Posts mit dem Label baum werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label baum werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 3. März 2021

Wäre ich ein Baum

... so wäre ich knorrig, von Stürmen zerzaust, vom Blitz gespalten und würde doch meine rauschende Krone ins Sonnenlicht halten und das Licht der Sterne. Gerne böte ich Raum den Vögeln, zu brüten, würde ihre Geheimnisse hüten und im Winde mich wiegen, tanzen, so zwischen Himmel und Erde beidem verbunden über Astwerk und Wurzel. In meinem Leib trüge ich das Wirken vergangener Jahre gebunden in Ringen aus Holz und auch den Klang noch nicht gebauter Instrumente, Gitarren, Celli und das ferne Knistern gespaltener Scheite in deinem Kamin und vielleicht, ganz vielleicht, würde ich Leib einem Schiff, einem Boot in der Not und der Reise zu jenem Traum, den der Baum, der ich wäre, wispert und rauscht - dem, der ihm lauscht.

Ludwig Janssen © 24. 11. 2020

Samstag, 15. Dezember 2012

Zwiegespräch

Gestern neigte sich ein Baum mir zu: "Lehre mich das Tanzen!" Da waren seine Blätter, die rauschten. Versonnend stand ich, diesen Wunsch in mir wägend, und er stand und wiegte seine Krone im Wind. Aus Wogen, Wiegen, Wagen dann fragten wir uns, ob es wohl genüge, sich tanzen zu sehen, und als er zustimmend nickte, schloss ich meine Augen um ihn herum und er die seinen in mir ein.

Er lächelte. Oder war ich das? Oder etwa du?

"Noch einmal?", fragte ich ins Grüne hinein, doch es blieb still. Als ich die Augen öffnete, war er wohl schon unterwegs ...


Ludwig Janssen © 12.10.2005