Mittwoch, 4. November 2020

Gedanke zum Ende aller Tage

Wundert es, dass ich mit zunehmender Zahl eigener Umdrehungen und Kreisbahnen am liebsten Sonnenuntergängen lausche? Sie können besser schweigen als Sonnenaufgänge. Wahrscheinlich nur, weil sie am Ende des Tages sprachlos sind.

Ludwig Janssen © 18.11.2007


Auf dem Dach der Welt

Ich wünsche uns beide dort oben stehen
mich nur, um dir dabei zuzusehen
(nicht einen Gedanken dazu)

In deinen Augen die Nacht sich wiegen
zu sehen – und dir durch den Sinn zu gehen
(das wünsche ich mir noch hinzu)

Als dein Wunsch in ihrem Widerschein liegen
mit den Sternen der nördlichen Hemisphäre
(Welch schöner Gedanke bist du)

Ludwig Janssen © 12.12.2008

Freitag, 23. Oktober 2020

Im Rechtschreibreformhaus

Aus einem Baum, der recht geschrieben fiel hier: ein wie - und dort: ein viel, wie vieles orthographisch neu: Spreu zu Spreu und Weizen, wieviel jeden Falls, in diesem: vor, fiel auseinander, entfiel, und ward doch arg vermisst: Ich habe es (geküsst).


Ludwig Janssen © 23. 10. 2020

Montag, 19. Oktober 2020

Nichts

Während das Nichts geschah, entstanden
ein Schiff, ein Strand, ein Hafen, dort
anzulanden in einem Wort, in einem fort
flog dort ein Mann mit seiner Insel, um
nichts anderes zu tun als mit den Wolken
zu ziehn und alles, auch der Himmel, wurde
grün, von all dem Sonnengelb, das sich
ins Blau des Malenden ergoss, während das
Nichts geschah und die Welt sich drehte.

Ludwig Janssen © 19.10.2020


Freitag, 16. Oktober 2020

das sebra

das sebra ist ein zwischen und
sucht was davor und hintern
würde, wäre es in federn
am breijpott überwintern

nun liegt das sebra vor mir
im gänten drin, ist knusprig
so habe ich das sebra gern
mit z wärs nicht so lustig

Ludwig Janssen © 14.08.2010

Mittwoch, 14. Oktober 2020

... auch der fällt

am Anfang des Abends am Ende eines Arbeitstages mit Mundschutz und ohne Herz schutz das eigene Schutzlos aus seiner igkeit gelöst, des infiziert bleibt ein Gedanke an Menschen, die aus ihrer Welt fallen wie Laub im H erbst du jenes Suchen in ihrem Blick deiner Halt ...

Ludwig Janssen © 22.4.20

Montag, 28. September 2020

... Fuß vor Fuß

Am Wochenende nahm Freund Hein einen bei der Hand und der fand am Ende eines langen Weges einen neuen so hoffe ich und bleibe auf der anderen Seite ver bunden zählt Freund Hein meine Stunden ...
Ludwig Janssen © 22.4.20

Ein wahrhaftiger Anlass zu Niedergeschlagenheit

Mir war so, als ob.

Er war unbemerkt aus dem mir gewohnten Irgendwo an mich heran getreten und legte mir seine Hand auf die Schulter. Ich wandte mich um, lächelte in seine Milde und hörte ihn sagen: "Du, Ludwig, ich brauche ...", mein Herz ging auf, "... dich nicht", verkrampfte, "... mehr.",
ließ mich zurück im Zweifel, ob er wohl jemals hatte, mich oder irgendwen.

Warten.
Oder gehen:

Emmaus.
Übermorgen.


Ludwig Janssen © 10.4.2009

Für einen Augenblick ...

Flüchtiger Novemberschnee
kündet von Winter.

Im Stapel verschneiter Bahnschwellen
Feuerholz für die Heizung
zirpt ein Zaunkönig.

Rußige Hände.
Im Schneetreiben stehen.
Der Zaunkönig singt.

Nur draußen ist Winter!

 

 

Ludwig Janssen © November 1980

Samstag, 5. September 2020

Das blaue Tier

Komm nun arglos du zu mir und zeige
was deinem Sinn in meinen Versen lebt
Dieser alte Tag geht still zur Neige
in die er wie ein müdes Tier sich legt

ins Blau der Nacht, dem großen Ganzen zu
aus dem wir sein Drehen einzig wähnten
doch all sein Treiben nur ein Wellenschlag
den Sekunden nicht zu Stunden zählten

Dies stille Meer, das nur dem Leben strömt
und ist und war, wird immer Meer sich sein
stellt alles dar und braucht nicht eins dazu
nicht uns darin, den Tropfen Mensch, allein.

Ludwig Janssen © 23.10.2003