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Montag, 4. März 2013

Hermenautik

Wenn dich nun die Tiefe riefe, oder
all der Moder, darunter, da runter
kämest du nicht ohne mich, sprich
das Gedicht, das Schiff ist, und darin


Sinn, vielleicht sich selbst das Riff
das sich den Weg reißt in den Bauch
auch blinder Passagier dir und passare
volare bleibt dem Möwenvolk und

seinen Schwingen, diese klingen
nach und nach so fern und über
dir ist Untergang, dein Sinken Suche
Heimat, was dir Möglichkeit, bleibt

unersichtlich, gründlich unergründlich
doch am Grunde liegt im Grunde offen
bar, was war, sein könnte und Sekante
leise, schneidet Flächen, Linien, Kreise
Ludwig Janssen © 4.12.2011

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Brief von Sekante

Lieber Kreis,

der du in deinem Rund mich hältst, zum Kuss der Hypotenuse erhebst, was treibt dich um?

Liegst da in deiner Zweidimensionalität, suchst, dass ich mich einzig wähne, süße Worte, gibst dich wund … und?

Kuss der Hypotenuse, ja, und die Katheten? Was du quakquaken über eine von drei Seiten, eine, nur eine von dreien (?!) ließest, bin ich. Nein, von mir ist, was dich schneidet, nicht tangierte, nicht passierte.

Nichts passierte, meinst du, und doch hast du, der du dich wund gibst und geschnitten, mich in dir, liegst ungerührt so voll und rund um drei von uns, die ihre Schenkel …

Willig. Du schließt ein, bemüht um Ebenmaß, die aus Pytha, aus Go, aus Ras anreisten, Sekanten, die dein Zeiger zu Sekunden zählt? Kuss der Hypotenuse, du Kreis, ist Widerhall in dir, ist, wenn wir gleich sein sollen, wie du sagst, und keine geringer als die andere, das dreimal in dir: Wie viel A, wie viel B und b nach c – welch Gequake! Welch ein Lärm!

Was mich halbiert, so schwer fällt es dem Punkte zu, an dem die anderen dich berühren, wie du mir schriebst, in dir aufgehen oder auf ewig schmerzlich Ort des Abschieds bleiben. Du rundest stumm für dich, um uns, schweigst und genießt: Das Ebenmaß unserer Schenkel, die sich dir öffnen. Dazu trägst du in deiner eignen Mitte die des kleinen Runds, das aus unser dreier Schwerlinien Aufeinandertreffen knospend sich in dir an uns schmiegt, uns tangiert, mich zur Tangente macht. Tangente, Kreis, Tangente! Tangente, das bedeutet: nur ein Punkt, Kreis! Nur ein Punkt gehört mir, mir allein und ganz.

Du willst mich in dir wissen, dich weiß ich, wenn auch klein, an mich geschmiegt – du kannst nicht anders, dort als Innenkreis, und alles Dreieck, dem ich Seite, ist eines nur von vielen möglichen, die mehr als nur Tangente für dich oder en passant …

Wo, Kreis, träumte dir unser Kennenlernen?

Du bist mir Weh, Kreis.

Deine Sekante


Ludwig Janssen © 15.8.2010

Brief an Sekante

Liebe Sekante,

du bist, nicht nur zu mir, immer erfrischend geradeheraus.
Als wir uns kennenlernten, wusste ich noch nicht, was diese Berührung aus mir werden lassen, wie sie mich verändern würde - es lag ein Zauber in ihr, den du aus der Endlosigkeit mitbrachtest. Ein Zauber, der diesem Punkt Ewigkeit bescherte und den du auch für dich behalten solltest, doch wusste ich das da noch nicht.

Wie ein heißes Messer durch die Butter gingst du durch mich hindurch - und gingst. Tratest an einem ebenso wie sein Gegenüber mir jetzt ewigen, aber schmerzlich dimensionslosen Fleck meines in sich geschlossenen Kreisens aus meinem Rund und verlorst dich im Unendlichen, aus dem kamst.

Wirklich?

Nein. Wirklich blieb mir ein Teil von dir, ein Teil, der zu dir gehört auf ... nun, ja - warum nicht auf immer und ewig? Der Teil, der mich teilt, in und zu was auch immer. Lass die Leute reden, dass du nicht zu mir passtest, dass ich dir nicht den Raum geben konnte, der dir zusteht, den du brauchst, um du selbst sein zu können. Ich bin geschnitten, ja, nicht wund, nicht weh, in mir:

Der Kuss der Hypotenuse. Allem Kathete und Ankathete bist du mir von A nach B, bist c quakquak. Quakst aus und allem a, was quakt und b quakendratet recht winklig in einem runden Teich - 'Wie hieß der doch gleich?' - wirst du dir denken, irgendwo da draußen, das also mir und dir Außen ist und Drumherum, bist du immerwährendes c quakquak.

Hier, mir und in mir bist du und bleibst: Sekante.

Danke, Sekante!


Ludwig Janssen © 13.8.2010