Montag, 2. August 2021

Küstenlinie

An einem Tag im August, das
Meer lag, als hätte es davon
gewusst, so friedlich wie an
jenem Tag im blauen Mond, an
dem sie sich hier küssten, an
der Linie, wo Meer und Land
dasselbe tun, ohne sich je
davon auszuruhn oder es zu
lassen, auch sie wollten nie
von einander und das Hand in
Hand nicht lassen und mag
auch der Wellenschlag dies
bezeugen, der in jenem
Augenblick ihnen zu Füßen
lag, sich an und um sie
schmiegte: Sie taten, als
ob sie noch davon wüssten
als sie sich hier küssten
an der Küstenlinie so ganz
zwischen Land und Meer war
es doch schon lange her
dass jener Saum sich wie
im Traum in beiden wiegte
Meer und Land und Hand in
Hand, doch hing vom Flüstern
und Knistern, mit dem der
Wellen Schaum verging
in der salzigen Luft.

Ludwig Janssen © 2.8.2021

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Mittwoch, 21. Juli 2021

Gedanke zum Thema Arrangement

Ich glaube, dass beim Schreiben nichts tückischer ist als das Bedürfnis, die eigene Vorstellung perfekt umgesetzt zu wissen. Es verführt uns zum Arrangement mit Unzulänglichkeiten, die wir lediglich nur zu lange anstarrten und zu oft sich breit machen ließen in unserem Hirn, so oft, dass uns der eine Wunsch zur überzeugenden Sackgasse des anderen wird. Schon manifestiert sich unser Wunsch nach einem Windhund letztlich in einem Dackel, dessen treuseliger Blick uns überzeugte. Man hat sich arrangiert.

Ludwig Janssen © 11.9.2007

Samstag, 10. Juli 2021

Über Abschied und Wolken


Abschied geht mit den Flüssen, die
einmal im Meer zur Ruhe gekommen
letztendlich wiederkehren müssen
So sitzen wir, untergehende Sonnen
unter landeinwärts ziehenden Wolken
an Flüssen mit Abschied darin und
in uns das Wissen um Regen warten
wir dem Abend, dem Abschied entgegen
Entblößt bis auf das Lied einer Amsel
in das wir uns hüllen und meinen
im Abschied das Leben zu erfüllen

oder zumindest das Versprechen
das in unserem ersten Atemzug lag
von all jenem Atmen erfüllt der Tag
legt er müde in unseren Schoß sich
sein Denken und, dass auch er
Abschied nehmen muss in all 
jenem Drehen und Ziehen auf einen
unbekannten Raum im Universum
zu, so gehen die Flüsse, gehen die
Tage, so gehen ich und du und
so warten wir auf Wolken mit uns

darin in einem kalten Universum.



Donnerstag, 1. Juli 2021

Dem Meer zuhören

Dem Meer zuhören, wenn
du einatmest, wenn du
ausatmest, das Meer in
dir zu hören, sei leise,
achtsam: Schon fliegt
eine Möwe über deinem
Atmen legen ihre Flügel
sich auf den Wind: Ein
und aus was sind das
Leben, das Meer, der
Flug einer Möwe, der
Wind dazu, vielleicht
fliegst ja du

Ludwig Janssen © 1.7.2021

Sonntag, 20. Juni 2021

som...

merabende war ihr name, sie
legte sich mit hellen stunden
schlaftrunken um mein müdes
sein trug alles dunkle in den haaren
goss es mit himmelblauem lächeln
auf meine brust und tief hinein
in das wissen um den winter, das
dort schlief und pochte, leise
klang ihr sommerhabagesang

Ludwig Janssen © 20. 6. 2021

Sonntag, 13. Juni 2021

moon, imbued with sunlight

I, a moon, hope some of the lyrical rays you outpour remain within you to let the beauty of your mind shine at night when that darkness springing from doubt, sorrow and grief makes ones mind longing [as all moons do] for a sun to come and - sun, sun, sun, here it comes [do do do]

Ludwig Janssen © 5.6.2021

... wie ein Tag

Was wäre, wenn
man den Tag nicht ließe
zu sein, was er ist
ein Tag wie jeder
andere wären dennoch
nicht gleich und wie wir
einander gleich und doch
nicht dasselbe und
wollten sein
gelassen werden
mit dem Drehen
der Erde wer dreht sich
mit uns und lässt uns
sein in seinem Drehen

Dienstag, 1. Juni 2021

Gehen, ging, gegangen
wo nur soll ich an-, was
einfangen, wo gelangen
wir hin in diesem Schritt
für Schritt hängt der Sinn
an seidenem Faden, an
deinem Erinnern blieb
ein Weg zu deinen Füßen
gegangen nach Hause, da
willst du hin und wieder
an deiner Seite gehen
Fremde deren Hände

Ludwig Janssen © 1.6.2021

Donnerstag, 20. Mai 2021

Seen, die wandern

Sie sind Seen, die wanderten
ein jeder nennt den
 anderen
Wolken sie spiegeln sich an
guten Tagen darin kein Fragen
wiegen Fische sich kein Sinn
den letzten Trauermantel auf
gewühlt der Schlamm tragen
Vögel im Schnabel den Tod
wie einen Freund fällt ein Mensch
den Traum vom Baum in dir
dass du bleibst dir um den Hals
Müdigkeit kein Wort
des Trostes Haltlosigkeit singt
am Horizont das Lied einer Amsel

Mittwoch, 19. Mai 2021

Frau K auf der Suche nach dem Glück. Heute wieder. In ihren Augen noch Rauch von der Angst, die aufstieg aus: Wo bin ich hier? und: Was kommt jetzt? Der Aufbruch in ein verlorenes Gestern voller Selbstverständlichkeiten führt ihr: Ich will nach Hause! in mühselige Meter Asphalt.

Ludwig Janssen © 11.5.2021