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Dienstag, 8. Dezember 2020

Das Ende des Sphüngs

Als der Sphüngs sein Ende nahe sah, beschloss er, dem ein solches zu bereiten und stürzte sich zielstrebig darauf. Eigenartigerweise nahm sein Ende Reißaus vor ihm. Von der Vorstellung beseelt, auf diese Art Unsterblichkeit zu erlangen, trieb er es vor sich her. Denn so, meinte der Sphüngs, könne er es noch auf Jahre von sich fern halten. Leider ermüdete sein Ende und der Sphüngs bekam es zu packen, biss zu! Die Erkenntnis, wie schmerzvoll solch ein Ende sein kann, durchfuhr den Sphüngs wie ein Blitz. Von der Schwanzspitze her, natürlich. Während der Schmerz nachließ, wunderte sich der Sphüngs: Wie ihn etwas, das er vor sich her jagte, von hinten erwischen konnte. Sphüngse! 


Ludwig Janssen © am 1.7.2006

Donnerstag, 11. Juli 2013

Der Sphüngs als sowas wie Lachsersatz

Jeder weiß, dass so ein Sphüngs schönen Worten zugeneigt ist. Besonders, wenn sie etwas Leckeres versprechen. Als man ihm sagte, er würde das neue Nilpferd des Kölner Zoos zum Fressen gern haben, weil es so niedlich rundlich sei, wurde unser Sphüngs neugierig, kaufte sich eine Eintrittskarte und flog gestern so gegen 22 Uhr hin, um sich davon zu überzeugen.

In den frühen Morgenstunden fanden ihn die Wärter, restlos überzeugt und um die Niedlichkeit des Nilpferdes runder, in der Mitte des Geheges, flugunfähig fett, nett und furchtlos.

Der Nilpferdwärter  schüttelte den Kopf, malte auf die Hinweistafel zwei Flügel und einen Schwanz an das abgebildete  Nilpferd und präsentierte die neuste Errungenschaft des Zoos einer Horde staunender Erstklässler: Sphüngse!
 
Ludwig Janssen © 3.7.2006

Montag, 14. März 2011

Der Sphüngs und die Punkte

Neulich schillerte mir der Sphüngs ein Erlebnis seiner letzten Literadtour, als er drei Punkten in eckiger Klammer lauschte: . sagte, er würde ihrer Gefangenschaft ein Ende bereiten, . meinte, dafür müsse er mit . tauschen, der stehe schließlich rechts, doch der meinte, dass er als dritter . quasi so etwas wie der Trittbalken an der Sprunggrube in einen neuen Gedanken sei und daher nicht weg könne. Worauf . meinte, er sei schließlich als Mittel-. unverzichtbar und wertvoll – dass die beiden : seien, folglich seine Satelliten und gefälligst um ihn zu kreisen hätten. Darauf schwiegen die beiden .. beleidigt und wollten weg. Nun aber, meinte der Sphüngs zu den dreien, setzte wer euch in diese blöden [] und ihr seid als […] nicht weiter der Anlauf in einen eigenen Gedanken, sondern Platzhalter für etwas Fehlendes, das ein Fremdbestimmer für unwesentlich hielt. Ein Skandal, meinten sie. Nicht genug damit, . und . müssten jetzt auf immer und ewig aushalten, dass . sich für den Nabel der .-Welt hält, keinen . macht und nichts anders ist als ein ., .um - dabei wären sie früher drei unzertrennliche, hoffungsfrohe Sangesbrüderchen gewesen, die ein Lied davon zu singen wussten, dass es irgendwie weitergeht, wenn man nur genügend Phantasie hat (AH! ich sehe, zwinkerte der Sphüngs, dass sich einer von ihnen auf den Weg machte, diesen Text abzuschließen). Ich wollte noch etwas Kluges erwidern, doch der Sphüngs hatte den . schon gesetzt und so bleibt mir zum guten Letzt nur der befreiende Seufzer: Sphüngse …


Ludwig Janssen © 21.4.2007


Dienstag, 9. Oktober 2007

Weltmeister Sphüngs

Der schwedische Sphüngs wirkte unentschlossen. Da er den Spunk seiner Mannschaft an Pippilotta verloren hatte und Kalle Blomquist ihm keinen neuen aufspüren konnte, musste er sich selbst im zentralen Mittelfeld positionieren. Defensiv, natürlich. Nur wusste er nicht, wie deutsche Stürmer schmecken. Nun ja, probieren kann ich ja 'mal, dachte er sich, vielleicht schmecken die verschwitzten Waden nicht so pelzig, wie sie aussehen, sind ja gut gesalzen. Der Schiedsrichter pfiff die Partie an. Zehn Minuten später endete sie. Sphüngse können ja so maßlos sein...


Ludwig Janssen © 24.6.2006

Sonntag, 30. September 2007

Sphüngs unterm Rad

Der Sphüngs war schockiert. Irgendwer hatte ihn gefesselt und geknebelt geschrieben. In ein elektronisches Gästebuch, und dieser Zustand lag nun einmal nicht in der Natur des Sphüngs’. Drückte er doch aus, dass er, der freie, der Phantasmus, in seinem Bewegungsspielraum erheblich eingeschränkt war. Traurig blickte er seinen Ausdenker an. Der meinte, dass sowas auch 'mal sein müsse, wolle man als Kunstfigur ernst genommen werden. Auf telepathischem Wege und über seinen betrübten Blick ließ der Sphüngs wissen, dass dieser Gedanke gequirlte Sophistenkacke sei und er unabhängig von den Wertvorstellungen eines Ausdenkers bestehen könne, der Wert auf seine Reputation lege und die eigene über die seiner Geschöpfe definiere.
Das hier sei Freiheitsberaubung und man hätte ihm Gewalt angetan, dies auch noch in aller Öffentlichkeit. Auf Ernsthaftigkeit pfiffe er was, meinte der Sphüngs, wenn er dafür etwas erdulden müsse, das seinem Wesen fremd sei und über das er keine Kontrolle habe.
Der Ausdenker schwieg betroffen und bereute, ihn so geschrieben zu haben. Ob es wohl zu einer Versöhnung käme? Ein Hauch Schöpferallmacht stieg in ihm auf. Dann schickte er den Eintrag ins Gästebuch ab.


Ludwig Janssen © 28.9.2006

Dienstag, 25. September 2007

Der Sphüngs, just gelandet in Goudanien ...

Sphüngs, als het je belieft

Der Sphüngs war nach überreiflicher Legung zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen es nicht gut meinten mit seinesgleichen. „Monster“ nannte sie ihn, und obwohl er mit seinen ausgelassenen Flugkünsten jeden bunten Flitterfalter in den Schatten stellte, brachten sie diesen schuppigen Flugraupen mehr Sympathie entgegen als ihm, dem unvergleichlichen Phantasmus der Lüfte, dem prächtigen Schönschwurbler, dem mächtigen Helden der Elben.

Man missbrauchte ihn sogar dazu, kleinen Kindern Angst einzujagen und sie absurden Erwachsenenideen gefügig zu machen wie „Früh-ins-Bett-Gehen“ oder „Liebsein“ (womit Erwachsene meinen, dass ein kleiner Großgeist ihnen keine Schwierigkeiten machen und ihnen ein ungestörtes Leben bereiten soll).

Sie selbst, mittlerweile zu großen Kleingeistern metamorphiert, hatten auch das Krümelmonster aus der Sesamstraße verbannt. Jahrelang war es ihnen gut genug gewesen, Kekse, Buchstaben und Zahlen zu fressen. Hatte dabei, wie es nun einmal in der Natur ehrenhafter Monster angelegt ist, zugleich ein bisschen Anarchie und Widerstand gegen das widerwärtige frühkindliche Einschleimen von Schulwissen in die werdenden Kämpferherzen gestreuselt. Als die dann später nicht nur die offizielle Lehrmeinung (in sich hinein) fraßen, sondern auch gelegentlich Bücher und Lehrer, war es bald aus mit dem blauen Krümelmonster und seiner Karriere als so genannte „öffentliche Vorbildfunktion“.

Mir wird das hier nicht anders ergehen, resümierte der Sphüngs und dachte ans Auswandern. Nur – wohin? An einer Autobahnraststätte entlang der Route von Westen in die verschneiten Berge der südlichen Lande dann, genauer gesagt in einem Papierkorb der Raststätte Würzburg-Nord, machte der Sphüngs eine erstaunliche Entdeckung: Es gab im Westen Europas ein Land, in dem die Menschen Monstern gegenüber durchweg positiv eingestellt waren! Dort in Gouda pries man nicht nur den heimischen Käse, dort pries man auch die Monster! Man versprach Gratis-Monster, Monster hier, Monster da, lächelnde Menschenfrauen drückten (seltsamerweise verhüllte) Monster an ihre üppigen Brüste oder reichten ihren Kindern sorgfältig verpackte Monster für die große Pause in der Schule. Sogar ihre Königin empfahl dem Volk den unbefangenen Umgang und die Vorzüge der unterschiedlichsten Monster.

Na, wenn das so ist, dachte der Sphüngs erleichtert und machte sich unverzüglich auf den Weg. Er breitete seine Schwingen aus und flog westwärts. Die Navigation war kein Problem, er folgte einfach dem sich mit zunehmender Dunkelheit unter ihm lichtenden Lichterband Richtung Salzwasserluft. Wie würden die Menschen dort sich freuen, wenn er ihnen erschien, malte der Sphüngs sich aus. Sicherlich hätten sie nichts dagegen, wenn er eines ihrer Nilpferde zum Nachtmahl wählte oder zum Frühstück einen der städtischen Teiche von der Entenplage befreite. Sie würden ihn anlächeln, die Goudanier, ihren Kindern ans Herz legen und ihre wunderschönen Frauen würden ihn an ihre üppigen Brüste drücken. Als kleines Dankeschön könnte er dafür eine nützliche Aufgabe übernehmen, bei der seine Talente zur Geltung kämen. Zum Beispiel würde er sicherlich einen ausgezeichneten Sinterklaas abgeben, „echt flugtauglich“, nur einen Esel zur Wegzehrung bräuchte er alle zwei Flugstunden – und mit äußerster Sorgfalt würde er selbstlos, ohne sich um den Verlust seiner Figur zu scheren, die Kinder vor schädlichen Süßigkeiten bewahren. Zugleich segensreich, wie in den guten alten Zeiten das Krümelmonster, ein wenig Anarchie und das Wissen um die Essbarkeit von Lehrern blütengleich in ihre kleinen bubbernden Herzchen streuen. Ja, schwelgte der Sphüngs in vorweggenommenem Glück, er würde sich sogar dazu hergeben, den einen oder anderen goudanischen Lehrer höchstpersönlich aufzufressen, wenn das im Sinne seiner löwenherzklopfenden Klientel wäre.

Derart beseelt setzte der Sphüngs um 24 Uhr MEZ auf einem hell erleuchteten und stark frequentierten Platz Amsterdams zur Landung an und bereitete den dort anwesenden Niederländern seine strahlende Erscheinung.

Diese wiederum war den Monster-Küssern und Monster-an-den-Busen-Drückern wohl doch etwas zu gewaltig, denn anders als in der Vorstellung des Sphüngs kamen die Menschen nicht etwa alle herbei geeilt, um ihn freudig willkommen zu heißen, sondern stoben laut schreiend in alle Himmelsrichtungen davon. Bis auf ein paar wenige Exemplare, deren Gesichter die Farbe des auf den Plakatwänden angepriesenen Käses angenommen hatten. Wie schön, dachte der Sphüngs, dass man die Goudanier auf diese Weise so gut von den Ignoranten im Osten unterscheiden kann. Freudestrahlend stürmte er auf sie zu und forderte sie ungeduldig auf, ihn unverzüglich ihrer Königin vorzustellen und ihm die Dienstkleidung des Sinterklaas sowie ein Dutzend Esel auszuhändigen. Sphüngse …

Ludwig Janssen © 24.9.2007

Sonntag, 23. September 2007

Warum der Sphüngs nur noch selten eingeladen wird

Das Geburtstagskind müsse jetzt die Kerzen auspusten, hatte man ihm gesagt. Der Sphüngs hatte zwar keinen blassen Schimmer, aus was die gepustet werden sollten, doch würde es wohl als ein Akt zuvorkommender Freundlichkeit aufgefasst werden, dachte er so bei sich, wenn er das erledigen und sie aus der Torte pusten würde, deren Verzehr sie offensichtlich hinderten. Das sollte genügen. Zeugnis des guten Willens, Ausdruck selbstvergessener Hilfsbereitschaft. Schließlich war er schon vorösterlicher Ausblasungsexperte unter Schliemann, Sandstrahlgetriebener und zuständig für die Wüstenstürme Ägyptens und so (was ungefähr „weiter westlich“ bedeutet).
Mnjam, mnjam, dachte er noch mit begehrlichem Blick auf die Kirschen, als er tief Luft holte und die Lippen spitzte. In Bruchteilen von Millisekunden zerriss die Torte - zerstob in winzige Fetzen und legte sich als schillernder Fettfilm auf Wände, Fenster, Türen und die Gäste, die sich starr vor Schreck in den Teppich krallten.
Schulligung! - rief der Sphüngs, schon mitten im Sprung, sein Missgeschick aus der Welt und ihren entsetzten Gesichtern zu schlecken.

Ludwig Janssen © 26.11.2006

Samstag, 22. September 2007

Der Sphüngs als Rätselhaft

Der Sphüngs wunderte sich. Immer wieder bauten sich Menschen vor ihm auf und erwarteten, dass er ihnen ein Rätsel stellte, so eines mit dem Schwierigkeitsgrad ‚Auf Leben und Tod’ oder so. Zumeist standen sie für ein Weilchen da und versuchten sich an einer Art stolzem Blick, der wohl keine Zweifel aufkommen lassen sollte, dass gerade sie und niemand anders auch auf das verzwickteste Rätsel die richtige, heldenhafte Antwort wüssten. Dann, wenn nichts geschah, was auch nur annähernd als ein an gerade sie gerichtetes Rätsel interpretiert hätte werden können und sie sich um ihre Chance gebracht sahen, dass je einer ihrer klimpernden Passepartouts sie mit hehrem Glanz umspülte, wandten sie sich enttäuscht ab, fluchten lästerlich oder brachten ihr Missfallen und ihre Geringschätzung des Sphüngs auf andere abfällige Weise zum Ausdruck. Nachdem er sich das eine Zeitlang angeschaut hatte und auch die Vorstellung, die fettesten von ihnen zu fressen, ihm eher Übelkeit bereitete als dass sie die Langeweile ihres unhaltbar hochmütigen Anblicks vertrieb, hatte der Sphüngs eine Idee: Er stellte fortan aufmerksam die großen Ohren auf, fixierte die Helden mit seinem Blick und schillerte sie aus der Tiefe seiner großen Augen grundlos an. Dazu lächelte er, natürlich mit äußerster Geheimung und Milde. Ob es nun an den Geräuschen lag, die sie zu hören glaubten und doch eigentlich fühlten, an visualisierten Berührungen, oder ob sie ganz einfach nur in den Turbinensog der wirbelnden florfliegengrüngoldenen Iris und ihrer Kiebitzeierflecken gerieten, wird nie wirklich geklärt werden. Wahr ist nur, dass die Menschen, die dem Sphüngs seitdem gegenüber stehen und ihm in die Augen schauen, Fragen stellen. Große Fragen, die sie sonst nur an Gott oder einen Narren richten würden. Wenn sie sich das getraut haben und die Frage gestellt ist, wundern sie sich darüber und wollen wissen, warum er ihnen nicht antwortet. Ich bin ein Sphüngs, antwortet er dann auf diese kleine Frage und lächelt.

  Ludwig Janssen © 28.11.2006

Freitag, 21. September 2007

Der Sphüngs - ein Rätsel?

Man sagt, der Sphüngs könne katzengleich rätselhaft sein. Aber manchmal frisst er nur Fisch und riecht danach - wie Menschen. Rätselhaft.

Ludwig Janssen © 18.6.2006