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Sonntag, 8. Februar 2026

Zwei am Meer

Dünung Bewegung ferner Stürme Schweigen

Wörter darin schwimmen schon lange nicht

mehr mein treiben Wolken salzige Luft landein

Wellenschlag verläuft flüsternd im Ufertraum

Schaum knistert Muschelschale wispert kaum

Tiefe Treibholz vergangener Schiffe landet an

dann Erzähltes zu deinen Füßen Horizonte


Ludwig Janssen © 8.2.2026

Montag, 12. September 2022

schnüren

schnüren ...
... irgendwann macht man sich auf und sucht, warum auch immer. fragen gibt es nicht, der schnee ist frisch, leises knurspeln unter den sohlen das einzige geräusch. blauer vollmond - die sonne scheint. dann stößt man auf eine spur und hält ein inne.
fest - und es zerfällt. da ist noch mehr. verwittert, so flüstert ein datum. frisch, raunt ein blinder seefahrer. schnüren ...
 ... diese spur entlang und einen gedanken, den man sich nicht einzigartig denken kann, so vertraut die abfolge längst verlorenen schreitens. flucht? kreisen? aufbruch? spur ohne witterung, bytes ohne duft, der eigene atem trügerisch warm an kalten kristallen. die hielten nur die form. einzigartig. jedes menschen leben einzig, verwundbar. schnüren ...
... blutstropfen. der fuchs hört ihr pulsen ...


Ludwig Janssen © 8.2.2005 

Dienstag, 20. Oktober 2015

Vertraute Unbekannte

Du. Eines der lieben, bist in meinem Kopf.
Von dir gibt es ein ganzes Land dort zu finden
ohne Karten, ausgebreitet, ohne Menschenfuß.
Doch aus Mensch nur, schmiegt es sich an dich
wie der Horizont das vermag, niemals nimmt,
nimmt es Teil von dem An, das es nicht hat
oder den oder an oder ab oder zu, monden,
gleich oder viel Leicht, wenn schwer fällt, was
schwer wiegt, wog, sich wiegte und wagte
die Nähe zu dir, zum unbekannten Land in
einem Glas Milch und Brombeerhecken finde
ich von dir, ein Plätzchen für mich, ein wenig
die Linie entlang Zwischen, Himmel und Erde
und Meer, mir menschlich entgegen und klug
irgend dein Wie summt es, spielt es und erwartet
nichts, wartet nicht, zartet vor sich hin und so
verlande ich von dem, was zu mir weht, was Falben
sind am Küchentisch, weiß ich von dir und was
dich bewegt, so spannt ein Himmel sich über das
Land, das Du, dieses denkwürdige Du, das meines
ist und deines auch, fern deinem Bauch und fern
deinem gelebten Ich und Du von mir, einem Land
ohne Karten und Menschenfuß, mit Himmel und
ohne Erwarten, das da ist, entsteht aus unser beider
Begegnen … - Möge der Himmel dich segnen.

Ludwig Janssen © 23.12.2008

Freitag, 25. Oktober 2013

Zum Schreiben: Die Sache mit dem inneren Abstand

„Volare“ heißt „fliegen“, und „Lumen“ bezeichnet „lichte Weite“. 

Abstand ist Distanz, und diese Distanz lässt sich, je nachdem, in welcher Dimension wir uns bewegen, in Längen- oder auch Raum- und (sogar) Zeiteinheiten ausdrücken. Was uns bewegt, Abstand zu halten oder zu nehmen, jedoch nicht. 

Beim Schreiben, vor allem beim Veröffentlichen von fiktionalen wie faktualen Texten ist das so eine Sache mit dem Abstand, der Distanz.
So soll von Nutzen sein, sagt man, wenn man innerlich Abstand einnimmt zu einem Text, den man in einem Medium auszustellen beabsichtigt, das unmittelbaren und ebenso anonymen wie auch distanzlosen Zugriff ermöglicht auf alles, was man ihm anvertraut. Ein seltsamer Rat, nicht wahr?

Abstand einnehmen, gar – „gewinnen“? Warum? Wozu? Man schreibt mit Herzblut, wenn man Glück hat, mit Verstand – und die weniger Begabten unter den Autoren schreiben mit zumindest von Gönnern zumeist so ungefragt wie aufdringlich attestiertem Talent. Was? Texte natürlich, die ebenso ungefragt wie aufdringlich daherkommen und gelobt werden wollen, oder? 

Ja, oder!

Das jedoch interessiert kaum einen der Schreiber, und die Leser unter den Schreibern, die verstanden, klinken sich an dieser Stelle der Kolumne mit wissendem Lächeln aus und gehen in Gleitflug über auf nimmermüder Suche nach Thermik. 

Abstand und Nähe – zwei Gesichter, zwei Fratzen. 

Kann man den Sicherheitsabstand, den ein umsichtiger Fahrer auf der Autobahn zu vorausfahrenden Fahrzeugen einhalten sollte, zum Vergleich heranziehen, kann man? Taugen die zugehörigen technischen Begriffe wie Reaktionszeit und Bremsweg zum Gleichnis? Oh, ja. Blech- und Personenschaden ebenso, und, und, und … Und auch wieder nicht. 

Ich selbst mag gern, wenn es um Texte, ums Veröffentlichen, Austausch und Kritik geht, von der – nein, hier passt „einer“ - Begegnung zum und über dem Wort schreiben.

Bei dieser Begegnung kommt es zum Wechselspiel von Distanz und Nähe, die einen nennen es oder empfinden es als Tanz, andere wieder handhaben dieses Wechselspiel mit derselben Verve und demselben Einfühlungsvermögen, aber auch demselben Vergnügen, mit dem sie auf dem Jahrmarkt Autoscooter fahren. Unglücklicherweise sitzt manchmal in der elektrifizierten Chaise, die da wer anbumst, jemand, der gedankenverloren seine Kreise drehen wollte. Womöglich das Herzchen des Rüpels am Rande. Oder umgekehrt.  

Nun sitzen also im Autoscooter auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten die unterschiedlichsten Figuren und Chosen, schreibend oder hineingeschrieben in einer oder als Chaise, wähnen sich womöglich – oder, kaum nachzuweisen – geben sich auf einer Chaiselongue. Besondere Prachtexemplare geben sich und anderen auf der Chaise(longue) den Dichter. 

… und werden angebumst. 

Mit diesen Leuten kann man schwerlich einen Diskurs zu Distanz und Nähe einvernehmlich beenden. Ebenso wenig, wie man ihnen nahekommen konnte oder fernbleiben mochte, eher fern bleiben mag man da, als sich in Nähe verlieren oder (in) Distanzlosigkeiten finden. 

Schon gut, wenn man da Distanz wahren kann. 

Eben jene Distanz, die man zuvor gewann. Aus Diskursen, aus Nachdenken oder halt den Erfahrungen auf dem Autoscooter. Von solcher Distanz also legt man ein gerüttelt Maß zwischen sich und den Text, den man dem Lesen anderer preisgibt. Gerade so wie eine Hand auf den nackten Hintern im Darkroom oder die Fingerspitze auf die willig gebotenen Lippen der unbekannten Muse. 

Macht nicht jeder? 

Ja, stimmt. 

Das ist so ähnlich wie mit dem „Ja, oder!“ weiter oben, nur dass jetzt ich es bin, der sich an dieser Stelle der Kolumne ausklinkt und mit wissendem Lächeln übergeht in Gleitflug – und auf nimmermüde Suche nach Thermik. 

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass „VOlumen“ für „Rauminhalt“ steht und „Fassungsvermögen“, nicht jedoch für Gehalt – und dass LARE ein wOrt ist, mir jedenfalls.
Ludwig Janssen © 8.6.2010

Samstag, 23. Februar 2013

Im Jardin de la Démence

Ihr Blick ist über einem fernen Leben
so müd geworden, dass er nichts mehr hält
uns ist, als hätten sie nicht mehr zu geben
als eine unsrem Streben fremde Welt

Im müden Schlurfen ihrer schwachen Schritte
die sich in nimmermüdem Kreisen drehn
verlor ihr Suchen lang schon jede Mitte
an Schattenuhren, will nach Hause gehn

Doch manchmal zeigt sich lächelnd für Sekunden
ein Augenblick, der uns zu ihnen führt
lässt unsren angeschlagnen Mut gesunden
derweil ihr Blick aufs Neue sich verliert


in bewusst gewählter Anlehnung an "Der Panther" von Rilke

Ludwig Janssen © 16.12.2009