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Dienstag, 7. Mai 2024

Wenn ich das Licht ausschalte

Ihr wartet schon so lange Zeit

das ist wenn ihr mit mir seid

und ich fürchte ich nicht an

euch denke seid ihr bereit mich

einzuhüllen in euer dasein mit

zu nehmen in eure Arme die

warten dass ich das Licht aus

knipse und mitten in dir Dunkel

sitze dich Stille in den Ohren nein

fühle ich mich nicht verloren mein

Sinnen höre ich Gedanken spinnen

an einem von ihnen hänge ich kann

fliegen Spinnlein im vergehenden

Sommer mit dem letzten warmen

Abendwind müdes Lachen leise

meine Reise beginnt wenn ihr beide

ohne mich seid und ich nicht mehr

liege in eurem warmen Umarmen

mein Sinnen und Spinnen euch gilt

all mein Loslassen angekommen ist


Ludwig Janssen © 7.5.2024

Sonntag, 10. September 2023

Herbsterben

Erste strenge Fröste greifen
nach dem Herzen entsternt
das Blätterdach sich undicht
dem Himmel fehlt Blauäugigkeit
zieht es Kälte durch und durch

aus der Sprachlosigkeit
fallen Worte
in Ohnmacht fällt
ein Wort zu viel
und es ist Winter

Ludwig Janssen © 2.11.2004

Montag, 14. August 2023

Löcher in den Schuhen

Nun stehe ich hier müde
vom Wandern mit Löchern
in den Schuhen, auszuruhen
des Wanderns noch lange 
nicht müde und der Weg? Weg
einen andren mag ich nicht
gehen, stehen, bleiben, mit welken
Blättern treiben auch nicht und
so, irgendwo und weit
voraus geht mein Sinn, bin
ich Körper mit Geist darin hier
und müde vom Wandern kannst
du mich stehen sehen, nicht
den unterwegs zu den Sternen
sich entfernen und finden im Sehnen.

Ludwig Janssen © 14.8.2023

Dienstag, 23. Mai 2023

Letzter Moment

Das Bett, in dem du starbst: hochgefahren, sauber, desinfiziert und auf ernüchternd kalte Art verlassen. Wie auch dein Körper, der, der dich knechtete, verlassen dalag, erkaltete. Doch glich er den Blumen, die du pflücktest an guten Tagen, deren letzten Moment du konserviertest zwischen Zeitungspapier mit Schnee von gestern und schweren Büchern, die weder von Blumen noch von Starre erzählten. Eine Blume, verlassen von Atmen und Atem. Abschied. Ein Moment des Abschieds, konserviert für den Schnee von gestern in meinem Schreiben, meinem Erinnern.


Ludwig Janssen 29.4.2023

Montag, 8. Juli 2019

Abschied: Nehmen und Geben.

Abschied nehmen ist Loslassen und Halten. Und nehmen wir Abschied, von dem Menschen, der uns gibt von seinem Loslassen, seinem Halten, geben wir von unserem. Halten wir ihn, werden wir Teil seines Scheidens. So ist Abschied Nehmen Abschied Geben, ein jeder von seinem Halten und seinem Loslassen des anderen.

Nimm dir, soviel du auch brauchst. Ich bleibe, selbst, wenn ich einschlafe.

Ludwig Janssen © 8.7.2019

Samstag, 31. März 2018

Vom Abschied nehmen

Spür den Frühling und den
Abschied darin schon liegt
alles Blütenschneien mir
zu Füßen eines langen Wegs
noch ehe die erste Knospe
sich öffnet, reift die Frucht
im Abschied nehmen wir auf
und davon leben wir Wolken
ins Blaue hinein und gehen

Ludwig Janssen © 31.3.2018