Ludwig Janssen © 3.10.2018
Lyrische Prosa, lyrische Klangwelten, Slamtexte, Piktolyrik, Lyrik - das Wort, Sphüngs, Zirkelschneck und andere freischwurbelnde Absonderlichkeiten, grenz-
und kopfüber ...
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Mittwoch, 3. Oktober 2018
Drosophila melanogaster
Drosophila melanogaster. In den vergangenen Tagen im Licht der Flimmerkiste ihren schwebenden Flug bestaunt. Dessen träge vorgetragene Leichtigkeit. Hing in der Luft wie das Angelusläuten in der blauen Stunde des Abends. Jetzt steht in der Küche eine Schale überreifer Zwetschgen.
Dienstag, 10. April 2018
Schlimme Sache
Wie aus dem Nichts kommt sie über mich. Ich weiß nicht, ob
mir jemals irgendeine Seele nachempfinden kann, wie das ist. So eine
Dimpression ist kein Pappenstiel, sonst würde man sie auch nicht Dimpression
nennen. Sie ist vielmehr eine gestörte Wahrnehmung, das beklemmend gewisse
Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Mit mir, mit meinen Sinnen, die mich im Stich
lassen, mutterseelenallein mit dieser fetten Dimpression. Die mir in die Augen
kriecht und von dort in mein Hirn, zu meinen Füßen ausufert, sie einschließt.
Die über den Horziont hinaus läuft, in den Himmel hinein, um von dort auf mich
herab zu schauen, ein kleines Würstchen mit einer Dimpression. Wenn doch nur
die Sonne scheinen würde. Ein Windchen wehen. Aber es regnet. Es regnet auf
meine Dimpression, es regnet in meine Dimpression und es ist kalt. Meine Füße
sind nass und kalt, meine Nase ist nass und kalt und meine Hände sind es auch.
Nass und kalt und Dimpression. Ich fühle, wie sie von mir Besitz ergreift; sie
schließt mich ganz und gar ein - und dich lässt das alles kalt. Wie kannst du
mir das nur antun? Wie bringst du es übers Herz, mich dieser Dimpression
auszuliefern? Du bist Teil meiner Dimpression. Kannst ja gar nicht anders. Nur
ich, nur ich selbst kann mich aus dieser Dimpression retten. Ich stecke meine
nasse, kalte Nase in dein Ohr, stecke meine nassen, kalten Hände in deinen
Nacken und ich hole mir das fehlende Stran aus deinem Quieken, von deinem
warmen Rücken pflücke ich es mir, halte es gegen die Dimpression - schon ist
die Welt in Ordnung. Du windest dich, nennst mich Blödmann - aber das macht mir
doch jetzt nichts mehr aus. Hauptsache, dass ich diese verflixte Dimpression
losgeworden bin. Alles ist in Ordnung, die Welt habe ich im Döschen und ein
Stran für meine Dimpression. Jetzt ist sie schön, auch bei Regen. Komm, lass
uns das gemeinsam genießen - da hinten ist Arngast, wir sind komplett!
Ludwig Janssen © 22.3.2007
Donnerstag, 11. Mai 2017
Pulsen
Vor mir so
weiß die Wand, so weit
das Land Phantasiens weich, bereit
das Linnen, Gedanken spinnen
schlingen sich und mein Sinnen
zum Kokon, spürst du ihn schon, dich
in ihm, mich um dich sicherlich
Würde ich das im Leben nie wagen
das Land Phantasiens weich, bereit
das Linnen, Gedanken spinnen
schlingen sich und mein Sinnen
zum Kokon, spürst du ihn schon, dich
in ihm, mich um dich sicherlich
Würde ich das im Leben nie wagen
dir zu
sagen, dass ich deinen Hals
jedenfalls spüren möchte an meinem
dort, wo die Schlagader pulst immerfort
das Leben seiner eigenen beben, los
gelassen so gerade eben, dass sie Zwie
sprache führten und wir, auch wenn
wir uns nicht küssten, wüssten nicht mehr
jedenfalls spüren möchte an meinem
dort, wo die Schlagader pulst immerfort
das Leben seiner eigenen beben, los
gelassen so gerade eben, dass sie Zwie
sprache führten und wir, auch wenn
wir uns nicht küssten, wüssten nicht mehr
als das,
was in unseren Ohren rauschte
mein Pochen lauschte dem deinen
dem feinen, das ich ahne unter Alabaster
weiß in diesem klopfenden Strang
deinen verletzlichen Hals entlang
heiß ginge dein Blut und alles wär’ gut
als wäre nichts gewesen als Umarmen
wär’ alles gut, einen Atemzug lang
mein Pochen lauschte dem deinen
dem feinen, das ich ahne unter Alabaster
weiß in diesem klopfenden Strang
deinen verletzlichen Hals entlang
heiß ginge dein Blut und alles wär’ gut
als wäre nichts gewesen als Umarmen
wär’ alles gut, einen Atemzug lang
Würde der dir
genügen, wenn ich nur schriebe
nicht ahnend, was davon bliebe, ein wenig
reichen an deinen, den weichen, pulsenden
und sich aus deinem Bauch von deinem Lesen
meines Wesens her auch an mich schmiegen
wie gern ich es sagen wollte und nicht tat
könnte ich das verstehen, mich darin wiegen
… oder wär’ ich zu hart?
nicht ahnend, was davon bliebe, ein wenig
reichen an deinen, den weichen, pulsenden
und sich aus deinem Bauch von deinem Lesen
meines Wesens her auch an mich schmiegen
wie gern ich es sagen wollte und nicht tat
könnte ich das verstehen, mich darin wiegen
… oder wär’ ich zu hart?
Ludwig Janssen © 21.6.2008
Freitag, 8. Mai 2015
Die Katze tanzt
Die Katze
tanzte mir
aus der Stille das
Schweigen lauschte
dem Klang ihrer Schritte
folgte ich ganz
Leise, das, Mitte
Drehen, Vergehen.
aus der Stille das
Schweigen lauschte
dem Klang ihrer Schritte
folgte ich ganz
Leise, das, Mitte
Drehen, Vergehen.
Ludwig
Janssen © 7.5.2015
Sonntag, 3. November 2013
Erwörterung über einen eventuellen Zusammenhang zwischen der Länge eines Wortes und der Händereichweite dessen, für das es steht
"ewig"
- das ist ein kurzes Wort für eine lange Zeit, und auch die hatte irgendwo
einen Anfang (vielleicht in der Mitte des Universums, wahrscheinlich in dir
irgendwo - ganz sicher in meinem Kopf) und wird irgendwann enden, eben weils
einen Anfang gab. Schon "irgendwann" ist ein längeres Wort.
"ewig" findet man nicht wie Muscheln am Strand.
"ludwig" - hört sich so ähnlich an, ist ein wenig länger, als Wort, als Zeitspanne wesentlich kürzer und als Zeitraum in vielen, umher getragen und verbracht. "ludwig" findet man wie Muscheln am Strand.
"Gott" ist so lang wie "ewig", jedenfalls als Wort, hört sich aber nicht so ähnlich an, Gott hat keinen Anfang und kein Ende, ist nicht ewig, sondern mehr. Ist die Zeit ohne Spanne und als Raum überall, aber auch in vielen umher getragen, nicht ewig, manchmal verbracht. Dem Wort sieht man das nicht an. Man findet von ihm in Muscheln und Strand.
"Ich" ist kürzer als Wort und in allen, wird einsam verbracht, braucht viel Zeit, macht sich breit in den Menschen und reicht nicht weit, lässt wenig Raum, hat Gott in sich, doch meist nur im Abstellraum und nichts davon ist in Muscheln und Strand.
"Du" ist noch kürzer, so als Wort und als Zeit. Dein Ich ist darin und ewig viel Raum, für Gott vielleicht und für mich. Wenn heut Nacht auf der Dünung der Klatschmond blüht, leg ich davon in die Muscheln am Strand.
"ludwig" - hört sich so ähnlich an, ist ein wenig länger, als Wort, als Zeitspanne wesentlich kürzer und als Zeitraum in vielen, umher getragen und verbracht. "ludwig" findet man wie Muscheln am Strand.
"Gott" ist so lang wie "ewig", jedenfalls als Wort, hört sich aber nicht so ähnlich an, Gott hat keinen Anfang und kein Ende, ist nicht ewig, sondern mehr. Ist die Zeit ohne Spanne und als Raum überall, aber auch in vielen umher getragen, nicht ewig, manchmal verbracht. Dem Wort sieht man das nicht an. Man findet von ihm in Muscheln und Strand.
"Ich" ist kürzer als Wort und in allen, wird einsam verbracht, braucht viel Zeit, macht sich breit in den Menschen und reicht nicht weit, lässt wenig Raum, hat Gott in sich, doch meist nur im Abstellraum und nichts davon ist in Muscheln und Strand.
"Du" ist noch kürzer, so als Wort und als Zeit. Dein Ich ist darin und ewig viel Raum, für Gott vielleicht und für mich. Wenn heut Nacht auf der Dünung der Klatschmond blüht, leg ich davon in die Muscheln am Strand.
Ludwig Janssen © 24.2.2009
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Brief von Sekante
Lieber Kreis,
der du in deinem Rund mich hältst, zum Kuss der Hypotenuse erhebst, was treibt dich um?
Liegst da in deiner Zweidimensionalität, suchst, dass ich mich einzig wähne, süße Worte, gibst dich wund … und?
Kuss der Hypotenuse, ja, und die Katheten? Was du quakquaken über eine von drei Seiten, eine, nur eine von dreien (?!) ließest, bin ich. Nein, von mir ist, was dich schneidet, nicht tangierte, nicht passierte.
Nichts passierte, meinst du, und doch hast du, der du dich wund gibst und geschnitten, mich in dir, liegst ungerührt so voll und rund um drei von uns, die ihre Schenkel …
Willig. Du schließt ein, bemüht um Ebenmaß, die aus Pytha, aus Go, aus Ras anreisten, Sekanten, die dein Zeiger zu Sekunden zählt? Kuss der Hypotenuse, du Kreis, ist Widerhall in dir, ist, wenn wir gleich sein sollen, wie du sagst, und keine geringer als die andere, das dreimal in dir: Wie viel A, wie viel B und b nach c – welch Gequake! Welch ein Lärm!
Was mich halbiert, so schwer fällt es dem Punkte zu, an dem die anderen dich berühren, wie du mir schriebst, in dir aufgehen oder auf ewig schmerzlich Ort des Abschieds bleiben. Du rundest stumm für dich, um uns, schweigst und genießt: Das Ebenmaß unserer Schenkel, die sich dir öffnen. Dazu trägst du in deiner eignen Mitte die des kleinen Runds, das aus unser dreier Schwerlinien Aufeinandertreffen knospend sich in dir an uns schmiegt, uns tangiert, mich zur Tangente macht. Tangente, Kreis, Tangente! Tangente, das bedeutet: nur ein Punkt, Kreis! Nur ein Punkt gehört mir, mir allein und ganz.
Du willst mich in dir wissen, dich weiß ich, wenn auch klein, an mich geschmiegt – du kannst nicht anders, dort als Innenkreis, und alles Dreieck, dem ich Seite, ist eines nur von vielen möglichen, die mehr als nur Tangente für dich oder en passant …
Wo, Kreis, träumte dir unser Kennenlernen?
Du bist mir Weh, Kreis.
Deine Sekante
der du in deinem Rund mich hältst, zum Kuss der Hypotenuse erhebst, was treibt dich um?
Liegst da in deiner Zweidimensionalität, suchst, dass ich mich einzig wähne, süße Worte, gibst dich wund … und?
Kuss der Hypotenuse, ja, und die Katheten? Was du quakquaken über eine von drei Seiten, eine, nur eine von dreien (?!) ließest, bin ich. Nein, von mir ist, was dich schneidet, nicht tangierte, nicht passierte.
Nichts passierte, meinst du, und doch hast du, der du dich wund gibst und geschnitten, mich in dir, liegst ungerührt so voll und rund um drei von uns, die ihre Schenkel …
Willig. Du schließt ein, bemüht um Ebenmaß, die aus Pytha, aus Go, aus Ras anreisten, Sekanten, die dein Zeiger zu Sekunden zählt? Kuss der Hypotenuse, du Kreis, ist Widerhall in dir, ist, wenn wir gleich sein sollen, wie du sagst, und keine geringer als die andere, das dreimal in dir: Wie viel A, wie viel B und b nach c – welch Gequake! Welch ein Lärm!
Was mich halbiert, so schwer fällt es dem Punkte zu, an dem die anderen dich berühren, wie du mir schriebst, in dir aufgehen oder auf ewig schmerzlich Ort des Abschieds bleiben. Du rundest stumm für dich, um uns, schweigst und genießt: Das Ebenmaß unserer Schenkel, die sich dir öffnen. Dazu trägst du in deiner eignen Mitte die des kleinen Runds, das aus unser dreier Schwerlinien Aufeinandertreffen knospend sich in dir an uns schmiegt, uns tangiert, mich zur Tangente macht. Tangente, Kreis, Tangente! Tangente, das bedeutet: nur ein Punkt, Kreis! Nur ein Punkt gehört mir, mir allein und ganz.
Du willst mich in dir wissen, dich weiß ich, wenn auch klein, an mich geschmiegt – du kannst nicht anders, dort als Innenkreis, und alles Dreieck, dem ich Seite, ist eines nur von vielen möglichen, die mehr als nur Tangente für dich oder en passant …
Wo, Kreis, träumte dir unser Kennenlernen?
Du bist mir Weh, Kreis.
Deine Sekante
Ludwig Janssen © 15.8.2010
Brief an Sekante
Liebe Sekante,
du bist, nicht nur zu mir, immer erfrischend geradeheraus.
Als wir uns kennenlernten, wusste ich noch nicht, was diese Berührung aus mir werden lassen, wie sie mich verändern würde - es lag ein Zauber in ihr, den du aus der Endlosigkeit mitbrachtest. Ein Zauber, der diesem Punkt Ewigkeit bescherte und den du auch für dich behalten solltest, doch wusste ich das da noch nicht.
Wie ein heißes Messer durch die Butter gingst du durch mich hindurch - und gingst. Tratest an einem ebenso wie sein Gegenüber mir jetzt ewigen, aber schmerzlich dimensionslosen Fleck meines in sich geschlossenen Kreisens aus meinem Rund und verlorst dich im Unendlichen, aus dem kamst.
Wirklich?
Nein. Wirklich blieb mir ein Teil von dir, ein Teil, der zu dir gehört auf ... nun, ja - warum nicht auf immer und ewig? Der Teil, der mich teilt, in und zu was auch immer. Lass die Leute reden, dass du nicht zu mir passtest, dass ich dir nicht den Raum geben konnte, der dir zusteht, den du brauchst, um du selbst sein zu können. Ich bin geschnitten, ja, nicht wund, nicht weh, in mir:
Der Kuss der Hypotenuse. Allem Kathete und Ankathete bist du mir von A nach B, bist c quakquak. Quakst aus und allem a, was quakt und b quakendratet recht winklig in einem runden Teich - 'Wie hieß der doch gleich?' - wirst du dir denken, irgendwo da draußen, das also mir und dir Außen ist und Drumherum, bist du immerwährendes c quakquak.
Hier, mir und in mir bist du und bleibst: Sekante.
Danke, Sekante!
du bist, nicht nur zu mir, immer erfrischend geradeheraus.
Als wir uns kennenlernten, wusste ich noch nicht, was diese Berührung aus mir werden lassen, wie sie mich verändern würde - es lag ein Zauber in ihr, den du aus der Endlosigkeit mitbrachtest. Ein Zauber, der diesem Punkt Ewigkeit bescherte und den du auch für dich behalten solltest, doch wusste ich das da noch nicht.
Wie ein heißes Messer durch die Butter gingst du durch mich hindurch - und gingst. Tratest an einem ebenso wie sein Gegenüber mir jetzt ewigen, aber schmerzlich dimensionslosen Fleck meines in sich geschlossenen Kreisens aus meinem Rund und verlorst dich im Unendlichen, aus dem kamst.
Wirklich?
Nein. Wirklich blieb mir ein Teil von dir, ein Teil, der zu dir gehört auf ... nun, ja - warum nicht auf immer und ewig? Der Teil, der mich teilt, in und zu was auch immer. Lass die Leute reden, dass du nicht zu mir passtest, dass ich dir nicht den Raum geben konnte, der dir zusteht, den du brauchst, um du selbst sein zu können. Ich bin geschnitten, ja, nicht wund, nicht weh, in mir:
Der Kuss der Hypotenuse. Allem Kathete und Ankathete bist du mir von A nach B, bist c quakquak. Quakst aus und allem a, was quakt und b quakendratet recht winklig in einem runden Teich - 'Wie hieß der doch gleich?' - wirst du dir denken, irgendwo da draußen, das also mir und dir Außen ist und Drumherum, bist du immerwährendes c quakquak.
Hier, mir und in mir bist du und bleibst: Sekante.
Danke, Sekante!
Ludwig Janssen © 13.8.2010
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