Dienstag, 12. Februar 2013

Eie Piphan hat eine Erscheinung


Eie Piphan hatte eine Erscheinung, und wäre nicht Soistes Numa Augenzeuge - niemand würde ihm glauben. Die beiden Fischer saßen in ihrem Einbaum, der sich in der Dünung vor der westafrikanischen Küste in Sichtweite von Elmina wiegte, hatten ihre Netze ausgeworfen und waren dabei, sie einzuholen, als Gott an Eie Piphan vorbeiflog, und zwar von links nach rechts, ziemlich schnell und ebenso eindeutig. Er machte einen Kopfstand.

Eie rief "U!",

Soistes fuhr herum, verlor das Gleichgewicht und sah in das erstaunte Gesicht seines Freundes:

"Hm?"

Das wars auch schon.

Piphan schwieg, denn weder konnte er sich erklären, was da soeben an ihm vorübergeflogen war, von links nach rechts und ziemlich schnell, noch konnte er sich in Ermangelung geeigneter Vorkenntnisse dessen Eindeutigkeit sicher sein.

Man darf also mit Fug und Recht behaupten, dass diese Erscheinung Eie Piphan völlig unvorbereitet und ahnungslos angetroffen hatte und auch ließ, ja, man darf sogar davon ausgehen, dass diese Erscheinung, wäre es anders, gar nicht zu Stande gekommen wäre, womöglich auch nicht zu Kopf gestiegen, weil das mit dem Stand und erst recht mit dem Kopfstand auf den Wogen des Atlantiks vor Ghana schon ein Ding gewesen wäre, das höhere Wellen geschlagen hätte als die um den Einbaum es waren und weitere Kreise gezogen als jene, die nun von Soistes Numas Oberkörper ausgehend die Dünung kräuselten. Eie Piphan reichte seinem rücklings über Bord gegangenen Freund die Hand, zog ihn zurück ins Boot und bat um Nachsicht, dass er ihn erschreckt hatte.

"Ach ..." Vater Numa hatte seinen Sohn Bescheidenheit - und zu schweigen gelehrt.

In der Familie Piphan war das eigentlich anders. Doch da Eie Piphan zwar wusste, dass er etwas gesehen hatte, nicht jedoch, was und erst recht nicht, wen, blieb diese Erscheinung unerwähnt.

Gott wars recht. Er hatte es auch nicht anders gewollt.

Hätte ein religiöser Mensch oder ein Philosoph mit Soistes Numa im Einbaum gesessen, hätte er nicht mehr zu sehen bekommen als eine Möwe.

Auch gut.
Ludwig Janssen © 7.8.2010

1 Kommentar:

Katsenpoesie hat gesagt…

So ist es mit dem Sehen und Erkennen von Dingen, die da seitwärts. Ich hätte auch nur eine Möwe gesehen. Davon mal abgesehen. Kann man mal sehen. Arrghh.