Sie sagten mir, dass du im Sterben lägest. Nun sitze ich an deinem Bett und es ist still im Haus. Das geschäftige Treiben des Tages nahezu verstummt für die Dauer des Gottesdienstes. Deine Hand in meiner. Und die andere streicht mit der Vertrautheit verflossener Jahre das Haar aus deiner Stirn, hält dich sicher. Aus dem Lautsprecher die Karfreitagsliturgie. Sie erzählt von einem Moment ohne Gott und vom Sterben Jesu: "... und als Jesus in den Tod sank und der Tod sich in Jesus hinein senkte ..." Dein Atmen geht so ruhig. Keine Aussetzer und nichts von der Schnappatmung, von der man mir am Morgen erzählte. Ich schließe die Augen und lausche deinem Atmen nach. Ob darin von dem Abschied liegt, dem Aufbruch, von dem du mir erzählt hattest, dass du auf ihn wartest. Und als der Tod sich senkte, in Jesus hinein, als er sank und ertrank in dem unendlichen Lieben, das Jesus in sich trug, für diese Welt, für jeden einzelnen Menschen darin, da sah er ihn an. Aus großen, verwunderten, staunenden Augen sah der Tod in die Augen Jesu und mit dem brechenden Augenlicht des Gekreuzigten brach seine Macht. Vielleicht blieb dem Tod dieser verwunderte Blick und jetzt, da meine Augen geschlossen sind und meine Sinne deinem Atmen nachspüren, schaut er, besiegt, aus großen, staunenden Augen auch dich an in dieser Stunde stiller Versenkung. Auf Wiedersehen!
Lyrische Prosa, lyrische Klangwelten, Slamtexte, Piktolyrik, Lyrik - das Wort, Sphüngs, Zirkelschneck und andere freischwurbelnde Absonderlichkeiten, grenz-
und kopfüber ...
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Freitag, 15. April 2022
Montag, 1. April 2013
Warten in Emmaus
Zehn Uhr. Dieser Morgen ist jung, frisch, mit einer
juvenilen Sonne, die zwar helles Licht spendet, aber wenig Wärme.
Ich bin dann schon mal vor, nach Emmaus.
Soeben ging die Karfreitagsprozession hier vorüber, Vater
Unser vorm Fenster, mit Ave Maria dann weiter den Berg rauf zum Kreuz mit der
vergoldeten Christusfigur daran.
Das Dorf liegt still.
Wäre dies ein literarisch motivierter Text geringer Güte, würde ich jetzt einen Hund bellen lassen, irgendwo, doch da bellt keiner.
Das liegt an den neuen Fenstern. Dreifachverglasung, schall- und wärmeisoliert. Weder die sich nähernde Prozession nahm ich wahr, noch höre ich einen Fitzel des Vater Unser.
Ich frage mich, ob das bei Dreifachturnhallen ähnlich ist mit der Schall- und Wärmeisolierung und ob man, wenn man darinnen ist, von der Außenwelt auch nichts mitbekommt bis auf die, die hinein kamen. Also Turner und zahlende Zuschauer. Die merken dann gar nicht, dass still ist, eigentlich. Und eigentlich wieder nicht.
Denn letztlich ist Stille, die aus Isolierung herrührt, eine andere Art ohrenbetäubenden Lärms.
Es ist, wie es ist.
Heilige Dreifaltigkeit. Wie um Himmels Willen kam mir jetzt die in den Sinn? Durch die Dreifachverglasung hindurch, mitten in der Dreifachturnhalle, am Reck, Felgaufschwung, ums Verrecken nicht, ich schaue mir dabei zu und knülle dabei in meiner Hosentasche die Eintrittskarte, mein Leben.
Es ist, wie es ist.
Passion.
Passion, es wird an der Passion gelegen haben. Auch, dass ich da durch muss. Durch jede? Wohin lief ich, wenn nicht hinein in die nächste, wenn ich die erhofft letzte verließ? Ich lief voraus. Voraus laufe ich, selten voran.
Ich freue mich auf meinen Emmaus-Spaziergang am Ostermontag und dass ich an dessen Abend, so hoffe ich am Reck, durch alle Dreifachisolierung hindurch ein neues "Was sucht ihr ..." empfangen haben werde, das trägt.
Das Dorf liegt still.
Wäre dies ein literarisch motivierter Text geringer Güte, würde ich jetzt einen Hund bellen lassen, irgendwo, doch da bellt keiner.
Das liegt an den neuen Fenstern. Dreifachverglasung, schall- und wärmeisoliert. Weder die sich nähernde Prozession nahm ich wahr, noch höre ich einen Fitzel des Vater Unser.
Ich frage mich, ob das bei Dreifachturnhallen ähnlich ist mit der Schall- und Wärmeisolierung und ob man, wenn man darinnen ist, von der Außenwelt auch nichts mitbekommt bis auf die, die hinein kamen. Also Turner und zahlende Zuschauer. Die merken dann gar nicht, dass still ist, eigentlich. Und eigentlich wieder nicht.
Denn letztlich ist Stille, die aus Isolierung herrührt, eine andere Art ohrenbetäubenden Lärms.
Es ist, wie es ist.
Heilige Dreifaltigkeit. Wie um Himmels Willen kam mir jetzt die in den Sinn? Durch die Dreifachverglasung hindurch, mitten in der Dreifachturnhalle, am Reck, Felgaufschwung, ums Verrecken nicht, ich schaue mir dabei zu und knülle dabei in meiner Hosentasche die Eintrittskarte, mein Leben.
Es ist, wie es ist.
Passion.
Passion, es wird an der Passion gelegen haben. Auch, dass ich da durch muss. Durch jede? Wohin lief ich, wenn nicht hinein in die nächste, wenn ich die erhofft letzte verließ? Ich lief voraus. Voraus laufe ich, selten voran.
Ich freue mich auf meinen Emmaus-Spaziergang am Ostermontag und dass ich an dessen Abend, so hoffe ich am Reck, durch alle Dreifachisolierung hindurch ein neues "Was sucht ihr ..." empfangen haben werde, das trägt.
Denn mir ist im Voraus doch immer wieder so nach Sterben und
"Bleibe bei uns. Es will Abend werden. Der Tag hat sich
schon geneigt."
Die Prozession ist längst zu Ende, die Leute aus dem Dorf
gingen an meinem Fenster vorbei, heim.
Servus!
Ludwig Janssen © 2.4.2010
Was
sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Evangelium nach Lukas 24,5).
"Bleibe bei uns. Es will Abend werden. Der Tag hat sich
schon geneigt." (Evangelium nach
Lukas 24, 13-35)
Freitag, 29. März 2013
Vögel an meinem Himmel
Die Vögel an meinem Himmel ziehen in Schwärmen, heringsum,
herungsum - und flunderschön, seifenonomatopoetische Blasen schweben, Leben
darin Walnussgesang und darunter, am Grunde im Grunde Übergang mein Untergang,
Gang!Gang! dem Wiewiewie?, dass ich sterbe. Wem? Dem, der mir Erbe und dem, dem
ich folge, das Wort Wolge schreibe zur Bleibe in die und unter die Wolken, zum Haus des
Bleibens im Blau allen Treibens entlang terragener Hülle. Fülle liegt jenseits
von Atmosphären und deren Atmen, Atomen und Quarks, zu vergleichen vielleicht
dem Teich eines Parks, in dem Menschen wandeln, um Frösche und Enten, Quakquak
und Räb!Räääb!
Gäb’s dem Irgend ein Wo, das Fähre wäre, übersetzte den Geist (du weißt schon) ans andere Ufer, an dem der Rufer „ … ist nicht von dieser Welt“ Ausschau hält, so weiß ich schon jetzt einen Styxling darunter, der munter dem Süßwasser Bitterling ist, und dessen Himmel ist des Menschen Gewimmel mit all seiner Angst zu verlieren Gestalt, Haltung, Halt und Erkennen – ich mag es das zeitweilig Formgebende nennen, in dem er sich einrichtet: ein Schneckenhaus.
Gäb’s dem Irgend ein Wo, das Fähre wäre, übersetzte den Geist (du weißt schon) ans andere Ufer, an dem der Rufer „ … ist nicht von dieser Welt“ Ausschau hält, so weiß ich schon jetzt einen Styxling darunter, der munter dem Süßwasser Bitterling ist, und dessen Himmel ist des Menschen Gewimmel mit all seiner Angst zu verlieren Gestalt, Haltung, Halt und Erkennen – ich mag es das zeitweilig Formgebende nennen, in dem er sich einrichtet: ein Schneckenhaus.
Ludwig Janssen © 29.3.2013
Kontemplativer Flow zum heutigen Karfreitag
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