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Freitag, 29. März 2024

Oben und unten

Eine Möwe kiahkiahkiah
tanzte innig mit dem Wind
eine Runde Cha Cha Cha
ganz Sturm- und Wolkenkind

Für einen Menschen, erdenschwer
versunken in Betrachtung
klang's, als ob es Lachen wär
er meinte "Alle Achtung!"

Die Möwe, über allem
ließ darauf kiahkiahkiah
etwas für ihn fallen

Ludwig Janssen © 29.3.2024

Sonntag, 25. September 2022

Was Möwen sich wünschen

Hier schrieb ich
ein Gedicht nieder
löschte es wieder
klamm mein Gefieder
sang ich doch nicht
der Möwen Lieder, doch
den Möwen Lieder vom
Fliegen, hörte sie lachen
sah sie Sachen machen
hoch oben ihr Spiel
treiben im Wind, froh
so Möwe zu sein und zu
bleiben wünschten sie
vor meinem inneren Kind
kreischten und flatsch!
(Wie Möwen halt sind.)

Dienstag, 19. Januar 2021

Hinter dem Horizont wohnt das Ferne

Hinter dem Horizont wohnt das Ferne gerne und entlegen, bewegen Sterne sich dem Unendlichen entgegen, Leben wo Erde und Himmel sich begegnen, dort regnet es Augenblicke ins Meer, auch dein kleiner und meiner fallen unfassbar hinein doch fliegen Möwen von alldem zum All uns hinein


Ludwig Janssen © 28.12.2020


zur Inspirationsquelle:

Donnerstag, 24. Dezember 2020

Die Erde ist weiß

Die Erde ist weiß, eine Möwe weiß um das Blau ihres Himmels willen ist Grün im Spiel unter dem Gewimmel weiser Möwen Kreischen und die weißen kreißen im Sinn des Menschen unter ihnen die Erde, weiß - ein Möwenei Lied zwischen Blau und Grün

Ludwig Janssen © 21.12.2020

Zur Inspirationsquelle:

Montag, 19. Oktober 2020

Nichts

Während das Nichts geschah, entstanden
ein Schiff, ein Strand, ein Hafen, dort
anzulanden in einem Wort, in einem fort
flog dort ein Mann mit seiner Insel, um
nichts anderes zu tun als mit den Wolken
zu ziehn und alles, auch der Himmel, wurde
grün, von all dem Sonnengelb, das sich
ins Blau des Malenden ergoss, während das
Nichts geschah und die Welt sich drehte.

Ludwig Janssen © 19.10.2020


Mittwoch, 22. April 2020

Treibgut der Isla Volante (Weil Rittiner & Gomez fragten)

Auf einem Blatt Papier, gezeichnet wozu eignet sich die Gestalt, ich halte inne, spinne Gedanken, feine Eine Gestalt halt im Schein einer Laterne, mit Hut wirft einen Schatten und ich projiziere geniere mich nicht schreibe sogar ein Gedicht und sie, die literarische, hält still weil sie nicht anders
kann, nicht anders will
als die, die zuschaun
hoffen. Ende offen.


Ludwig Janssen © 15.4.2020

Mittwoch, 11. März 2020

Sternbild

Bald ist's ein Jahr her, dass er, der Meer leser die Türe hinter sich ins Schloss zog und nun ist es still geworden um ihn, je doch die Stille ist nicht erfüllt von Schwei gen Horizont, reichlich, dort wiegt sich Er innern und die Bugwelle des Bootes. Bären spiegeln sich darin.
Ludwig Janssen © 11.3.2020

Montag, 18. November 2019

Ein Aquarell von Rittiner & Gomez betrachtend

Das Meer, ich wünscht', es wär' mir nah und würde mich in der Dünung wiegen willkomm'ne Bürde, doch da seh' ich eine Insel fliegen Sie lächelt, schweigt ein Bild entsteigt, zeigt mir Meer, Leucht turm, Tiefe. Als ob es nach mir riefe, lausch ich dem Aquarell und lächle, jetzt und hier


Ludwig Janssen © 13.11.2019

Montag, 8. April 2019

Episode 35

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Es regnet. Heftige Böen blättern in den Kronen der alten Kastanien. Ein letzter Besucher verlässt das alte Gebäude, in dem es in Bildern erzählte Geschichten zu betrachten gab. Den Hut tief in die Stirn gezogen strebt er gebeugt seinem Fahrrad zu. Die Luft duftet nach Salz.

Episode 34

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Die Bilder eine in Rechtecken erzählte Geschichte. In Rechtecken, die sich nun vor deinen Augen schließen. Noch ehe sie offenbarten, was aus dem alten Mann und seinen Büchern wurde. Keine sich im Sand zum Horizont verlierende Spur, kein Gruß, kein Abschied. Kein Fenster auf Kipp.

Freitag, 5. April 2019

Episode 33

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Du schließt das Fenster. Zugleich bemerkst du, dass sich in den letzten Bildern an der Wand gegenüber die Rechtecke der Geschichte schlossen. 
Aquarelle. 
Vögeln gleich, die sich zu Beginn einer großen Reise sammeln, die Schwingen geschlossen auf ein letztes, erholsames Rasten.

Donnerstag, 4. April 2019

Episode 32

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Von See her war der Sturm aufgezogen und hatte letztendlich das Boot längsseits zurück auf den Strand getrieben. Dort lag es über die Bordwand zur Seite gekippt und ergoss seine seltsame Fracht über den Sand. 

Eine Grasmücke hatte sich auf dem Kiel niedergelassen und pflegte ihr Gefieder.

Mittwoch, 3. April 2019

Episode 31

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH


Wärmendes Sonnenlicht? Ausgeschlossen! Nicht hier, am Grunde des Ozeans. Unverhofft stieß das Wesen den alten Mann von sich. Wandte sich ab und verschwand mit der Strömung. Der Kopf des alten Mannes prallte gegen einen Felsen. Ein Schlag, der ihn durchschüttelte bis ins Mark.

Episode 30

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner&Gomez, Spiez, CH



Phantasierte er? Dem alten Mann war, als wende das blassblaue Wesen aus dem Meer ihn behutsam auf den Rücken, wüsche sein fahles, bärtiges Gesicht. Bliese es an, dass es abkühle. Zugleich senkte sich der Blick der unergründlich meergrünen Augen in seine Brust. Das Licht der Sonne wärmte.

Sonntag, 31. März 2019

Episode 29

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



"... Ein kleiner Fisch kam aus Norden aufs Boot zu geschwommen. Es war eine Flunder, und sie schwamm dicht unter der Oberfläche. Der alte Mann konnte sehen, dass sie sehr müde war ..."

„… Es waren die kleinen Vögel, die die Großmutter Fische nannte, denn sonst hätten es die Kinder nicht verstehen können, da sie nie einen Vogel gesehen hatten. …“

Episode 28

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH


Der Blick aus dem Fenster erinnert dich an die Welt dort draußen. Bist am Ende des Ganges angelangt. 
Im Altenheim nebenan stellt man das Fenster auf Kipp, wenn eine Geschichte zu Ende erzählt ist. 

Luft! Du öffnest das Fenster einen Spalt weit. Das Lied einer Amsel weht hinein.

Episode 27

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH


Der alte Mann schloss die Augen und nickte.
„Bin ich … jetzt … auch … Dünung?“


„Du bist.“


„Irgendwo. Fern jenem Ort, an dem der Sturm mich auftürmte, zum Himmel trug und in die Tiefe schleuderte, mich zerriss zu stiebender Gischt. Eine am offenen Fenster zu Ende erzählte Geschichte.“

Dienstag, 26. März 2019

Episode 26

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



"... Ein kleiner Vogel kam aus Norden aufs Boot zugeflogen. Es war eine Grasmücke, und sie flog dicht über dem Wasser. Der alte Mann konnte sehen, dass sie sehr müde war ..." 

Aus ebenso müden Augen wandte der Mann sich dem blauen Wesen zu: 
"Du liest mir vor, mir?"
„Gefällt es dir?“

Episode 25

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Er erinnerte. Den Baum, den er fällte. Das Lied der Amsel, das verstummte.

„… und selbst der Tod horchte und sagte: "Fahre fort, kleine Nachtigall! fahre fort!" […] Da bekam der Tod Sehnsucht nach seinem Garten und schwebte, wie ein kalter, weißer Nebel, aus dem Fenster …“

Sonntag, 24. März 2019

Episode 24

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



In den Armen des Meerwesens geborgen fand der alte Mann sich am Grund des Meeres wieder. Seltsam. Eigentlich müsste es stockfinster sein. Doch drang von der Wasseroberfläche das Spiel der Sonnenstrahlen bis zu ihm hinab, lief, vom Gang der Wellen gebrochen, in hell wabernden Linien über ihn hinweg.