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Mittwoch, 25. Oktober 2017

Das Weiße


Weiß ist wie Ebbe, ist mehr als das Fehlen von Farbe, ist mehr als die Abwesenheit von Schwarz. Schwarz auf Weiß ist aufkommende Flut, präsent, das Weiße scheint Grund zu sein dem Schwarzen, Hintergrund  und doch ist es mehr als nur ein Dahinter. Vielleicht ist es das Davor. Enthält sein Widerschein doch alle Farben und wirft sie zurück, unserem Auge entgegen. Weißes Licht, ungebrochen, ungebrochenes Siegel. Vielleicht ist das Weiße die eigentliche dunkle Materie der Literatur. Ist Stille, die vor dem Urknall, ist das Schweigen, füllt Leerzeichen an und Leerzeilen. Lässt Raum, lässt Welten Raum, Weltraum. Das Weiße ist diesem Universum [Literatur] Voids. Und Geschichten, auch die noch nicht erzählten, sind darin die Filamente, schwarz auf – aus weiß sich erschaffend, abbildend. Und so, wie die Voids des uns umgebenden Universums zu riesig sind, als dass sie mit dem Weichen der Materie aus diesen Räumen zu erklären wären und also zugleich mit der baryonischen Materie entstanden, so ist das Weiße mit all dem ungedacht, ungesagt Verborgenen darin entstanden, als der erste Organismus zu denken begann. Der in uns geborgenen, noch nicht erzählten Geschichte kommen wir über die Stille, das Schweigen und das Weiße in uns näher als über alle Weisheit. Weisheit, die sich uns schwarz auf weiß ausbreitet, einem Sternenzelt gleich, wie es uns vertraut ist, wenn wir des Nachts verlassen, was uns über den Tag Schneckenhaus war, ist. Den Tag über, wenn wir Sonnenuhren folgen.

Montag, 19. Dezember 2016

Das Weiße

Mit freundlicher Genehmigung durch Rittiner&Gomez, Spiez, CH



Weiß ist wie Ebbe, ist mehr als das Fehlen von Farbe, ist mehr als die Abwesenheit von Schwarz. Schwarz auf Weiß ist aufkommende Flut, präsent, das Weiße scheint Grund zu sein dem Schwarzen, Hintergrund und doch ist es mehr als nur ein Dahinter. Vielleicht ist es das Davor. Enthält sein Widerschein doch alle Farben und wirft sie zurück, unserem Auge entgegen. Weißes Licht, ungebrochen, ungebrochenes Siegel. Vielleicht ist das Weiße die eigentliche dunkle Materie der Literatur. Ist Stille, die vor dem Urknall, ist das Schweigen, füllt Leerzeichen an und Leerzeilen. Lässt Raum, lässt Welten Raum, Weltraum. Das Weiße ist diesem Universum Voids. Und Geschichten, auch die noch nicht erzählten, sind darin die Filamente, schwarz auf – aus weiß sich erschaffend, abbildend. Und so, wie die Voids des uns umgebenden Universums zu riesig sind, als dass sie mit dem Weichen der Materie aus diesen Räumen zu erklären wären und also zugleich mit der baryonischen Materie entstanden, so ist das Weiße mit all dem ungedacht, ungesagt Verborgenen darin entstanden, als der erste Organismus zu denken begann. Der in uns geborgenen, noch nicht erzählten Geschichte kommen wir über die Stille, das Schweigen und das Weiße in uns näher als über alle Weisheit. Weisheit, die sich uns schwarz auf weiß ausbreitet, einem Sternenzelt gleich, wie es uns vertraut ist, wenn wir des Nachts verlassen, was uns über den Tag Schneckenhaus war, ist. Des Tags, wenn wir Sonnenuhren folgen.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Sihoskla und die Weißheit



Ach so, Weisheiten, fällt schon an dieser Stelle der ungeduldige Belesene aus seinem Rahmen. Dabei sind es oft die Weißheiten, die sich in Gesagtes schieben wie der Raum zwischen Elektron und Atomkern, machen so Leere zum wesentlichen, naja, hauptsächlichen Bestandteil der solidesten Sachen. Und wenn dieser Raum nicht zum Beispiel taugt, meint Sihoskla, ist es das Wolkige, das aller Materie innewohnt, haben wir nur die Weißheiten erkannt, die wir bislang nur beschreiben, aber nicht beschriften können. Von denen wir nur wissen, dass es sie gibt.Weißheiten eben. Früher machte man mehr Aufhebens um sie, als sie sich noch auf Landkarten breitzumachen pflegten – wohlgemerkt nur auf denen des weißen Mannes. Heutzutage finden wir sie eher in den Hirnen aller Menschen, besonders in denen solcher, die alles zu wissen glauben. Fein verteilt, aber schon durch leichtes Kratzen an der hochmütig so genannten Oberfläche aufzudecken (die manchmal die einzige und völlig unterflächen- oder gar inhaltslos ist).

Solch eine kleine, entzückende Weißheit sprang, zum besseren Verständnis oder auf der Suche nach etwas Abwechslung, ins Farbenmeer, machte Toter Mann, um nicht zu sehr zu quirlen. Denn weise, wie sie war, wusste sie um die fatalen Folgen übermäßigen Mischens. So trieb sie von Küste zu Küste, küsste und küsste. Ganz Weißheit, entstieg sie diesem Bade dangastlichem Gestade, bestieg Butjathas verwaisten Thron und rief nach Wilhelm, den sie shaven wollte. Der folgte willig. Die Jade wurde grün vor Neid, wandte sich zu Meerblick und die Schlafe auf den Deichen verstummten. So ist das, meinte der bärtige Sihoskla, aber nicht nötig, tätschelte ihren Hintern, zwinkerte der Weißheit zu, die ihn nach Wilhelm shaven wollte, und ging heim.


Ludwig Janssen © 27.8.2006

Dienstag, 6. Dezember 2016

Unaufdringliche Weißheit über Gedichte in Literaturforen (Kritik)


Bei manchen Gedichten lässt man von seinem Lesen, so man es ausdrücken kann. Bei anderen wieder schreibt man nichts von alldem darunter, weil sie es nicht wert sind oder ihr Autor sich bereits als jemand erwies, der sich selbst genügt und nicht mehr will als gelesen sein … und bestätigt werden.

Manche Gedichte strahlen genau das aus: Sie genügen sich selbst und wollen nicht mehr als das - und gelesen sein. Solche Gedichte sind selten.

Sie tragen vom Filigranen des Weißen an und in sich, zelebrieren das Wort, verströmen vom Duft des Sprachvermögens ihrer Ausdenker – ohne danach zu stinken. Man liest ihnen an, dass jedes Wort seinen Platz fand – und folgt offenen Mundes, liest ihre Worte übermütig koppheister gehen – und lächelt ihnen zu. Andere wieder verschließen sich, starren, harten aus, vor, mit – Wort – und man liest sich wund.

Es kommt vor, dass darinnen ein lyrisches Ich aufgestellt ist. So ein lyrisches Ich, das sein darf, was und wie es ist – das lyrische Ich dieses einen Gedichtes, wOrt, nicht mehr, doch genug, einem Leser zu sein. Zu sein? Zu sein. Das genügt.

Es gibt Dilettanten, die geben vor, das lyrische Ich sei der lyrische Teil ihres Ichs und gehöre ihnen. Unter diesen findet man auch die Sprachwurster, die insgeheim überzeugt sind, dass Lyrik einfacher zu schreiben sei als Prosa. Sobald die Prosa schreiben, bleibt ihrer bigotten Ignoranz nicht einmal dieses Baströckchen.

Ihre langweiligen Texte schreiben, geben vor, müssen schreien ich ICH, Ich … manche wimmern i i i c h so gewollt unabsichtlich wie gekonnt, erinnern den leidgeprüften Kenner im Abgang an Gollum und daran, dass auch der letztendlich zu etwas nütze war.

Ja, ja. Mit dem Schreiben, dem Verfassen von Lyrik, der Weißheit darin und der Weisheit verhält es sich so wie mit dem Schwarzbunten Niederungsrind und dessen Weißheit als solcher und im Besonderen: Mal ist sie hier, mal ist sie dort. Mal ist weniger, mal ist mehr zu erkennen. Mal ist sie am Kopf, mal ist sie am Arsch zu finden, meist auch irgendwo dazwischen. Und wo die Kuh schwarz ist, ist keine Weißheit, aber selbst diese Erkenntnis ist so weise wie der Umstand selbst in Ordnung.

Doch niemand, selbst in einem Literaturforum nicht, sollte und darf sich erdreisten, unter schwarzbunten Niederungsrindern einer Kuh abzuraten, auf die Weide zu scheißen. Genau an der Stelle, wo sie steht, so viel, wie – und: was sie kann.


Ludwig Janssen 6.7.2010, überarbeitet 4.12.2016