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Freitag, 20. September 2024

Schattensaiten

was schwingt in dir so dunkelblau
und summt in tiefen Terzen dich
dass du so jung vom Abschied weißt

von dünnem Eis, das Leben heißt
trägt dich zu mir ein Bogenstrich
in meine Brust, du kleine Frau

spannst dich hin mir, auch dem Bogen
dem du das Streichen lässt und mich
rührt aus deinem Spiel mein Wissen

an ums Sterben und von Küssen
voll alles Klingen lediglich
Vögel, die nach Süden zogen.

Ludwig Janssen © 27.8.2005

Dienstag, 14. Mai 2024

Wie ist das Universum klein

Ach, wie ist das Universum klein

passt in meinen Kopf hinein, geht

dort lächelnd aus, kehrt schweigend ein

hat sich, so zwischen meinen Ohren

noch nie verloren, so wie ich mich

in einem jeden seiner Lieder, die

schaue ich auf zu seinen Sternen

mich erfüllen, von mir entfernen

aus all den mir vertrauten Dingen

lösen, wieder heimwärts bringen

und auf einmal ist es riesengroß

wie mein Staunen, lässt mich los

atmet mich ein und schweigt mich aus

ein kurzes Leben lang ein Mensch

zu sein, ach, ist das Universum klein


Ludwig Janssen © 14.5. 2024

Freitag, 3. Mai 2024

... Universum

Dem Silbenschwein mondete Strahlen so

klar waren die Nacht und silbern ihr Klang

schwang auf dem Mitternachtsläuten fein

erfreuten flirrende Falter sich an wenigen

Leuten, die zum Himmel blickten und Lieder

hinauf in den Mondschein schickten, da war

so ein Wundern, kindliches Kichern hing, wo

das Haar Berenikes am Wortsaum sich fing

waldeten neue Geschichten auf und blieben mit

all ihrem Wispern und All ihren Bäumen Träumen

in einem Univers um deine Stirn, dein Denken wo

hin wird es dich tragen an Tagen voll Sonne, Scheinen

will meinen, so, wie du unter Sternengewimmel ein

Himmel bist und Weg wandernder Worte und Seen

wird nur durch dich ein Blick in die Welt entstehen

aus Silbenschweins Lauf über den Dächern der

schlafenden Stadt, die gewartet hat auf einen

Menschen und die Sphäre Raum im und dem


Ludwig Janssen © 3.5.2024

Montag, 29. April 2024

Am Meer

Dünung Bewegung ferner Stürme Schweigen

Wörter darin schwimmen schon lang nicht

mehr treiben Wolken salzige Luft landein

Wellenschlag verläuft sich im Ufertraum

Schaum knistert Muschelschale flüstert

Tiefe Treibholz vergangener Schiffe landet

an Erzähltes zu deinen Füßen Horizonte


Ludwig Janssen © 29.4.2024

Samstag, 27. April 2024

Du bist nur ein Wort

Heimat du bist nur ein Wort

Ort an dem mich Menschen

verrieten und verkauften bist

Hülse Brot das Fremde

Vögel fraßen sich dran satt wer

hat dich Kleid hierher gelegt der

Weg führt mich aus kaltem

Hexenhaus hinaus und Schlag

um Schlag erfinde ich dich neu

der Weg aus altem Leid


Ludwig Janssen © 27.4.2024

Freitag, 26. April 2024

Ich liebe dich wie ...

 Ich liebe dich wie Sonnenunter

gänge die gehen tief auch ohne

mich und der Erde Drehen Eigent

licht sinkt ins Rot und Dunkel

folgt mit Sternen Nacht Gemunkel

bis wiederum ganz ohne mich

und mein Tun ein neuer Tag

von Osten her dich Sonne trägt

hin zum Untergang wie lieb ich dich

Ludwig  Janssen © 26.4.2024

Dienstag, 23. April 2024

Stare am Himmel

 Da sind Stare am Himmel in Scharen

in all den Jahren hab ich erfahren dass

das mit ihrem Gewimmel ohne Berührung

geschieht sie ohne Lied tief ins Gemüt

uns reichen eine Wolke Vogel ein Tag wie

der andere schwingt über dem Horizont

tanzt sich zu Jahren zwischen Blau und

Boden Geflirre Gesirre auf und davon


Ludwig Janssen © 23.4.2024

Satz deine Zeichen

Satz deine Zeichen setzten sich

nun Schlamm schnellen Schrittes

aufgewühlt in seichten Teichen

stelltest du Fragen in den Raum

Wort aus dem Munde schlug

es nicht der Stunde ins Gesicht

brandend und verlandend hin

unter anderem quollen ihm aus

den Ohren verloren Satz deine

Zeichen


Ludwig Janssen © 23.4.24

Die Schwere deines Herzens

Es ist die Schwere deines Herzens

die wie das Dunkel auf dem Land

und deinem Schweigen Zeichen

ruht über schwarzgeweinten Teichen

Neumondenschimmer Glimmer im

Granit so kalt der Schemen Nacht

Gestalt in müdem Augenschein

Nein dem Hoffen eines Märzens

Frühling Frost und Felsenwand


Ludwig Janssen © 22.4.24

Donnerstag, 11. April 2024

Zen, oder die Kunst der Stille im Schreiben literarischer Texte

mir ist nicht nach sprACHspiel ... / ... nach wahnWITZigem ... / Aufblasen des Fröschleins Popanz / ... bis zum platZEN ... / ... oder die Kunst, jede Taste als Steinchen in der Mauer zum Garten der Stille unverrückt zu lassen ...

Mittwoch, 10. April 2024

Das Geheimnis der alten Schachtel




[Eine alte Schachtel]
[Eine alte Schachtel]
[Eine alte Schachtel]
[Eine alte Schachtel]
[Eine alte Schachtel]
[Eine alte Schachtel]
[Eine alte Schachtel]
[eine r·te Pappnase]




Konkrete Poesie zum Thema Schönheit/ Schönes
Ludwig Janssen © 20.11.2012



Freitag, 29. März 2024

Oben und unten

Eine Möwe kiahkiahkiah
tanzte innig mit dem Wind
eine Runde Cha Cha Cha
ganz Sturm- und Wolkenkind

Für einen Menschen, erdenschwer
versunken in Betrachtung
klang's, als ob es Lachen wär
er meinte "Alle Achtung!"

Die Möwe, über allem
ließ darauf kiahkiahkiah
etwas für ihn fallen

Ludwig Janssen © 29.3.2024

Sonntag, 17. März 2024

Möwen betrachten

Ich schaue gern
den Booten zu, die
sich in der Dünung wiegen
Sie scheinen wie ein fernes
Du der Boten, die
unter den Wolken fliegen
Auf Pollern sitzen, Pommes
fressen, und mitunter selbstvergessen
im Gang der Wellen schaukeln
unverhofft und KIAH! im Blau
des weiten Himmels gaukeln.

Ludwig Janssen © 17.3.2024

Sonntag, 25. Februar 2024

Tag am Meer

Kam der Tag ans Meer:
Wo kommst du her?
Von fernen Sternen als Eis
und Glut brachten mich
Kometen. Wer hat dich hergebeten?
Ach, der Erde Drehen und
der Sonne Schein: Mal Tag
mal Nacht kann ich hier sein.
Ich bleibe Meer, mal nah
mal fern. Mal ruft der Mond
mal ruft der Stern.

Mittwoch, 17. Januar 2024

Welt voller Geräusch

Die Welt ist voller Geräusch, mir
ein wenig bang, dass ich mich täusch
den Klang, der darinnen, wie ein
Fisch im Wasser Harmonie versäume
So träume ich einen Fisch, höre
dich singen mit ihm, klingen
und denke: Vielleicht bin das ich
auf des Lebens Schwingen.

Sonntag, 3. Dezember 2023

Der Vogelmier

Der E ist auch ein Vogel, Mier',
und grünt auf fetten Feldern
so vor und rund
wie rings um Geldern

kann allerorten eben -
nur nicht in Sand, Wüst', Eis,
Gebirg', weil da (bekannterweis)
ist's ihm zu karg zu leben.

Träumt grün am Tag so vor sich hin
am kleinen e sich drehend
sieht sich als Herrscher im Serail
nach Nachtigallen spähend 

Die kommen abends, ihn zu fressen
und dinieren, selbstvergessen,
zur Nacht, bevor sie kolorieren,
dann tanzt im Mondschein der Emir

befreit aus Vogelmieren
das Kling zum Klang der Federtiere

 

Ludwig Janssen © 25.1.2008

Mittwoch, 15. November 2023

Wo der Horizont wohnt

Der Horizont wohnt wie gewohnt
zwischen Land und Meer und Himmel
Auch sieht man ihn bisweilen eilen
durch des Menschen Hirn, Gewimmel
rund um und an den Tellerrändern
die Mensch sich denkt und setzt
Dort wirkt er etwas traurig, scheint
angespannt, gehetzt.
Möchte aus den Wanderschuhen
schlüpfen und, in blaues Meer getaucht
im Schimmer deiner Augen ruhen
weil auch ein Horizont das braucht

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Was steht am Ende?

Am Ende steht ein E
ganz vorn und hinten
steht ein kleines
daran lehnt ein Fragezeichen
doch ist das, Mensch, nur deines.

In der Mitte steht: nd
so bleibt das Wort
phonetisch ganz und
dies ist sehr poetisch 
finaler Ort sans Firlefanz.

Ludwig Janssen © 25.10.2023

Mittwoch, 16. August 2023

Wenn die Welt untergeht


... geschieht das nicht zum ersten Mal
Das All, es fraß allüberall sich an Untergängen satt
Mit Sternen, die voneinander sich entfernen und
ist ein unfassbar kalter Schlund

All den Welten, die
einander geschehen, die gehen
für ein Atmen, ein ... und aus.

Ludwig Janssen © 16.8.2023

Montag, 14. August 2023

Löcher in den Schuhen

Nun stehe ich hier müde
vom Wandern mit Löchern
in den Schuhen, auszuruhen
des Wanderns noch lange 
nicht müde und der Weg? Weg
einen andren mag ich nicht
gehen, stehen, bleiben, mit welken
Blättern treiben auch nicht und
so, irgendwo und weit
voraus geht mein Sinn, bin
ich Körper mit Geist darin hier
und müde vom Wandern kannst
du mich stehen sehen, nicht
den unterwegs zu den Sternen
sich entfernen und finden im Sehnen.

Ludwig Janssen © 14.8.2023