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Dienstag, 9. Mai 2017

Frauenparkplatz



Sicherlich liegt es nur daran, dass ich vorn am Eingang bin, da, wo es immer hell ist. Auf jeden Fall steuert sie mich zielstrebig an und belegt mich, vorwärts, natürlich. Es dauert ein wenig, bis sie aufmacht. Die Handbremse rastet hörbar scharf ein. Sie trägt Strapse, soviel ist sicher, als sich ihre Schenkel über mir öffnen. Ganz leicht beugt sie sich zurück - die Scheinwerfer erlöschen. Ich warte, dass sie aussteigt, den Rock glatt streicht und mich verlässt, in eine Ahnung von Poem gehüllt.

Solche wie mich muss es wohl geben, damit Frauen wie sie sich sicher fühlen. In die Stadt kommen, nachts, wenn alle Katzen grau sind und es eigentlich nicht sein wollen, selbst die Mäuschen, die nicht anders können. Sie nehmen mich dankbar an, schließlich bin ich frei, wie erwähnt ausreichend belichtet und zugänglich. Keine weiten Wege. Bisweilen stehle ich mir einen kurzen, intensiven Blick auf ihre Geheimnisse und sie sind froh, dass es mich gibt. Das genügt.


Doch mit ihr ist das anders. Hallo! Hallo! Sie scheint sich wohl zu fühlen, bleibt, knipst ihre grünen Lichter an und betritt eine Bar, geht shoppen. Der Typ am Tresen wandert als erster auf ihre Wunschliste. Dreitagebart, modisch gekleidet, gut gewachsen. Ich frage mich, ob auch sein Knackarsch solariumbraun ist. Seine gepflegten, feingliedrigen Hände schließen sich um einen exklusiven Cocktail, während er lässig am Tresen lehnt und mit blödem Grinsen zu ihr her schaut.

Sie ist fertig. Der Dreitagebart löst sich vom Tresen, landet nach kurzem Anlauf in ihrem Sack und dann im Kofferraum. High Heels klackern auf Terrazzo. Schenkel, Strapse, Poem, Zündung, Handbremse, Scheinwerfer und eine Wolke verbrannten Benzins zwischen Betonpfeilern.

Bereit für die nächste. Ein Paar Lichtkegel tastet sich zögernd über schwarze Ölflecken. Ich sollte auf mich aufmerksam machen. Nicht so flach sein, uninteressant bereitwillig, so berechenbar konstant. Ich habe einen Plan. Morgen wird in der Zeitung stehen, dass im Parkhaus am Bahnhof einer der Frauenparkplätze fehlt. Dann bin ich unterwegs. Schwarzer Unterbodenschutz mit kirschroten Schwellern schiebt sich über mich. Mania? Chanel!


Ludwig Janssen © 26.2.2006

Mittwoch, 19. April 2017

Füchsleins Sophie und der Zauberhaft

Vor Jahren ein Sommer ... junges Füchslein tippelt ... über die Straße in den Mais, sitzt da und guckt. Ich sitz da und guck. Wir schauen uns an.

I
ch denke: Hast wohl keine Angst, Füchslein denkt: Was guckst du? ... oder auch nichts.  Ist auch egal, denn immer, wenn ich seitdem an dieser Stelle bin, denke ich ans Füchslein, an diesen Augenblick.

Ist das jetzt Philosophuchsie oder heißen so Blumen? War es Füchslein Sophie? Ist dies ein Gedicht?

Weiß ich nicht, aber ich weiß: Der Zauberhaft überwintert in meinem Herzen!


Ludwig Janssen © 3.10.2004/19.4.2017

Sonntag, 19. März 2017

Die Sache mit dem Ding Dong


Meine Freundin reduziert mich immer auf mein Ding Dong.
Halt!
Wer jetzt meint, es ginge um Sex, irrt.

Doch wer von euch hat ein Klangspiel vor dem Fenster? Nur Mut!

Und wer gibt zu, manchmal im wohligen Dämmerzustand zwischen Lummerland und Schlummerland darauf zu lauschen, aus dem Dingdong der Röhrchen etwas von Bedeutung herauszuhören?


Ding-Dong ist Weisheit. Ding-Dong beinhaltet eine in sich geschlossene und erfüllte Philosophie. Klangtechnisch. Nicht etwa die von Ding und Dang, nein. Die Weisheit des Ding-Dong besagt, dass wir eher "dings" sind, verloren und auf der Suche nach dem wahren "DONG". Dabei füllen wir uns an mit lauter „dong“, „ding“ und Dingen, die eher Dung sind und körperlichem Ding zuträglicher als geistigem Dong. Ja, ja - unser ewig Suchen nach dem passenden „ding“ zu unserem „dong“, nach dem DONG, das wir ersehnen und fürchten zugleich, das wir lieben und doch weit von uns schieben.

Doch was wäre das Ding ohne Dong?

Nur Ding wäre es, bliebe es
und ginge den Weg aller Dinge,
die sich schon in so etwas Profanem wie
Raum und Zeit - verlieren
oder spätestens mit ihnen.

“Ding-Ding“ überall. Laut sind die Dinge unter sich, omnipräsent lästig. Und das kleine „ding“ in uns lauscht vergeblich auf Antwort.

Neulich, es war Dingstag oder Dongtag, hörte ich, dass Ding Dong eine weiße Frau geschnappt und sich auf ein Hochhaus zurückgezogen hätte. Dort würden Flugmaschinen um seine schmächtige Gestalt kreisen und auf das Ding schießen. Der Mensch kann wohl nicht anders. Weil er nicht begreift, was sich da tief in ihm nach Erfüllung sehnt, schießt er es vorsichtshalber über den Haufen, wenn es sich draußen blicken lässt.

Wenn euer „ding“ jetzt ein klitzekleines „dong“ erfuhr, und ich meine jetzt das kleine „ding“ tief in uns, dass sich nach dem großen DONG sehnt: Die Dinge dingt dongpliziert, dungdänglich wie das Dungiversum. Dung edängso dungerklärlich, dongseidang.

Wir sind das Ding.

Donggggggg…
Ludwig Janssen © 21.4.2007

Samstag, 3. Dezember 2016

Der Tacheles und ich


Neulich, die Sonne schien noch warm und der Tag hatte ein Lächeln für mich übrig, da traf ich den Tacheles in Regensburg, wie er durch die Altstadt hetzte. Servus, was machst denn du hier, rief ich ihm zu und er hielt inne, erkannte mich wieder und kam zu mir. Unterwegs, meinte er, immer im Stress, immer bissi busy. Gestresst war er. Gar nicht gut schaute er aus, der alte Tacheles. Zaunnageldürr, blass, die Haare hingen in Strähnen von der Stirn, sein Blick flackerte unruhig aus tiefen Augenhöhlen und die Haut schimmerte bläulich aus faltigen Schluchten.

Und – wie laufen die Geschäfte, Tacheles? Immer schön freundlich sein, dachte ich mir, Tacheles kann bekanntlich ziemlich ungemütlich werden.
Der dürre Kerl grinste zufrieden:
Alles bestens! Ich komme viel herum, bin ja Allerweltssprachler, der Universalschlüssel zur Lösung zwischenmenschlicher Probleme und kenne alles und jeden durch und durch. Man liebt mich! Ich bin die unverblümte reine Wahrheit, ich bin der, der unbedingt gesagt gehört – ich bin ihr Gott! Und neben mir, du weißt schon –

Du arrogante Sau, dachte ich so bei mir.

Die stille Aussprache unter vier Augen kam mir in den Sinn und wie schön sie ist, wenn sie ihr langes, geduldiges Wort offen trägt.

Ich habe’ auch keine Zeit, wollte er mir schon davonspringen, doch ich hielt ihn an der Jacke und lud ihn ein, sich zu mir zu setzen. Das Straßencafé hatte die Bestuhlung noch nicht verräumt, die Bedienung war hübsch, das Wetter schön, und so lud ich ihn ein auf eine Tasse Tee. Tee ist gut, meinte Tacheles, da hab ich Pause, da will niemand mich reden. Da wird nur „geplaudert“, zog er verächtlich die Mundwinkel nach unten.

Da saß ich also mit dem Tacheles an einem Tisch, mitten im Getümmel, und die Leute schauten ein wenig irritiert zu uns herüber. Nicht einer wagte es, mich auf den blassen Tacheles an meiner Seite anzusprechen. Fühlt sich ein wenig nach Respekt hat, dachte ich. Natürlich setzte sich auch niemand zu uns, aber das störte nicht weiter.

Ja, gönn’ dir doch mal eine Auszeit, verströmte ich schultafelgrüne Gelassenheit, schob ihm den Zucker rüber und fragte, warum er nur so dermaßen gehetzt wirke.

Tacheles schaute mich groß an. Ja, hast du denn überhaupt eine Ahnung, was ich durchmache? Die ganze Zeit will mich wer reden, natürlich nicht, wenn’s mir passt, sondern wenn er meint, dass die Gelegenheit günstig wäre, und so hetzte ich von einem „günstigen“ Zeitpunkt zum nächsten. Dann redet man mich einfach drauflos, und ich allein soll die Karre aus dem Dreck ziehen. Und noch schlimmer – meistens versetzt man mich, kaum dass ich da bin, lässt mich fallen, sogar vorsätzlich und aus gutem Grund!

Dabei …

Sag mal, Tachilein (das Flackern in seinen Augen wurde zum Flimmern), warum auch lässt du dir das gefallen? Worte sind doch nur Schall und Rauch – und wenn du das noch länger mitmachst und dich von jedem Heini daherreden lässt, blüht dir dasselbe. Schließlich wirst du ja bloß daher geredet und weder gemalt oder gehört. Überhaupt, hat schon mal irgendein Mensch erklärt, dass er dich gehört hätte, hä?

Verschwörerisch beugte ich mich zu ihm hinüber. Alter, raunte ich, das geht auf Dauer nicht gut aus mit dir. Das darfst du dir nicht gefallen lassen, legte ich meine Hand auf seine kalte Pratze. Und hat dich schon irgendwer ernst genommen, war da auch nur einer dankbar, dass du immer zur Stelle bist und er dich der Welt vor die Füße rotzen kann?

Sah so aus, als würde Tacheles nachdenken. Ich hakte nach:

Fällt dir nie auf, dass das Schwätzer sind, die dich da reden, die sich nicht darum scheren, ob du auch willkommen bist, angenommen wirst, redete ich mich in Rage.

Tacheles hob beschwichtigend die Hand, als wolle er etwas einwenden.

Die schwadern eine Blase nach der anderen, blubbern dich einem anderen um die Ohren, der sich aber nur so was von einen Schoaß für dich interessiert, dass du in der Mitt’n verreggst.

Tacheles zuckte sichtlich zusammen, drückte sich im Stuhl nach hinten.

Und das alles keena deise Windbeidl, dei gscherten Zwiedawuazn nur mocha, weilst dou des mit dir moocha lässt, du Oaschlooch!!!

Jetzt kippte Tacheles mitsamt Stuhl hintüber und klatschte mit dem Hinterkopf aufs Pflaster, dass es nur so knackte.

Lag da und glotzte.

Ja, was starrst du mich so an? Bin etwa ich hier das Hirngespinst? Wie ist das, wenn man so den Spiegel vorgehalten bekommt, hä? Ich will ja nur dein Bestes, Alter, aber es wurde höchste Zeit, dass dir jemand sagt, was Sache ist! Tacheles’ Gesichtsfarbe wechselte von blassblau zu gelbgrün.

Er rappelte sich hastig auf, stolperte über den Stuhl, den er, rücksichtslos wie er ist, natürlich hatte liegen lassen und nestelte an seiner speckigen Westentasche: Ach, mein Pieper, muss los, da will mich wieder wer – Tschü - hühsss …

Ja, ja, holte ich Luft, doch Tacheles sprang schon die Untere Bachgasse hinunter und verschwand in der Menge. Wahrscheinlich völlig aufgelöst in Schall und Rauch.

Derweil kam das Lächeln unter vier Augen auf mich zu und nahm mich tröstend in sein offenes Wort.

Also, wenn da wer mit dir, du weißt schon, bestell Tacheles einen schönen Gruß von mir …


Ludwig Janssen © 6.10.2007

Samstag, 12. Juli 2014

Vom Jetzt, vom Zwischen und dem Raum in Gedichten


Warum das Suchen nach Begegnung? Die Hände feucht, in den Schläfen tuckert ein Diesel, im Hals ein Frosch - auf Abruf, natürlich.


Ich suche das Zwischen. Jenen flüchtigen Augenblick, von dem wir nicht mehr wahrnehmen als die Spuren, die er lässt in uns, und die Spuren, die wir ihm lassen in diesem Zwischen:
Raum um uns.
Ohne Zeit wie das JETZT! der Gegenwart sich verlierend im nächsten Moment auf ein Neues. Und da hinein lausche ich und schicke: ein Gedicht, als solches so zweidimensional entfaltet es sich zu Meer in uns. Sein Herz schlägt im Leser, im Zuhörer: Schicksal offen, wenn ihr es seid - und wie. Und das wieder ist der Zauber des Dichten:
Raum! Der nun wieder in unserem Zwischen: All, den Seifenblasenhäuten um jeden von uns in jenem Zwischen, in dem wir menschlich sind.

Ludwig Janssen © 15.11.2005/überarbeitet 12.7.2014

 

Mittwoch, 20. November 2013

Ein Maulvoll Held

Poetry-Slam. Zum Sieg braucht man Applaus. Zum Applaus braucht man Lacher, denn die meisten sind eher betrunken als nachdenklich. Konsumhaltung Lustig. Ein-, zweimal Jesus die Kappe vom Kopp hauen oder Gott in den Hintern treten, einen Gott, den die meisten der Zuhörer für eine Figur im Kasperletheater halten, quasi eine Art weißes, bärtiges Krokodil, dem der Kasper eins mit der Klatsche gibt.

Bin mir uneins, an was es liegen mag, dass von solchen Gottlästerern und Jesus-Bashern viel zu lesen ist. Zumal unklar ist, ob sie leugnen, wen sie lästern oder ablehnen, ob sie kennen, was sie ablehnen. Also, ob sie Gotteslästerer sind oder schlicht Gott-Lästerer. Mit dem Wort, mit dem Wort Gott springen sie um, weils ihnen nicht viel mehr ist als das, ein Wort. Doch … was ist mit Allah? Dem Wort. Mit Mohammed? Wird der nicht abgelehnt?

Nein, mit Allah scheint nicht gut Kirschen essen zu sein, dem klaut man keine Äppel aus dem Garten, und selbst Leute, die jeden Sonntag Jesus vom Kreuz reißen, reißen keine Witze über Allah, über den Propheten Mohammed, den Propheten Isa ibn Maryam, der ja eigentlich nicht gekreuzigt wurde. Oder etwa doch? Was Toleranz angeht, eigentlich auch den Respekt vor dem Andersdenkenden, den anders Denkenden gibt’s ja nicht, so scheint es keinen Unterschied zu machen, ob man es mit einem glühenden Verehrer Gottes zu tun hat oder mit einem, der Gott, eigentlich eher jegliche Religion, ablehnt.

Amüsant ist, dass die Jesus-Basher und Gott-die Kappe-vom-Kopp-Klopfer sich gerade an den Memen festkrallen, die Nachsicht, Versöhnung und Liebe leben wollen und sich dezent zurückhalten gegenüber solchen Memen, die auch gleich mal den Gottesstaat errichten wollen, religiös begründete Rechtsprechung einführen und den heiligen Krieg in der Pocket-Version für Europäer bereithalten. Die mittelalterlich anmutenden Methoden schinden halt immer noch Eindruck, schrecken ab, wahrscheinlich mehr noch als jedes Hängen und Würgen um diplomatische Korrektheit.

Ich frage mich, ob, würden die ganzen evangelikalen Re-Importe hierzulande sich politisch radikalisieren und Andersdenkenden, die sich an ihren Werten vergreifen, mit dem Tod drohen, nicht erneut still würde um Jesus, die Idee Nächstenliebe, um ethische Werte, die sich auch abseits jeglicher Religion zwar entwickeln können, ihren Ursprung aber in Memen haben, die entweder religiös motiviert waren oder halt Ursprung religiöser Geisteshaltungen sind. Ob wohl die Jesus-Basher angesichts potentieller Gefahr um Leib und Leben schwiegen, also angesichts eines riesigen Krokodils davon absehen würden, die Kasperklatsche herzuzeigen?

Ob wohl hierzulande die Durchdringung der christlichen Religionen über die Jahrhunderte hinweg mit humanistischem, mit liberalem Gedankengut ermöglichte, sie freier, unbefangener zu erleben und zu leben? Ob wohl die Jesus-Basher ein Zeichen dafür sind, wie weit der Gedanke der Nächsten- und, ja, der Feindesliebe tragen kann? Ob wohl jemals die Friedfertigen das Land erben werden? Und wenn ja, wird es eines sein, das nicht durch Krieg unbewohnbar wurde? Ob wohl dem Auslöschen das Auslösen folgen wird?
Ludwig Janssen © 30.11.2012

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Prinzessin Nurphonetis

mit Zelt zahmem Gen Volke
schreit @ und er dem him Mehl
Wassili bebt isst Tasse Leben
All, es Fass Sicht ein pflügt
hinten Klan Körper irrer Graz yeah!

Oh! Zeih Nichte ein Kai bildet
feile tu Clara pisst, Frem, Teer!
Ire, schön, heut isst Bison der’s
Hund Fohlen dete Anna Chi
Krauser, geh’ tanken!

Zoo Kehl langt, Mia nimm als
zinnlos Vieh Main Trauma Frikas
Auster Tunke Leid Inn schlicht:
Main e Prinz Esse in nur Fon ethisch

Ludwig Janssen © 22.7.2005

Samstag, 13. April 2013

Das Schöne am Schreiben

Das Schöne, das mir Schöne am Schreiben hat etwas mit Harmonie zu tun und dem Tick Asymmetrie, der den Unterschied macht zwischen dem Harmonischen und dem Faszinierenden.

Sicherlich – all das ist Wahrnehmung und die bleibt auf die Subjektivität des Betrachtenden beschränkt, und wenn ich also hier vom Schönen am Schreiben fabuliere, hat das etwas von einer Reise durch den Weltraum auf der Suche nach einem zweiten bewohnbaren Planeten, auf dem man mich gastfreundlich empfangen würde.
Das Schöne am Schreiben tritt, meine ich, dann zu Tage, wenn man das, was man schreibt, veröffentlicht. Dann, und auch hier in aller Wehrlosigkeit nur seitens des Schreibers, kommt es zur Begegnung mit Fremden, die Sprache, Kultur – und, für den Augenblick, den Raum mit dir teilen.
Eine Plattform wie ein Internetforum ist in dieser Hinsicht ein zwar virtueller Raum, aber in der Begegnung Text und Leser manifestiert er sich real, realer Raum, der sogleich wieder abtaucht in die Virtualität, nicht anders ist das Vorstellungsvermögen des Lesenden.
Eine mir lange Jahre liebe Art der Begegnung meines Schreibens mit Fremden war der Poetry-Slam in der alten Mälze in Regensburg. In all ihrer Unmittelbarkeit und offenherzigen Aufnahme und auch, ja, Vergeblichkeit. Blieb doch die Begegnung oftmals beschränkt auf die fünf Minuten Vortrag, fünfzehn Sekunden An-, und, passte es (nicht: wars gut!), fünfzehn Sekunden Applaus und Abmoderation.
Was ich an diesen Adrenalin und Serotonin gefluteten Abenden besonders schätzte war, dass ich über die Stunden hinweg denen auf der Bühne einer der Fremden war und beobachten konnte. Manchmal wurde ich dann Zeuge dessen, was ich das Schöne am Schreiben nenne:

Da nimmt jemand sein Herz in die Hand!
Tritt, das Herz in der Hand, auf die Bühne und erzählt sein Schreiben. Veröffentlicht es, das Ver darin dasselbe wie in Verschenken, Verschwenden, Vergeuden - und Universum. In solchen Momenten kommt es oder auch nicht zu dem, was mit Harmonie zu tun hat und dem Tick Asymmetrie, der die zu Faszination reifen lässt. Passen Hand und Herz zueinander? Ja, es macht schon einen Unterschied, ob jemand  sich ein Herz fasst oder das Herz in die Hand nimmt! Und ja, es macht schon einen Unterschied, einen wahr … nehmbaren, ob die Hände Herz halten oder Geste. Ob das Zusammenwirken von Wort, Vortrag und Stimme, von Gestus und Ausdruck, von Intellekt und Geist nur perfekt ist oder fasziniert. Ob das Wort Ort wird oder Örtlichkeit ist, Tatort wird oder Raum, sich zu begegnen.
So sehe ich Hände, Hände, die schreiben, mit Herz darin und oder vielleicht nur Geschriebenem, sehe, ob die Hände und was sie erzählen passen zu dem, was sie halten, herhalten, teilen oder lediglich verteilen, sehe, wenns gut läuft, nur schönes Schreiben oder das Schöne am Schreiben.
Das, was uns für einen Moment das Gefühl gibt, nicht allein zu sein in dieser Welt: Begegnung. Und die, nehme ich diesem Text jeden Pathos und belasse den Wind den Segeln, ist eine zutiefst abhängige und somit fragile Variable dessen, was (nach) dem Schreiben geschehen kann, wenn man veröffentlicht, doch essentieller Teil dessen, was es ein schönes sein lässt.
Vielleicht offenbarte sich mir einen Augenblick Begegnung lang das Schöne im Schreibenden.
Ludwig Janssen © 3.10.2012

Dienstag, 9. April 2013

Nur Sterne (und Alpha-Centauri)

An Gleis 17 küssen sich zwei zum Abschied durch das geschlossene Zugfenster.

Das Buch auf dem Tisch vor mir sagt, Gott sei die Liebe und wer in der Liebe bliebe, bliebe in Gott, und Gott bliebe in ihm. Liebe ist gut, das unterschreibt jeder, will jeder haben. Das ist ein Bestseller, was man von Gott selbst nicht unbedingt behaupten kann, solange er nicht individuell angepasst, portioniert, ansprechend verpackt und entsprechend verschnitten daher kommt. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, sagte er und ich frage mich, wo es denn dann sein soll. Es muss wohl außerhalb der Grenzen dieses Universums liegen. Also gibt es mindestens zwei.

Mir kommt in den Sinn, dass ich von den elf Dimensionen um mich herum auch nur drei erfassen und die vierte in Sekundenscheibchen erleben kann. Scheibchen - eigentlich ist so gut wie nichts von Nichts mit einer hauchdünnen Salamischeibe nur unzureichend beschrieben. Also doch nur eines, und dazu auch noch reichlich unerforscht? Ob Harald Lesch mir zustimmen oder mich zumindest auf ein Glas Rotwein einladen würde wie seinen Philosophenkumpel?

Der Himmel hat keine Löcher, nur Sterne - ein seifenblasiges Gefühl. Und wo ist die Liebe?


Das kugelige Ufo auf dem Tisch vor mir ist randvoll mit Wasser. Sein glubschäugiger Pilot bemüht sich vergeblich, mit mir Kontakt aufzunehmen:

O = O = O

 Der faltenfreie Catsuit schimmert golden.

Was will der von mir?

Jetzt fängt er auch noch das Sprechen an, will philosophieren - er könne nicht erkennen, dass ich mich wie er in einer gläsernen Kugel befände, ringsum nur durch 3mm dickes Glas von einer fremden, lebensbedrohlichen Umwelt abgeschirmt.

Woher will der denn das so genau wissen? Spring doch, sage ich - und schäme mich dafür. Setze ihm auseinander, dass es mir nicht besser geht, dass mein Tastsinn nicht besonders ausgeprägt ist, mein Geruchssinn dem jedes dahergelaufenen Straßenköters hoffnungslos unterlegen und ich weniger höre als eine stinknormale Katze. Dazu tauche ich mein Gesicht bis zu den Ohren in sein Raumschiff und eröffne ihm blubbernd, dass ich nachts beim Blick in den Sternenhimmel nicht die Unendlichkeit sehe, sondern nur bis an die Grenze meines irdischen Erkennens. Und das mache mir Angst:

Gefangen in der Unvollkommenheit meiner Sinne. Rundum geschlossen. Rundum geschlossene Gesellschaft. Rundum geschlossene Anstalt. Wenn das mal kein Goldfischglas ist.

Er scheint beleidigt und beschränkt sich wieder auf: O = O = O. Schwiege Harald Lesch jetzt auch? Vielleicht würde er jetzt sein Gesicht in das große Weinglas stecken und den Kopf in den Nacken werfen.


Der Himmel hat keine Löcher, nur Sterne - ein seifenblasiges Gefühl. Und wo nur ist die Liebe?

Die Kinder im Bus vor mir pressen ihre kalkweißen Gesichter an der Heckscheibe platt und schneiden Grimassen. Wie Bungee-Jumping ist das. Der Goldfisch würde das nicht machen. Goldfische sind demnach klüger als Kinder. Oder ihre intellektuellen Fähigkeiten erschöpfen sich darin, Grenzen hinzunehmen, oder sich zumindest nicht sinnlos die Gesichter daran platt zu drücken. Was für ein Glück. Für die Schulkinder vor mir, doch bin ich im Zweifel, ob sie später nicht doch zu Goldfischen werden, die kugelige Einer-Ufos bevölkern und hin und wieder ein Gurkenglas.

Mitten in der Nacht Alpha-Centauri. Harald Lesch sitzt auf meiner Bettkante und lockt, wir könnten doch unsere Gesichter an der dunkelblauen Heckscheibe über uns platt drücken. Spricht von Reisen mit Lichtgeschwindigkeit und warum die Dinge so sind wie sie sind, dass sie so sind, weil sie so sein können. Nur so. Und dass das kein Zufall ist, lediglich die logische Abfolge der Lage der Dinge nach dem Urknall.
Patsch! Diese Bungee-Heckscheibe kam schneller als erwartet.

Mein Himmel hat keine Löcher, nur Sterne - ein seifenblasiges Gefühl. Wie fühlt sich die Liebe an?

Alpha-Centauri löst sich unter Sphärenklängen in die Quantenwolke auf, als die es in meinen Fernseher fand und von dort in mein Erkennen. Selbst mein Erinnern besteht aus Quanten. Glaskugeln überall. Die Menschen pflanzen sie auf Besenstielen in ihre Gärten, hängen sie im Dezember an geschlachtete Bäumchen und würden gerne ihre kleinen Welten in kleine, sterile Glaskugeln einschließen, solange Welt und Kugel noch heil sind.

Der Bus vor mir bremst und die verdichteten Quantenwolken, die ich als Kinder ausgemacht hatte, wirbeln von der Heckscheibe weg in die Polster der verdichteten Energie in der Tiefe des Busses.


Harald Lesch grinst. In einem Hörsaal irgendwo da draußen.


An Gleis 17 küssen sich zwei zum Abschied durch das geschlossene Zugfenster.


Genau so! Genau so ist es. Mit der Liebe und mit Menschen in Goldfischgläsern.

Mein Himmel hat keine Löcher, nur Sterne – und deiner? Ein seifenblasiges Gefühl, aber ein Gefühl zumindest und die hauchdünne Haut unserer Hülle schillert. Mir ist, als ob sich von irgendwoher ein Finger auf den Weg macht, um mich zu berühren. Wird wohl die Liebe sein. Hoffentlich.

Ludwig Janssen © 21.12.2006
“Uraufführung“: Regensburger Super-Slam 9.3.2007

Donnerstag, 14. Februar 2013

aus alten friedhöfen

in den rücken schleicht sich kühle
feuchte aus dem nassen kurz
rasierten rasens
die beine hoch und unters hemd -
rhododendren
wuchten eigenartig fremd
distanz, als müsse ordnung sein
wo frieden herrscht

nur diesen einen weg
den ging die zeit
dem menschen mit und ohne ihn
hinein und nicht hinaus
schweren schrittes
über platten
ewigkeit

doch wuchs den steinen moos
auf schritt und tritt
dem, der ‚selig, die den frieden…’ rief
(und jenen, die sich’s ausgerechnet hatten)
legte er die platten schief
der gang der dinge -
sonst ist hier nicht viel los

an lauten tagen
da fetzen rasenmäher
millimeter fünfundsiebzig hoch
dass wir im griff haben, was geschieht
bis wieder stille greift ins herz
dann (endlich) reift
die kühle luft den ohren
und reif der amsel lied

dass wir es pflücken:

ruhe herrscht nicht
die erde dreht sich
frieden ist unsortiert


Ludwig Janssen © 6.3.2005



Samstag, 28. März 2009

Mein Muschelstrand

Auf dem Nachttisch
ein Hörer
der leise Laut
sprecher mir aus dem
Herzen, so fern
mündlich wäre ich gern
verbunden bin ich doch
poch
mit dir
poch
und wir
wir einander
Herzschlag, Ohrmuschelstrände
du ~u~n~d~ ich
entlegen, und uns
fern, mündlich, zu dieser nächtlichen
Stunde am Grunde
des Schlafes Du
vielleicht
schon, ja
ich folge dir zu
jener
nächtlicher Stunde
nächtlichem Munde mich
hin
zu geben ...

Ludwig Janssen © 22.3.2009

Samstag, 10. Mai 2008

Rap Suzette

Auf dem Poetry-Slam Regensburg am 18.4.2008 

Ich dachte, heute ein Sonett zu rappen
damit, was Robert Gernhardt scheiße findet
bald als Tattoo um Oberarme windet
Jetzt steh’ ich hier – und mache mich zum Deppen.

Das Metrum zickt – lässt sich von mir nicht knacken
ein Rap jedoch gewinnt mit Binnenreimen;
ich fischte eifrig, doch erwischte keinen -
wie soll ich das mit der Susette packen?

Die nette Suzette liebt den Rap nur, Sonett,
wär dem Sprung mit mir ins Bettchen zugeneigt,
einem Ründchen Schäferstündchen at it’s best

Doch neben mir liegt jetzt ein steifes Brett:
Du, nur du hast meine beste Chance vergeigt,
weil du Aas dich querlegst und nicht rappen lässt.

Da sach ich – ALLER, Sonett, was geht, was geht,
so wuppst du das nich, dass Suzette auf mich steht.
Mit deinem scheiß Metrum steh’ ich wie blöd rum,
muss mit gebildeten Silben vergilben.

Sonett, lass dich gehn, verstehn wir uns richtig
mach mir voll fett krass nass - das Chick und ich krieg
mit süßem Worte - die Torte zum Orte sinnlicher Lust
– mach’ dir das endlich bewusst

dann fick ich dein Reimschema Ah Baby Ah
umarmenden Reim. Ach? Na klar! Wunderbar!
Hast dus? Nur gerappt wirst du King hier im Ring!

Komm, zier dich nicht, hilf mir – ich schwöa dir, ey, Mann
bevor ich geh’ schreib’ ich’n korrektes Sonett
Suzette auf die Brüste - mit Edding – voll phatt! Ludwig Janssen © 28.3.2007

Tastatur: Nomen est Omen


Erotik ist etwas für alte Männer und junge Frauen, ist Phantasie, und Phantasie ist zum Glück haltbarer als Jugend, ist verspielt und spielt sich im Kopf ab - und meiner Phantasie steht heute nichts mehr im Weg.

Nicht heute Nacht, wenn ich …

Ja, wenn …

Meine Fingerspitzen, - wusstest du, dass in jeder Fingerkuppe 700 Spezialisten für Berührung an der Rezeption sitzen? - also mein Fingerspitzengefühl tippelt KLICKEDIKLICK über die kleinen grauen Kiesel der Tastatur vor mir, von denen nicht ein einziger Nerven hat, sondern nur Kontakt. Da sind also gerade 7000 unterwegs, die suchen dich und schottern mit den kleinen Kieseln nicht die knirschenden Kieswege der Literatur, Diplomarbeiten und Steuererklärungen, die sind jetzt unterwegs zu dir, das klingt ein wenig wie Regen, Regentropfen, in böigen Schauern an Fensterglas geworfen. Leerzeichen klackern wie aus dem Wasserhahn getropft, Fragezeichen sind Zweitöner, Klick-Klick, für die brauche ich immer noch die kleine Taste auf der linken Seite dazu, die mit dem kleinen erigierten Phallussymbol, die alles groß macht und steif, die Taste zwischen Strg-Tanga und der Feststelltaste, von der stelle ich fest, dass wir für sie keinen Bedarf haben, noch nicht, wir haben uns nichts in GROSSBUCHSTABEN an den Kopf zu werfen, noch nähern wir uns an und das geht schon lange so, ja, sicherlich taugte sie auch für JA! - trotzdem ist mir die größere Taste rechts mit dem genauso kleinen Phallussymbol zu nah am Bindestrich und an Delete.

Auf meiner Tastatur Beziehungsregenschauer, Mairegen auch winternachts, der dir gleich und unmittelbar über die Haut rieselt, kleine schwarze Vögel, Klangboten, werden Worte, Worte werden, sind Orte, wie gesagt 7000 Gefühlsrezeptoren über elektronischen Kontakten unterwegs auf schnurloser und am langen Ende vielleicht spurloser Verbindung – ich weiß nicht, wie sie dich erreichen und ob du auf deiner Haut fühlst, was sie fühlen, wie behutsam sie sind und …

Natürlich kannst du nicht fühlen, was ich fühle, wir Menschen sind zu Einzelhaft verdonnert, die eigenen fünf Sinne, da kommen wir nicht mehr raus, oder?

Ich kann nur versuchen, mich dir nah zu fühlen, taste mich an dich heran, dabei ist Schreiben ganz anders als Zuhören. Hätte ich dir nicht zugehört, wüsste ich nicht, wie sehr du das All liebst, wie viel mehr du von den Sternen weißt und wie viel Wunderbares für dich in der liegenden Acht eingeschlossen schläft und sich träumt.

Ich bilde mir ein, dich zu ertasten über die Tastatur, nomen est omen, füge die kleinen schwarzen Vögel zu Schwärmen, Phantasie beflügelt und macht übermütig, ich könnte dich auch mit geschlossenen Augen

Wrgs Pux 1 % - ne, geht doch nicht -

Aber Hauptsache, du lächelst jetzt, vielleicht kicherst du sogar, so komme ich dir über die Tastatur näher, als ich es über die Haut je könnte, du fühlst, dass ich eigentlich …

Nein, du fühlst dich, und das wieder ist wie „zugehört werden“ mit mir unter deiner Haut, irgendwo im Bauch, wo gerade dein Zwerchfell hüpft und dein Herz bubbert.

Unsere Lieblingstaste soll die mit der Acht sein, die berühre ich achtsam zweimal, mit den 700 im Zeigefinger, weißt du, später nehme ich auch die Taste mit dem kleinen Du-weißt-schon-Symbol hinzu und nur du weißt, wie intim und vertraut diese Taste mit der Acht dann wird, der erotischste Kiesel der Tastatur. Alles im Fluss, Elektronen unterwegs, im PC hier, später bei dir und da impulsen sie sich durch dein vegetatives Nervensystem, wenn du die 88 siehst, zwei aufrechte geschlossene Unendlichkeiten symbolisieren sich ganz nah aneinander, sind sich gleich und eng zusammen, da ist schnurz, wie unendlich weit weg du jetzt bist, meine Gefühlsrezeptoren sind schon ganz wuschig, überall, jetzt nehme ich die Taste mit dem phallischen Pfeil dazu und (siehst du?) zwei runde Klammern kuscheln sich wie Löffelchen … (( … symbolisieren uns beide am Strand unterm Sternenhimmel.

Der erotischste Kiesel ist der mit der Acht und der Klammer, von meiner Tastatur her klickern Regentropfen an Fensterglas und Schauer lesen sich dir vom Monitor her tief unter die Haut.

Ludwig Janssen © 6.3.2008
 
KURZFASSUNG für den Poetry-Slam in Regensburg am 8.3.2008 (im Rahmen des "United Comedy"-Festivals Regensburg)

Nachtrag: Bedauerlich, dass ein paar junge Leute in 88 nur HH sahen und nicht frei genug waren, sich auf die aufrechte liegende 8 als "Symbol für Unendlich" einlassen zu können ...

Auf der Bühne mit: Bumillo, München; Frank Klötgen, Berlin; Spoken-Word-Legende Bas Böttcher, Berlin; Nadja Schlüter, Berlin; Gauner, Berlin und dem Berliner Slam-Urgestein Wolf Hogekamp; Anatol, Regensburg; Philipp Graf, Regensburg . Toller Abend!

Sonntag, 30. März 2008

Poetry-Slam

Reflexionen.

Woher kommt mir das nun wieder? Und so gelegen.

Verwundert suche ich in den Gesichtern derer, die hier von mir hören wollen, eigentlich aber nicht wirklich meinetwegen herkamen. Die, wie von der Nacht ins Licht geschwemmt, sich zu einem Murmeln finden, einander grüßen und zulächeln, weit weg von mir so nah geht ihr Griff mit dem nächsten Augenaufschlag in meinen Bauch.

Das Blatt wendet sich, mit leisem Knistern in die Erwartung springen - Lösung. Kein Boden, kein Plan, die eigenen Worte fliegen vor mir her und tönen. Mit einem Mal hinter dem Rauschen des eigenen Wasserfalls stehen - ich höre Stecknadeln fallen, sehe Unaufmerksamkeiten und fühle mich mit meinen Worten treiben - Klang, Geräusch hüllt mich ein. Dann bin ich nackt, ohne Zeit für Scham weiß ich so unmittelbar mein Wehrlos in fremden Häusern hinter verschlossenen Türen.

Außer mir so gelassen allein fühle ich mich wünsche ich mich geborgen nicht in diesen Schemen haften Satz Zeichen Worte spülen mich zurück an eigene Strände mein Anlauf endet ohne einen Schritt getan schließe ich hinter mir ab. König für einen Moment furchtsamen Mutes.

Freundliches Klatschen.

Ludwig Janssen © 10.9.2005

vorgetragen auf dem poetry-slam regensburg

Slam Fragmente Regensburg

Freestyle-Einleitung Regensburg 18.1.2008, Erinnerungsprotokoll

Was für ein Slam!
Was für ein Abend, ich habe ihn genossen. Und eigentlich ist der Text, den ich mitgebracht haben, angesichts des Line-Ups überflüssig geworden – und lässt sich gerade deshalb völlig entspannt und befreit vortragen, und es passt, dass er zuletzt kommt, quasi als "Der 13. Reiter" ...

... ein Stückchen lyrische Prosa, also kein Story-Telling, kein „Indiana Wasserburg auf der hastigen Jagd nach Larifari“ (Generation Janosch – euch wurde das doch schon vorgelesen:); auch wird kein Fröschlein Popanz aufgeblasen bis zum Platzen …

Vielmehr richtet sich der Text an die unter euch, die den Kopf voll haben mit Gedichten, deren Schubladen voll sind mit Gedichten und Texten: Traut euch!

Bringt nach außen von eurer inneren Haltung
zeugt von eurem Eigenen
zeigt euren Mut zur Gestaltung
nur keine Angst
von der geballten Faust
Unterhaltung
die einem hier
um die Ohren saust.
oder auch - ins Gesicht:
Fürchtet euch nicht!

Doch jetzt muss ich mich sputen, denn auch ich habe nur – fünf Minuten!

Poetry-Slam …

Ludwig Janssen © 19.1.2008