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Sonntag, 18. Mai 2014

Ukraine: Krieg und Frieden als Menschen diametraler Zustandsformen

Zerschmetterlinge. Bilder von der Art, dass man hinter den Bildschirm, auf die andere Seite der Berichterstattung gelangen möchte und nachsehen, was die anderen taten. Vor ein paar Tagen im "Weltspiegel" eben genau solche Bilder abseits der Hauptsendezeit der Tagesschau. Odessa. Menschen in einem brennenden Gewerkschaftsgebäude. Die einen warfen denen im Haus Molotow-Cocktails, die anderen Hilfe zu. Ein Mann erläuterte, dass es die Modi seien, die entschieden. Die einen seien im Kriegsmodus und feierten die Vernichtung eines Feindes, die anderen seien im Friedensmodus und sähen Menschen in Not. Man sah helfende Menschen, die sich denen, die neben ihnen standen und Feuerflaschen warfen, zuwandten und zuredeten. Modi vivendi.

Hoffen auf den Modus Vivaldi, Zitronenfalter.


Ludwig Janssen © 13.5.2014
Inspiriert durch "Lichtschirmkoffer" von Andreas Louis Seyerlein

Sonntag, 10. Februar 2013

Eмiл

Я не можу спати

schwer liegt auf mir ein Stein
schwarz drückt die dunkelblaue Nacht
schweigt in einer fremden Sprache
unter dem Fenster die Straße

nachts frisst die Arbeit meine Träume
macht sie zur Beute gefräßiger Sorgen
am Tage sieht man mich schaffen für Lohn
bin ich immer in Eile und komme nicht weit

Nur einen Gedanken von hier liegt Odessa

bei Tag rufen die großen Schiffe
erzählen den Möwen von weiten Reisen
bei Nacht gleiten die Kräne und streichen
über die Bäuche der schlafenden Riesen

durchs Fenster flüstert Wellenrauschen
duftet leicht gesalzen wie Mutters Brot
dunkelblau wiegt sich das Schwarze Meer
und läge ich auf Stein:

Тут я можу спати


Ludwig Janssen © 26.4.2008