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Montag, 27. August 2018

Vor einem Bild mit Möwen

Das Erdenrund, das Erdenrund
es ist zwar kaum zu sehen
doch weiß ich es zu jeder Stund
um mich herum geschehen
als ich einmal, Möwe zwar
konnt zu den Wolken fliegen
sah ich es still und sonderbar
sich um das Ganze schmiegen

ich hätt gern mehr davon erzählt
doch sprach ich: kerr! und: kiah!
und hab zu schweigen mir erwählt
als wieder Mensch ich war
nun steh ich hier, sehe ein Bild
seh Möwen darin fliegen
und mir ist, als sähe ich
vom Erdenrund hier liegen

Ludwig Janssen © 23.8.2018

Mittwoch, 21. März 2018

Zeitschafe

Bin unter sie geraten, sie
ziehen wie Wolken über einen
Himmel endloser Zeitschafe
hin finde ich mich laufen
mit ausgebreiteten Armen
bin ich eines von ihnen
oder ist es nur ein Fell
das um mich schlackert
Schlaf, der ich bin, tief
in mir weiß ich himmelblaues
Warten auf weißes Träumen

Ludwig Janssen © 21.3.2018

Samstag, 1. Juli 2017

Frau Juli novembert

Frau Juli novembert. Eines ihrer Segelöhrchen starb heut Nacht. Tja. Wenn Frau Juli novembert, ist sie wie Fenster an Regentagen. Wie die sind? So: Niemand mag drinnen sein und hinausschauen müssen, und wer außen vor steht, wer hineinsieht, wird klitschnass. Nur die, die sich’s denken, finden irgendwas Romantisches daran.

Fenster an Regentagen bleiben geschlossen. Frau Juli wird also nicht mit der üblichen 90-Grad-Kehre in ihrem Stuhl zoing-doingen und einen Gewitterblick grinsen, sobald man was Blödes sagt wie zum Beispiel „Frau Juli novembert ein wenig.“ oder, erst recht blöd: „Tja.“. Nein. Sie wird die Unterlippe vorschieben und schauen wie ein Regentag am Fenster, also einer, der hinausschaut, einer, von dem man denkt, dass er schön romantisch traurig sei. Ist er aber nicht, denn: Frau Juli novembert!

Gleich wird Frau Juli mit einem Schüppchen – nein, es wird ein Spaten sein, einer, der für ihre Statur und Größe viel zu mächtig ist und sie ausschauen lässt wie einen – und wieder nein, sie würde niemals eine rote Zipfelmütze … in den Garten gehen und ihr Segelöhrchen beerdigen.

Vielleicht, ach, was: hoffentlich, fährt sie danach an die Nordsee, mit dem Rad natürlich, setzt sich an die Uferpromenade oder ins Gras, dass der Wind in ihren Locken zauseln kann. Denn heute ist Juli, zum ersten Mal Juli in diesem Jahr, und alle brauchen sie, um sich komplett zu fühlen. Wer? Die See, das Gras, der Wind und der Juli.


Ludwig Janssen © 1.7.2010

Freitag, 9. Juni 2017

Suchmaschinen, Vögel und die Katz

Ich habe eine neue Suchmaschine. Sie steht nie in der Ecke herum, und dass ich sie eigentlich noch nie zu sehen bekam, liegt schlicht daran, dass sie immer auf der Suche ist. Vielleicht nach mir, ich weiß es nicht. Ich dagegen bin auf der Suche nach Antworten, doch, ja, eigentlich auf der Suche nach neuen Fragen.

Da gehe ich voraus, ihr, der Suchmaschine, und schicke sie los, von wo auch immer, über ein, zwei Klicks, lautlos wie auf Katzenpfoten. 

Mir kommt in den Sinn, dass eine Frau mir erzählte, dass ihre Katze die Vögel vom Dach holte, auf das sie über die Dachluke hinaus ihre Ausflüge unternahm. Seltsam. Eine Katze, die ausfliegt, dann ein Vogel, der da liegt. Wie eine Antwort da liegt und über kurz oder lang zu stinken beginnt, Fliegenmaden im Bauch. Die wiederum fliegen, entpuppt zu geflügelten Wesen, auf - und davon, auf der Suche nach Werweißwas, Nahrung, Paarung und Aas. 

Gerade so, als wären Antworten auf Fragen wie tote Vögel, von der Katze gefangen, frisch vom Dach der Welt weg - und die Fragen, die sich aus beantworteten Fragen ergeben, nicht viel mehr als Fliegen auf der Suche nach längst Verstorbenem. Hm ... Schon fühle ich mich auf einem Dach sitzen, dass die Fragen und die Vögel ... Oh! Auf meinem Schoß schläft schnurrend die Katz.

Ludwig Janssen © 9.6.2017

Sonntag, 21. Mai 2017

... von mir


in kiel ist das wasser
salzig, falls ich
mit den möwen ziehe
leise, kreise
von hori bis zont

weht der wind von süden
trocken, hocken
auf der kaimauer du
und ein hund
schaun der ostsee zu

falls ich, salzig
wiederkehre nach kiel
grüßen zu füßen
des hundes und dir
herang und hering



Ludwig Janssen © 21.5.2017


Samstag, 10. Dezember 2016

Leuchtturm mit Möwen (Piktolyrik № 29)



leuchtturm

leuchtturm.

leuichtturm.

leüichttürm ...

leüïchttüïrm...

...¨·läüïchttüïrm¨·...



Ludwig Janssen © 10.12.2016




mït möwen.

Freitag, 29. März 2013

Vögel an meinem Himmel

Die Vögel an meinem Himmel ziehen in Schwärmen, heringsum, herungsum - und flunderschön, seifenonomatopoetische Blasen schweben, Leben darin Walnussgesang und darunter, am Grunde im Grunde Übergang mein Untergang, Gang!Gang! dem Wiewiewie?, dass ich sterbe. Wem? Dem, der mir Erbe und dem, dem ich folge, das Wort Wolge schreibe zur Bleibe in die und unter die Wolken, zum Haus des Bleibens im Blau allen Treibens entlang terragener Hülle. Fülle liegt jenseits von Atmosphären und deren Atmen, Atomen und Quarks, zu vergleichen vielleicht dem Teich eines Parks, in dem Menschen wandeln, um Frösche und Enten, Quakquak und Räb!Räääb!
Gäb’s dem Irgend ein Wo, das Fähre wäre, übersetzte den Geist (du weißt schon) ans andere Ufer, an dem der Rufer „ … ist nicht von dieser Welt“ Ausschau hält, so weiß ich schon jetzt einen Styxling darunter, der munter dem Süßwasser Bitterling ist, und dessen Himmel ist des Menschen Gewimmel mit all seiner Angst zu verlieren Gestalt, Haltung, Halt und Erkennen – ich mag es das zeitweilig Formgebende nennen, in dem er sich einrichtet: ein Schneckenhaus.



Ludwig Janssen © 29.3.2013
Kontemplativer Flow zum heutigen Karfreitag