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Mittwoch, 17. Januar 2024

Welt voller Geräusch

Die Welt ist voller Geräusch, mir
ein wenig bang, dass ich mich täusch
den Klang, der darinnen, wie ein
Fisch im Wasser Harmonie versäume
So träume ich einen Fisch, höre
dich singen mit ihm, klingen
und denke: Vielleicht bin das ich
auf des Lebens Schwingen.

Freitag, 26. Juli 2013

Otussy im Weltraum (Seien’s Phi)

Tiiiiiiiiii LÜ-DI-LÜ-DIiii Liii LÜÜÜiiiLILÜ Liiiiiiiiii – RO – li – ro –li ROOOOOOO Liiiiiiiiiii pfüüü llililililililaliluli i i i !

HAL?

Nichts. Nur

Tiiiiiiiiii LÜ-DI-LÜ-DIiii Liii LÜÜÜiiiLILÜ Liiiiiiiiii – RO – li – ro –li ROOOOOOO Liiiiiiiiiii pfüüü llililililililaliluli i i i ! 
 

Die Anzeige des 4th-D-Reflexibiliators weist den dreißigsten Tog im vierten Zwölftel des zweitausendundachten gregorianischen Kontinenziums aus. 

Hoff Skyles Unterlippe stülpt sich zitternd über ihr modisches Damenbärtchen. 

Eigentlich gehörten MT-Transporter wie die IS Dolphyn mit ihren veralteten Öha-Bajuworen längst recycelt und hatten im Weltraum nichts mehr zu suchen. Mesonentriebwerke mit 0,98 c – wer fuhr schon so was? Die wurden schon seit pointfive GUZ weder gebaut noch gewartet. Antiquierte Liebhaberstücke, sorgfältig instand gehalten von geschickten Bastlern, deren bemerkenswerteste Fähigkeit die zur Improvisation war, hoffnungslose Idealisten mit nicht minder hoffnungslos nachhaltiger Ebbe in der Kasse. 

Ihre Mission drohte nicht nur zu scheitern, die blonde Pilotin wähnte sich am Rande des Wahnsinns. Kaum auszuhalten, dieses Getöse! Selbst das gesteppte lila Inlett des pinken Helms half nicht. Die aktuelle Ladung der IS Dolphyn übertönte sogar die pfeifenden Keilriemen der Bajuworen aus dem Maschinenraum: Kanarienvögel, dreißigtausend quittegelbe Harzer Roller, mussten mit leununleißig Einheiten Feinsthirnse und fünftausend Tonnen Vogelsand von Quorg aus dem wilhelmsten Havenium nach Quark im nadersixtäschen Tiffe-Benum gebracht werden, und man hatte ihr dafür nur 3 Ticktacken Zeit zugestanden! Diese blöden Auswilderungsprogramme des GWF brachten kaum lohnende Aufträge, waren aber besser als die Zuschüsse aus dem Museumsfondue. 

Als ob das nicht schon knapp genug bemessen wäre, zickte jetzt auch noch HAL 900, der BC des evangelischen Transporters der MT-Klasse. Hoff Skyle verzweifelte. Sicherlich war sie Schlimmeres gewohnt, doch wie zum Schlonk sollte sie sich konzentrieren, das dringendst erforderliche Voiß-Rischädölling des BC durchführen können, wenn nicht, bis auf das gewohnte Hintergrundrauschen des PP, absolute Ruhe herrschte? Nicht eine Minute Bordzeit gaben die Kanari Ruhe, und so geriet die eigentlich lächerlich unbedeutende Rejustierung des Navigations-Systems nach dem üblichen Stromausfall der Schrottationskonstanten zur Frage auf Sein oder Nicht-Sein. 

Sie hatte geahnt, dass dieser Auftrag in einem Fiasko enden würde. Schon die Scullatoren Hahmleths hatten ihr die Passage durch den Shakespeare verweigert, weil das Tirilieren der unermüdlichen Dreißigtausend eine bedrohliche Schwingungskongruenz mit dem Protoplasma ihres Zentralgestirns aufwies. Der Umweg durch den mufflonen Staub des pathosen roten Samts Lollyenruhs hatte Kraft und Zeit gekostet, bedeutete weitere fünf Stunden Gezwitscher und Rollen aus den voll aufgedrehten Hälsen der Kanarien-Hähnchen.

Da geschah es: Eine gavinatorische Routine des BC schleifte sich an der DLL mit kartographischem Material Terras fest, HAL 900 registrierte „Kanarische Inseln“, erlitt eine insulane Hyperphonie und setzte aus. Mit ihm zeitgleich versagte das schwere Samtstrahlgetriebe, die Bajuworen heulten martialisch im Leerlauf auf, was jedoch im Tiiiiiiiiii LÜ-DI-LÜ-DIiii Liii LÜÜÜiiiLILÜ Liiiiiiiiii – RO – li – ro –li ROOOOOOO Liiiiiiiiiii pfüüü llililililililaliluli i i i ! der dreißigtausend Vögel unterging, die sich unbeirrt zu sängerischer Höchstleistung anstachelten.

 

HAL?

 

Die Anzeige des 4th-D springt auf den ersten Tog des fünften Zwölftel gK 2008.

 

HAL?


Nichts.

 

Aus dem Laderaum:

 

Tiiiiiiiiii LÜ-DI-LÜ-DIiii Liii LÜÜÜiiiLILÜ Liiiiiiiiii – RO – li – ro –li ROOOOOOO Liiiiiiiiiii pfüüü llililililililaliluli i i i !

 

HAL?

 

HAL!

 

Die IS Dolphyn quert inzwischen das RZK des Blahneten Terra, Commander Hoff Skyle beugt sich schluchzend über die Konsole des Steuergerätes. Zwanzig Lagen Noppenfolie schirmen das Justierungsmikro behelfsmäßig gegen die Gezwitscherwolke ab.

 

HAL!

 

Keine Reaktion, doch Skyle bietet ihren letzten Klacks Sanftmut auf und säuselt auf den BC ein: "Ist nicht alles Insel, HAL?" "Nein!", schnarrt es aus dem Lautbrecher, "Wo ist hier das Wasser?" Was, HAL, denkt Skyle sich ihr Teil und nimmt sich vor, ab jetzt konsequent auf das neue Modell zu sparen. Niemals hätte sich nicht auf dieses günstige gebrauchte aus der boküsianischen Küchenwaage einlassen dürfen.

Fonk! Alles Fonk! Börz, Zifix und Snuns.

Hoff Skyle ist sauer. So richtig sauer. Funken sprühen von den Spitzen ihres zu kosmischen Fusilli spiralisierten Gelocks. Sie nimmt den BC vom Netz, schaltet, jetzt lediglich von weiblicher Intuition geleitet, das Licht im Laderaum des Transporters aus und scheuert manuwell. Eine entspannte Minute lang bläht sich die Stille des Weltraums im Innern des Transporters auf zu einem schweigenden Koloss, dann dreht Skyle den Zündschlüssel:

Die durchrutschenden Keilriemen der Bajuworen kreischen herzzerreißend – die IS Dolphyn nimmt Fahrt auf.
Kurs auf Ti-Rola im itakischen Quadranten.
 

Tanken.
 
Ludwig Janssen © 30.4.2008
 

Legende:

BC = Bordcomputer

c = Lichtgeschwindigkeit, ca. 299.792.458 m/s

DLL = Dynamic Link Library

GUZ = Galaktische Umlaufzeit des solaren Systems „1“(bei 220.000 m/s), auch MWR (Milkyway-Rotation)

GWF= Galactic Wildlife Fund

HAL 900 = sehr frühes Vorläufermodell des HAL 9000

IS = „Interstellar“, veraltetes Kürzel aus der Zeit vor der technischen Konsolidation mutualer Wurmlöcher

MT = Megatyles-Transporter, Ladegabizuspät nicht über 2000 Bruttogeschwistertonnen

PP = Pig Peng

RZK= Raum-Zeit-Kontinuum

Montag, 29. April 2013

Zur Biologie des Cellophanten

Durchsichtig ist er und dann auch noch knisternd. Nicht nur wegen seiner Seifenblasenhaut gehört er zu den Hypodermen. Hat etwas von einem spanischen Prinzen. Entweder die Liebe zur Seefahrt oder die riesigen Segelohren, doch habe ich einen Infanten noch nie zu Gesicht bekommen.
Sein leises, quietschiges Knistern verrät ihn, wenn er sich in den Nachtstunden in die Wahrnehmung müder Geister schleicht. Sein durchscheinendes Wesen braucht er, wenn er, ganz  Transzendent, auf dem Weg hierher die eine oder andere Grenze hinter sich lässt.
Dazu schlüpft er auch gern in einen Klangkörper und erreicht uns selbst durch geschlossene Lider, ob wir nun schlafen oder nur in uns hinein horchen. Schmiegt sich in ein Summen aus Tal und Vogelflug, streckt sich aus und harmoniert zu unserem Atmen. Beflügelt durch einen Bogen. Es scheint sich dabei um so eine Art Begattungsakt zu handeln, dieser jedoch konnte bislang noch von niemandem dokhymentrararisiert werden. Das mag daran liegen, dass wir gerne Teile, selten ihr Ganzes wahrnehmen. Oder auch daran, dass weder einem Cellophanten noch einer Seifenblase ein Übermaß an Schwingung bekommt.

Ludwig Janssen © 29.7.2006

Mittwoch, 27. Februar 2013

Funkelmariechen

Gestern Nacht, draußen knackte der Frost in der Ligusterhecke, klopfte eine Rübe an mein Fenster.
Eine Runkelrübe, eine kleine. Das ist ungewöhnlich, da Runkelrüben winters zur Miete wohnen und sich, von Erde bedeckt, still verhalten. Sie fürchten Frostbeulen, müssen Sie wissen. Neugierig geworden öffnete ich das Fenster und ließ sie ins Zimmer.

Kaum, dass die Rübe von der Fensterbank ins Zimmer gehüpft war, lief sie zum Schreibtisch und kletterte daran hinauf. Ich sah ihre für den klobigen Körper viel zu dünnen Beinchen und wunderte mich nicht minder über die aus der Rübe ragenden filigranen Ärmchen, mit denen sich meine Besucherin auf den Tisch verhalf. Doch wunderte ich mich nicht lange, denn oben angelangt klappte die Runkel auf – und ein zierliches Persönchen in weißen Stiefeln, kurzem roten Röckchen und mit rotem Dreispitz und ebenso roter, kurzer Jacke über weißem Blüschen sprang hervor: TÄ-TÄÄÄ!


Guten Abend, Sie sind ein - Runkelmariechen?
Wie bitte?

Ein Runkelmariechen, Sie sprangen aus einer Runkelrübe.

Ach, papperlapapp, dididi da dit, das‘ nur so’ne Art Mantel. Mir war kalt.

Sie setzte sich auf den Anspitzer neben meiner Teetasse und wärmte sich die Hände an ihr. Kein Wunder, wer in eine Runkelrübe gehüllt und derart leicht gekleidet im Winter unterwegs ist, friert schon mal leicht. Ich war unschlüssig, ob ich sie mit weiteren Fragen behelligen sollte, man bekommt selten Besuch, nachts, im Winter. So ließ ich sie sitzen und sich aufwärmen, derweil meine Finger über die Tastatur klickerten und Sätze wie dieser sich auf dem Monitor ausbreiteten.


Eigentlich bin ich ein Funkelmariechen.

Ein was?

Ein Fun kel ma rie chen, didadi dadi dit!
Sie schüttelte den Kopf,  neigte ihn zur Seite und sah zu mir hoch:
Noch nie gehört?

Nein, nur Funkenmariechen, und, mit Verlaub, Sie sind auch wie eines gekleidet.

Ja? Ach, das … Sie strich ihre Kleidung glatt … habe ich gefunden, einer Plastikpuppe ausgezogen, die im Rinnstein lag, draußen in der Stadt …

Draußen?

Nein? Was ist ungewöhnlich daran „draußen in der Stadt“ zu sagen?

Nun, eigentlich sagt man drinnen in der Stadt. Weil da so viele Häuser sind. Die sind so hoch, die stehen dicht an dicht, die geben einem das Gefühl, umgeben zu sein, wie von einem Gefäß, drin halt, in einer Stadt.

Hm …

Sie zog einen Flunsch, schien nachzudenken. Dann schaute sie unverhofft zu mir auf, ihre Augen … noch nie zuvor sah ich ein derart tiefes Blau … strahlten:
Eben!

Eben was?

Häuser hat man dort, also Wände, die hoch sind, Wände, die grau sind, vor allem nachts, die versperren einem den Blick zum Himmel, da ist der Horizont aus Stein, Dächern, Mauern, die sperren einen aus – also ist man draußen, dididi didi dadi dadidit, du Mensch da draußen in einer deiner zahlreichen Hüllen.

Draußen aus was?

Draußen aus dem, das der Himmel umgibt, dididadi didida dadit.

Hm?

Sie verdrehte die Augen:

Draußen aus dem, hm, nennen wir es - Gefühl, das nur eine Nacht unter freiem Sternenhimmel vermitteln kann, dadida di dadit.

Ach so …

Ich gab vor zu verstehen, doch war mir nicht wirklich klar, was sie damit meinte. Was die Kleine da auf meinem Schreibtisch in Frage stellte, war schließlich allgemein gültige Auslegung und Perspektive. Was wusste ein solch kleines Ding, dass allein seiner geringen Höhe wegen schon einen im Vergleich zu meinem begrenzten Vermögens, über Ränder, und zwar Tellerränder, hinwegzusehen, schon über Horizonte? Nichts … nichts und wieder nichts, oder?

Sie lehnte rücklings an der Teetasse, schlug die Beine übereinander, wickelte eine ihrer langen, schwarzen Locken um den Zeigefinger und eröffnete:

Funken, klar, dass wir auch funken, aber in erster Linie funkeln wir. Wenn wir uns versammeln in dem, was ihr Menschen Funkstille nennt. Wer sonst als wir könnte auch das ganze Ding in Gang halten …

Wir …? Das Ding …? In Gang …?

Die Relaisstation!

Sie lachte, griff sich ein Wort aus der Tastatur und sprang wieder auf die Fensterbank:
Machst du mir bitte wieder auf, Mensch?

Relaisstation? Verwundert ging ich zum Fenster, öffnete es und komplimentierte die Kleine mit einer Verbeugung zum Fenster hinaus:
Du nahmst dir ein Wort aus der Tastatur – welches, wozu brauchst du es? Und … deine Rübe?

Sie winkte lachend ab:
Nur eine Rübe, was brauche ich eine Rüüübe?

Mit Dadidadi dididah, vielleicht bis zum Sommer, dann! sprang sie aus dem Fenster, lief die Ligusterhecke entlang, dann über die Wiese den Hang hoch, funkelte dem Horizont entgegen auf eine Gruppe weiterer Funken zu, die sich um eine Art Maschine geschart zu haben schienen – dort verlor ihr Funkeln sich unter seinesgleichen.

Ich rieb mir die Augen. Sie waren verschwunden, alle. Der Horizont lag wie gewohnt auf dem Hügel gegenüber, bereit, sich in einer weiteren Ferne zu verlieren, egal, wer ihn sich zu greifen trachtete, die Nacht ruhte auf seinen kalten Schultern. Wolkenlos, wolkenlos und frostklirrend. Da war noch was, irgendetwas hatte ich nicht beachtet, wahrscheinlich wars nicht groß genug oder zu klein, vielleicht aber war ich es, der zu klein oder nicht groß genug war, es zu fassen. Mir wurde kalt. Doch bevor ich das Fenster schloss, fiel mein Blick auf die Sterne am Himmel, und dadidadi dadadidah schloss ich das Fenster mit einem Seufzer.

Welches Wort wohl mochte sie sich aus der Tastatur gegriffen haben?

Ludwig Janssen © 26.2.2013

Samstag, 23. Februar 2013

Im Jardin de la Démence

Ihr Blick ist über einem fernen Leben
so müd geworden, dass er nichts mehr hält
uns ist, als hätten sie nicht mehr zu geben
als eine unsrem Streben fremde Welt

Im müden Schlurfen ihrer schwachen Schritte
die sich in nimmermüdem Kreisen drehn
verlor ihr Suchen lang schon jede Mitte
an Schattenuhren, will nach Hause gehn

Doch manchmal zeigt sich lächelnd für Sekunden
ein Augenblick, der uns zu ihnen führt
lässt unsren angeschlagnen Mut gesunden
derweil ihr Blick aufs Neue sich verliert


in bewusst gewählter Anlehnung an "Der Panther" von Rilke

Ludwig Janssen © 16.12.2009

Freitag, 22. Februar 2013

Lichendes und Musinuver



Sie lebte auf Lichendes, einer Insel unter Inseln über Inseln, umgeben von einem Meer unter Meeren über Meeren, und Musinuver war, und konnte es auch anders nicht sein, ihr Ein und Alles. Sie küsste Musinuver, wieder und wieder, und umgab ihn mit Raum. Schließlich des endlichen Un müde geworden, streifte die acht ihre Schelung ab und legte sich (ohne Punkt oder Komma) ihrer Muse zur Seite: ∞


Ludwig Janssen © 22.2.2013

Freitag, 8. Februar 2013

Bleistift

Diese elenden Finger! Der Bleistift fühlte, wie ihm schwer um sein schwarzes Herz wurde. Seit er seiner Bestimmung folgte, spürte er sich schwinden.

Niemand nahm ihn wahr. Selbst das Papier, dem er sich kaum hörbar kratzend anvertraute, wenn die Finger ihn in endlosen Schleifen schwindlig trieben, rieb ihn auf, nahm seinen graphitosen Kern, knisterte verstohlen – und schwieg.

Samstag, 2. Februar 2013

Cycocel

Am 30. Juni 2011 setzte ich eine Handvoll Halmverkürzer im Rasen vor meinem Fenster aus und überließ sie ihrem Schicksal. Unverzüglich begannen sie, mit winzigen Äxten die wild wuchernden Halme der Gräser zu bearbeiten, fällten Gänseblümchen und errichteten aus deren kräftigen Stämmen Blockhäuser. Legte ich mich nahe der Stelle, an der sie ihr erstes Lager aufgeschlagen hatten, auf den Bauch, konnte ich ihr reges Treiben beobachten. Die Frauen sah man den Männern zur Hand gehen oder an winzigen Webstühlen Gesprächsstoff wirken, der an Transparenz und Brillanz nicht zu überbieten zu sein schien. Ihre Kinder spielten Verstecken im Moos. Als Haustiere hielten sie Springschwänze, die ihnen bis zur Hüfte reichten. Wie zum Vergnügen sprangen die über die Blockhäuser der Halmverkürzer hinweg, suchten jedoch schnell wieder die Nähe der Kleinen und gaben sich ihrem Spiel hin.

Mit der Zeit nahm die kreisrunde Stelle im Rasen, an der die Gräser nicht so hoch wuchsen wie im übrigen Grün, an Umfang zu, doch waren die Häuser der Halmverkürzer von Unkundigen mit bloßem Auge nicht auszumachen, lagen im Schatten des Weißklees, und ihre Bewohner gingen ihrem Tagwerk nach oder zur Jagd, ohne viel Lärm zu machen. Nachts illuminierten grünlich schimmernde Laternchen die freien Flächen zwischen den Hütten. Hierzu hatten die Bewohner der Siedlung Glühwürmchen gemolken und deren Milch zu Leuchtkäse verarbeitet, der in der reifen Variante als Brennstoff taugte, als Quark genossen jedoch dafür verantwortlich war, dass auch die Halmverkürzer in blassem Grün schimmerten. So waren sie leicht auszumachen, wenn sie auf ihren nächtlichen Jagdzügen den Rasen durchstreiften auf der Suche nach etwas, das ihre Speisekarte bereichern sollte. Dann flackerten vereinzelt kleine Feuer auf, um die sich die hungrigen Jäger scharten, Gebratenes aßen und sich Geschichten erzählten von dem, was sein kann und dem, was sein muss.

Heute mähte meine Vermieterin den Rasen.



Samstag, 26. Januar 2013

O Wunder ...

Letzte Nacht flatterte ein Haus zum Fenster hinein, ein kleines, ein Häuschen ... knusper, knusper, Mäuschen ... Das Licht brannte, in den Zimmern goldgelbes Flimmern, setzte sich auf die Fensterbank, die Primel, Gefriemel setzte ein und Raspeln, im Primeltöpfchen das Haus, ein Köpfchen, schaute heraus aus der Tür, sagte mir: Guten Abend, ich bin ... so frei ... Wer er denn sei, fragte ich den, der da nagte, an meiner Blume, meinem Eigentume, meinem Blümchen, eigentümlichen Raspelzüngchens Jüngchen ... da erkannte (noch bevor seinen Namen er nannte) ich den Nachtschneckerling, mein zirkellucides Träumen, sein Schäumen und Knispern, Wispern flogen, zogen dem Sommer entgegen ... - und: aus.

Verlassen des Zirkelschnecks Versteckspiel, sein Haus. Zum Fenster hinaus mit meinem Sinnen, Neubeginnen, Entrinnen und allen gangbaren Wegen flog mein Herz, sich dem Mond in die Sichel zu legen. Flog, flatterte ... fling, fling ... Vom Blau der Nacht nippt ein Nacktschneckerling ...

Ludwig © Janssen 26.11.2012