Zehn Uhr. Dieser Morgen ist jung, frisch, mit einer
juvenilen Sonne, die zwar helles Licht spendet, aber wenig Wärme.
Soeben ging die Karfreitagsprozession hier vorüber, Vater
Unser vorm Fenster, mit Ave Maria dann weiter den Berg rauf zum Kreuz mit der
vergoldeten Christusfigur daran.
Das Dorf liegt still.
Wäre dies ein literarisch motivierter Text geringer Güte, würde ich jetzt einen
Hund bellen lassen, irgendwo, doch da bellt keiner.
Das liegt an den neuen Fenstern. Dreifachverglasung, schall- und wärmeisoliert. Weder die sich nähernde Prozession nahm ich wahr, noch höre ich einen
Fitzel des Vater Unser.
Ich frage mich, ob das bei Dreifachturnhallen ähnlich ist mit der Schall- und
Wärmeisolierung und ob man, wenn man darinnen ist, von der Außenwelt auch
nichts mitbekommt bis auf die, die hinein kamen. Also Turner und zahlende
Zuschauer. Die merken dann gar nicht, dass still ist, eigentlich. Und eigentlich wieder nicht.
Denn letztlich ist Stille, die aus Isolierung herrührt, eine andere Art
ohrenbetäubenden Lärms.
Es ist, wie es ist.
Heilige Dreifaltigkeit. Wie um Himmels Willen kam mir jetzt die in den Sinn?
Durch die Dreifachverglasung hindurch, mitten in der Dreifachturnhalle, am
Reck, Felgaufschwung, ums Verrecken nicht, ich schaue mir dabei zu und knülle
dabei in meiner Hosentasche die Eintrittskarte, mein Leben.
Es ist, wie es ist.
Passion.
Passion, es wird an der Passion gelegen haben. Auch, dass ich da durch muss.
Durch jede? Wohin lief ich, wenn nicht hinein in die nächste, wenn ich die
erhofft letzte verließ? Ich lief voraus. Voraus laufe ich, selten voran.
Ich freue mich auf meinen Emmaus-Spaziergang am Ostermontag und dass ich an dessen Abend, so hoffe ich am
Reck, durch alle Dreifachisolierung hindurch ein neues "Was sucht ihr ..."
empfangen haben werde, das trägt.
Denn mir ist im Voraus doch immer wieder so nach Sterben und
"Bleibe bei uns. Es will Abend werden. Der Tag hat sich
schon geneigt."
Die Prozession ist längst zu Ende, die Leute aus dem Dorf
gingen an meinem Fenster vorbei, heim.
Servus!
Ich bin dann schon mal vor, nach Emmaus.
Ludwig Janssen © 2.4.2010
Was
sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Evangelium nach Lukas 24,5).
"Bleibe bei uns. Es will Abend werden. Der Tag hat sich
schon geneigt." (Evangelium nach
Lukas 24, 13-35)