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Sonntag, 8. Februar 2026

Zwei am Meer

Dünung Bewegung ferner Stürme Schweigen

Wörter darin schwimmen schon lange nicht

mehr mein treiben Wolken salzige Luft landein

Wellenschlag verläuft flüsternd im Ufertraum

Schaum knistert Muschelschale wispert kaum

Tiefe Treibholz vergangener Schiffe landet an

dann Erzähltes zu deinen Füßen Horizonte


Ludwig Janssen © 8.2.2026

Montag, 29. April 2024

Am Meer

Dünung Bewegung ferner Stürme Schweigen

Wörter darin schwimmen schon lang nicht

mehr treiben Wolken salzige Luft landein

Wellenschlag verläuft sich im Ufertraum

Schaum knistert Muschelschale flüstert

Tiefe Treibholz vergangener Schiffe landet

an Erzähltes zu deinen Füßen Horizonte


Ludwig Janssen © 29.4.2024

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Kunde aus Innerwelt

Es ist ein Ineinanderdrehen
aus flüchtigem Begegnen
im Strom der Vielen nur ein Wirbel
ist Senken und Versinken

Nur Blätterrauschen eines Baumes
der schon längst Vergangenheit
trägt es ein Denken und ein Fühlen
hinein in dein Erkennen

das dreht und schwingt
vergeht und klingt
noch lange nach -
ach!

Nun trägst du, Mensch im Strom der Vielen
ein Bild in dir, das deines ist
sich für ein Ineinanderdrehen
bereit hält und sich dann – vergisst …


Ludwig Janssen © 07.09.2004

Mittwoch, 7. September 2022

Auch wenn du nicht verstehst ...

Es gibt solche Gedichte
die wirken wirklich
unwirklich unwirtlich
mit großen Augen
aus blauem Glas

So eins ist das
und Warten auf
ein Leuchten, dass
Lesen ist, Wirklicht
tiefes Mit, empfunden

So, mein Herz
magst du gesunden!


Ludwig Janssen © 23.9.2005

Sonntag, 30. Januar 2022

Linda said: "Never fall in love with a poet."

Never trust a poet.
They tell you to spread your wings
Not aware where you are
On a peak, in the dark
At the edge
Of all words.


Ludwig Janssen © 26.10.202

Quelle der Inspiration: Dieser Tweet

Sonntag, 6. Mai 2018

Inpoetur


Ja, er weiß
dass Tropfen fallen
die Gestirne leuchten
Wolken ziehen

Werden
hier, jetzt, morgen

Dennoch
lehnt er eine Leiter
in den Himmel …


Ludwig Janssen © 23.09.2003

Freitag, 4. August 2017

Nachtspalter


Ein Dichter saß bei Kerzenschein
dem Kontext folgend arm, allein
schrieb im Zucken schwachen Lichtes
die Eingeweide des Gedichtes

das sein Wirken krönen würde
Versah ein Forum mit der Bürde
des Genies, das hier leibhaftig
ein Gedicht schrieb, welches saftig

wie ein Pfirsich, aber grotte ...
Das Textlein ahnt' es - wurde Motte
stürzte sich zur Kerze hin
machte knisternd PRKST, verging



Ludwig Janssen © 29.7.2010

Montag, 6. März 2017

Aus einem Gedicht

Mein lyrisches Ich wäre
gern deines, komm, lies
dies, laut: Ich wäre gerne
Du in meinem Geist, frei
singt es dein Lied.

Ludwig Janssen © 6.3.2017

Freitag, 24. Januar 2014

Werwort Wiewort

Bloß keine Adjek
tive Lokomo
tel mit Apfelschim
melsfarbe Blau Zug
pferd im Gedicht
Wiewort Werwort
und irrgehnd Welche


Stümper Richter
Lichter Lohe Leder
Halt Bares Blöd
Sinn Schwätzer

Ludwig Janssen © 24.1.2014

Sonntag, 29. Dezember 2013

Wen der Wald holt

Auf ihrem Blick
ein Inne werden
sich selbst und
ausgebreitet liegen 

ist ein Geschenk
das still sich wortet
aus ihr, lädt ein
zu weiten Flügen 

ist Geist und pulst
noch warm, ist
was geschieht, sich dunkel
in mein Schreiben schmiegt

möchte aufgehoben werden
ist diese Welt in ihrem Drehen
oder dieser Amsel Lied 
Ludwig Janssen © 18.10.2006 überarbeitet 29.12.13

Montag, 2. Dezember 2013

Eine Dose Wort

Eine Dose Wort:

flunderwunder 

Wird man mich
orten können
in worten

in schwärmen
silbriger fische
wärme und riefe
wer in die tiefe
worte hinab
worte nach mir

worte


nach


mir

ich antwortete nicht
aus dem schiffe
im riff riefen fische
auf fragen

worte verorten worte
orten verorten ver              orten
verworten ver worten
verwerten ver werten
wehrt dem verwerten
wehrt den verwertern


orten können
aus worten können
fische aus worten
aus worten fische:

worte

.

worte


.


worte

Und über allem wellen, allen qualen
allen quallen quellen worte wieder
die ich erwidere, gefiederte wiederworte
wunder winden sich aus wunden
verwundeter flunderworte:

über allem vlinderfinder
auf die kinder wie vlinder warten
im garten, finger spitzen gefühl
flaschengrün wie verwunschene seen
und im flaschengrün blaue briefe
mit fischen aus fernlichter tiefe:


vlinder flunder wunder schön



Matjestät Janssen © 17.9.2008

Freitag, 15. November 2013

Menschen am Meer



Menschen stehen gerne am Meer oder sitzen
in Zimmern und denken sichs her und das Meer
brandet und landet und schweigt an ihnen
sich an, wiegt und schmiegt sich, das Licht

bricht funkelnd. Als ob ihr verborgener Schoß
nach ihnen und sie zu sich riefe, schreiben sie
groß zu ihm - und aus ihm heraus sich: Tiefe
ihr Dunkel, die Unberührte, das Anverwandte

Ich weiß sie stehen, mich unter ihnen, und das
Wort brandet und landet und schweigt sich an
Unvorstellbar große Menge Wassers und wie das
sich wölbt mit den Wolken und zieht sich unter

den Füßen tief ins Land hinein und Kometen
schlugen ein zu ihrer Zeit, will man meinen, in
den brodelnden Planeten, ich spüre es regnen, die
Tropfen klopfen Sekunden zu Stunden darin

geht mein Sinn mit den Flüssen und deinen Küssen
nach, wie die Tiefe des Meeres so fern und so dunkel
das Meer bleibt weitgehend unbekannt und dem Land
Rand zu sein Unbekanntem, Erscheinen, will meinen

Heut ist ein schöner Tag am Meer.

Ludwig Janssen © 15.11.2013

Samstag, 12. Oktober 2013

Vom Fallen

Das schreibt sich leicht: berühren
doch spüren, wie beschreibe ich
das? Dass längs meiner Rippen
bögen mir war, als ob dort Vögel
zögen, Gänse, auf dem Weg nach
Süden, und das alles in mir müden
Mann? Wie kann ich dir erklären
dass, wenn es Fingerspitzen wären
auch diese solchen Vögeln glichen
dem Winter wichen, rufend, und
meine Lippen formen Wolken, jetzt
mundgeblasen schon verloren, preis
gegeben, irgendwo zu regnen, als
das, was mit Flüssen geht zu Meere
nicht nach Alter fragt und Zeiten
los gelassen selbst genügt, sich
zu sein, mein Herz, dein Augenblick
 
Ludwig Janssen © 9.3.2009

Dienstag, 20. August 2013

manchmal ist ein gedicht wie eine senkkopfschraube



manchmal ist ein gedicht wie eine senkkopfschraube
schneidet gediegen sich irgendwo
gemäß din sieben neun sieben zwo

durch blech

senkt den kopf, ist einfach

weg


Ludwig Janssen © 8.8.2010 

 

Montag, 4. März 2013

Hermenautik

Wenn dich nun die Tiefe riefe, oder
all der Moder, darunter, da runter
kämest du nicht ohne mich, sprich
das Gedicht, das Schiff ist, und darin


Sinn, vielleicht sich selbst das Riff
das sich den Weg reißt in den Bauch
auch blinder Passagier dir und passare
volare bleibt dem Möwenvolk und

seinen Schwingen, diese klingen
nach und nach so fern und über
dir ist Untergang, dein Sinken Suche
Heimat, was dir Möglichkeit, bleibt

unersichtlich, gründlich unergründlich
doch am Grunde liegt im Grunde offen
bar, was war, sein könnte und Sekante
leise, schneidet Flächen, Linien, Kreise
Ludwig Janssen © 4.12.2011

Freitag, 8. Februar 2013

Erinnerung an den Powid L.

"erinnerung an die ..." aquarell ludwig janssen
So manches Jahr, in blauem Wiederkehren
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich es, das stille wahre Schreiben
In meinem Sinn als einen holden Traum.
Um uns herum in schnödem Wortgewimmel
Da war Powidl, den ich lange sah
Er war sehr schwarz und ungeheuer klebrig
Und als ich aufsah, war er nimmer da.

Und jedes Jahr sind viele, viele Münder
Geschwommen voll, mitunter mit Geschrei
Die besten Pflaumenbäume - abgehauen
Und fragst du mich, was mit dem Schreiben sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiss, ich weiß schon, was du meinst
Doch sein Geschick, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich wollte es dereinst.

Auch, dass ich wollte, hätt' ich längst vergessen
Weil stets Powidl dagewesen wär
Den weiß ich noch und werd ich immer wissen
Er ist sehr schwarz und macht das Schreiben schwer.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und mancher Text ergibt vielleicht noch immer Sinn
Doch alles Schöne blüht nur für Minuten
Wenn ich nicht aufschau, powidlt’s schon darin.


Ludwig Janssen © 26.7.2011

Sonntag, 27. Januar 2013

Gedicht über Gedichte


Hier bin nicht ich, hier ist dein Lesen, Wesen, ist dein
Lesewesen Lebewesen. Neue Besen kehren gut, nur
Mut, ich ahne schon dein Eilen zwischen Zeilen, dein
Verweilen magst du nicht, vermagst nicht Lesen lesen

Jetzt, wo alles gelesen ist und kaum verstanden
wurde, wird mir ein wenig blümerant: Verstand
ist auch den Dummen kein fremdes Land, ein
kleines wohl und sehr entlegen meines ebenso

fern ihnen bin ich gerne, Ferne, Sterne Sand und
irgend ist ein Wo bin ich so irden ein Gefäß, in dem
strande und versande ich, versende mein Ende
Unbekannten Ursprungs ist mein Strand und all

dein Muschelweiß und Calciumhydrogen
carbonat säumt meine Ufer, an denen suche, rufe
ich nach Bernsteinfarben und Wunden, längst
vergangener Bäume Träumen in … Meeresweiten

Zwischenräumen wohnst du inne und ich spinne
einen Faden, Wortreich voller Klang, Gesang vielleicht
doch sicher voller Binnenreime ist dieser Raum hier
wo ich lebte nur ein Schreiben lang und du ein Lesen

Hier bin ich nicht, hier bin ich nur gewesen, war, gebar
und zeugte, lieb, äugte, beugte über Siegel mich und Seen
die stumme Spiegel sind mit Wellen, kleinen Dellen, die
sich wiegen, lichtern übers Wasser laufen und vergehen


Ludwig Janssen © 10.3.2012