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Sonntag, 25. April 2021

Schöpfungsgeschichte

Nicht der auf dem Tisch
Fisches Traum

nein, der lebendige hier
träumt seinen Raum oder
sind das etwa wir, lebt er
doch, Traum, in unserem
Vermögen, zu erschaffen
stammt er von uns ab und
wir von träumenden Affen

Sonntag, 21. Mai 2017

... von mir


in kiel ist das wasser
salzig, falls ich
mit den möwen ziehe
leise, kreise
von hori bis zont

weht der wind von süden
trocken, hocken
auf der kaimauer du
und ein hund
schaun der ostsee zu

falls ich, salzig
wiederkehre nach kiel
grüßen zu füßen
des hundes und dir
herang und hering



Ludwig Janssen © 21.5.2017


Montag, 27. Februar 2017

Aquasurium



Ein Aquasammelsurium die Welt, mit Fischen
Tang, und irgendwo dazwischen, stumm, ein Du dir
das bin ich. Doch eigentlich gehöre ich den Fischen
die unter Wolken, Wogen, Wegen über Gründen zischen
tief, ihrem Flossenschlag und ihrem Kiemenatmen

atme ich zu, ein wenig ein … und aus.

Ludwig Janssen © 10.3.2012

Sonntag, 21. September 2014

Geschichten aus Goldfischglas

Hin und wieder ticken Ein-Mann-Goldfischgläser aneinander. Dann berühren sich ihre kugeligen gläsernen Bäuche für einen Augenblick und das Wasser in ihnen schwippt. Schwippt nur, denn würde es schwappen, gäbe es Pfützen oder, äußerst selten, Wasser könnte vom einen Glas ins andere gelangen.
 
In der Regel jedoch schwippt es lediglich. Da ist zum einen die Erschütterung durch das Anticken, die zittert sich in Stoßwellen durch Gefäß und Wasser, kräuselt die Oberfläche ein wenig und erledigt sich von selbst, zum anderen schwippt das Wasser wegen der Bewegungen, mit denen der jeweilige Goldfischglasträger sich um sein Gleichgewicht müht.
 
Der Goldfisch selbst hört es ticken, spürt, dass das Wasser sich bewegt. Verschwommen sieht er das sich entfernende Zerrbild eines Goldfischglases. Das alles merkt er sich, manchmal schreibt er es auf.
 
Selten sehen die Fische einander im anderen Glas, zumeist höchstens ein Glitzern, und selbst das könnte schließlich ihr eigenes sein, meinen die Fische, Spiegelung.
 
Sie sind auch viel zu beschäftigt, sich im Schwippen des Wassers ihrer selbst zu vergewissern: Rückkehr in den Einklang mit dem sich selbst erhaltenden Gleichgewicht.
 
Erzählt also ein Goldfisch davon, dass ein Goldfischglas an sein eigenes tickte, wird sich in seiner  Geschichte alles um ihn selbst drehen, wird alles passend zum eigenen Glas, ist das eigene Glas. Selbst, wenn Wasser überschwappte. Fremdes Wasser wird nicht, es ist eigenes, und etwaige Pfützen trocknen außerhalb eines Goldfischglases unweigerlich auf.
 
Erzählt also ein Goldfisch, gibt es nur diesen Goldfisch und sein Goldfischglas, mit Wasser darin, das schwippte.
 
Dabei ist alles ganz anders und nichts wie vorher, aber was macht das schon, wenn es nur um ein Goldfischglas geht? Da steht also ein Text über zwei Goldfischgläser mit ihren Piloten - doch eigentlich geht es in diesem Text nur um ein einziges Goldfischglas und seinen einsamen Piloten.

So ist das eben mit Goldfischgläsern.

 
Ludwig Janssen © 3.1.2008

Montag, 2. Dezember 2013

Eine Dose Wort

Eine Dose Wort:

flunderwunder 

Wird man mich
orten können
in worten

in schwärmen
silbriger fische
wärme und riefe
wer in die tiefe
worte hinab
worte nach mir

worte


nach


mir

ich antwortete nicht
aus dem schiffe
im riff riefen fische
auf fragen

worte verorten worte
orten verorten ver              orten
verworten ver worten
verwerten ver werten
wehrt dem verwerten
wehrt den verwertern


orten können
aus worten können
fische aus worten
aus worten fische:

worte

.

worte


.


worte

Und über allem wellen, allen qualen
allen quallen quellen worte wieder
die ich erwidere, gefiederte wiederworte
wunder winden sich aus wunden
verwundeter flunderworte:

über allem vlinderfinder
auf die kinder wie vlinder warten
im garten, finger spitzen gefühl
flaschengrün wie verwunschene seen
und im flaschengrün blaue briefe
mit fischen aus fernlichter tiefe:


vlinder flunder wunder schön



Matjestät Janssen © 17.9.2008

Donnerstag, 29. August 2013

Piktolyrik № 24 Orthografisches Nachgesang

Schiffahrt
Schifffahrt
Schiafhfrft
Schiahrtfff
scheepvaart
Noordzee
fffische: vis vis vis
▼
fffffffffffffffffffffffffffff
~~°~~~~~~~~~~~~
_vis_efischkeit_vis_
▼
S
..
edi
..f..
menta ..
..f.f…tion
…..fff…….
▼
f…ersteinerung
▼
Auffaltung
▼
Gipfffelkreuz

Ludwig Janssen © 29.8.2013

Samstag, 10. August 2013

Treffpunkt Gartenzaun (eine Fischichte)

Alle Geschichten haben einen Eingang. Da ist wer, der wie ein Tor im Gartenzaun wirkt, oder gerade so, als ob ihm ein, zwei Latten fehlen, im Zaun, ein Zaunkönig vielleicht, jemand, der einlädt: Komm, leg dein Köpfchen an meine Schulter, schließ die Augen und lasse deinen Gedanken freien Lauf: Phantasie, das sind Gedanken wie freilaufende Hühner, frei laufende Hühner schlüpfen durch das Loch im Gartenzaun:

E i n g a n g

Kurz vorm Einschlafen hatte ich der Katz in die großen Kulleraugen gesehen. Nicht nur das, sogar angesprochen hatte ich sie und gefragt, ob sie … Doch sie blinzelte nur und hüpfte von der Fensterbank hinaus in die Mainacht, die nach Gewitterregen duftete und frisch gemähter Wiese.

Ein wenig Nacht später und etwas Wiesenduft weiter war es Tag und ich sah das Brathähnchen. Rote Strümpfe, Wolle wohl und selbstgestrickt, schlackerten um seine viel zu langen, dünnen Beine. Bei jedem Schritt winkelte es ein Bein zunächst an, zog es in Zeitlupe zu Körper hin und streckte es dann ebenso lang wie behutsam nach schräg unten ins Gras, gerade so, als würde es durch Salat … was auch gut möglich wäre, denn womit, bitteschön, soll ein Brathähnchen denn auch erkennen, dass es nicht … du weißt schon. Deshalb konnte es mich ja auch nicht hören, jedenfalls mit den Beinen, so was können nur Grashüpfer. Ich sah ein, dass es aus diesem Grund auch keinen Sinn machen würde, das Brathähnchen darauf anzusprechen, wie surreal es daherkäme, so ganz „ohne“, wie Brathähnchen nun einmal sind - und doch alles andere als kopflos. Obwohl, selbst „ganz“ ist für ein Brathähnchen keine Selbstverständlichkeit. Doch mit genau dieser Selbstverständlichkeit stakste es jetzt durch die Wiese, die Luft duftete nach Gras und der Tag schmeckte ein wenig salzig.

Nichts in die Augen reiben, nur nicht die Augen, dachte ich mir, da kam der Hering auf mich zu, schwamm mir vor der Nase umher, kleine Glitzerkapriole, wie man sie auf der Achterbahn oder von Kunstfliegern sehen kann, und glotzte. Fischaugen sind immer ’n bissi glotzig, findest du nicht? Also konnte er ja nichts dafür. Der Hering schwamm also vor meiner Nasenspitze und glotzte. So nah, dass ich ein wenig schielte. Kennst du das auch? Dann machte der Hering etwas, das ich noch nie zuvor bei einem Fisch bemerkt hatte: Er lächelte! Kannst du dir vorstellen, wie sich das anfühlt? Du bist auf einer Wiese, vor deiner Nasenspitze wedelt ein Hering mit seinen Brustflossen und lächelt dich an, das auch noch tagsüber? Ja, kannst du? Gut, dann erzähle ich weiter.

Das lächelnde Silbergeflutsche vor mir glotzte immer noch. Wie gesagt, kein Wunder, schließlich können Fische nicht anders, das heißt, diese armen Dinger können nicht blinzeln, wie zum Beispiel meine Katz das kann. Aber besser noch als das Brathähnchen haben sie es, denn die wären vielleicht froh, wenn sie wenigstens aus Fischaugen in die Welt stieren könnten, und können noch nicht einmal das. Brathähnchen haben nämlich keinen Kopf, aber das weißt du ja schon längst. Brat. Mir fiel auf, dass dieses Wort sich in diese Geschichte hier geschlichen hatte und sich allmählich breit machte. Es verströmte den Duft von Brathähnchen, zog ihn hinter sich her, denn das Wort war immer einen Ticken schneller als der Duft. Ah, dachte ich mir, dann ist das eine gute Geschichte.
Glaube mir, das stimmt: In guten Geschichten ist das Wort immer, aber nur ein wenig, schneller als Bild oder der Duft, ein winzi, winzi Tickchen nur, dann löst es sich auf - und du weißt nicht, war da jetzt ein Wort - oder war dieses Bild, war dieser Duft nicht eigentlich schon immer da? Kleine Fragezeichnung. So wie hier der Duft von Brathähnchen. Gerade so, nicht lachen, als hätte das Wort einen Furz gelassen. Rose zum Beispiel ist ein Wort, da weiß auch gleich jeder, wie das riecht, wenn es pupst. Das hört man - ein leises, klein geschriebenes pffft – und schon ist alles vollgeduftet. So, jetzt aber wedeln, wedeln, wedeln mit beiden Händen, damit der Rosenduft verschwindet, denn der gehört nicht hierher, hat hier nichts verloren, also braucht er auch nicht zu suchen und wir wedeln ihn zum Fenster hinaus. Na ja, gibt ja kein Fenster auf der Wiese, aber wir beide tun in dieser Geschichte so, als wäre da eines.

Puh! Der Hering ist immer noch da und lächelt, Brat duftet ungestört, das Hähnchen stakste mittlerweile von der Wiese und aus dem Bild, ist wahrscheinlich blind über den Rand der Geschichte hinaus gelaufen und fiel aus dem Rahmen. Nur der Fisch ist noch da, du und ich sind es auch, und irgendwo da draußen in der Nacht, die ein salzig schmeckender Tag ist und eine nach Gewitter duftende Wiese, läuft meine Katz und schnuppert an Gänseblümchen. Nun ja, nur vielleicht, denn ich kann sie ja nicht sehen. Du etwa? Nein? Siehste. Oder besser nicht, siehst’ ja nicht, die Katz jedenfalls. Siehst du den Fisch? Ja? Gut. Dann kann ich ja weiter schreiben.

Ich frage den Hering, den ollen Lächler, ob er sich „Brat“ vorstellen kann, also, ob er sich vorstellen könnte, wie das Brathähnchen … da knipst der sein Lächeln aus, glotzt nur blöde und, ich würde schwören, sogar ein wenig vorwurfsvoll, patscht mir seine silbrige Schwanzflosse rechts, links, flitsche-flatsch um die Ohren und flitzt weg, aus dem Bild, auf und davon. Dabei habe ich doch bloß gefragt. Heringe sind eben leicht eingeschnappt, so sieht das aus. Eigentlich müsste diese Geschichte jetzt so weitergehen, dass ich schreibe, der Hering hätte das Weite gesucht, ohne einen Ton zu verlieren. Das geht aber nicht, denn zum einen ist es so, dass Fische nicht stumm sind, wie man immer sagt und Heringe sehr wohl in der Lage sind, einen Ton von sich zu geben, ja, sie unterhalten sich sogar miteinander – zum anderen war dieser Hering dermaßen sauer auf mich, dass er geplatzt wäre, hätte er nichts gesagt. Nun ist es so, dass Heringsworte sich anhören wie kleine Pupse, denn es sind tatsächlich Pupse, mit denen sich Heringe unterhalten. Kannst du dir also vorstellen, was für ein Geknatter das war, als der Hering, total wütend auf mich, das Weite suchte? So laut war das, wäre ein Moped ohne Auspuff durch diese Geschichte gefahren, du hättest das nicht gehört. Es duftete nicht einmal mehr nach Brathähnchen, so viele Heringsflüche schwaderten heringssilberfluchendgrün durch den Tag, der eigentlich Mainacht war, und über die Wiese mit meiner Katz mit den Blinzekulleraugen darin.

Außerdem suchte der Hering das Weite nicht, er fand es auf Anhieb, gerade so, als hätte er es aus der Hosentasche gezogen. Das Weite steckte im alten Gartenzaun, du weißt schon, an der Stelle, wo die zwei Latten fehlen. Dort verschwand der Hering und nahm diesen Ausgang der Geschichte. Du lachst? Doch, tatsächlich, das ist alles genau so passiert, wie ich es dir hier erzähle, frag’ die Katz, sie ist noch da draußen auf der Wiese, also in der Geschichte, und schnuppert an Gänseblümchen. Jetzt habe ich dir ein Geheimnis verraten, nämlich, dass Geschichten einen Ausgang haben. Eigentlich sind es mehrere Ausgänge, und wenn du magst, kannst du dir einen dazu denken, doch einen davon nehmen sie immer. Du und ich, die Katz, das Brathähnchen (und brat mir einer ’nen Storch, denn der war auch dabei, hast du’s bemerkt?), der Hering, die Wiese mit dem Gewitterregenduft und der Tag, der eigentlich eine Nacht ist, auch die Nacht selbst, alles hat einen Ausgang. Alle Dinge, die beginnen, enden auch.

So, mein Lieb, jetzt kennst du eine meiner Fischichten, hast das Brathähnchen auf der Wiese gesehen, den lächelnden Hering pupsen gehört und bist eine Weile mit mir durch einen Tag im Mai geschwommen, der eigentlich Nacht ist und nach Gewitterregen duftet. Inzwischen ist auch die Katz wieder zurück, sitzt im Mondschein auf der Fensterbank und blinzelt.

Wenn du magst, kannst du ihnen Namen geben, bevor du einschläfst, denn ich habe sie nicht danach gefragt.


Hier ist die Geschichte zu Ende, siehst du?

 
A u s g a n g

 

Gute Nacht!

 

Ludwig Janssen © 31.5.2008

Freitag, 29. März 2013

Vögel an meinem Himmel

Die Vögel an meinem Himmel ziehen in Schwärmen, heringsum, herungsum - und flunderschön, seifenonomatopoetische Blasen schweben, Leben darin Walnussgesang und darunter, am Grunde im Grunde Übergang mein Untergang, Gang!Gang! dem Wiewiewie?, dass ich sterbe. Wem? Dem, der mir Erbe und dem, dem ich folge, das Wort Wolge schreibe zur Bleibe in die und unter die Wolken, zum Haus des Bleibens im Blau allen Treibens entlang terragener Hülle. Fülle liegt jenseits von Atmosphären und deren Atmen, Atomen und Quarks, zu vergleichen vielleicht dem Teich eines Parks, in dem Menschen wandeln, um Frösche und Enten, Quakquak und Räb!Räääb!
Gäb’s dem Irgend ein Wo, das Fähre wäre, übersetzte den Geist (du weißt schon) ans andere Ufer, an dem der Rufer „ … ist nicht von dieser Welt“ Ausschau hält, so weiß ich schon jetzt einen Styxling darunter, der munter dem Süßwasser Bitterling ist, und dessen Himmel ist des Menschen Gewimmel mit all seiner Angst zu verlieren Gestalt, Haltung, Halt und Erkennen – ich mag es das zeitweilig Formgebende nennen, in dem er sich einrichtet: ein Schneckenhaus.



Ludwig Janssen © 29.3.2013
Kontemplativer Flow zum heutigen Karfreitag

Mittwoch, 27. März 2013

Fliegende Inseln und Häfen

Haben Inseln einen Hafen
Wo schlafen Schiffe, wenn
ich kenn mich nicht gut aus
Nacht, Sturm und See sie fliehen


Wolken ziehen, Inseln
auch und schweben ent
lang in oxygener Schale
muschelblauen Bauch
Schallwellen kräuseln Atmo
sphäre weißer Wale Sinn
Darin meiner geht, so
fern meine Flügel tragen
Fragen mit Schiffen darin sind
Häfen, keine Insel, jede birgt
weitere und wirkt nicht aus
wolkendem Flug wilden Mohn
Schon Sonne, Mond und Sterne
gerne geschlossen gestellt der
Welt frage ich Flug … häfen an den
Himmel, Fischen zuzusehn
die fliegen, sich an Wolken
schmiegen, an, auch gerne in
ein Wort – und diesen Ort
weiß ich: Schiffe schlafen dort.
Ludwig Janssen © 27.3.2013
Quelle der Inspiration: isla volante, bahnhof http://www.isla-volante.ch/bahnhof-statione/


Montag, 25. Februar 2013

Ein schöner Mann (vlinderflunderwunderschön)

Du, die du meine Stimme kanntest, mich schön nanntest
die mir Geschichten schrieb, in denen ich wahr wurde
und leicht, und ich, der Flunder, zu einem Vlinderwunder …
Auf der Suche nach Tiefe am Grunde des Meeres fand
dein Verstand mich und hob mich ins Licht, mein dunkles
Flaschengrün ließt du an deinem Himmel ziehn und zeigtest
indem du dich zu mir neigtest – dass die Tiefe über mir war,
klar, und mir Himmel war, zu dem ich nicht aufschaute, weil
ich mich nicht raus traute – aus meiner Suche nach Sinn, tief
in mir drin, dabei ist in Gefühlen wie in Schlamm wühlen
dem kann man sich einverleiben und darin stecken bleiben.
Doch du hast mich gesehn und meintest, ich sei wunderschön.
Ich lachte und dachte, du würdest spinnen, doch was du sahst
war nie mein Außen, war mein Innen, das Singen meiner
Worte an virtuellem Orte - es sei, sage ich nun, mache mich frei
von dem Wissen, um zu fliegen ein Vogel sein zu müssen
und bin …: einfach - und so, wie du mich gesehn: Ja ich bin


                         vlinderflunderwunderschön

Und auch, wenn du jetzt schweigst und dich nicht mehr zeigst
neigst du doch immerzu dich mir zu und das Schöne
das sich dir auftat in meinem Schreiben wird dir bleiben
und mir bleibt das Wissen kein anderer sein zu müssen
als der, der ich bin – mit deinem Namen in meinem Sinn.

Ludwig Janssen © 24.12.2008

Sonntag, 26. August 2012

Die Ludwig Janssen

Ein Ringelhering ringelte
'ne Fahrradklingel klingelte
verrostend kostend Salzes
Schmalz am Grunde
Zu jener Stunde lag
ich dort, der Golfstrom fuhr
die Flanken mir entlang
und bang mein Diesel schwieg

Jetzt lieg ich hier, die
Quallen wallen zeitlos
Flundern wundern Wunden
entlang sich wo der Stahl

gerissen vor dem War-Einmal
Gesundet sein soll'n, sagt der Säge
fisch mir, Welt und Wellen schon
lang entlang der Küste

Wenn ichs nicht besser wüsste

würde meine Bürde leichter
dem Nordseegrund entgegen
rosten, wo ich kosten muss
der Fische Kuss, den Untergang
Herr Ringelhering schwamm und sang
schon lang davon und ringelte
'ne Fahrradklingel klingelte
Ludwig Janssen © 26.8.2012








Freitag, 25. März 2011

Vor Fischen gesungen


still
stille
in dir ist
wellenglucksen
nacht ist nacht
fische spielen
es ist kühl
hörst du’s singen
es ist nichts
mondlicht glitzert
in dir ist
stille
still


Ludwig Janssen © 15.4.2008

Samstag, 12. März 2011

Pazifisches Nachtgesang

Seezungen sangen Flunderweisen
der Mond equilibrierte stumm
der Erde Um-die-Sonne-Kreisen
trug den Pazifik um und um

die Mitte des Systems, durchs All
schwamm ein ruheloses Schweigen
eins von der Art aus Infraschall
wie es den Elephanten eigen

Eines, das der Mensch nicht hören
kann, weil er kein Phante ist
Doch Pazifische betören
so alles, was pazifisch ist



Ludwig Janssen © 6. 12. 2010

Montag, 14. September 2009

Der dose Mefischthun sprach zum Grätchen ... schönetz Fräuschlein, darf ichthys wagen, mein Harung und Gelee ihr anzubraten?

Dienstag, 8. September 2009

Montag, 31. August 2009

Poetik der Thunfischkonserve

Vor mir eine Dose, Thunfisch, natur – ohne Öl. Es handelt sich um eine in sich geschlossene Angelegenheit, ja, „hermetisch“ wäre ein denkbares Attribut für diesen Zylinder, runde Sache aus zwei Perspektiven, und, wäre da nicht mein räumliches Vorstellungsvermögen, aus vier weiteren Perspektiven nicht mehr als ein immer gleich großes Rechteck. Die Sicht der Dinge ist oft nicht mehr als der Ausdruck ihrer eigenen Unvollständigkeit.

Zweihundertfünfundzwanzig Gramm Gewicht. Ob das dem Gehalt entspricht? Entsprechen Gehalt und Inhalt einander, bedingen sie einander? Kann, könnte ich sie trennen? Ja, kann ich das überhaupt auseinander halten? Oder lasse ich mich täuschen, denke, dass alles einfach, klar und deutlich sei, weil es sich offensichtlich um eine Dose Thunfisch handelt?
Was lässt mich auf „Thunfisch, natur – ohne Öl“ schließen? Nicht mehr als die dünne Banderole um die Wand des Zylinders, Papier, bunt, mit zusätzlichen Informationen zum Inhalt der Dose. Beiwerk? Ausschmückung? Äußerlichkeit?

„… Thunfisch Stücke in eigenem Saft und Aufguss …“
Aha.
„Zutaten: Thunfisch, Wasser, Speisesalz …“
Oh. Das also sind Worte, - Stellvertreter? Erklären oder erläutern sie?
„… Füllmenge 185g …“
So viel ist also darin.
„… Abtropfgewicht 140 g …“
Was nun? Soll ich hier in Teilen denken? Gibt es hier Teile, die weniger wichtig sind?
Klar ist mir, dass von den zweihundertfünfundzwanzig Gramm Gewichtigkeit der Dose nicht viel bleibt, wenn ich vom Ganzen ins Detail gehe.
Ah! Ich sehe auf der Banderole „GUT & GÜNSTIG“, in Majuskeln farblich abgesetzt – es scheint sich um ein gestalterisches Element zu handeln, womöglich um ein Markenzeichen. Markenzeichen, sind das nicht Symbole, mit denen manche meinen, alle ihre Produkte ausstaffieren zu müssen, damit sich jede der von ihnen fabrizierten Dosen in gleicher Weise von den Dosen anderer Konserven-Fabrikapritapezierer/innen unterscheidet?. Dann ein kleines Symbol – ein Delfin ist darauf zu sehen und, ebenfalls in Majuskeln, der Schriftzug „SAFE“ – ist das ebenfalls ein Markenzeichen? Ist das wichtig? Entscheidet dieses Symbol darüber, wie ich den Inhalt annehme? Sicherlich wurde es mit Bedacht gewählt, platziert, transportiert ein wenig von dem Unwägbaren, das dieser Konserve innewohnt wie der Thunfisch. Wirklich?

Der Thunfisch. Eigentlich ist nur ein winziger Teil eines riesigen Fisches in dieser Dose. Ein Teil, ein Fisch – denn ich weiß nicht, um welches Teil es sich handelt, man – und damit meine ich den Autor dieser Konserve, den Autor der Banderole, den Autor des Signets „SAFE“, den Autor der Konservenfabrik, auch den des Ozeanriesen, mit dem diese Dose und ihr Inhalt nach Deutschland kamen - lässt mich im Unklaren, um welches Stück es sich handelt, um welchen Fisch.
Abstraktion? Minimalismus? Ist nicht wesentlich entscheidender, dass der Fisch tot ist, dessen Teilstück der Leser in diese Dose eingeschlossen wähnt? Gehört auch das zum gestalterischen Element des Verfassers? Was wurde aus dem übrigen Fisch?
„… PRODUCT OF THAILAND …“
So weit der Weg, den dieses Stück Fisch, womöglich schon eingeschlossen in diese Dose, zu mir nahm? Von so weit her fandest du deinen Weg zu mir, armer, bedauernswerter und schon längst verstorbener Riesenfisch im Blechsarg.
Schwammst, vielleicht nicht lustig und vergnügt, aber gefräßig und geschäftig durch den Pazifik, auf der Suche nach Nahrung, vielleicht sogar auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – ich projiziere das, halt bitte still, oh, Entschuldigung, so hatte ich das nicht gemeint, ach, kannst mich ja nicht verstehen, deine Ohren sind ja nicht in dieser … Entschuldigung, hast ja keine, aber, hättest du welche, wären die bestimmt nicht hier, verstehst du, hier! Hier? Kein Mucks, in der Dose bleibt es still.
In der Dose Stille. Nie werde ich dort Urlaub machen können, wo deine letzte Inkarnation entbeint, entgrätet, entleert, entzweit, in Dosen abgefüllt wurde, in
„… THAILAND N0. 2065 …“,
wo’s wahrscheinlich nach totem Fisch riechen und nicht sehr gemütlich sein wird, weder für deines- noch meinesgleichen, toter Riesenfisch, dessen zufälliges Stückchen hundertvierzig Gramm Abtropfgewicht hier in dieser Dose vor mir glückert, wenn ich die schüttle. Oder im Pazifik. Da werde ich auch nicht sein.
Aber du warst dort, Riesenfisch (hattest du zufällig einen Namen, vielleicht „Fritz“ oder einen etwas pädagogisch wertvollen wie „Regenbogenfisch“?), ja, du warst dort, mitten im Pazifik, tiefer, als je eines meiner Gedichte gelangen wird (solange nicht irgendwer mit einer Fähre untergeht und vor dem Ableben eines meiner Gedichte rezitiert), warst Fisch, ganz Fisch – und wesentlich lebendiger, aussagekräftiger, schwimm- und tiefgangbegnadeter als diese Konserve hier vor mir mit der Thunfischreliquie darin, „… Mindestens haltbar bis: 31.12.2010 …“.
Hallo, Thunfisch, hörst du mich? Null! Die Waage zeigte „0“ an, als ich die Banderole um dein Teilbestattungsbehältnis entfernte und es somit zu der mattgrauen Blechdose machte, die jetzt vor sich hin schweigt, deren Inhalt sich durch leises Glückern mitteilt, wenn man die Dose schüttelt.

„Null“ – das ganze blau-rot-weiße Brimborium drumherum ist zu leicht, um meine digitale Küchenwaage dazu zu bewegen, etwas anderes anzuzeigen als „0“. Und weißt du was? Redundanz! „Thunfisch“ ist redundant, „Gut & Günstig“ ist es, „natur – ohne Öl“ ist ebenso redundant wie das Logo mit dem Delfin und SAFE - ja, da wollte wohl jemand „auf Nummer sicher gehen“, traute dem Leser nicht zu … ja, was eigentlich? Ob das vielleicht Stilelement ist? Die Andeutung einer Alliteration?


Auf dem Boden der Dose der Aufdruck:

MI 23KCW
H3TAD

Auch das sagt nicht viel aus, findet sich der gleiche Aufdruck doch auch auf den anderen Dosen im Regal.
Diese Dose hier vor mir – ohne das Null-Gramm-Banderolen-Tara ist sie kryptische Verdichtung, Umdichtung und Metapher. So viel Blech. So viel Blech um toten Fisch, und würde ich ihn, sie, (dich, mein Freund Riesenfisch - wir hätten Freunde werden können, hätte ich nie die vielen Pizzi Tonno gegessen, nicht wahr?) jetzt so, wie sie ist, in einem Literaturforum veröffentlichen, würde man nicht einmal wissen, dass sich innerhalb des Blechs Fisch befindet, Thunfisch.

So viel Blech um dich, Riesenfisch, um dieses Teil von dir jedenfalls und die vielen anderen, Teil der gigantischen Inszenierung einer verzögerten Bestattung – von Hagens würde vor Neid erblassen, würde er gewahr, dass hier eine Riesennummer abgeht. Gehören Thunfischstückchen der anderen Dosen im Regal zu dir? Das weiß niemand. Niemand! Ist vielleicht ein Teil von dir, der Inszenierung deiner Bestattung schon gegessen, verdaut, fern? Ist Rohrpost? Auf dem Weg durch irgendeine Kläranlage Ostdeutschlands oder in einem nordamerikanischen Fluss, duftet gar, auf einer südeuropäischen Spezialität mit den Hinterlassenschaften von Tieren vereint, denen du im Leben nie begegnet wärest, zwischen Gemüse und Käse einem westafrikanischen Geschäftsmann lecker, lecker vom Teller entgegen?

Wer weiß. Weißblech. Vor mir: eine mattgraue Blechdose. Abgeschlossen. Das schien ihrem Autor wichtig zu sein. Dass das Werk eine in sich und für sich abgeschlossene Angelegenheit ist. Schüttelt man die Dose, glückert es darin. Darauf muss man erst einmal kommen. Ich bin sicher, dass ich, wenn ich auf das ganze Blech hinweise, das diese geschlossene Angelegenheit zusammenzuhalten scheint und mit vierzig Gramm siebzehnkommasiebenacht Prozent der Gewichtigkeit dieses Werks ausmacht, auf Unverständnis und Unmut stoßen werde. Metapher. Die Dose vor mir ist Metapher, ist Allegorie.

Die Poetik der Thunfischkonserve ist Poesie ...

Ludwig Janssen © 21.8.2008

Mann mit Fischen

Im Lichte des Sommers
am Grunde des Sees
spielen seltsame Fische
sprühen wie Funken
auch paddeln Unken
durchs Grüne und sonniges Blau

Und wie ich so schau’
da kommen sie her
erzählen was war
was ist und was wär’
sein könnte im silbigen Weltenmeer
dann schlingen sie feine Kreise

Wie sie auf diese Weise einander
im Stillen sich fügen und lösen
seh’ ich wie im Traume und staune
da steigen sie auf
und schweben zuhauf
davon wie Seifenblasen

Einer der Fische heißt Ewigkeit
mit ihm fliegt ein Teil meines Namens
zu Orten, an die ich selbst nie gelang’
der andre aber macht: homo ludens
Im Lichte des Sommers
ein glücklicher Mann

Ludwig Janssen © 5.7.2005