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Sonntag, 9. November 2025

Wo ist die Welt?

Eigentlich bin ich zu groß, so in mir drin und in all dem, was mich ausmacht und was ich mir denke und zu dem Bild gestalte, das ich klein falte, das ich innehalte, das ich mir von der Welt mache, in das hinein ich mich aus- und dann wieder anlache. In das ich mich füge - hinein und zusammen. Und dass ich sie mache, die Welt, die große, die weite Welt, die klein gefaltete und anderen groß aus mir heraus ausgebreitete Welt - sie passt nicht in mich hinein, die Welt. Denn sie ist voller anderer, denen es eigentlich genau so wie mir ergeht. Auch wenn ihre Welten, die sie in sich erstehen lassen aus ihrem Erkennen, Fühlen und Gestalten (Auch dieses Wort - so nah ist es an Falten, mit seinem ihm eigenen Klang - und wie oft schon wurde es und wird zu Gesang, Anfang und Beginn, ändert, verliert und gewinnt ... an Sinn.)

Eigentlich bin ich zu groß für diese Welt, weil ich mich an meiner eigenen, kleinen festhalte und mein Erkennen nicht über meine Sinne hinaus reicht.

Eigentlich ist das gut. Denn diese große, weite Welt aus den Welten anderer würde, ließe ich sie in mich hinein, mich auslöschen, mich mit sich fortreißen und verschlingen ohne Spur. Ohne Spur. Auch wenn das ist, was auf mich wartet, wenn diese kleine zu große Welt eines Tages ihren inneren Zusammenhang verliert und sich auflöst in dem, was man Sterben nennt: Ohne Spur zu sein. Was bleibt: Eine Spur, die endet. Ein Körper, der vergeht. Ein Geist, der noch eher vergangen sein wird als die Hülle, die ihn umgab und in die hinein er verortete, was er Welt nannte, ängstlich bedacht, sich nicht zu verlieren, an nichts und an niemanden. Vielleicht ist da ein Erinnern an mich, eines, das auch vergehen wird, eines, das ein Bild ist in eines anderen Welt. 

Und vielleicht ist da auch das, was wir Seele nennen und dem ich, allein im Zimmer mit Gestorbenen, das Fenster öffnete auf einen vermuteten Weg zurück in ein angenommenes Zuhause. Denn diese Welt ist nicht mein Zuhause. 

"... Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? ..."1.Könige 8,27 

... oder halt diese Welt, die ich mir erbaute oder die andere mir ausgeben als die ihre.

Wo ist die Welt? In mir, so wie mein Atmen, und dann auch wieder nicht, so wie mein Atmen es ist? Sie reicht auf jeden Fall weit über das hinaus, was meine Sinne mir lassen. Und doch bin ich zu groß für sie, weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin. Und die Welt, dieses Universum ist zu groß, als dass wir Gott darin erkennen können, in dem alles ... ist.

Mittwoch, 15. Mai 2024

Odessa und Gaza

Odessa und Gaza. Vor 10 Jahren, am 2. Mai, brannte in Odessa ein Gewerkschaftsgebäude, darin pro-russische Aktivisten. Im TV sah ich davor Menschen, von denen die einen Molotow-Cocktails warfen, die anderen Hilfe leisteten. Ein Sprecher beschrieb die beiden Modi, aus denen heraus die Menschen derart unterschiedlich handelten. Die einen seien im Kriegsmodus und feierten die Vernichtung eines Feindes, die anderen seien im Friedensmodus und sahen Menschen in Not, denen sie helfen wollten. 

Erinnere ich mich an die Bilder vom 7. Oktober 2023 aus Israel und sehe die aktuellen vom Krieg der israelischen Armee gegen die Hamas in Gaza, fühle ich mich an den Bericht aus Odessa vom 2. Mai 2014 erinnert: Die Terroristen, selbst von Müttern geboren, als Kleinkind von Schwestern umsorgt, sahen in ihrer von Hass erfüllten Verblendung in ihren Opfern nicht Mütter, Kleinkinder und Schwestern, sondern, Kriegsmodus, Feinde, die es zu schänden, demütigen, zu vernichten galt. So auch die Menschen in Gaza, die auf zur Schau gestellte getötete Israelis einschlugen. Ich weiß nicht, wer die Hamas darin bestärkte, auf diese Weise Israel zu zwingen, zurückzuschlagen und den Krieg und Soldaten im Kriegsmodus in ihre Heimat Gaza und über die Menschen zu bringen, die ihre Mütter, Schwestern, Kinder sind. Ich sah die Terroristen der Hamas nicht die Waffen strecken, ihre Geisel freilassen und so den Krieg von ihren Mitmenschen abwenden. Ich sah sie sich unter ihrem Volk verstecken und sie als lebenden Schutzschild und ihr Leiden und Sterben als Anklage Israels missbrauchen. Zeit für den Friedensmodus? Es wird Zeit dafür, in den Menschen Gazas nicht Schutzschilde eines Feindes zu sehen, den es zu zerschlagen gilt, sondern Mütter, Kinder, Schwestern, die man, herrschte Frieden und wären es die eigenen Familien, nicht gern in Gefahr sähe, von Bomben zerfetzt zu werden oder Hunger zu leiden. 

Ob es Israel gelingt, zu einem Friedensmodus zu finden und in den palästinensischen Zivilisten Gazas Menschen zu erkennen, die Schutz und Hilfe brauchen? Es ist nicht Israel, es sind die Menschen Israels, die die Chance haben, sich den Schutzbedürftigen barmherzig und helfend zu zeigen und, vielleicht, den sich immer wieder erneuernden Hass zu durchbrechen.

Zeit für den Modus Vivaldi. Zeit für Zitronenfalter.

Ludwig Janssen © 15.5.2024

https://springvogel.blogspot.com/2014/05/ukraine-krieg-und-frieden-als-menschen.html


Sprüche 21,2: Jeder meint, sein Verhalten sei richtig, / doch der Herr prüft die Herzen.



Donnerstag, 11. April 2024

Welche Fee?

Nun, mir ist klar, dass es mir auch im zarten Alter von nuschelnuschelsechzig schwerfällt, erwachsen sein zu müssen. Doch denke ich darüber nach, welche Fee ich mir zur Seite wünsche: Tinkerbelle oder nicht doch lieber ... Thinkerbelle? Ja! Das deute ich als Zeichen von Reife.

Ludwig Janssen © 11.4.2024