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Sonntag, 24. Februar 2019

Katzen, Vögel und Fenster

Die Katze auf meinem Schoß schnurrt, dass sie mein ist für ein kurzes Nickerchen bis zum nächsten Vogel, der sich auf die Fensterbank setzt. Gleich in mein em Arm Menschen, die denken dass sie "da Katz ghean" noch bevor die frühen Vögel vorüber fliegen, am Fenster schlafen sie ein.

Ludwig Janssen © 23.2.2019

Dienstag, 26. Juli 2016

Ein weiteres, alltägliches „Im Westen nichts Neues“


Nein, für heute ist es genug. Nein, heute lasse ich keinen Terrorakt aus der Kiste springen, und ob da wer irgendwo mit einer Machete jemanden tötet ist, bei aller Tragik, nichts, was um die Ecke wartet. Angst dampft aus allen Poren des Worldwide Webs. Angst, ja? Wirklich – Angst? Ein fernes, schreckliches Ereignis, und mit einem Mal entschleunigt die Gegenfahrbahn und macht Fotos. Ich mittendrin. Stau auf der Gegenfahrbahn. Gott sei Dank spannten die Ordnungskräfte einen des Menschen würdigen Sichtschutz, winkten die Gaffer ebenso durch und, noch besser, rissen nicht jedes mögliche Fenster auf. Angst? Bei einem Verkehrsunfall zu sterben ist wahrscheinlicher als bei einem Terroranschlag, einem Amoklauf umzukommen. Und ja, für die, die umkamen, wars nicht witzig, war es nicht ein Betrunkener am Steuer, war es keiner, der ein riskantes Überholmanöver unbedingt durchziehen wollte. Doch ihr seid, wir sind die auf der Gegenfahrbahn und unterwegs in die andere Richtung. Alles pray for eher prey of … (prey on?)

Heute war ein schwerer Arbeitstag. Gleich zwei Weltuntergänge für jeweils einen Menschen, im Grunde heilbar, für die Betroffenen jedoch eine tief greifende Erschütterung. Ihres Lebensplans, Erschütterung all dessen, was sie über lange Jahre von sich gewiesen hatten und das sich ihnen nun, so weit ihr angeschlagenes Erkennen dies zuließ, offenbarte: Ein Leben im Altenheim. Lange, leise, wertschätzende Gespräche. Weite Spaziergänge. Im Kreis, durch ein gelebtes Leben, durch eine Geschichte, durch Flucht, Vertreibung, traumatische Erlebnisse, die sich nach vorne drängen, wenn man den Halt verliert, ins Ungewisse – doch in Begleitung. Im Kreis - doch fanden beide aus ihrem Kreisen um ihre erschütterte Mitte zu Ruhe und wieder zu sich. Zu sich und zu dem, was sich ihrem Erkennen und Empfinden an Halt bot. Alltag in Deutschland. Ist, was alles in einen Tag passt. Und das wartet auf nahezu jeden, der es schafft. Hinter den Horizont. In Fahrtrichtung.

Das genügt mir für heute. Und morgen ist ein neuer Tag.

Ludwig Janssen © 25.7.2016

Sonntag, 26. Januar 2014

Du möchtest heim

Du möchtest heim in deinen Augen
blicken geht ein Traum mit frohem
Mut dir geht es gar nicht gut hier
wo du bist so ohne Schale unter
gehend unter Fremden eine Sonne
möchtest du Du nicht sein nicht


eingewiesen angewiesen deine
Wiesen warten farbenfroh und munter
taumelst du mit Schmetterlingen
Taumelst sichres Fuß vor Fuß mag
kaum gelingen übern Flur hier folgt
deiner Spur Zerbrechen Tag für Tag


schenkst du anderen von deinem
Wesen aus dem lichten Stern Kern
schmelze speist das Strömen auf
den Fluren blieb die Unruh Zeiger los
gelösten Uhren ohne Schlag
werk tagsüber Gruppenangebote

Ludwig Janssen © 26.1.2014

Sonntag, 5. Mai 2013

Sequenz … mit einem Kind und einer alten Frau darin

Der Blick ihrer großen blauen Augen staunt in eine Welt hinein, aus der ihrer sich verliert. Ihr Begegnen wirkt eine Brücke, eine, die sich unverhofft spannt und einlädt. Auf einen Schritt weiter. Vom Scheitel ihres Bogens aus hinabgesehen und etwas streicht durch mich hindurch wie der Südwind durch die Hecken im Mai. Sterblich jung jede Falte, Brosamen auf den Heimweg gestreut. Einen nach dem anderen aus der Hosentasche verloren wie zufällig. Graue Tauben im Gefolge. Das Kind ein heiles, von der Welt und den Versuchen, es wund zu zähmen, erzählt es mit Verwundern. Die Alte lächelndes Loslassen, Demenz? Nein. Es sind die Dinge, die sich verlieren, wenn nichts mehr hält, sie und das Bleiben. An der Hecke erstes Grün, nicht das Erinnern, das eine links, das andere rechts, der eine Blick im Blick der anderen, der wieder aus dem der anderen sich verliert mit der Welt.
Ludwig Janssen © 5.5.2013

Donnerstag, 13. September 2012

Sequenz ... mit einem schönen Gedanken darin

Heute hatte ich einen schönen Gedanken, einen wunderschönen. Nahm ihn behutsam aus meinem Denken, setzte ihn auf den Horizont und bat ihn, dort auf mich zu warten, worauf er sich verlor.

Oder war ich es, der ihn verlor? Ich weiß es nicht. Es war darin etwas das Atmen einer jungen Frau, für die ich mich viel zu alt fühle, etwas Duftendes, etwas wie ein Sommertag, wie er sich in den Augen meiner Freundin spiegelt, wenn sie mich darin einschließt. Etwas wohnte diesem Gedanken inne, das mich daran erinnerte, unsterblich zu sein, zumindest einen Augenblick Ewigkeit lang … oder wars einen Augenblick Ewigkeit entlang? Ich weiß es nicht, ich hätte ihn aufschreiben sollen, und doch, gerade weil er sich verlor – und viel leicht auch … als …

Als er sich also, so auf dem Horizont sitzend, oder ich ihn, dem Horizont ab- und einem wichtigen Gedanken zugewandt, verlor, entschlüpfte er dem Schicksal aller Gedanken, zu Ende gedacht zu werden, nein, zu sein – und sicherlich sitzt er mir gerade jetzt verloren schön auf der Schulter und überträgt sich.



Ludwig Janssen © 30.8.2012