und dir Außen ist und Drumherum, bist du immerwährendes c quakquak.

Hier, mir und in mir bist du und bleibst: Sekante.

Danke, Sekante!


Ludwig Janssen © 13.8.2010