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Sonntag, 9. November 2025

Wo ist die Welt?

Eigentlich bin ich zu groß, so in mir drin und in all dem, was mich ausmacht und was ich mir denke und zu dem Bild gestalte, das ich klein falte, das ich innehalte, das ich mir von der Welt mache, in das hinein ich mich aus- und dann wieder anlache. In das ich mich füge - hinein und zusammen. Und dass ich sie mache, die Welt, die große, die weite Welt, die klein gefaltete und anderen groß aus mir heraus ausgebreitete Welt - sie passt nicht in mich hinein, die Welt. Denn sie ist voller anderer, denen es eigentlich genau so wie mir ergeht. Auch wenn ihre Welten, die sie in sich erstehen lassen aus ihrem Erkennen, Fühlen und Gestalten (Auch dieses Wort - so nah ist es an Falten, mit seinem ihm eigenen Klang - und wie oft schon wurde es und wird zu Gesang, Anfang und Beginn, ändert, verliert und gewinnt ... an Sinn.)

Eigentlich bin ich zu groß für diese Welt, weil ich mich an meiner eigenen, kleinen festhalte und mein Erkennen nicht über meine Sinne hinaus reicht.

Eigentlich ist das gut. Denn diese große, weite Welt aus den Welten anderer würde, ließe ich sie in mich hinein, mich auslöschen, mich mit sich fortreißen und verschlingen ohne Spur. Ohne Spur. Auch wenn das ist, was auf mich wartet, wenn diese kleine zu große Welt eines Tages ihren inneren Zusammenhang verliert und sich auflöst in dem, was man Sterben nennt: Ohne Spur zu sein. Was bleibt: Eine Spur, die endet. Ein Körper, der vergeht. Ein Geist, der noch eher vergangen sein wird als die Hülle, die ihn umgab und in die hinein er verortete, was er Welt nannte, ängstlich bedacht, sich nicht zu verlieren, an nichts und an niemanden. Vielleicht ist da ein Erinnern an mich, eines, das auch vergehen wird, eines, das ein Bild ist in eines anderen Welt. 

Und vielleicht ist da auch das, was wir Seele nennen und dem ich, allein im Zimmer mit Gestorbenen, das Fenster öffnete auf einen vermuteten Weg zurück in ein angenommenes Zuhause. Denn diese Welt ist nicht mein Zuhause. 

"... Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? ..."1.Könige 8,27 

... oder halt diese Welt, die ich mir erbaute oder die andere mir ausgeben als die ihre.

Wo ist die Welt? In mir, so wie mein Atmen, und dann auch wieder nicht, so wie mein Atmen es ist? Sie reicht auf jeden Fall weit über das hinaus, was meine Sinne mir lassen. Und doch bin ich zu groß für sie, weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin. Und die Welt, dieses Universum ist zu groß, als dass wir Gott darin erkennen können, in dem alles ... ist.

Montag, 28. September 2020

Ein wahrhaftiger Anlass zu Niedergeschlagenheit

Mir war so, als ob.

Er war unbemerkt aus dem mir gewohnten Irgendwo an mich heran getreten und legte mir seine Hand auf die Schulter. Ich wandte mich um, lächelte in seine Milde und hörte ihn sagen: "Du, Ludwig, ich brauche ...", mein Herz ging auf, "... dich nicht", verkrampfte, "... mehr.",
ließ mich zurück im Zweifel, ob er wohl jemals hatte, mich oder irgendwen.

Warten.
Oder gehen:

Emmaus.
Übermorgen.


Ludwig Janssen © 10.4.2009

Dienstag, 9. Mai 2017

Dreidimensionale Erkenntnis

Etwas großes Vierdimensionales beugt und streckt sich mir in Sekundenscheiben durch meine drei Dimensionen. Mir ist, als streife mich der Atem Gottes - dabei ist es nur sein Zeigefinger,
den er mich erklimmen lässt, wie wir es tun mit Marienkäfern.


21.9.2003, Ludwig Janssen

Mittwoch, 12. April 2017

Vielleicht macht Gott


Vielleicht macht Gott
macht sich der Schwerste leicht
damit sich alles dreht
und geht

dahin, als sei's ein Schweben
durch die Welt so schwer
gehst du und denkst dir, wo
er denn bliebe und die Liebe

eben so
geht Leben


Ludwig Janssen © 31.5.2008

Donnerstag, 1. September 2016

... herzen

es ist das schwingen der kleinsten
teilchen der teilchen, die bestimmen
was wir sind, wir klingen ungehört mit
jedem stein, allein, ein all, dem fall aus

engen zusammenhängen und klängen preis
gegeben ein leben
lang weht die zeit durch uns hindurch und
nimmt, was wir geben einem anderen wind
hauch auch alles vater unser schwingt mit
jedem kleinsten teilchen aller teilchen für
ein weilchen singe dein lied aus ganzem


Ludwig janssen © 1.9.2016

Samstag, 24. Oktober 2015

Omnipräsenz


Wohin soll das führen
Den Himmel berühren
Ist wie Gott suchen
der dich umgibt deine
Lungen füllt Atmen so
sind Ein und Aus der
Himmel und du
Ludwig Janssen © 24.10.2015

Samstag, 12. Juli 2014

Greifbar

Streben nach klarer Linie ist eben
meistens über Knoten vernetzt
darum braucht man Idioten jetzt
um sich zu erheben über jeden
der weder Faden, Knoten, punkt
und nicht gem ein sam wäscheschrankt

Der ist dann eben einfach Luft
auf vier Knoten kommt ein Schuft
mit solcherlei Zusammenhalt
der Fakten bei die Fische knallt
holt man Fische aus der See
ist's zufrieden, sprich "okay"

Das Wasser bipolart im Stillen
vernetzt nach physikal'schem Willen
doch intressiert das hier kaum einen
denn Fische fängt man damit keinen
Sein Netz geht derweil durch und durch
durch Wolken, Fisch, Mensch, Netz und Lurch
 
Ludwig Janssen © 3.10.2008

Freitag, 22. November 2013

Stückwerk


Eine kleine Lüge kam auf mich zu: Ich bin in dir, ich bin wahr!
Ich nickte: Ja, klar.


Eine große Lüge kam auf mich zu: Ich bin in dir, ich bin wahr!
Ich nickte: Ja, klar.

Eine Wahrheit kam auf mich zu: Ich bin in dir, ich bin Lüge!
Ich nickte: Ja, klar, du bist die größte und wahr!

Die Wahrheit kam auf mich zu: Ich bin!
Ich verneinte: Du bist nicht in mir! Ich kenne dich nicht!
Sie nickte: Ich kenne dich, du bist in mir.

(Predigt zum Thema Wahrheit)
Ludwig Janssen © 26.07.2010.

Mittwoch, 20. November 2013

Ein Maulvoll Held

Poetry-Slam. Zum Sieg braucht man Applaus. Zum Applaus braucht man Lacher, denn die meisten sind eher betrunken als nachdenklich. Konsumhaltung Lustig. Ein-, zweimal Jesus die Kappe vom Kopp hauen oder Gott in den Hintern treten, einen Gott, den die meisten der Zuhörer für eine Figur im Kasperletheater halten, quasi eine Art weißes, bärtiges Krokodil, dem der Kasper eins mit der Klatsche gibt.

Bin mir uneins, an was es liegen mag, dass von solchen Gottlästerern und Jesus-Bashern viel zu lesen ist. Zumal unklar ist, ob sie leugnen, wen sie lästern oder ablehnen, ob sie kennen, was sie ablehnen. Also, ob sie Gotteslästerer sind oder schlicht Gott-Lästerer. Mit dem Wort, mit dem Wort Gott springen sie um, weils ihnen nicht viel mehr ist als das, ein Wort. Doch … was ist mit Allah? Dem Wort. Mit Mohammed? Wird der nicht abgelehnt?

Nein, mit Allah scheint nicht gut Kirschen essen zu sein, dem klaut man keine Äppel aus dem Garten, und selbst Leute, die jeden Sonntag Jesus vom Kreuz reißen, reißen keine Witze über Allah, über den Propheten Mohammed, den Propheten Isa ibn Maryam, der ja eigentlich nicht gekreuzigt wurde. Oder etwa doch? Was Toleranz angeht, eigentlich auch den Respekt vor dem Andersdenkenden, den anders Denkenden gibt’s ja nicht, so scheint es keinen Unterschied zu machen, ob man es mit einem glühenden Verehrer Gottes zu tun hat oder mit einem, der Gott, eigentlich eher jegliche Religion, ablehnt.

Amüsant ist, dass die Jesus-Basher und Gott-die Kappe-vom-Kopp-Klopfer sich gerade an den Memen festkrallen, die Nachsicht, Versöhnung und Liebe leben wollen und sich dezent zurückhalten gegenüber solchen Memen, die auch gleich mal den Gottesstaat errichten wollen, religiös begründete Rechtsprechung einführen und den heiligen Krieg in der Pocket-Version für Europäer bereithalten. Die mittelalterlich anmutenden Methoden schinden halt immer noch Eindruck, schrecken ab, wahrscheinlich mehr noch als jedes Hängen und Würgen um diplomatische Korrektheit.

Ich frage mich, ob, würden die ganzen evangelikalen Re-Importe hierzulande sich politisch radikalisieren und Andersdenkenden, die sich an ihren Werten vergreifen, mit dem Tod drohen, nicht erneut still würde um Jesus, die Idee Nächstenliebe, um ethische Werte, die sich auch abseits jeglicher Religion zwar entwickeln können, ihren Ursprung aber in Memen haben, die entweder religiös motiviert waren oder halt Ursprung religiöser Geisteshaltungen sind. Ob wohl die Jesus-Basher angesichts potentieller Gefahr um Leib und Leben schwiegen, also angesichts eines riesigen Krokodils davon absehen würden, die Kasperklatsche herzuzeigen?

Ob wohl hierzulande die Durchdringung der christlichen Religionen über die Jahrhunderte hinweg mit humanistischem, mit liberalem Gedankengut ermöglichte, sie freier, unbefangener zu erleben und zu leben? Ob wohl die Jesus-Basher ein Zeichen dafür sind, wie weit der Gedanke der Nächsten- und, ja, der Feindesliebe tragen kann? Ob wohl jemals die Friedfertigen das Land erben werden? Und wenn ja, wird es eines sein, das nicht durch Krieg unbewohnbar wurde? Ob wohl dem Auslöschen das Auslösen folgen wird?
Ludwig Janssen © 30.11.2012

Sonntag, 3. November 2013

Erwörterung über einen eventuellen Zusammenhang zwischen der Länge eines Wortes und der Händereichweite dessen, für das es steht

"ewig" - das ist ein kurzes Wort für eine lange Zeit, und auch die hatte irgendwo einen Anfang (vielleicht in der Mitte des Universums, wahrscheinlich in dir irgendwo - ganz sicher in meinem Kopf) und wird irgendwann enden, eben weils einen Anfang gab. Schon "irgendwann" ist ein längeres Wort. "ewig" findet man nicht wie Muscheln am Strand.

"ludwig" - hört sich so ähnlich an, ist ein wenig länger, als Wort, als Zeitspanne wesentlich kürzer und als Zeitraum in vielen, umher getragen und verbracht. "ludwig" findet man wie Muscheln am Strand.

"Gott" ist so lang wie "ewig", jedenfalls als Wort, hört sich aber nicht so ähnlich an, Gott hat keinen Anfang und kein Ende, ist nicht ewig, sondern mehr. Ist die Zeit ohne Spanne und als Raum überall, aber auch in vielen umher getragen, nicht ewig, manchmal verbracht. Dem Wort sieht man das nicht an. Man findet von ihm in Muscheln und Strand.

"Ich" ist kürzer als Wort und in allen, wird einsam verbracht, braucht viel Zeit, macht sich breit in den Menschen und reicht nicht weit, lässt wenig Raum, hat Gott in sich, doch meist nur im Abstellraum und nichts davon ist in Muscheln und Strand.

"Du" ist noch kürzer, so als Wort und als Zeit. Dein Ich ist darin und ewig viel Raum, für Gott vielleicht und für mich. Wenn heut Nacht auf der Dünung der Klatschmond blüht, leg ich davon in die Muscheln am Strand.


Ludwig Janssen © 24.2.2009

Dienstag, 8. Oktober 2013

Über die Liebe

Wenn es um die Liebe geht, sind alle Menschen Niederrheiner, denn ein Niederrheiner, sagte Hanns-Dieter Hüsch, weiß nichts, kann aber alles erklären. 

Gebe ich Liebe bei Google ein, bietet mir diese Suchmaschine spontan diese Begrifflichkeiten an: Liebessprüche, Liebesgedichte, Liebestest, Liebesgedicht, Liebesfilme. 

Nein, nach „Liebe“ soll sie mir suchen – nach einigem Zögern meines Computers meldet sie, „Ungefähr 235.000.000 Ergebnisse“ innerhalb von 0,11 Sekunden gefunden zu haben. Auf den ersten Blick imposant: Zweihundertfünfunddreißig Millionen Ergebnisse, doch wir haben den Juni des Jahres Zweitausendelf. Und da bedeuten 235.000.000 Ergebnisse in nur 0,11 Sekunden eine magere Ausbeute, sind lediglich eine Bestätigung der alten Erkenntnis, dass Rechner wahnsinnig schnelle Schwachsinnige sind, die sammeln, sammeln, sichten können: Wir haben mittlerweile 7.000.000.000 Menschen auf der Erde, würde solch eine Suchmaschine ein wenig mehr Zeit haben und jeden finden, auch jeden unter der überwältigenden Mehrheit Menschen, die über kein Internet, keinen Computer, keinen Strom verfügen, auch die eine Studentin in Bremen, wären das 29,79 mal so viele Ergebnisse, und da jeder Mensch sicherlich gleich mehrere Ansichten und Ideen zur Liebe hat und dafür, was Liebe ist … 

„Mehr, mehr, mehr!“ Häwelmann unterwegs. 

Und die Liebe? 

Die Liebe ist bei aller Vielfalt wohl jedem so groß- und einzigartig, so wundervoll zugleich, dass die Menschen, welche die bedeutendsten Schriften einer der monotheistischen Weltreligionen verfassten, übersetzten und, ähm, fortschrieben, eine wesentliche Passage verlauten lassen, dass Gott die Liebe ist, ui. 

1. Johannesbrief, 4,16: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm (nacherzählt, also so ungefähr). 

Hm, eine gute Idee, meine ich, denn so schließt etwas, von dem gesagt wird, dass es universell ist, omipräsent, jeden, aber auch jeden Menschen ein, der … 

Hm, zumindest jeden, der … 

Hm, die Liebe ist einfach. 

Daher sträubt sich in mir alles, nach einer Formulierung, die einschränkt, weiter über die Liebe zu schreiben. Da tippe ich „jeden, aber auch jeden“ … und tippe ein Komma, tippe „der“, da schrieb ich „zumindest jeden“ … und tippe „Komma, der“ – nein! 

Jeden, aber auch jeden Menschen. Und gut ist. 

Hm, sollte man meinen. Da kommen gleich viele angewuselt, die nur aus sich heraus in die Welt schauen und kaum aus einem anderen, die sich selbst erleben, verleben, durchleben, entleben, überleben … und erzählen, was die Liebe ist, was sie kann, lässt, besser noch, was sie nicht kann, unterließ, versäumte – denn ungeliebt, ungeliebt fühlten und fühlen sich wohl mehr Menschen als solche zu finden sind, die angeben, geliebt zu werden. 

Eine andere Stelle besagten Schrifttums führt im 1. Korintherbrief des Paulus an (1.KOR13ff), dass die Liebe größer ist als Glaube und Hoffnung, wertvoller als Prophetengabe, Zungenrede, Märtyrertum, Erkenntnis, und – dass sie nicht „das ihre“ sucht, also nicht sich selbst [andere Übersetzungen, auch Einheitsübersetzung: „ihren Vorteil“]. Keine Selbstfindung, keine Selbstverwirklichung, kein Tausch, erst recht kein Tauschgeschäft. Langmütig ist sie, steht dort zu lesen, erträgt alles, trägt nichts nach, bläht sich nicht auf … Eine wirklich lesenswerte Passage, dieses Kapitel 13 des Korintherbriefs. 

Die Liebe lächelt. 

Vielleicht das Lächeln eines Buddhas, vielleicht das eines Fisches, und ja, Fische …

Sie wird wohl auch lächeln, da bin ich sicher, wenn jemand aus sich herausbreitet, dass die Liebe ihn enttäuschte, verriet, verließ. Dabei war und ist das nicht die Liebe, sondern das Lieben. Fremdes Lieben, das sich ihm und seinem entfremdete, verfremdete … sich losfremdete? Zumindest das eigene blieb ihm und bleibt. Das eigene Lieben, das kaum wahrgenommene, das unbeachtete, das ungeliebte eigene Lieben. 

Das Lieben. 

Das Lieben, das ist wohl ein Stückchen Gottes in dir, und, wenn du Agnostiker bist, ist es ein Stückchen Ganzes, wenn du Atheist bist, ist es ein Stückchen Liebe, d e r Liebe – und sowieso ist es alles das zugleich und deines. 

Dein Lieben? Ich kenne es nicht. 

Mein Lieben, mein Lieben macht mich wehrlos. Das ist, was ich an Wichtigem über mein Lieben zu erzählen weiß. Manchmal lässt es mich zurück, und, vielleicht ist es eine Taube, findet sich immer wieder ein, bei mir, vielleicht bei dir, und lächelt. Nicht mehr taufrisch, schon lange nicht mehr unschuldig, aber immer noch unerklärlich naiv. 

Nullkommaeinsvier Nanoliebe. So viel auch nur, wenn ausschließlich die Menschen … Von keiner Suchmaschine zu finden unter sieben Milliarden Menschen. Ganz Häwelmann mit nacktem Hintern, ein Beinchen als Mastbaum in die Höhe gereckt, das Hemd daran Segel und aus vollen Backen blasend zieht es mit den Wolken über den Himmel. Der Mond fragt, „Junge, hast du denn noch nicht genug?“ Dann lächelt es, wahrscheinlich auch nur, weil es weiß: Um ein klein wenig zu werden wie die Liebe, die Gott ist, zumindest göttlich, müsste es … zumindest dem Korintherbrief nach, und seine Feinde, ach, nein, ich müsste – meine ... Und das fällt so verdammt schwer, vor allem, weil selbst ein nullkommaeinsvier Nanolieben für mich ein ganzes ist - und alles, was ich habe.
Ludwig Janssen © 7.6.2011

Mittwoch, 6. März 2013

Denken ist …

E=mc² 

Energie ist Masse. Ziemlich schnelle Masse. So schnell und so klein, dass man sie nicht fangen kann, ohne sie aus den Augen zu verlieren, denn wenn man genau hinschaut, ist sie weg, zwinkert man, zischt sie durch die Finger und geht ins Auge. 

Energie ist also winzige Masse, die nur eben gaaanz schnell unterwegs ist, wohin auch immer. 

Nach dem Energieerhaltungssatz geht nichts verloren. 

Und auf beiden Seiten eines Gleichheitszeichens steht Gleiches. 

m = E/c² ? 1/8 ist weniger als ½, und 1/8 ist weniger als 1/1. 

Somit würde Energie zu Masse, und deren Dinge ganz, wenn sie nur kalt und langsam genug wären. Und würden die Dinge sich nicht bewegen, gäbe es sie nicht, denn „geteilt durch Null“, Jesus, was sagt da der Mathematiker? Verboten! Das arme Photon! Es darf sich nicht ausruhen, nie, nie und nimmer, nie zur Ruhe kommen … armes Licht! Von wegen „Ruhemasse“ – verboten! Wie lieblos. Und warum das ganze? Weil irgendwer meint, dass die Dinge zumindest eins sein müssen, mit was auch immer, jedoch auf keinen Fall mit dem Nichts? Wollte sich also so ein kleines Photon ein Ruhepäuschen gönnen, würde langsamer, langsamer, lang… - käme irgendwann, müde, ausgepowert, vielleicht 1:1 daher – und bei mir an, und zwar auf den Versuch, und mit 1= 1/1 durchaus manierlich – es dürfte nicht anhalten, ausruhen, schlafen stillstehen, denn … (und ja, eigentlich nur, weil der Beweis 1 = 0 anzutreten wäre, ließe man zu, dass das Licht, zumindest ein Photon, stillsteht.) … die Mathematiker haben das verboten. Aber Null ist Null gleich! Mathematiker sind weit entfernt von der Liebe. Ab und an wirft Gott Steinchen ans Fenster, während wir schlafen. 

So also ist das mit dem Photon. Ruhemasse Null, Reichweite unendlich: Wahnsinn. 

Das wuselt sich über Jahrtausende vom Sonnenkern nach außen, das Photon, saust innerhalb von acht Minuten hierher, funzt im Chlorophyll des Zellkörperchens einer Sonnenblume ein Wassermolekül auseinander, das möglicherweise älter ist als die Sonne, und gelangt schließlich in mein Körperchen als Sonnenblumenkern und über dessen Energiegehalt und E=mc² schließlich in mein Hirn, wird Gedanke, vielleicht sogar der Kern eines Gedankens und bleibt, wo es ist. Wirklich? 

Wird ja schnell kalt, so ein Gedanke, und verliert an Esprit. 

Wo der dann bloß rumliegt, der Gedanke, und materialisiert? 

Wie groß wird die Ruhemasse eines Gedankens sein, wie weit seine Reichweite reichen, und, wird sie uns reichen, was auch immer, uns bereichern oder genug sein? 

Letztlich kommt da ein Photon zur Ruhe, das ziemlich lange unterwegs war. Als Welle, als Teilchen, doing-doing, flitzefitz … um am (an seinem?) Ende gedacht zu werden: 

Kleines Schläfchen. 

Blauer Traum: 

Ruhemasse eines Photons: Null - und auf beiden Seiten einer Gleichung steht dasselbe:
m = E/c² ... 0 = E/c² ... 0 = 0.
 

Ende der Umwandlung. 

Rückwandlung? 

Materialisation? 

Energie der Lage. 

Das Hirn ist doch auch bloß eine Dose für kleine, schlafende Kerne, die irgendwann, später und vielleicht, geweckt werden. 

Vom Anstupser. Kein Big Crunch, geht nicht. 

Das All ist so, wie es ist, weil es nur so sein kann, denn hätte es anders sein können, wäre es anders oder nicht da, so eben und sicherlich ohne uns. Dieses „Nur-so“ ist es nur so, nur mal eben so, vielleicht, aber das wieder ist ein hauchganzdünnes Membranchen, kein Mem aus dem Branchenbuch, das sich gegen andere durchsetzen muss, es ist DAS Wieesist und logische Folge der Bedingungen zur Zeit der ersten Sekunden des großen Kapaftich: 

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig … Wasserstoff … Deuterium … Helium … (dann stellte er es zum Abkühlen auf die Fensterbank, es war Nacht und Sterne funkelten nicht am Himmel, noch nicht). 

Photonen dürfen sich nicht ausruhen, müssen immer unterwegs sein, und das ziemlich schnell. Wo sie sind, und auch dort, wo sie nicht sind, für den Moment, ist hell. Ihre Energie speist Zuckertransformatoren, Wasserspalter, geht nicht verloren. Wo sie sind, weiß man nie so ganz genau, jedenfalls kann niemand es beweisen, obs hell ist oder licht, sieht jeder. Vielleicht ist das mit dem Ich-bin-das-Licht ebenso. 

Und das All, einfach alles besteht aus Winzigfitzelflitzelchen, die sich immer wieder zu Großem finden und im Kleinen verlieren, wie sie sich im Kleinen wieder finden und im Großen verlieren. Und du gehörst dazu. Ich auch, übrigens. 

Dekohärenz sorgt dafür, dass die Dinge bleiben. Nicht, wie sie sind, nur: dass. Das genügt. Ding! - ein Steinchen ans Fenster ...
 
Ludwig Janssen

Dienstag, 12. Februar 2013

Eie Piphan hat eine Erscheinung


Eie Piphan hatte eine Erscheinung, und wäre nicht Soistes Numa Augenzeuge - niemand würde ihm glauben. Die beiden Fischer saßen in ihrem Einbaum, der sich in der Dünung vor der westafrikanischen Küste in Sichtweite von Elmina wiegte, hatten ihre Netze ausgeworfen und waren dabei, sie einzuholen, als Gott an Eie Piphan vorbeiflog, und zwar von links nach rechts, ziemlich schnell und ebenso eindeutig. Er machte einen Kopfstand.

Eie rief "U!",

Soistes fuhr herum, verlor das Gleichgewicht und sah in das erstaunte Gesicht seines Freundes:

"Hm?"

Das wars auch schon.

Piphan schwieg, denn weder konnte er sich erklären, was da soeben an ihm vorübergeflogen war, von links nach rechts und ziemlich schnell, noch konnte er sich in Ermangelung geeigneter Vorkenntnisse dessen Eindeutigkeit sicher sein.

Man darf also mit Fug und Recht behaupten, dass diese Erscheinung Eie Piphan völlig unvorbereitet und ahnungslos angetroffen hatte und auch ließ, ja, man darf sogar davon ausgehen, dass diese Erscheinung, wäre es anders, gar nicht zu Stande gekommen wäre, womöglich auch nicht zu Kopf gestiegen, weil das mit dem Stand und erst recht mit dem Kopfstand auf den Wogen des Atlantiks vor Ghana schon ein Ding gewesen wäre, das höhere Wellen geschlagen hätte als die um den Einbaum es waren und weitere Kreise gezogen als jene, die nun von Soistes Numas Oberkörper ausgehend die Dünung kräuselten. Eie Piphan reichte seinem rücklings über Bord gegangenen Freund die Hand, zog ihn zurück ins Boot und bat um Nachsicht, dass er ihn erschreckt hatte.

"Ach ..." Vater Numa hatte seinen Sohn Bescheidenheit - und zu schweigen gelehrt.

In der Familie Piphan war das eigentlich anders. Doch da Eie Piphan zwar wusste, dass er etwas gesehen hatte, nicht jedoch, was und erst recht nicht, wen, blieb diese Erscheinung unerwähnt.

Gott wars recht. Er hatte es auch nicht anders gewollt.

Hätte ein religiöser Mensch oder ein Philosoph mit Soistes Numa im Einbaum gesessen, hätte er nicht mehr zu sehen bekommen als eine Möwe.

Auch gut.
Ludwig Janssen © 7.8.2010