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Sonntag, 20. Oktober 2013

Flashback

Gott schickt immer einen neuen Propheten, wenn er etwas mitzuteilen hat. Mohammed kam nach Jesus. Daher löste die Lehre Mohammeds die Lehre Issah ab und daher sei ich ein Irrgläubiger, erklärte Afa Asumah und wir tranken Pito und die Nacht war voll Herzschlag du-dungg, du-dungg gingen die Trommeln im Dorf, eine der nächtlichen Sessions der jungen Leute, die dort tanzten und lachten. Ich erzählte von Jesus und der Bergpredigt, soweit ich sie zusammenbrachte, vom Nächsten und der Liebe, wir tranken Pito und die Nacht war voll du-dungg, du-dungg und voller Sterne, die Sichel des Mondes eine Schale und ich nahm mir nie genug Zeit, das alles festzuhalten. Wir sprachen von Ti-doh, dem Gott, der aussieht wie ein Ypsilon, von Frauen, die als Lichtkugel durch die Nacht flogen oder als Python das Vieh der Nachbarn stahlen, von Juju, Vanishing-Juju und warum ich das nicht haben wollte. Wir tranken Pito, die Nacht rückte die Puffottern und schwarzen Kobras näher, mein Hund träumte von der Jagd oder einer Hündin und die Luft roch nach Holzkohlefeuern. Du-dungg, du-dungg und rings um uns Grillen und Zikaden. Ja ka a jinna, Nakorrah-Doh? Nngò.
[Ich habe Heimweh, ich habe es Charles Gebute gesagt, damals, als wir von Extension-Tour heimkamen und der Harmattan seine rote Wand über die Ebene schob - i will miss this place, Charles, und er hat nur gelacht, weil das die ungemütlichste Jahreszeit war.]
Das Dagbaniwort für Heimweh habe ich nie gelernt. Doch manchmal wohne ich noch immer dort und sitze in der Nacht vor meinem abgelegenen Haus im Busch, du-dungg, gdung, dung dunggggg - trommeln die mit dem Tom-Toms und den Simpas - ich war viel zu selten unter euch in solchen Nächten. Ich hörte aus dem Trommeln den Herzschlag heraus und atmete tief durch. Im Rückblick war ich tatsächlich ein Preuße im Busch - habe mehr an die Arbeit gedacht als daran, dass ich nur für kurze Zeit in dieser Welt leben und arbeiten durfte. Zwei Jahre haben mich geprägt. In dieser Welt jetzt bin ich manchmal fern, dann liegt in meinem Blick etwas du-dungg, du-dungg, gdung-dung-dungg, das leicht zu überhören ist ...



Ludwig Janssen © 9.2.2006

Sonntag, 5. Mai 2013

“Whatever you do ...” RAP


Flow für Suleimana Wumbei, Sohn Wumbei Mbangbas, dedicated to the people of Ghana and Dagbon. Ghana, Northern Region, GGADP-Extension-Station Nyankpala, 1982-1984

 

 

Kleine Zeitreise ...
 
 
 


N’ngmojah
out of africa /
s drums comes /
talking truth / my
blues's like the red dust /
long gone a long way, away,
my gone astray / lost on my own cost /
from my shoes,
but in the cotton of the hand-made hat i wore /
moves this ancient sore i bore/  
witnessed by it’s never fading laterite trace /
smooth story-telling about a hidden place /
where a young german proved
that he had been moved /
by his thoughts of ancestors/
forced to kill / by a savage will of a nation gone bad /
so this innocent lad went on behalf of this fathers –
showed to far-away-people with red blood in their veins /
that at times god rhymes good times and some times
so that the one who refuses to kill sometimes gains /

and that “for sake of peace” - hate flees - not in vain his fathers
survived /
two cruel wars, arrived /
at Nyankpala, to serve two nations - and "patience is sweet"
became his name, which the tom-toms drummed /
while he hummed / his humble love to flower / shower, fresh rain,
brain-drain and true gain, on both sides left,
even when there was nothing more left,
that could talk about, walk any or draw a line /
to define lines or sides at all - except the line of
a bullock-plough, which turned laterite soil to bear fruit - alles wird gut –
his tounge was young till he left this place, left a trace
of love with friends who cared - spared time, took "take time" within
with him, “for the long” along with him there goes Ghana,
Dagomba he is, hidden - and place - "fili-fili", maybe "kotta-kotta" –
'cause he caused them - and they caused him,
not to be the same anymore,
but more to the one who came /
and fate - is what we made each other,
my brother/ lives within my laterite veins/
and if he's still alive, his heart-beats'll bear a young german/
through Harmattan nights, and tribal fights, his struggle for food and live,
and within his dignity's smiling rays/
that’s what an old german father prays
to praise the ghanian roots he kept
through times and loss - and trees of such roots
root the world ‘n don’t rule any man, ingrain laterite veins for all times
”whatever you do – people will talk about you”
rhythm and poetry rhymes

makes Rhine and White Volta flow pretty close/
here goes – glimpse of what’s dear
a grateful old german volunteer


Ludwig Janssen © 1.11.2008

Anmerkungen:
“Whatever you do ...” - auf den Mama-Lories Ghanas steht "Whatever!" für das Sprichwort "Whatever you do - people will talk about you" ...

“Bi gorra o piem o ba“ – „Ein Kind, das reiste, ist älter als sein Vater” – Nyankpala-Na, Erwiderung zu meiner Begrüßung







Dienstag, 12. Februar 2013

Eie Piphan hat eine Erscheinung


Eie Piphan hatte eine Erscheinung, und wäre nicht Soistes Numa Augenzeuge - niemand würde ihm glauben. Die beiden Fischer saßen in ihrem Einbaum, der sich in der Dünung vor der westafrikanischen Küste in Sichtweite von Elmina wiegte, hatten ihre Netze ausgeworfen und waren dabei, sie einzuholen, als Gott an Eie Piphan vorbeiflog, und zwar von links nach rechts, ziemlich schnell und ebenso eindeutig. Er machte einen Kopfstand.

Eie rief "U!",

Soistes fuhr herum, verlor das Gleichgewicht und sah in das erstaunte Gesicht seines Freundes:

"Hm?"

Das wars auch schon.

Piphan schwieg, denn weder konnte er sich erklären, was da soeben an ihm vorübergeflogen war, von links nach rechts und ziemlich schnell, noch konnte er sich in Ermangelung geeigneter Vorkenntnisse dessen Eindeutigkeit sicher sein.

Man darf also mit Fug und Recht behaupten, dass diese Erscheinung Eie Piphan völlig unvorbereitet und ahnungslos angetroffen hatte und auch ließ, ja, man darf sogar davon ausgehen, dass diese Erscheinung, wäre es anders, gar nicht zu Stande gekommen wäre, womöglich auch nicht zu Kopf gestiegen, weil das mit dem Stand und erst recht mit dem Kopfstand auf den Wogen des Atlantiks vor Ghana schon ein Ding gewesen wäre, das höhere Wellen geschlagen hätte als die um den Einbaum es waren und weitere Kreise gezogen als jene, die nun von Soistes Numas Oberkörper ausgehend die Dünung kräuselten. Eie Piphan reichte seinem rücklings über Bord gegangenen Freund die Hand, zog ihn zurück ins Boot und bat um Nachsicht, dass er ihn erschreckt hatte.

"Ach ..." Vater Numa hatte seinen Sohn Bescheidenheit - und zu schweigen gelehrt.

In der Familie Piphan war das eigentlich anders. Doch da Eie Piphan zwar wusste, dass er etwas gesehen hatte, nicht jedoch, was und erst recht nicht, wen, blieb diese Erscheinung unerwähnt.

Gott wars recht. Er hatte es auch nicht anders gewollt.

Hätte ein religiöser Mensch oder ein Philosoph mit Soistes Numa im Einbaum gesessen, hätte er nicht mehr zu sehen bekommen als eine Möwe.

Auch gut.
Ludwig Janssen © 7.8.2010