Ludwig Janssen © 14.4.2008
Lyrische Prosa, lyrische Klangwelten, Slamtexte, Piktolyrik, Lyrik - das Wort, Sphüngs, Zirkelschneck und andere freischwurbelnde Absonderlichkeiten, grenz-
und kopfüber ...
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Samstag, 20. September 2014
Ich habe einen an der Waffel!
Das ist noch lange kein Grund, jetzt blöde Witze zu machen!
Also, das ist so: Wenns (wenigstens einigermaßen) still ist in meinem Keks, ich
die Welt also im Döschen habe und nichts krümelt außer den Sorgen, die sich aus
dem Mehlstaub machen, dann habe ich so ein Knistern im Gebäck. Ich glaube, das
ist der Zahn der Zeit. Ich bin nicht sicher, denn nachschauen kann ich ja
nicht, nur hören. Wäre ja noch schöner, wenn ich die Keksdose auch noch selbst
öffnen könnte, Do-it-yourself-Zychologie (ja, ja, ich weiß, soll heißen: nix
richtig) oder so was. Doch wenn das so weiter geht mit den Einsparungen am
sozialen Netz, werde ich das eher früher als später wohl machen müssen. Dann
muss ich mir auch die Zähne selbst ziehen. Lustig, dann wäre ich zwar zeitlos,
aber was nutzt das, wenn man nichts mehr zu beißen hat. Ich sag' ja, da ist so
ein Knistern im Gebäck.
Sonntag, 4. Mai 2014
Verinfizierung
Der Brain-Drain der zurückliegenden zwei Jahre einer
vorgeblich literarisch intendierten Community hat zur Folge, dass der Webmaster
den Verbliebenen immer kleinere Möhrchen an den langen Stock binden braucht und
sie dennoch den immer leichter werdenden Karren voranziehen. Im Kreis.
Das neueste Möhrchen in der Arena ist, die Möglichkeit verifizierter
Accounts einzurichten.
Das erinnert an die oft bemühte Phrase von dem vielen Neuen
und Guten, von dem das Neue nicht gut und das Gute nicht neu ist. So ist man
dort bei seiner Anmeldung verpflichtend angehalten, neben seiner Email-Adresse
auch Realnamen und Anschrift anzugeben, die beiden Admins haben Gelegenheit, dies
stichprobenartig zu überprüfen. So kam es in der langen Vergangenheit
wiederholt zu Sperrungen „wegen falscher Angaben“, heißt, die Admins werden die
Angaben zum Account verifiziert haben.
Also nichts Neues, neu ist lediglich, dass dort zukünftig ausgewiesen werden soll, nämlich, dass anhand noch festzulegender Kriterien und nach Gusto des Eigentümers bestätigt wird, dass der Webmaster … Ja, was denn? Dass er weiß, wie Realname und Anschrift von Hasi234 lauten?
Also nichts Neues, neu ist lediglich, dass dort zukünftig ausgewiesen werden soll, nämlich, dass anhand noch festzulegender Kriterien und nach Gusto des Eigentümers bestätigt wird, dass der Webmaster … Ja, was denn? Dass er weiß, wie Realname und Anschrift von Hasi234 lauten?
Gut an der scheinbaren Neuerung soll angeblich sein, dass
die über ein Phantasielogo verifizierten Autoren die Urheberrechte an ihren
Texten sichern: „mehr Sicherheit in Bezug auf seine Urheberrechte“ und dass der
Webmaster seine „Rechtssicherheit als Betreiber“ sowie „die Möglichkeit zur
Durchgriffshaftung erhöht“ sieht. Letzteres wird sicherlich der Fall sein, doch
ist der Webmaster kein Notar, wird nicht Urheberschaft verifiziert - und somit ist
dieses Argument ein verifiziertes Möhrchen.
Doch da ist noch etwas. Vertrauen soll sie schaffen, die
Einführung des Phantasielogos inklusive Durchgriffshaftung gegen
Gottweißwas-Authentisches. Der Umgangston der Community soll, so eine Hoffnung,
ein feinerer werden, beleidigungsfrei. Ein Witz. Versuch des Kurierens an
Symptomen.
Nicht einer der Texte dort wird authentischer werden. Nicht
einer interessanter. Nicht einer lesenswerter. Und nicht einer der dort sich
tummelnden Menschen ein besserer. Die eigentliche Ursache für
Mitgliederschwund, Intrigen und letztendlich in Verbalinjurien ausufernde
Grabenkämpfe und ermüdende Diffamierungskampagnen wird auch durch die
Einführung eines mit derlei Hoffnungen behängten Bildchens nicht beseitigt:
Gähnende Langeweile, und, als Folge forcierten Kritikerschwundes,
Überhang an Texten auf dem literarischen Niveau von Poesiealben, zunehmende
Konzentration kritikresistenter, diffamierungsaffiner Knuddelklübchen auf immer
enger werdendem Raum muffiger Lehrerzimmer
und erdrückender Streichelzoos und, irgendwo ganz hinten, eine Meierei.
Machte es Sinn, einem Taubenzüchterverein, der sich in der Körung
von Jungtauben ergeht, vorzuhalten, dass er nicht eine einzige das Fliegen lehrte,
erst recht nicht den Kakapos mit Kokarde?
Langeweile. Stagnation. Verifiziert.
Eines kann man den noch nicht verifizierten, mittlerweile Verinfizierten jenes Forums jedoch bescheinigen: Dass gut ist, dass sie sich immerzu im Kreis
drehen und drehen werden, um sich selbst, zukünftig mit His-Masters-Trust-Schildchen, denn wenn das anders wäre, weiß man von Lemmingen, würde es tragisch enden.
Auf jeden Fall schneller.
Ludwig Janssen © 4.5.2014
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Das Weißebescheid oder: Der Niederrheiner an (und für) sich und im Besonderen – Essay zur im Aussterben begriffenen Hochkultur der Rede in Auslassungspunkten
„Ja, datt kann.“
… (und das sollte genügen;)
Ein Umstand, der die besserwisserischen Hauptstädter in
(nicht aus, wohlgemerkt) Kleve zu wahren Weltreisenden macht und deren
„Schwanenturmsyndrom“ daher zum bereits sprichwörtlich verbreiteten
"fliegenden Wort" werden ließ. Denn die Klever kennen sich aus, in
allem und jedem, egal, ob sie den, der, die, das oder was kennen oder nicht.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll von einem Schüsterken erzählt,
nicht von einem Schwan ausgeplaudert werden ...
… als Ausdruck der Zustimmung ist natürlich auch am
Niederrhein eine durchaus oft zu vernehmende und auch typische Redewendung,
doch charakterisiert „ja, datt kann“, auch „jo, datt kann“ und, in platter
Version „jò, koss sinn“ nicht den ländlichen Niederrheiner an (und für) sich.
Den eher (wirklich) ländlichen Typen, den von der im Gegensatz zum Rheinländer typisch
maulfaulen Sorte, der den für uns typischen singenden Klang der Sprache (eben)
NICHT zur Entfaltung bringt, sondern eher "in vogelartiger
Kurzstrophe" seine Meinung kundtut, erkennt man an:
Hm.
oder:
Jò.
So jemand sagt natüüürlich in geschwätzigen Augenblicken
seines Erdenseins auch schon mal:
Ja, datt kann.
Aber … - dann ist sicherlich Sonntag. Und der Pfarrer hat
ihm gerade, nachdem das mit der Barzahlung fürs Jahressamt geregelt wurde,
auseinandergesetzt, dass seine Frau jetzt (lies:) doch wohl (verstehe: wohl
doch) im Paradies weilen würde - und nicht im Fegefeuer schmoren müsse ...
Ja, datt kann.
Durchaus möglich, dass es sich bei diesem
Sprachgenie, diesem Füllhorn blumenreicher Rede, um den Dorfschmied handelt,
heute Schlosser, der, nachdem er den Hammer dem flüchtenden Gesellen
nachschmiss und der sich bückte, den Einschlag des Zehnpfünders (Mooker) in die
Stirn seiner Ehegattin lediglich mit "Auch gut." quittierte.
Vom literarisch ahnungslosen Fachmann sei an dieser Stelle,
also mittendrin und nicht als Fußnote, angemerkt: Dem Punkt kommt bei der
schriftlichen Wiedergabe solcher Episoden wesentliche symbolische und
gehaltvolle Bedeutung zu: Der Niederrheiner an sich redet nicht "mit"
oder "in Auslassungspunkten", sondern "mit Punkt".
Es sei
denn, seine Rede an (und für) sich ist ohnehin eine aus
aneinandergefügten Auslassungspunkten. Diese spezielle Art der Rede in Auslassungspunkten brachte
der Niederrheiner an (und für) sich zur Perfektion. Er nennt das
"Weißebescheid".
Das Weißebescheid des Niederrheiners hat man gefälligst aus
seinen Augen abzulesen, auf Punkt und Komma genau, auch, wenn er schläft, auch,
wenn er „ma nich kuckt“, und, wichtig, auch immer folgende Zusätze:
Iss gez nich bös gemeint, aber ...
Kannze nich sehn, datt ...
Ich leide, und du ...
So ist das bei uns, und dieser kurze Monolog "Weißebescheid.", der eigentlich
sämtliche philosophischen und feingeistigen Abhandlungen beinhaltet, ja,
verdichtet, sofern sie im Katechismus, der Bibel, in einem Lesebuch oder der
'Rheinischen Post' (bei Evangelischen ersatzweise die NRZ) zu finden sind, wird
klanglich unterstrichen durch die oben erwähnte vogelartige Kurzstrophe "Hm ...", dem pink! einer Meise vergleichbar und ebenso kurz.
Aber nur, wenn der watt sacht …
Der Niederrheiner.
Dabei beinhaltet, auf den Niederrheiner bezogen, dieses "Wenn-der-watt-sacht …" allein schon
einen Tsunami unausgesprochener Weißebescheids und Weißewatts, die auszuführen einen
(noch ahnungslos) Interessierten für Stunden weißebescheidenen, weißewatten
Singsangs gnadenlos in die Ecke pinnen würde, potentielle Migranten jedoch
abhalten könnte, sich am Unteren Niederrhein niederzulassen.
Andererseits erklärt es den Umstand, dass Niederrheiner nur
ungern weiter wegziehen, als der Schatten des Kirchturms reicht, denn wer,
außer dem Niederrheiner „umme Ecke“, hätte dafür Verständnis, dass man sich nie
so recht festlegen mag? Wer, außer einem Niederrheiner, beherrscht das
Instrumentarium, die Geschwätzigkeit und Ausdruckstärke der verdichteten geschlossenen Rede
in Auslassungspunkten mit solcher – ja! -Virtuosität wie der Niederrheiner an
(und für) sich, und, schlimmer noch – überhaupt!?
Ludwig Janssen © 4.12.2008
Samstag, 4. Mai 2013
R14: Meteorismus – und sie meinen, von Sternschnuppen sei ihr Reden (Spas-, kein Spaßmolytikum)
Willkommen im Simeticon! Ich weiß, wir jedoch wissen das
noch nicht, dass die rasche Zunahme ihres Bauchumfangs auf die Ansammlung von
Verdauungsgasen zurückzuführen ist. Diese Ansammlung unter der Versammlung im
Dickdarm kam sicherlich nicht durch ballaststoffreiche Kost zustande. Das ihm
eigene Blütenreich selbst produziert mittels vorauseilender Schreibe dort täglich
Wasserstoff, den Stoff, aus dem ihre Träume sind und den sie in weiser
Voraussicht nie zu dem Licht unter ihrem Scheffel stellen, dem Scheffel, mit
dem sie täglich ein Körnchen Wahrheit in Säcke füllen.
Inspiration. Wasserstoff wird forumsintern umgewandelt zu
Methanpher. Das Gemisch dieser beiden Gase schließlich wird abgeatmet oder, eigentlich
dasselbe, entweicht als Flatus, latinisiertes Wort, das Wind meint und beschleunigte
Luft ist mit Schnittlauch, die langweilt, Wurm sät und Wurm erntet. Oder es
führt zum Trommelbauch, den man sich dort gehörig abklopft, beim Warten auf den
Bus. Zwergenfellhochstand. Tupperseufzer. Lebenslange Garantie. Kommt wer von
außen zur Perkussion, stonn se all parat: Kölle alaaf, alaaf! Kölle alaaf!
Dass Meteorismus auch Symptom einer Herzinsuffizienz sein
kann, setzt die Kirsche aufs Sahnehäubchen dieser Realsatire.
Ludwig Janssen © 4.5.2013
Anmerkungen:
Alaaf = all af = alles weg!
Steinbruch: Wikipedia, Meteorismus
Alaaf = all af = alles weg!
Steinbruch: Wikipedia, Meteorismus
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