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Sonntag, 8. Februar 2026

Zwei am Meer

Dünung Bewegung ferner Stürme Schweigen

Wörter darin schwimmen schon lange nicht

mehr mein treiben Wolken salzige Luft landein

Wellenschlag verläuft flüsternd im Ufertraum

Schaum knistert Muschelschale wispert kaum

Tiefe Treibholz vergangener Schiffe landet an

dann Erzähltes zu deinen Füßen Horizonte


Ludwig Janssen © 8.2.2026

Sonntag, 9. November 2025

Wo ist die Welt?

Eigentlich bin ich zu groß, so in mir drin und in all dem, was mich ausmacht und was ich mir denke und zu dem Bild gestalte, das ich klein falte, das ich innehalte, das ich mir von der Welt mache, in das hinein ich mich aus- und dann wieder anlache. In das ich mich füge - hinein und zusammen. Und dass ich sie mache, die Welt, die große, die weite Welt, die klein gefaltete und anderen groß aus mir heraus ausgebreitete Welt - sie passt nicht in mich hinein, die Welt. Denn sie ist voller anderer, denen es eigentlich genau so wie mir ergeht. Auch wenn ihre Welten, die sie in sich erstehen lassen aus ihrem Erkennen, Fühlen und Gestalten (Auch dieses Wort - so nah ist es an Falten, mit seinem ihm eigenen Klang - und wie oft schon wurde es und wird zu Gesang, Anfang und Beginn, ändert, verliert und gewinnt ... an Sinn.)

Eigentlich bin ich zu groß für diese Welt, weil ich mich an meiner eigenen, kleinen festhalte und mein Erkennen nicht über meine Sinne hinaus reicht.

Eigentlich ist das gut. Denn diese große, weite Welt aus den Welten anderer würde, ließe ich sie in mich hinein, mich auslöschen, mich mit sich fortreißen und verschlingen ohne Spur. Ohne Spur. Auch wenn das ist, was auf mich wartet, wenn diese kleine zu große Welt eines Tages ihren inneren Zusammenhang verliert und sich auflöst in dem, was man Sterben nennt: Ohne Spur zu sein. Was bleibt: Eine Spur, die endet. Ein Körper, der vergeht. Ein Geist, der noch eher vergangen sein wird als die Hülle, die ihn umgab und in die hinein er verortete, was er Welt nannte, ängstlich bedacht, sich nicht zu verlieren, an nichts und an niemanden. Vielleicht ist da ein Erinnern an mich, eines, das auch vergehen wird, eines, das ein Bild ist in eines anderen Welt. 

Und vielleicht ist da auch das, was wir Seele nennen und dem ich, allein im Zimmer mit Gestorbenen, das Fenster öffnete auf einen vermuteten Weg zurück in ein angenommenes Zuhause. Denn diese Welt ist nicht mein Zuhause. 

"... Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? ..."1.Könige 8,27 

... oder halt diese Welt, die ich mir erbaute oder die andere mir ausgeben als die ihre.

Wo ist die Welt? In mir, so wie mein Atmen, und dann auch wieder nicht, so wie mein Atmen es ist? Sie reicht auf jeden Fall weit über das hinaus, was meine Sinne mir lassen. Und doch bin ich zu groß für sie, weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin. Und die Welt, dieses Universum ist zu groß, als dass wir Gott darin erkennen können, in dem alles ... ist.

Montag, 29. April 2024

Am Meer

Dünung Bewegung ferner Stürme Schweigen

Wörter darin schwimmen schon lang nicht

mehr treiben Wolken salzige Luft landein

Wellenschlag verläuft sich im Ufertraum

Schaum knistert Muschelschale flüstert

Tiefe Treibholz vergangener Schiffe landet

an Erzähltes zu deinen Füßen Horizonte


Ludwig Janssen © 29.4.2024

Freitag, 29. März 2024

Oben und unten

Eine Möwe kiahkiahkiah
tanzte innig mit dem Wind
eine Runde Cha Cha Cha
ganz Sturm- und Wolkenkind

Für einen Menschen, erdenschwer
versunken in Betrachtung
klang's, als ob es Lachen wär
er meinte "Alle Achtung!"

Die Möwe, über allem
ließ darauf kiahkiahkiah
etwas für ihn fallen

Ludwig Janssen © 29.3.2024

Sonntag, 17. März 2024

Möwen betrachten

Ich schaue gern
den Booten zu, die
sich in der Dünung wiegen
Sie scheinen wie ein fernes
Du der Boten, die
unter den Wolken fliegen
Auf Pollern sitzen, Pommes
fressen, und mitunter selbstvergessen
im Gang der Wellen schaukeln
unverhofft und KIAH! im Blau
des weiten Himmels gaukeln.

Ludwig Janssen © 17.3.2024

Sonntag, 25. Februar 2024

Tag am Meer

Kam der Tag ans Meer:
Wo kommst du her?
Von fernen Sternen als Eis
und Glut brachten mich
Kometen. Wer hat dich hergebeten?
Ach, der Erde Drehen und
der Sonne Schein: Mal Tag
mal Nacht kann ich hier sein.
Ich bleibe Meer, mal nah
mal fern. Mal ruft der Mond
mal ruft der Stern.

Mittwoch, 15. November 2023

Wo der Horizont wohnt

Der Horizont wohnt wie gewohnt
zwischen Land und Meer und Himmel
Auch sieht man ihn bisweilen eilen
durch des Menschen Hirn, Gewimmel
rund um und an den Tellerrändern
die Mensch sich denkt und setzt
Dort wirkt er etwas traurig, scheint
angespannt, gehetzt.
Möchte aus den Wanderschuhen
schlüpfen und, in blaues Meer getaucht
im Schimmer deiner Augen ruhen
weil auch ein Horizont das braucht

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Klippen

an manchen Klippen
ist Ruhe nur Schauen
Träumen
Häuser bauen
mit Blick aufs Meer

hinaus sich denken
den schäumenden Löwen
Brandung
grüßen Möwen
zur Wiederkehr

an manchen Klippen
bringt das Warten kein Glück
Einkehr
der Weg zurück
ist weiter als die Hoffnung

an allen Klippen
wippen die Möwen noch
fliegen
hinaus über das Ende
der Welt ist woanders

Ludwig Janssen © 27.9.2004

Sonntag, 25. September 2022

Was Möwen sich wünschen

Hier schrieb ich
ein Gedicht nieder
löschte es wieder
klamm mein Gefieder
sang ich doch nicht
der Möwen Lieder, doch
den Möwen Lieder vom
Fliegen, hörte sie lachen
sah sie Sachen machen
hoch oben ihr Spiel
treiben im Wind, froh
so Möwe zu sein und zu
bleiben wünschten sie
vor meinem inneren Kind
kreischten und flatsch!
(Wie Möwen halt sind.)

Sonntag, 11. September 2022

Hoffnungsfroh im Gegenüberlicht

Da stehen wir uns gegenüber und erzählen uns von Sternschnuppen, ohne auch nur eine einzige aus der Tasche holen zu können. Oder etwa doch? 


Ludwig Janssen © 18.7.2005

Sonntag, 21. November 2021

Der Walfisch träumt ein Haus

Der Walfisch träumt ein Haus
mit Ozean darin und von Beginn
ist dort, kein Ende dieses Drehen
in enger Serpentine kannst du
es steigen, kannst es sinken sehen
Wort, und den Wal darin, im Haus
in einem Zeppelin mit Wolken
fliegt er in die Welt hinaus
liegt er zwischen Schnecken und
Ligusterhecken

ans Meer

Wo willst du mit uns hin?
Ich will mit dir ans Meer
Es ist schon lange her
dass ich dort gewesen bin
mit dir in meinem Sinn
mit dir an meiner Hand
Du warst vertrautes Land
meinem Gehen, meiner Wiederkehr
Es ist viel zu lange her
darum komm mit mir ans Meer



Montag, 2. August 2021

Küstenlinie

An einem Tag im August, das
Meer lag, als hätte es davon
gewusst, so friedlich wie an
jenem Tag im blauen Mond, an
dem sie sich hier küssten, an
der Linie, wo Meer und Land
dasselbe tun, ohne sich je
davon auszuruhn oder es zu
lassen, auch sie wollten nie
von einander und das Hand in
Hand nicht lassen und mag
auch der Wellenschlag dies
bezeugen, der in jenem
Augenblick ihnen zu Füßen
lag, sich an und um sie
schmiegte: Sie taten, als
ob sie noch davon wüssten
als sie sich hier küssten
an der Küstenlinie so ganz
zwischen Land und Meer war
es doch schon lange her
dass jener Saum sich wie
im Traum in beiden wiegte
Meer und Land und Hand in
Hand, doch hing vom Flüstern
und Knistern, mit dem der
Wellen Schaum verging
in der salzigen Luft.

Ludwig Janssen © 2.8.2021

Zur Quelle der Inspiration

Donnerstag, 1. Juli 2021

Dem Meer zuhören

Dem Meer zuhören, wenn
du einatmest, wenn du
ausatmest, das Meer in
dir zu hören, sei leise,
achtsam: Schon fliegt
eine Möwe über deinem
Atmen legen ihre Flügel
sich auf den Wind: Ein
und aus was sind das
Leben, das Meer, der
Flug einer Möwe, der
Wind dazu, vielleicht
fliegst ja du

Ludwig Janssen © 1.7.2021

Dienstag, 18. Mai 2021

Einem fernen Leuchtturm

Leuchtturm, reich mir deine Hand! All meine Gewissheiten lösten sich zu Nebel, diese Luft trägt meine Füße nicht. Furcht treibt mich hinaus ins Gestern um längst verlorene Inseln. Reicht dein Licht auch nur eine Viertelstunde weit: Sing das Lied, in dem ich mich zu Hause fühle.

Ludwig Janssen © 18.5.2021

Dienstag, 19. Januar 2021

Hinter dem Horizont wohnt das Ferne

Hinter dem Horizont wohnt das Ferne gerne und entlegen, bewegen Sterne sich dem Unendlichen entgegen, Leben wo Erde und Himmel sich begegnen, dort regnet es Augenblicke ins Meer, auch dein kleiner und meiner fallen unfassbar hinein doch fliegen Möwen von alldem zum All uns hinein


Ludwig Janssen © 28.12.2020


zur Inspirationsquelle:

Dienstag, 18. Juni 2019

Am Strand mit Christian Morgenstern

Am Strand mit Christian Morgenstern liegen, Hand in Hand das Licht der Sterne wiegen und einander in die Augen zu schauen, das zu wagen an Tagen an denen Eisschollen treiben mit dem Vergessen dir fremder Geister, Scheiben kleister, wie heißt der mit dem rosa Hemd kennt niemanden.
Ludwig Janssen © 18.6.2019

... tag um tag.

nun stehe ich da, das herz in der hand und mir ist, als riefe aus der tiefe deines, mein kleines, und sein schlag ich mag sein poch, poch erinnert er doch an geborgenes sein unter dem der mutter und munter gehe ich unter, gehe unter der menschen meer brandet landet an
Ludwig Janssen © 18.6.2019

Montag, 8. April 2019

Episode 35

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Es regnet. Heftige Böen blättern in den Kronen der alten Kastanien. Ein letzter Besucher verlässt das alte Gebäude, in dem es in Bildern erzählte Geschichten zu betrachten gab. Den Hut tief in die Stirn gezogen strebt er gebeugt seinem Fahrrad zu. Die Luft duftet nach Salz.

Episode 34

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner & Gomez, Spiez, CH



Die Bilder eine in Rechtecken erzählte Geschichte. In Rechtecken, die sich nun vor deinen Augen schließen. Noch ehe sie offenbarten, was aus dem alten Mann und seinen Büchern wurde. Keine sich im Sand zum Horizont verlierende Spur, kein Gruß, kein Abschied. Kein Fenster auf Kipp.