Sonntag, 23. April 2017

Hyperschnüper


Stütenblaub im Liqour quackt
mein Wasserhirn zu Hirnsebrei
setzt mitsche matsche Motsche frei
in schmopfgekerztem Wehgeweih

Meine Lunken rosten, rasseln
darin geigt ein Bronchienschleimchen
Röchelsang wie diese Reimchen
während Bröckchen aufwärts prasseln

Ach, so pollt die Allergie
mich zum unwirsch murren Wirr
das Aug' trant stier, die Nas' juckt stirr
und gchr elb verbirkt die Phantastie


Ludwig Janssen © 22.4.2009

Mittwoch, 19. April 2017

Füchsleins Sophie und der Zauberhaft

Vor Jahren ein Sommer ... junges Füchslein tippelt ... über die Straße in den Mais, sitzt da und guckt. Ich sitz da und guck. Wir schauen uns an.

I
ch denke: Hast wohl keine Angst, Füchslein denkt: Was guckst du? ... oder auch nichts.  Ist auch egal, denn immer, wenn ich seitdem an dieser Stelle bin, denke ich ans Füchslein, an diesen Augenblick.

Ist das jetzt Philosophuchsie oder heißen so Blumen? War es Füchslein Sophie? Ist dies ein Gedicht?

Weiß ich nicht, aber ich weiß: Der Zauberhaft überwintert in meinem Herzen!


Ludwig Janssen © 3.10.2004/19.4.2017

Dienstag, 18. April 2017

Über etwas, das mich traurig stimmt

Nein, es hat nichts mit dem Schreiben zu tun oder mit Sprache oder dem, was mir den Unterschied zwischen dem Aneinanderreihen von Buchstaben und dem Schöpfen von Literatur ausmacht.

Was mich betrübt, ist der Rückgang des Siebenpunkt-Marienkäfers. Da hat man also herausgefunden, dass man Marienkäfer zur biologischen Schädlingsbekämpfung einsetzen kann. Gegen Blattläuse. In Ordnung.
Und dann wollte man ein fettes Geschäft draus machen, hm, und fand heraus, dass man den heimischen Siebenpunkt-Marienkäfer ebenso wie den Zweipunkt-Marienkäfer nicht so gut vermehren konnte. Fand heraus, dass die japanischen Marienkäfer leichter zu vermehren sind und wohl auch aggressiver an die Blattläuse rangehen.

Man importierte also die japanischen Marienkäfer und setzte sie, so meine ich mich zu erinnern, zuerst in Frankreich ein, Obstplantagen. Und ZACK! Waren die unterwegs, fraßen und fraßen und fraßen und vermehrten sich wie d'Sau …
Dass die auch aggressiver sind als die Siebenpunkt-Marienkäfer, war von Vorteil für die Obstbauern und für die sicherlich auch, die sie vermehrten und exportierten und importierten. Sie fraßen, ja, sind Schweine, diese Marienkäfer, alle, auch so nebenbei die Larven ihrer Artgenossen – und da waren die japanischen auch erfolgreicher als die heimischen Käfer.

Und weil sie nicht gestorben sind, die japanischen Harlekins, leben sie heute noch. Und zwar nicht nur in den Obstplantagen Frankreichs, sondern sie machten sich breit, überall, auch in Deutschland, auch in Bayern, und, mrmpfgrrrr… auch hier im Tal, in dem ich wohne. Kein Siebenpunkt mehr zu sehen. Kein Zweipunkt. Nur Harlekins.

Und weil ich halt traurig bin darüber, schon das dritte Jahr, schließe ich damit, dass das mit dem Glück Bringen wohl auch ein Ding ist, das von irgendwelchen Harlekins gefressen wurde und immer wieder gefressen werden wird, im Larvenstadium. Wohl ebenso wie das mit dem Abwägen der Nachhaltigkeit eigentlich sinnvollen Handelns.

Ludwig Janssen © 20.6.2012

Sonntag, 16. April 2017

Herr Schalupke und Bodypainting zu Ostern


Herr Schalupke hat es eilig heute. Ein Engagement, in Regensburg. Bodypainting. Um 20:30 Uhr Termin zur Ganzkörperrasur. Dann: Osterei, jawohl, Osterei. Nackt. Der Aktionskreis Kultur am Hof veranstaltet ein lebendes Osternest, Pendant zur allseits abgenudelten lebenden Krippe. Hat schließlich lang genug gedauert, dass Schalupke seinen Ranzen so gemästet bekam, dass er nun, glattrasiert und rot angemalt, zum Osterei taugt. Nur wohin, fragt sich Schalupke, soll er sich wenden, wenn auf das Fanfarensignal vom Salzstadl her die Eier aus dem Nest stürzen und sich verstecken? Jahninsel? Wurstkuchl? Dom? Osterei in Sakristei? Wer ihn findet, darf ihn zum Essen mit heimnehmen. Nein, nicht ihn, Herrn Schalupke, wird er essen, sondern er, Herr Schalupke, wird zu Gast sein am Tisch seines Finders. Obs ein Türke sein wird? Ein Jude? Ein Inder? Einer der Flüchtlinge, die zum Fest gebeten wurden? Was es bei denen wohl zu Essen geben wird heute Nacht? Und er, Herr Schalupke, mittendrin. Nacktes rotes Osterei. Nicht einmal einen Rucksack darf er mit sich führen. Säh auch albern aus, so ein rotes Ei mit Rucksack. Pressefoto! Damit hatte er nicht gerechnet. Doch die Fotografen auch nicht damit, dass er ihnen seine Kehrseite zeigen würde. Ein rotes Osterei mit Arsch macht sich auch ganz gut auf der Titelseite der Mittelbayerischen. Die Fanfare ertönt!
Ludwig Janssen © 16.4.2017


Klitzeleus Endlichkeit


Der Klitzeleu ist in den Fluss gefallen
weil er zu gut war und die Augen schloss
ein Wasserschwall hat ihn dann fortgerissen
der kalt und reißend ins Vergessen schoss

Das Ufer schweigt und ruht im Gegenüber
Auch Sonnenschein ward jäh zu neuem Wort
so dreht die Welt - und dreht auch ohne Löwen
die haltlos sind wischt stets das Leben fort

Im Keller schimmeln schon die Teddybären
auch ein Klitzeleu muss einmal gehen
Es kann die Zeit auch ihm nicht ewig währen
auf ein andermal wird er dort stehen:

Dem Himmel ist der Löwe nicht entschwunden
bleibt Stern an Stern und deinem Licht verbunden


Ludwig Janssen © 10.9.2005

Samstag, 15. April 2017

Solche Orte


Absperren sollte man sie. Die Orte, an denen das Entsetzen wohnte und ging mit den Menschen. Sie sich selbst überlassen und, so es sie gibt, den verlorenen Seelen, die nicht heimfanden. Warum nur macht man aus ihnen öffentliche Ereignisse, dass sie Tiergärten gleichen und Parks, gibt sie den Launen und Befindlichkeiten Fremder preis? Leichenfledderer schlendern sich ihr Quentchen Ich-bin-dort-Gewesen ins Getue. Spaziergänger auf ein Stündchen, die das Maul nicht halten können, Lebende, die sich alles aneignen, die vergangenen Dinge und die Toten um sich winden. Das Grauen, hauchdünner Flor, um ihre Schultern gelegt, flanieren sie die Wege entlang, nehmen, was sie brauchen können, stecken es sich in die Taschen und nehmen es heim. Basteln an Worten und Namen, bauen neue, schicke Türmchen, schmuckes Beiwerk um ihre Befindlichkeiten. Die stellen sie ins Fenster, dort rücken sie sich zurecht und entzünden triefende Stummeldochte um sich selbst kreißender Betroffenheit. Kleine Lichter. Darin zerren sie die Ermordeten noch einmal hervor, verbrennen sie. Die Puppen lassen sie tanzen: Seht her! So spreizen sie sich – diese Attitüde würgt. Absperren sollte man solche Orte, die in den Wäldern und in den Herzen der Städte, mit hohen Mauern umgeben. Die böten Raum genug zu Gedenken und Klage. Solche Orte aber gehören denen, die sie überlebten, die sich dort verloren oder uns verloren gingen.

Ludwig Janssen © 4.1.2008

Mittwoch, 12. April 2017

Vielleicht macht Gott


Vielleicht macht Gott
macht sich der Schwerste leicht
damit sich alles dreht
und geht

dahin, als sei's ein Schweben
durch die Welt so schwer
gehst du und denkst dir, wo
er denn bliebe und die Liebe

eben so
geht Leben


Ludwig Janssen © 31.5.2008

Montag, 10. April 2017

Der Himmel


Der Himmel ist einsam nicht
allein ist einer über vielen
sein Blau schaut ertrinkenden
Blicken zu und schweigt sich
aus.

Ludwig Janssen © 10.4.2017

Safrani II


Sieben schwarze Punkte
Sechs schwarze Beine
über mich hinweg, mein


Antherenorange, darüber
Chitinschalen, Ton in Ton
lautlos durch meinen Krokus


Ludwig Janssen © 7.3.2009

Sonntag, 9. April 2017

Safrani I


bin aus Krokusblüte
Staubgefäß
herausgerissen

von Frauen
mache ich die Welt
gelb


Ludwig Janssen © 7.3.2009