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Sonntag, 12. November 2017

Schalupkes Huhn und ein blauer Traum

Schon oft hatte das blaue Huhn, Herrn Schalupke zum Schlafen unter den Flügeln geborgen, zum Sternenhimmel aufgesehen und sich gefragt, wie jene Körner dort wohl schmeckten. Heute Nacht träumte es, Herr Schalupke flöge, Traum im Traum, dort hin. Eine Kiepe auf dem Rücken. Po°ck!


Ludwig Janssen © 12.11.2017

Schalupkes Huhn bei Christian Morgenstern

Heute kam Schalupkes Huhn vom Bahnhof her. Spät. Hatte dort ausgeholfen, war quer durch ein Gedicht mit Bahnhofshalle. Der Abendstern begann, vom tiefer werdenden Blau her zu blinken. "Na, wo war'sn du?" nahm Herr Schalupke es unter den Arm und ging heim. 
"Pooock!" 
"Ja, ja ..."

Herr Schalupke im Mondschein

Mondschein. Herr Schalupke stand, sein Huhn unterm Arm, auf einer Wiese. Wie, dachte er so bei sich, kam ich hierher? Keine Antwort. Auch nicht vom Huhn. Das legte sein Köpfchen zur Seite und meinte: "Po°ck!" "Ach, so ..." Herr Schalupke war's zufrieden und blieb ein Weilchen.

Ludwig Janssen © 8.11.2017

Donnerstag, 28. September 2017

Herr Schalupke und das Schiff


Er stand am Strand und schaute aufs Meer. Es duftete nach Tee, schwarzem Tee. Am Horizont tauchte die Silhouette eines Schiffes auf, das Kurs auf den Strand hielt. Herr Schalupke setzte sich auf ein Sandkorn, ließ sein blaues Huhn in den Dünen spazieren und wartete auf die Ankunft des Schiffes. Allmählich kam es näher. Seltsam: Obwohl es sich stetig näherte, blieb es doch so klein, wie es am Horizont aufgetaucht war. Herr Schalupke selbst jedoch, sein Huhn ebenfalls, wuchs und wuchs. Als das Schiff anlandete, krempelte Herr Schalupke seine Hosenbeine hoch bis zu den Knien. Er rief sein Huhn zu sich, nahm es unter den Arm und watete zum Schiff. Es knisterte einladend, als Herr Schalupke über die Reling strich. Die Bordwand des Schiffes war übersät mit verwaschenen bläulichen Schriftzügen. Herr Schalupke schwang sich, das Huhn unter dem Arm, an Bord. Das Schiff legte ab Richtung Horizont. Schalupke las derweil, was er von den Schriftzügen entziffern konnte: Es ging um einen Mann mit Huhn an einem Strand, an dem es nach Tee duftete.


Ludwig Janssen © 27.9.2017

Samstag, 12. März 2011

Herr Schalupke und das Huhn

Vertraute Dinge bergen Surreales.

Herr Schalupke trägt sein Huhn spazieren. Kommt morgens aus der Haustür, das Huhn unterm Arm, zieht die Tür leise ins Schloss und schließt ab. Geht zum Bahnhof, zeigt dem Huhn den Intercity und den Güterzug, lässt es ein wenig durch die Bahnhofshalle laufen, nimmt es wieder unter den Arm und geht zurück. Lupft den Hut, grüßt freundlich im Vorübergehen, zieht das Gartentor hinter sich ins Schloss, geht ins Haus, setzt das Huhn auf den Tisch und wartet. Dauert nicht lange, dann legt das Huhn ein Ei, ein grünes. Herr Schalupke nimmt es dann vom Tisch und trägt es unter dem Arm in sein Zimmer, also das Zimmer des Huhns. Es ist das hellste Zimmer des Hauses, weil Herr Schalupke drei Wände aus starkem Fensterglas machte und das Dach, das Dach ist ein Schiebedach, ebenfalls aus Glas. Das Huhn tippelt dort über den Rasen, den Schalupke auf dem Lehmfußboden angelegt hat, pickt hier ein Hälmchen, dort ein Körnchen und plustert sich wohlig im Sand. Währenddessen kocht Herr Schalupke das frische Ei und frühstückt. Geht dann aus dem Haus, das Huhn unterm Arm. Ein blaues Huhn. Blau wie eine Regenwolke. Herr Schalpuke trägt sein Huhn auf den Hügel hinterm Haus, von dem aus kann man das Land ringsum gut einsehen. Den Tag verbringen die beiden auf dem Hügel, das Huhn pickt sich hier ein Hälmchen, dort ein Körnchen, Herr Schalupke schaut den Zügen nach. Manchmal ist das umgekehrt.

Aber noch nie sah jemand das Huhn abends Herrn Schalupke unterm Flügel heimtragen und ins Glaszimmer setzen, wo er auf seinen Schlafbaum flattert, den Kopf unter den Arm steckt und einschläft.


Ludwig Janssen © 20.7.2010