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Freitag, 20. September 2024

Schattensaiten

was schwingt in dir so dunkelblau
und summt in tiefen Terzen dich
dass du so jung vom Abschied weißt

von dünnem Eis, das Leben heißt
trägt dich zu mir ein Bogenstrich
in meine Brust, du kleine Frau

spannst dich hin mir, auch dem Bogen
dem du das Streichen lässt und mich
rührt aus deinem Spiel mein Wissen

an ums Sterben und von Küssen
voll alles Klingen lediglich
Vögel, die nach Süden zogen.

Ludwig Janssen © 27.8.2005

Samstag, 8. April 2023

Klangschalen

Manches, das wundersam klingt, schlägt irgendwer es an, ist in seinem Inneren hohl und in seinem Äußeren hart.

Ludwig Janssen © 3.4.2023

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Kunde aus Innerwelt

Es ist ein Ineinanderdrehen
aus flüchtigem Begegnen
im Strom der Vielen nur ein Wirbel
ist Senken und Versinken

Nur Blätterrauschen eines Baumes
der schon längst Vergangenheit
trägt es ein Denken und ein Fühlen
hinein in dein Erkennen

das dreht und schwingt
vergeht und klingt
noch lange nach -
ach!

Nun trägst du, Mensch im Strom der Vielen
ein Bild in dir, das deines ist
sich für ein Ineinanderdrehen
bereit hält und sich dann – vergisst …


Ludwig Janssen © 07.09.2004

Montag, 12. September 2022

schnüren

schnüren ...
... irgendwann macht man sich auf und sucht, warum auch immer. fragen gibt es nicht, der schnee ist frisch, leises knurspeln unter den sohlen das einzige geräusch. blauer vollmond - die sonne scheint. dann stößt man auf eine spur und hält ein inne.
fest - und es zerfällt. da ist noch mehr. verwittert, so flüstert ein datum. frisch, raunt ein blinder seefahrer. schnüren ...
 ... diese spur entlang und einen gedanken, den man sich nicht einzigartig denken kann, so vertraut die abfolge längst verlorenen schreitens. flucht? kreisen? aufbruch? spur ohne witterung, bytes ohne duft, der eigene atem trügerisch warm an kalten kristallen. die hielten nur die form. einzigartig. jedes menschen leben einzig, verwundbar. schnüren ...
... blutstropfen. der fuchs hört ihr pulsen ...


Ludwig Janssen © 8.2.2005 

Mittwoch, 7. September 2022

Auch wenn du nicht verstehst ...

Es gibt solche Gedichte
die wirken wirklich
unwirklich unwirtlich
mit großen Augen
aus blauem Glas

So eins ist das
und Warten auf
ein Leuchten, dass
Lesen ist, Wirklicht
tiefes Mit, empfunden

So, mein Herz
magst du gesunden!


Ludwig Janssen © 23.9.2005

Donnerstag, 12. November 2015

Ich kann nichts dafür … (Versteck der Unke)

... dass mein Blick in die Welt ein eigener ist und, wer ihm begegnet, den seinen nicht gespiegelt sieht, sondern vom Drehen der Dinge in mir, das, vielleicht, auch in ihm leise vor sich hin summt und wartet, erkannt zu werden.

Gerne wird angenommen, dass man in Dunkelheit nichts sieht - ich sehe nichts nicht, sehe das Versteck der Unke, wie sie sich klein macht, empfinde mit ihr wie mit allen literarischen Gestalten, die sich mir offenbaren und aus meinem Blick in die Welt hervortreten ins Licht der Öffentlichkeit eines lediglich vom Umfang her bescheidenen Kreises von Lesern, der sie willkommen heißt:

versteck der unke


was ist die unke leise heut
schmiegt schweigend sich
ins dlheit und freut sich auf
der sterne stilles drehen
auf wiedersehen ...


Ludwig Janssen © 11.11.2015

 

Sonntag, 5. Januar 2014

Am Ufer

Als ich nach den Notizen in der Hosentasche griff und nur Münzen ertastete, verschwiegene Krümel, die Naht mit ihren losen Fäden, wandte ich mich um und sah Sie sich niederbeugen, einen weißen Zettel aufheben, lesen und einstecken. Für einen Moment war ich versucht, umzukehren, Sie zur Rede zu stellen, mein Eigentum einzufordern, ach, was könnte Ihnen schon nützen, dachte ich so bei mir, was mir einen Moment des Innehaltens am See in die warme Stube retten sollte.

Nun lese ich, dass Sie sich ein wenig von dem Atem zurückholen möchten, den Sie als Kind verloren. Dass nichts Bestand habe, auch nicht die Flügel, die Sie an sich wähnten. Beruhigt die Gewissheit, dass Wandel uns Wesen ist? Das mit der ersten Zellteilung schon? Die Verinnerlichung des Verlusts bereichert, wirkt wie ein Kontergewicht für das Wissen, dass man um sich anhäuft und mit dem Alter doch nach und nach verliert.

Die Enten hatte ich gefüttert, die Krümel werden noch einige Maschinen lang nicht aus den Hosentaschen zu bekommen sein, und nun lese ich Sie hier Enten füttern, bin gar selbst eine davon und quake. Still liegt der See und sommert uns aus winzigen Reflexionen entgegen, wirft glitzernde Punkte von sich, als würde er sich schütteln, ein nasser Hund.

So kommen wir und gehen, füttern Enten und bleiben irgendwann aus ...

Mit freundlich lächelndem Gruß
:Eukalyptus



Ludwig Janssen © 11.2.2007