Samstag, 28. Juli 2018

Der Horizont

Die Erde ist rund und
 der Horizont kein Strich
 fliegt, flieht, wartet
 glaube ich, zu - der
 rechten Stund, die
 Ewigkeit, auf mich
 Ist Fanum und allem
 so pro, wo kann ich mich
 finden, wenn nicht fern
 seinem Lauf um die Welt
 meinen Blick zu ihm erhoben
 bleiben wir einander
 auf immer verwoben.



Ludwig Janssen © 19. Juni 2018

Mittwoch, 18. Juli 2018

Empfehlung

Kondo Lenz neigte ihr Haupt, wie es einem Wort ihres Kalibers gut zu Gesicht steht, als sie an meinen Tisch trat: "Mein Aufrichtiges bei Leid …"
"Und dazu bitte etwas Schwarzes", ergänzte ich, "und Salat, den ganzen."
"Selbst! Mit Leid!" rief sie in die Küche. Töpfe klapperten.

Sonntag, 15. Juli 2018

Wo das Paradies ist

Gestern erzählte mir ein alter Landwirt leuchtenden Auges, wo man das Paradies fände: Nachts am östlichen Sternenhimmel in etwa einem Kilometer Höhe.  Dahinter läge dann der Himmel. Der wieder  sei noch viel größer. Jetzt warte ich auf die nächste sternenklare Nacht.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Im Vorübergehen

Heute fand ich meinen Namen. Dir war er entfallen. Aus der Reisetasche. Hing unten an deiner Sandale, welkes Herbstlaub, Fitzel Asphalt der Sommerlandstraße. Du lächeltest mich an im Vorübergehen und ich wusste: Wir hatten uns nicht verloren. Noch nicht. Du sangst ein altes Lied.

Sonntag, 24. Juni 2018

Herr Schalupke und der Kirschtern

Der Sommer war noch jung, der Kirschbaum jedoch, unter dem Herr Schalupke und sein Huhn saßen und Kirschen aßen, war uralt. Aber was er heute erleben sollte, hatte er noch nie gesehen. Herr Schalupke spuckte die Kerne der Kirschen, die er gegessen hatte, in hohem Bogen in die Wiese. Einen weiter als den anderen. Aufgeregt gackernd lief das Huhn jedem der Kerne nach, denn ab und an spuckte Herr Schalupke die ganze Kirsche in die Wiese, nur so, aus Jux und Laune. Und diese Kirschen waren für das Huhn.

"Jetzt pass mal auf!", rief Herr Schalupke und holte besonders viel Luft. Wer weiß, wie winzig klein unser Herr Schalupke sich machen kann, den wundert nicht, wie groß Herr Schalupke werden kann, wenn er nur richtig tief genug Luft holt. Herr Schalupke wurde größer und größer. Schon bald überragte er den Baum. Und da weder seine Kleidung, noch seine Haut mit diesem tiefen Atemzug wuchsen, dehnten sie sich aus. So, wie man das von Luftballons kennt. So verwunderte nicht, dass Herrn Schalupkes Gestalt, als sie bis auf die Größe eines kleinen Zeppelins angewachsen war, zugleich so durchscheinend geworden war, dass sie sich kaum gegen den blauen Sommerhimmel abhob.

Dann war es soweit. Herr Schalupke legte den Kopf in den Nacken und spuckte den Kirschkern aus. Der zischte hast du nicht gesehen in die Höhe, flog über die Wolken hinaus und immer höher, so dass die Schwerkraft des Planeten ihn kaum noch halten konnte. Wurde langsamer. Stieß pling! an ein Sonnensegel der Internationalen Raumstation und gelangte so, in bedächtiges Drehen geraten, auf eine Umlaufbahn um die Erde.
Als der kleine Kirschkern seinen ersten Umlauf um die Erdkugel vollendet hatte, war es unter ihm bereits Nacht geworden. Unten auf der Erde, gleich neben dem Kirschbaum, beugte sich Herr Schalupke, mittlerweile wieder auf Normalgröße geschrumpft, über einen Refraktor und winkte das Huhn zu sich:

"Komm und schau!"
"Pock!"
Ja, ja, das Huhn wartete noch immer auf eine Kirsche, während weit über ihm am Nachthimmel der Kirschkern zum ersten Mal von den Strahlen der fernen Sonne erfasst wurde und aufleuchtete. Gerade so wie ein Stern. Ein Kirschstern? Ein Kirschtern. Denn eigentlich war er ja kein Stern. Eher ein Mond oder ein Satellit. Wer nun in sternenklarer Nacht zum Himmel emporschaut, kann ihn dort fliegen sehen, einen kleinen, hell leuchtenden Punkt.

Sonntag, 20. Mai 2018

Heuer höre ich den Kuckuck nicht rufen ...

Wenn es dich tröstet, kann ich dir von einem Kuckuck berichten, der sich in eine Uhr aus dem Schwarzwald verliebt hatte und seitdem jeden Morgen auf der Fensterbank zu deren Stube sitzt und ihrem Rufen lauscht. Er meint, dass es Stunde um Stunde schlimmer um sie und ihre Sehnsucht nach ihm bestellt sei. Am Mittag hält er das nicht mehr aus und er fliegt schweigend zurück in den Wald, in die Stille. Bis ihn so gegen ein Uhr nachts, weil da die Stille der Welt ihren tiefsten Atemzug nimmt, ihr einsamer Ruf wieder erreicht. Vielleicht ist es so und nicht anders.


Ludwig Janssen © 20.5.2018

Dienstag, 8. Mai 2018

Nachträgliche Skizze


Uedemer -, Laar- und Greven-,
Bruch, bruch, broich im Nebel
Niers, Kendel, Weeze, Kevelaer
Altrhein, Schenkenschanz

Veen, Issum, Pont und Winternam
Knotwillich, Kettingspöll
het sinn de Menze dökkers raar
‘t smerges noar denn Danz

Rees, Grieth, Warbeyen, Spyck en Spijk
gelassen strömt der Rhein
schiebt sich zur Waal in Nederland
riviertjes blijfen Ijssel, Rijn

Fietsen surren Deiche lang
Leuite, Häuiser, watt en datt
proate, praten, küren, segg ens
und jedem Schwätzer meine Stadt

Ludwig Janssen © 4.2.2007

meisterlich (aus der Scheideanstalt)



Schwefelsäure und Kritik sind lösungsorientierte Hilfen.

Ludwig Janssen © 05.09.2011.

Sonntag, 6. Mai 2018

Inpoetur


Ja, er weiß
dass Tropfen fallen
die Gestirne leuchten
Wolken ziehen

Werden
hier, jetzt, morgen

Dennoch
lehnt er eine Leiter
in den Himmel …


Ludwig Janssen © 23.09.2003

Dienstag, 1. Mai 2018

"Man sitzt zu wenig am Meer"

Sitzt einer, schaut aufs Meer
hinaus, weil in seinem Rücken
Schulden, Sorgen ihn bedrücken.
Sieht nicht, dass von gegenüber
ein andrer schaut, zu ihm hinüber
in dessen Rücken Sorgen viel
leicht ums nackte Überleben
drücken, und soeben sticht
ein Boot in See. Das sieht er nicht.

Ludwig Janssen © 1.5.2018