Sonntag, 16. April 2017

Herr Schalupke und Bodypainting zu Ostern


Herr Schalupke hat es eilig heute. Ein Engagement, in Regensburg. Bodypainting. Um 20:30 Uhr Termin zur Ganzkörperrasur. Dann: Osterei, jawohl, Osterei. Nackt. Der Aktionskreis Kultur am Hof veranstaltet ein lebendes Osternest, Pendant zur allseits abgenudelten lebenden Krippe. Hat schließlich lang genug gedauert, dass Schalupke seinen Ranzen so gemästet bekam, dass er nun, glattrasiert und rot angemalt, zum Osterei taugt. Nur wohin, fragt sich Schalupke, soll er sich wenden, wenn auf das Fanfarensignal vom Salzstadl her die Eier aus dem Nest stürzen und sich verstecken? Jahninsel? Wurstkuchl? Dom? Osterei in Sakristei? Wer ihn findet, darf ihn zum Essen mit heimnehmen. Nein, nicht ihn, Herrn Schalupke, wird er essen, sondern er, Herr Schalupke, wird zu Gast sein am Tisch seines Finders. Obs ein Türke sein wird? Ein Jude? Ein Inder? Einer der Flüchtlinge, die zum Fest gebeten wurden? Was es bei denen wohl zu Essen geben wird heute Nacht? Und er, Herr Schalupke, mittendrin. Nacktes rotes Osterei. Nicht einmal einen Rucksack darf er mit sich führen. Säh auch albern aus, so ein rotes Ei mit Rucksack. Pressefoto! Damit hatte er nicht gerechnet. Doch die Fotografen auch nicht damit, dass er ihnen seine Kehrseite zeigen würde. Ein rotes Osterei mit Arsch macht sich auch ganz gut auf der Titelseite der Mittelbayerischen. Die Fanfare ertönt!
Ludwig Janssen © 16.4.2017


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