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Freitag, 19. Januar 2024

Ein Abschied

So viele vergebliche Wege, die dich nicht ans Ziel brachten. Und doch, wir gingen sie gemeinsam. Manchmal brachten sie uns heim. Ein Heim, das dir fremd war. Dein Zuhause eines, in dem das Vergessen kam, um zu bleiben. Angefüllt mit zerbröselnden Erinnerungen und einem Licht, das dem unerschütterlich freundlichen Kern deines Wesens entsprang. Ein Leuchten, das blieb, wurden deine Augen auch trüb.
Auf manchen dieser Wege suchte deine Hand die meine und ich war dir, was und wer auch immer ich dir war. Und blieb. Der, der ich bin. Ein wenig reicher als zuvor, ein wenig ärmer an Illusionen. Deinen letzten Weg gingst du allein. Gingst ihn im Schlaf. Im Traum? Eine ganze Weile noch werde ich den Klang deiner Stimme mit mir tragen, dich surren hören und deine Halt suchenden Fragen, die ich manchmal in den Arm nahm, bis sie dich nicht mehr bedrängten. Bis du zur Ruhe kamst. Für eine Weile. Für ein Stück Wegs, das nicht vergeblich war.
Und jetzt, in diesem einsamen Moment des Abschieds, des Loslassens erfüllt mich der Gedanke, dass vielleicht kein Schritt jener vergeblichen Wege wirklich vergebens war. 

Ludwig Janssen © 17.1.2024

Dienstag, 23. Mai 2023

In deinen Augen

Ich weiß, wir alle müssen einmal geh'n
das sagt man so und wischt es aus dem Hirn
wähnt es weit und spricht vom Himmelblau
wo das Sterben Wolke ist und ohne uns
weiterzieht und, was geschieht, Gestirn ist
wie Sonne, Mond und Sterne, ach, die Ferne
ist ein Versprechen, wo Wünsche in Erfüllung geh'n
unsere Pläne passgenau, ist, wo du ewig bist
wartest, mir entgegen zartest deine Gunst
der Stunde in meiner Hand liegt und geschieht
das Leben satt ist und ein Liebeslied, doch
habe ich es tief in deinen Augen gesehen, wir
müssen alle einmal gehen, in deinen Augen
zum Tauchen taugen sie und auch zum Fliegen
schön sah ich es liegen in der Tiefe und im
Himmelblau sah ich es fliegen: Ich werde geh'n.

Ludwig Janssen © 23.5.2023

Freitag, 9. September 2022

All, tägliches

heute flog mich
ein Geheimnis an
aus dem Täglich
zu meinen Füßen

wurde mir klar
warum ein Mensch
das sucht sich Gott nah
fühlt, wenn er in der Nacht
aus seiner Haustüre tritt
unter den Sternenhimmel

ich frage mich wie
nah das ist wenn ich
mein Haus verlasse
der Nacht zu Füßen

Ludwig Janssen © 21.4.2005

Montag, 2. August 2021

Küstenlinie

An einem Tag im August, das
Meer lag, als hätte es davon
gewusst, so friedlich wie an
jenem Tag im blauen Mond, an
dem sie sich hier küssten, an
der Linie, wo Meer und Land
dasselbe tun, ohne sich je
davon auszuruhn oder es zu
lassen, auch sie wollten nie
von einander und das Hand in
Hand nicht lassen und mag
auch der Wellenschlag dies
bezeugen, der in jenem
Augenblick ihnen zu Füßen
lag, sich an und um sie
schmiegte: Sie taten, als
ob sie noch davon wüssten
als sie sich hier küssten
an der Küstenlinie so ganz
zwischen Land und Meer war
es doch schon lange her
dass jener Saum sich wie
im Traum in beiden wiegte
Meer und Land und Hand in
Hand, doch hing vom Flüstern
und Knistern, mit dem der
Wellen Schaum verging
in der salzigen Luft.

Ludwig Janssen © 2.8.2021

Zur Quelle der Inspiration

Samstag, 10. Juli 2021

Über Abschied und Wolken


Abschied geht mit den Flüssen, die
einmal im Meer zur Ruhe gekommen
letztendlich wiederkehren müssen
So sitzen wir, untergehende Sonnen
unter landeinwärts ziehenden Wolken
an Flüssen mit Abschied darin und
in uns das Wissen um Regen warten
wir dem Abend, dem Abschied entgegen
Entblößt bis auf das Lied einer Amsel
in das wir uns hüllen und meinen
im Abschied das Leben zu erfüllen

oder zumindest das Versprechen
das in unserem ersten Atemzug lag
von all jenem Atmen erfüllt der Tag
legt er müde in unseren Schoß sich
sein Denken und, dass auch er
Abschied nehmen muss in all 
jenem Drehen und Ziehen auf einen
unbekannten Raum im Universum
zu, so gehen die Flüsse, gehen die
Tage, so gehen ich und du und
so warten wir auf Wolken mit uns

darin in einem kalten Universum.



Montag, 8. Juli 2019

Abschied: Nehmen und Geben.

Abschied nehmen ist Loslassen und Halten. Und nehmen wir Abschied, von dem Menschen, der uns gibt von seinem Loslassen, seinem Halten, geben wir von unserem. Halten wir ihn, werden wir Teil seines Scheidens. So ist Abschied Nehmen Abschied Geben, ein jeder von seinem Halten und seinem Loslassen des anderen.

Nimm dir, soviel du auch brauchst. Ich bleibe, selbst, wenn ich einschlafe.

Ludwig Janssen © 8.7.2019

Donnerstag, 20. September 2018

Alles hat seine Stunde

Da war eine untergehende Sonne, die Zeit der blauen Stunde stand über dem Horizont. Heute trittst du ein in dessen Zimmer: Das Fenster sperrangelweit, der Horizont weit entfernt, die Seele schon viel, viel weiter. Du bleibst, mit einem Gedanken und der heute nicht gereichten Hand.

Ludwig Janssen © 20.9.2018

Freitag, 11. August 2017

Nacht



Nacht, dich weiß ich als ein Gleiten
gen Westen, Abschied, Untergang
mich darin mit meinem Schreiten
gen Osten, Tag - und dir entgegen

werde ich mich schlafen legen
wenn ein Ende meinem Reisen
Drehen um und durch die Dinge
und dereinst auch deinem Kreisen

Welt, mich hält in Raum und Zeiten
das dir eigne Abwärtsgleiten
auf den Grund, nicht durch den Gang
der Dinge und so bleibt, was All

es für mich war, nur anders


Ludwig Janssen © 31.12.2012

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Abschied: Nehmen und Geben

Du nimmst
Abschied, ich
gebe: Nach


dir. Alles
Geben stellt sich
in den Weg
in den Sinn
Loslassen geht
mein Sinn: Nach
denken auf den Weg


Ludwig Janssen © 2.12.2015

Dienstag, 1. Dezember 2015

Nach geben, einem Abschied

Unaufhaltsamkeit.
Wie sie dich ausmergelt
deine Sanftmut
deinen Willen
Nicht mehr essen, nicht
mehr trinken, nicht mehr

Deine Hand halten.

Ludwig Janssen © 1.12.2015

Freitag, 4. Oktober 2013

Vertont: Der erste Nachtfrost im Oktober und die Blumen vor meinem Fenster

.

.
Vergangene Nacht war es dann soweit ... Sternenklarer Himmel, der erste Nachtfrost schlich sich unbemerkt ins Tal und die Blumen vor meinem Fenster verabschiedeten sich auf ein Wiedersehen im nächsten Sommer ...
Ludwig Janssen © 3.10.2013

Donnerstag, 8. August 2013

Zum Abschied

Magst du nicht noch ein wenig
bleiben und dich mir ringsum
legen dein Grün dein Wolken
ziehn den Himmel blau den Himmel
monden Nächte Sterngewimmel
blasse Motten nachts die grünen
Lichtlein dein den Arm so warm
um mich und gerne trag ich dich
durch Herbst und Winter wie den
Zitronenfalter alter Mann was
wird aus uns sind wir doch nur
das Randerscheinen eines Kreisens
will man meinen du die Wieder
kehr mit mir darin ich das Dahin
scheiden sich unsre Wege. 
Ludwig Janssen © 20.9.2012

Dienstag, 29. Januar 2013

Ach …


du gingst - und mit dir ging das Leben, so ist das eben hier
und als du dann gegangen und das Leben angefangen
hatte, so zu sein, gemein, gegangen und allein zu sein 
da stiegen du und ich und alle neben allem Leben
neben allem Streben, Strömen, Sehen, Sein und aller Spur
dem Was-Wäre auf die Fähre und vielleicht dem Wenn-du-Nur
doch da schwamm ein Styxling in den guten Fluten, schwieg und stieg
die Wasserpest entlang dem Uferrufer, seinem Schicksal
allem Gehen, Gingen, Sinnen - Fischerinnen fingen ihn -
entgegen, welch ein Segen, welch ein Regen fiel hernieder
wieder Flieder, immer wieder und inmitten Bachgefie
der Lieder Klang den Fluss entlang - du gingst - mit dir das Leben

 Ludwig Janssen © 4.4.2012