Donnerstag, 28. Mai 2020

... lange Stunden

All, die Jahre Stern stunden deine Runden über die Flure ein Weg legt sich in Kreisen und sie weisen dir die Richt ung, als wüsstest du. Sie haben hier ein Zimmer. Ein Bett. Sie ge hören zu uns und alles ist gut, da bleibe ich gern geht ein Stern seine Runden ...


Ludwig Janssen © 22.4.20

Mittwoch, 13. Mai 2020

auf geborgten Worten

Ich fragte mich, wie weit es sich fliegt auf geborgten Worten, wie tief die Liebe hinab reicht hinter einem Gedicht von tausenden abgeschrieben aus Büchern griff mir einen Kiesel am Ufer des Sees, ließ ihn titschen über den Wasserspiegel und wartete ob er wohl zurück käme ...

Ludwig Janssen © 20.4.20

Mittwoch, 22. April 2020

Treibgut der Isla Volante (Weil Rittiner & Gomez fragten)

Auf einem Blatt Papier, gezeichnet wozu eignet sich die Gestalt, ich halte inne, spinne Gedanken, feine Eine Gestalt halt im Schein einer Laterne, mit Hut wirft einen Schatten und ich projiziere geniere mich nicht schreibe sogar ein Gedicht und sie, die literarische, hält still weil sie nicht anders
kann, nicht anders will
als die, die zuschaun
hoffen. Ende offen.


Ludwig Janssen © 15.4.2020

Sonntag, 5. April 2020

... dimensionsloses sich schneiden zweier geraden

auf ein neues verlasse ich
mein schneckenhaus und
ziehe leise meine kreise in
sich abwärts aufwärts wind
enden serpentinen ganz tief
unten oder inmitten funkeln
der sterne in einem punkt

Ludwig Janssen © 5.4.2020

Mittwoch, 11. März 2020

Sternbild

Bald ist's ein Jahr her, dass er, der Meer leser die Türe hinter sich ins Schloss zog und nun ist es still geworden um ihn, je doch die Stille ist nicht erfüllt von Schwei gen Horizont, reichlich, dort wiegt sich Er innern und die Bugwelle des Bootes. Bären spiegeln sich darin.
Ludwig Janssen © 11.3.2020

Montag, 18. November 2019

Ein Aquarell von Rittiner & Gomez betrachtend

Das Meer, ich wünscht', es wär' mir nah und würde mich in der Dünung wiegen willkomm'ne Bürde, doch da seh' ich eine Insel fliegen Sie lächelt, schweigt ein Bild entsteigt, zeigt mir Meer, Leucht turm, Tiefe. Als ob es nach mir riefe, lausch ich dem Aquarell und lächle jetzt und hier


Ludwig Janssen © 13.11.2019

ein Fisch im Wasser bewegt

... bewegt sich wie ein Fisch im Wasser. Gab einem Fisch seine Farben und sah, wie das Wasser ihm diese Farben nahm, waren es doch die seinen, Wasserfarben. Die Farbe des Wassers: Fisch, darin ein blasser Mensch, dessen Kiemen pulsierten und ich frage mich, wer sich hier wie ...

Ludwig Janssen © 13.11.2019

Dienstag, 12. November 2019

Wortwahl. Strukturell dümmliches Nachplappern oder blanker Antisemitismus? Ein Pamphlet.


Wortwahl.

Die Wortwahl, das ist etwas, das wir, einen ausreichenden Wortschatz vorausgesetzt, haben. Und wer dann die Qual der Wahl hat, Autor oder Leser, ist offen.

Wie wir unsere Worte wählen, und welche wir wählen, das ist etwas, das Auskunft gibt über uns, über unsere Verfassung, die momentane sowie die verfassungsgebende innere Haltung. Über Rückgrat, über Haltungsschäden, über Boden- oder Käfighaltung. Die unserer Worte. Unserer Emotionen. Die schon mal ein Ei legen. Dann: Gackern.

Es gibt auch so etwas wie ein Wahlrecht. Wir haben nicht nur (wieder einen ausreichenden Wortschatz vorausgesetzt) freie Auswahl, wir sind sogar frei, die uns passenden Worte zu wählen um auszudrücken, was wir denken, von uns, von anderen – was wir reden oder schreiben, über uns, über andere.

So gesehen ist die Wortwahl etwas uns und andere Verortendes wie vielleicht die Wahl des Aufenthaltsortes, wie eine bestimmte Art sich zu kleiden: Man offenbart nicht nur, wo man sich aufhält, sondern auch die Grenzen, innerhalb derer man sich bewegt, Grenzen, die man anderen zuweist, Grenzen (schönen Gruß von Wittgenstein), die einem selbst auferlegt sind, Schranken, Einschränkung, Beschränkung, Beschränktheit. … die Beschränktheit meiner Welt. Hm, hätte er doch auch …

Es gibt Worte, die, wählt man sie aus und setzt sie ein, einem verwesenden Stück Fleisch gleich die Luft, den Raum eines Textes verpesten, die alles beherrschen, Worte, die jegliches Nachfragen erübrigen. Da gibt es ein Wort, das gleich ein ganzes Volk nicht nur in Frage stellt, sondern an den Pranger, es an den Platz zerrt, an dem der Abdecker es holen soll oder ein Arzt wie Mengele es herausschneiden. Ein Wort, das ein ganzes Volk ohne Ansehen des Einzelnen ins Meer stößt. Ein Wort, das im Vokabular der DDR-Offiziellen ebenso geläufig war wie in dem linker Gruppierungen des wiedervereinigten Deutschland, wie es ebenso geläufig dem Vokabular der Neoanazis, dem der Hamas, dem iranischer Hetzpropaganda ist:

Zionistisches Gebilde

Wer dieses Wort einsetzt, weiß, dass damit Israel gemeint ist. Nicht die Regierung, sondern das Volk. Jeder einzelne Israeli. Dieses Wort ist Antisemitismus pur, ist menschenverachtend, entwürdigend, ist, wozu Menschen, die es genau so und nicht anders haben wollen, es sich zurechtschmiedeten.

Vor einiger Zeit wurde in einem Text eines Literaturforums zweimal von diesem Wort Gebrauch gemacht.

Ich las, schluckte - und wartete auf Reaktionen. Reaktionen, die hinweisen, was dieses Wort besagt und anrichtet, Reaktionen, die klarstellen, dass dieses Wort zu jenen Wörtern gehört, die verzichtbar sind. Der Text, dem die Autorin diesen antisemitistischen Murks zufügte, wäre durchaus ohne diese menschenverachtende Polemik ausgekommen. Wo blieben sie, die Grass-Peitscher, die fleischgewordene schrumplige Antifa besagten Forums, die Abmahner strukturellen Antisemitismus‘, die Wortmimosen, die für jeden Furz nach dem Webmaster schreien mit: „Erlkönig hat mir ein Leids getan!“, wo? Was passierte?










… Nüscht …


Stattdessen:

[…]Was mich gestört hat, sind Textstellen wie diese:
„Oba, Cam und Merki sind Bluffer ...
Wo ist eigentlich Hili Clinti,“


in denen du die sonst sachliche Sprachebene verlässt und einen umgangssprachlich-kumpelhaften Ton anschlägst. Das passt überhaupt nicht.

Ansonsten ist es ein Text, der Klartext spricht. Gut.[/Quote]
 

omg … da war noch eine sprachliche Ebene, die wesentlich grottiger ist. 

[quote] […]WikiLeaks hat ja eindrucksvoll aufgezeigt wie sehr die USA im Irak um die Wahrung der Menschenrechte bemüht sind. Insofern gebe ich mich da keinen Illusionen mehr hin. In jedem Fall ein wichtiger und guter Text, […][/quote]

… und das zionistische Gebilde – geschluckt? Anstandslos. 

[quote][…] Und gut formuliert ist dein Essay auch. Könnte genausogut ein Kolumnentext sein. […][/quote] 

*kopfpatscht* „gut formuliert“ … auf welchem Auge blind, na … na? 

[quote][…] Ich finde, du hast gut recherchiert und einen sehr nachdenkenswerten Text geschrieben.
Ganz liebe Grüße,
[…][/quote] 

… wie wäre es dann mit ein wenig Nachdenken über die Formulierung „zionistisches Gebilde“ in diesem ach so sehr nachdenkenswerten Text? 

[quote][…] doch erst durch deine genaue Recherche sehe ich die Zusammenhänge klar.
Verdienstvolle Arbeit,
[…][/quote] 

Nun ja, wer hier pausbackig die Arbeit verdienstvoll preist, meint vielleicht den Essay, schließt jedoch zumindest in diese (hiermit fragwürdige) Auszeichnung die Diffamierung Israels als „zionistisches Gebilde“ billigend mit ein. 

[quote][…] ich hätte nur einen kleinen Änderungsvorschlag, nenne es statt Text besser Essay, denn Dein Werk ist (mehr als) eine geistreiche Abhandlung. […][/Quote]

… und ein ganzes Volk (das israelische) dem Propaganda-Vokabular von Neonazis und terroristischen Vereinigungen preiszugeben war dann wohl besonders geistreich abgehandelt?

Tja.

Hm.

O … M … G


Musst du, fragte ich mich, dir das unbedingt antun, dir wieder den Zorn und die Häme solcher Kappesköppe auf den Buckel zu schreiben? Musst du, gerade du, der du dich kaum um Politik scherst, die Klappe aufreißen und von Antisemitismus und struktureller Dämlichkeit schreiben? Musst du, gerade du, der sich nicht scheut, anderen mit dem rhetorischen Florett vor der Nase herumzufuchteln oder den Gürtel ihrer Wortsäcke zu durchtrennen, an einem polemischen Säbel Anstoß nehmen? Gar eine Kolumne darüber schreiben und andere mahnen, auf die Wortwahl zu achten? Nein, auf ihre Wortwahl, die doch eine freie ist und von deiner so verschieden wie Sonne und Mond? Das fragte ich mich in der zurückliegenden Zeit, in der ich zur Sache nur eine kleine Satire vom Stapel ließ, die wenig ausrichtete und lediglich einen der üblichen Verdächtigen veranlasste, sein Beinchen daran zu verheben.

Muss ich? Nein! Aber – ich hatte die Wahl. Welche ich traf, ist zu lesen. Wohlan, mein Wort, nimm Abschied – und gesunde. Und du, antisemitistische Killer-Phrase, bleibe außerhalb der Grenzen meiner Welt.

Nachtrag:

Das ist jetzt Jahre her.

Die Kolumne hing ab wie ein Fasan unter Vegetariern.

Tatsächlich fand keine Auseinandersetzung mit dem Gebrauch dieser menschenverachtenden Phrase statt. Der Text verschwand, als seine Autorin sich irgendwann später ab- und dann wieder anmeldete. Das Phänomen, dass niemand, auch nicht der Webmaster, unter besagtem Text und dessen schmalbrüstig billigenden Kommentaren Anstoß nahm, das Wort ergriff, ließ mich innerlich noch mehr Abstand von der sich schreibend kokonierenden Community nehmen, als die mit der Veränderung der Autorenschaft zunehmende Beliebigkeit und Verflachung der dort zu lesenden Texte es ohnehin schon bewirkt hatten.

Ich wurde sensitiviert für den Umstand, dass es innerhalb eines nur scheinbar geschlossenen Systems so etwas wie einen Konsens zu geächteten Wörtern gibt und dem Umgang mit ihnen. Da die intellektuelle Zusammensetzung einer sich Literaturforum brüstenden (bürstenden?) Community ein Fließgleichgewicht darstellt, verändert sich mit der Zusammensetzung der sich dort schreibend Veröffentlichenden der Pool geächteter Wörter, nicht jedoch besagter Konsens.

ET - und: Das Gesicht verlieren




Es ist die 88, nicht die 66, über die ich nach Hause fahre … nach Hause! ET - he’s lost, he’s alone, and he’s three million lightyears from home. Asien ist auch furchtbar weit weg. Wenns doch nur voranginge. Stau.

Wieder. Zäh fließender Verkehr. Was wohl gibt’s da zu glotzen? Blinkende Lichter, Fluter, Autos kreuz und quer, eines liegt auf dem Dach, dort ein umgestürzter LKW, irgendwas in Decken, irgendwas unter Decken, irgendwas hinter Decken, ein Polizist, noch einer, Feuerwehrleute, noch mehr Feuerwehrleute, technisches Gerät, imposant. Die haben alles im Griff, die da auf der anderen Seite. Der Mittelstreifen legt sich dazwischen, eine Grenze, die nicht überschritten wird. Na, ja, da vorn ist sie ziemlich ramponiert, da ist was durch, sind die Leitplanken zerfetzt. Dort geriet die Ordnung auseinander – und doch, das alles ist so weit weg, so beruhigend weit. So wie Asien. Da muss Benzin ausgelaufen sein, man kanns riechen, gut so. Dass mans riechen kann. Das Benzin, wenn’s ausgelaufen ist. Fugu, da muss man höllisch aufpassen bei der Handhabung.

Die Gaffer kennen keine Grenze. Die glotzen und glotzen, als könnten sie nicht genug kriegen. Ihre gewachsten Blechdosen gleiten gemächlich den Schrecken entlang, das Seitenfenster runtergekurbelt. Handyphotos: Ein Rücken unter Decke beugt sich über einen Bauch unter Decke, das Haar wirr. Der Rücken mit Decke bekommt Gesicht, schaut rüber, fliehende Blässe, schaut der zu mir? Verloren schaut der, oder ist das eine? Verloren, einsam, 3 Millionen Lichtjahre entfernt von zu Hause.

Wie Asien, wie Japan. Für die Menschen dort, sagt man, gibt es nahezu nichts Schrecklicheres, als das Gesicht zu verlieren. Den weißen Japaner hats komplett zerlegt. Gott sei Dank stehen da die mit den Decken und halten die hoch, ein bisschen höher, bitte. Bereitet man Fugu zu, darf die Hand nicht zittern. Da muss man sich auskennen, das hat man im Griff, in Japan. Dort gibt’s Lizenzen, seit die eingeführt wurden, sterben nur noch ein paar Hanseln daran, am Fugu. Die mit den Handys sind auf meiner Seite und knipsen wie doll, auf der anderen Seite jedoch dasselbe, recken die Dinger aus dem Seitenfenster in die Höhe – fehlt noch, dass einer aussteigt und mit der Videokamera draufhält. Oder, in den Schalensitz gekuschelt, Notizen macht für ein Gedicht und dann so schön abstrahiert, dem Fisch die Haut vom Leib zieht, dann die Leber raus, als gäbe es kein Morgen. Oh, wie schrecklich, oh, wie schön, haste gesehn, ey, kuck ma’, haste gesehn? ET zu Hause telefonieren. Der mit Gesicht, der mit dem bleichen Gesicht, der so verloren dastand, Schemen im Gleißen der Fluter - er zitterte am ganzen Leib. Am ganzen Leib zitterte er, am ganzen Leib, das lässt mich nicht los. Da vorne tut sich was. Bald geht’s wieder voran, endlich.

Die alte Frau in Japan, in eine Decke gehüllt klammerte sie sich an einen stummen Telefonhörer … aus dem Lautsprecher an der Seite des TV-Gerätes: “… die Kommunikationssysteme sind zusammengebrochen, tausende drängen sich in den Notunterkünften und versuchen vergeblich, ihre Angehörigen zu erreichen …“ … Sie zitterte am ganzen Leib, geschüttelt hat es sie, am ganzen Leib, am ganzen Leib und Leben, mit ganzem Leib und Leben, ihr ganzes Leben und ihren schmächtigen Leib.
“… I’ll … be … right … here! …“

Irgendwo ist eine Grenze, ein Leitgedanke, Anstand. Eine Grenze zwischen Berichterstattung und Quote. Nicht so gut auszumachen wie eine zerfetzte Leitplanke, wahrscheinlich näher dran als das Gesicht mit Decke und sicherlich ebenso weit weg. Bei einem Erdbeben hilft die ruhigste Hand nichts, da gibt’s Fugu mit fliehender Blässe. Irgendwo da draußen in Japan verlieren sie zu tausenden ihr Gesicht und die mit den Kameras halten voll drauf.

Niemand, der eine Decke hochhielte in Fukushima.

Ludwig Janssen © 25.7.2012

Samstag, 31. August 2019

Du bist der Sand

Du bist der Sand und Land
 Wo meine Sucht nur eine
 Bucht in der die kleinen
 Boote keinen Hafen fanden
Lässt mich versanden und
 Nun landen fremde Boote
 An deinem Mund ich kann
 Sie liegen sehen
Fliegen sehen mit dem
 Feinen ... Sand an meiner
 Küste und ich wüsste da
 Noch eine Insel schlafen
Zwischen Berg und See
 Liegt sie und träumt vom
 Fliegen. Komm! Lass uns
 An ihrem Sandstrand liegen …

14. Juni 2018