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Dienstag, 7. Mai 2024

Wenn ich das Licht ausschalte

Ihr wartet schon so lange Zeit

das ist wenn ihr mit mir seid

und ich fürchte ich nicht an

euch denke seid ihr bereit mich

einzuhüllen in euer dasein mit

zu nehmen in eure Arme die

warten dass ich das Licht aus

knipse und mitten in dir Dunkel

sitze dich Stille in den Ohren nein

fühle ich mich nicht verloren mein

Sinnen höre ich Gedanken spinnen

an einem von ihnen hänge ich kann

fliegen Spinnlein im vergehenden

Sommer mit dem letzten warmen

Abendwind müdes Lachen leise

meine Reise beginnt wenn ihr beide

ohne mich seid und ich nicht mehr

liege in eurem warmen Umarmen

mein Sinnen und Spinnen euch gilt

all mein Loslassen angekommen ist


Ludwig Janssen © 7.5.2024

Freitag, 15. April 2022

Als der Tod ...

Sie sagten mir, dass du im Sterben lägest. Nun sitze ich an deinem Bett und es ist still im Haus. Das geschäftige Treiben des Tages nahezu verstummt für die Dauer des Gottesdienstes. Deine Hand in meiner. Und die andere streicht mit der Vertrautheit verflossener Jahre das Haar aus deiner Stirn, hält dich sicher. Aus dem Lautsprecher die Karfreitagsliturgie. Sie erzählt von einem Moment ohne Gott und vom Sterben Jesu: "... und als Jesus in den Tod sank und der Tod sich in Jesus hinein senkte ..." Dein Atmen geht so ruhig. Keine Aussetzer und nichts von der Schnappatmung, von der man mir am Morgen erzählte. Ich schließe die Augen und lausche deinem Atmen nach. Ob darin von dem Abschied liegt, dem Aufbruch, von dem du mir erzählt hattest, dass du auf ihn wartest. Und als der Tod sich senkte, in Jesus hinein, als er sank und ertrank in dem unendlichen Lieben, das Jesus in sich trug, für diese Welt, für jeden einzelnen Menschen darin, da sah er ihn an. Aus großen, verwunderten, staunenden Augen sah der Tod in die Augen Jesu und mit dem brechenden Augenlicht des Gekreuzigten brach seine Macht. Vielleicht blieb dem Tod dieser verwunderte Blick und jetzt, da meine Augen geschlossen sind und meine Sinne deinem Atmen nachspüren, schaut er, besiegt, aus großen, staunenden Augen auch dich an in dieser Stunde stiller Versenkung. Auf Wiedersehen!



Samstag, 10. Juli 2021

Über Abschied und Wolken


Abschied geht mit den Flüssen, die
einmal im Meer zur Ruhe gekommen
letztendlich wiederkehren müssen
So sitzen wir, untergehende Sonnen
unter landeinwärts ziehenden Wolken
an Flüssen mit Abschied darin und
in uns das Wissen um Regen warten
wir dem Abend, dem Abschied entgegen
Entblößt bis auf das Lied einer Amsel
in das wir uns hüllen und meinen
im Abschied das Leben zu erfüllen

oder zumindest das Versprechen
das in unserem ersten Atemzug lag
von all jenem Atmen erfüllt der Tag
legt er müde in unseren Schoß sich
sein Denken und, dass auch er
Abschied nehmen muss in all 
jenem Drehen und Ziehen auf einen
unbekannten Raum im Universum
zu, so gehen die Flüsse, gehen die
Tage, so gehen ich und du und
so warten wir auf Wolken mit uns

darin in einem kalten Universum.



Sonntag, 13. Juni 2021

... wie ein Tag

Was wäre, wenn
man den Tag nicht ließe
zu sein, was er ist
ein Tag wie jeder
andere wären dennoch
nicht gleich und wie wir
einander gleich und doch
nicht dasselbe und
wollten sein
gelassen werden
mit dem Drehen
der Erde wer dreht sich
mit uns und lässt uns
sein in seinem Drehen

Sonntag, 5. April 2020

... dimensionsloses sich schneiden zweier geraden

auf ein neues verlasse ich
mein schneckenhaus und
ziehe leise meine kreise in
sich abwärts aufwärts wind
enden serpentinen ganz tief
unten oder inmitten funkeln
der sterne in einem punkt

Ludwig Janssen © 5.4.2020

Samstag, 2. Februar 2019

Moment des Erwachens

In einem Moment des Erwachens aus
der Welt zwischen Tag und Traum war
mir gewiss, dass ich Erinnerungen
bereits Verstorbener noch an mir trage
wie einen Mantel, in dem ich an ihrer
Seite ging durch schwere Zeiten auf
dem Weg zu ihrer letzten Reise und
Licht flutete unser Begegnen.


Ludwig Janssen © 2.2. 2019

Montag, 27. August 2018

Träumender Wal



Dich träumt ein Wal in einem
Schneckenhaus die Welt dazu
ist Seifenblasen und das All
wie auch der Wal und du ein ewig
Wandern sind darin so klein

in einer Nuss, an einem Baum
der Traum und alle Wale ewig
die Spirale und kaum hältst du an
auf des Schwebens letzter Stufe
hörst du ihn und seine Rufe

Hast in diesem Leben nichts
versäumt ist es doch nur ein Wal
der träumt in einer Nuss und
du träumst ihn, sein irgend
wo irgendwann ist Schluss.

Ludwig Janssen © 2.7.2018

Freitag, 11. August 2017

Nacht



Nacht, dich weiß ich als ein Gleiten
gen Westen, Abschied, Untergang
mich darin mit meinem Schreiten
gen Osten, Tag - und dir entgegen

werde ich mich schlafen legen
wenn ein Ende meinem Reisen
Drehen um und durch die Dinge
und dereinst auch deinem Kreisen

Welt, mich hält in Raum und Zeiten
das dir eigne Abwärtsgleiten
auf den Grund, nicht durch den Gang
der Dinge und so bleibt, was All

es für mich war, nur anders


Ludwig Janssen © 31.12.2012

Samstag, 1. April 2017

Der Tod und die Katze


Der Tod liebt seine Katze
er trägt sie umher unterm
Umhang verborgen schläft sie
in seiner Brust schnurrt aus
den Rippen schaut sie aus
großen Augen in die Welt

Fängt ihm die Mäuse weg
vom Gewissen die Seelen
aus Krankenhausfluren von
den Straßen aus Häusern und
Fluten den schlechten und
guten Sterbenden aus der Brust

Tage Stunden Sekunden lang
wartet sie vor dem Mauseloch
noch kriegte sie jeden Schatten
ohne Not mit dem letzten Atem-
zug zu packen im Nacken alt
oder jung ein Sprung – Ratten

huschen aus denen selbst die
keine hatten oder welche waren
hängen schlaffe Säckchen im
Maul der Katze die Päckchen
legt sie ihm zu Füßen und du
durch sie lässt er dich von sich

grüßen kann die Maus hören die
sich in dir verkrochen hat satt ist
er nicht des Todes Katze sie spielt
gewiss vor dem finalen Biss bringt
sie dein Mäuschen zum Schweigen:
Der Tod und die Katze sind Freunde


Ludwig Janssen © 26.8.2008

Montag, 14. September 2015

In mir der Tod

Er Tragen, er
trägt, mich und ich er

trage ihn in mir und durch
die Welt ertrage ich
bis er bereit ist zu Wand

lungen füllen sich seinem
Atmen ist meine Zeit
weise vor seiner und über
Gang der Dinge wie auch ich
eines bin zu seiner Zeit und

Vergangenhaut Sein werde
jeden Tag und Atem Zug
um Zug: Vogel am Himmel


Ludwig Janssen © 14.9.2015

Freitag, 15. Februar 2013

Vom Sterben in mir

Tief in mir ist so ein Streichen
dunkelblau und ungewollt
samtigweich, das seinesgleichen
aus des Roten Dunkel holt

das Schlag um Schlag sich in mir dehnt
sogleich verengt und wieder weitet
pulsendes Atmen treibt, das strömt
mein Sein vom Steinsein unterscheidet

Komm, ich erzähl dir vom Sterben in mir
vom großen Loslassen, all dem Vergehen
Ich glaub nicht daran, dass wir uns wiedersehen
und wenn, nicht als die, die wir hier vor uns stehen

Das Blau im Rot und Gottes Segen
so geht es schon ein Leben lang
und alles Strömen ist ein Sehnen
nach Frieden, Heimat, Untergang

das Schlag um Schlag sich in mir dehnt
sogleich verengt und wieder weitet
pulsendes Atmen treibt, das strömt
mein Sein vom Steinsein unterscheidet

Komm, ich erzähl dir vom Sterben in mir
vom großen Loslassen, all dem Vergehen
Ich glaub nicht daran, dass wir uns wiedersehen
Seelen, die wandern, kommen irgendwann an





Dienstag, 5. Februar 2013

Symbiont

in mir schläft der Tod und träumt
er wächst aus meinen Stunden
aus seinem dunklen Träumen
wieder wird mir Wort und Licht
bis zum letzten Augenblick
bleiben wir uns – verbunden



Nicht, dass ich ihn riefe, nein
er erwacht schon früh genug
was mir wirklich Angst macht: Ich
könnte einmal auf ihn warten
weiß doch in jedem Atemzug
meinen schlafenden Freund Hein

und bin sein lichter Garten.


Ludwig Janssen © 5.2.2013 (Erstfassung: 12.2.2007)