Samstag, 20. Oktober 2018

Hülsenfrüchte


Man findet sie, in Hülsen
gehüllt und auch als eben
solche guter Hoffnung
leben, wenn sie gehen ... hier
hin, dort hin
über gehend und auch Überall
Geschriebenem Inhalt
eines nach ihnen oder Luft
Schnappenden, Widerhall
tragen sie Frucht oder gehen
unter in Mengen.

Ludwig Janssen © 20.10.2018

Oktober - und eine Ameise im Buch.

Kommen sie zu hunderten daher, wehrt man ihnen, schlägt sie
tot wie überfließende Zeit ist die Begegnung eine fliehende.
Flüchtig der Moment der Begegnung mit einer der letzten wie
könnte der Tag einer der letzten sein: Jetzt. Geben wir ihnen Namen.


Ludwig Janssen © 20.10.2018

Montag, 15. Oktober 2018

Im Ausklang der Dünung

Im Ausklang der Dünung wiegt sich ein Du, deines, meines hört uns zu und es schmiegt sich in den Gang der Dinge liegt auf dem Atmen der See wäre schon längst auf und davon, wäre da nicht diese Schwere hinab auf den Grund alltäglich eiserne Kette wenn, könnte, hätte

Ludwig Janssen © 12.8.2018

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Drosophila melanogaster

Drosophila melanogaster. In den vergangenen Tagen im Licht der Flimmerkiste ihren schwebenden Flug bestaunt. Dessen träge vorgetragene Leichtigkeit. Hing in der Luft wie das Angelusläuten in der blauen Stunde des Abends. Jetzt steht in der Küche eine Schale überreifer Zwetschgen.


Ludwig Janssen © 3.10.2018

Dienstag, 25. September 2018

Pomme Perdue und die fliegende Insel

Pomme Perdue war eine nachdenkliche Frau. Sie liebte Spaziergänge. Und die führten sie gewundene Feldwege entlang die Hügel hinauf durch Wiesen und Wälder zu einer großen Lichtung, auf der es sich wunderbar im Gras lag und über die Wolken mit dem Wind zogen wie eine Geschichte.

Eines Tages, es war im Spätsommer eines heißen Jahres, lag Pomme Perdue dort und sehnte sich ins Blau des Himmels. Der Sommer neigte sich dem Ende zu und Pomme wusste, dass schon bald Regenwolken über den Himmel jagen und ihn mit bleiernem Grau fluten würden. Noch war Sommer.

Pomme Perdue lag also da, betrachtete die träge dahinziehenden Wolken. Reckte den Zeigefinger in die Höhe. Fuhr die Konturen der Wolken entlang, sehnte sich ins Blau und gab den Wolken Namen von Geschichten, die unerkannt mit ihnen zogen und irgendwo zu Boden regnen würden.

Eine der Wolken glich einer fliegenden Insel. Einen Leuchtturm machte Pomme Perdue darauf aus, von dem der Wind winzige Möwen löste und dann wieder verwirbelte. Am Strand wiegten Boote und hinterm Deich wiegten sich Weiden. Pomme seufzte. Reckte nun auch den anderen Arm empor.

Und wie unsere Pomme Perdue so seufzte, die Arme wie zu einer Umarmung zu der Wolke empor gereckt, da geschah es, dass der Atem eben dieses Seufzers ihre Arme entlang strich und ins Blau des Himmels stieg. Dort, wo er seinen Weg zu den Wolken nahm, verblasste das Blau ein wenig.

Nicht genug, dass das Blau des Himmels im Seufzer Pomme Perdues erblasste, auch ihre Arme veränderten sich dort, wo der sehnende Seufzer sie berührte. Nahmen vom Blau des Himmels an. Ganz allmählich, und doch mit eben jener Geschwindigkeit, mit der die Wolke über ihr dahinzog.

Du erwartest, dass Pommes Perdue erschrak? Dass sie aufsprang? Dass sie Wolke Wolke sein ließ, den Himmel Himmel - und Hals über Kopf von der Lichtung den Wald hinaus, die Wiesen hindurch und den Hügel hinab heim rannte und sich das Blau aus den Armen wusch? Nein. Im Gegenteil!

Pomme Perdue war nicht nur eine nachdenkliche, sondern auch ein mutige Frau. Und so lag sie ganz gelöst auf der Lichtung, fuhr mit den Händen die Konturen der fliegenden Insel nach, die ja eigentlich ein Wolke war, und spielte mit den Möwen, die der Wind vom Leuchtturm zupfte.

Wie sie so da lag, mit der Wolke spielte und der Geschichte, die sie Pomme Perdue erzählte, floss das Blau des Himmels in die zierliche Frau hinein. Strömte mit dem Puls die Adern entlang zum Herzen, füllte mit jedem Atemzug die Lungen und atmete sich und den Himmel ein und aus.

Mit jedem Atemzug fühlte Pomme Perdue sich leichter werden und, als sie ganz und gar von lichtem Blau erfüllt war, löste ihre ruhende Gestalt sich von der Lichtung, auf der sie gelegen und den Himmel betrachtet hatte. Stieg ins Blau des Himmels, wo der Wind sie mit sich nahm.

Pomme ruderte mit Armen und Beinen, wie sie es den Fröschen im Weiher abgeschaut hatte. Schon bald erreichte sie die fliegende Insel. Stieg an Land, und leicht, dass die Wolke sie trug wie eine der ihren, lief sie an den ruhenden Booten vorbei den Strand hinauf zum Leuchtturm.

Leise quietschend öffnete sich die Tür des Turms unter Pomme Perdues bebendem Griff, und die kleine Frau betrat den Leuchtturm. Und noch ehe wir beide, du und ich, an ihr vorbei mit hinein in den Leuchtturm hätten schlüpfen können, zog sie die eiserne Tür hinter sich ins Schloss.

Mittlerweile wurde es finster und der Herbst hat begonnen. Und die fliegende Insel? Was aus ihr wurde, weiß ich nicht. Vielleicht regnete sie irgendwo zu Boden, zu Ende erzählt. Doch lass uns des Nachts hinauf schauen und hoffen, dass Pomme das Licht des Leuchtturms entfacht.


Ludwig Janssen © 24. 9. 2108


Umbruch Aufbruch

bin zeit lebens
hungrig esse ich
werde ich des lebens
müde schlafe ich
in deinen armen ein
hoffnung eines lebens
lang ist der weg
geborgen


Ludwig Janssen © 24.7.2017

Donnerstag, 20. September 2018

Alles hat seine Stunde

Da war eine untergehende Sonne, die Zeit der blauen Stunde stand über dem Horizont. Heute trittst du ein in dessen Zimmer: Das Fenster sperrangelweit, der Horizont weit entfernt, die Seele schon viel, viel weiter. Du bleibst, mit einem Gedanken und der heute nicht gereichten Hand.

Ludwig Janssen © 20.9.2018

Langer Atem


Geh zeitig, doch geh nie zu weit
fort, denn wieder her ruft dich
zum Ort der Wiederkehr beizeiten
von wo auch immer
Immerdar hierher
gleiten flüsternd, auf der Wellen Klar
Träume, knisternd, die Gestade säumen
Vergänglichkeit im Flockenschaum
das Band zerschlagner Schneckenhäuschen

Das rollt und rollt und gottgewollt
Gezeiten - Wiederkehr, nur Ewigkeit
ist anders, schwer und kühl mein
Sinn bleibt fassungslos sich selbst
und ohne alles Rund

Das rollt in den Schneckenhäuschen
sich zum Sandkorn hin und grüßt
wissend um das Spiel von Endlichkeiten
von- neben- zu- für- aus-
und nur: einander sein
alles Immerdar nur Traum

Kaum Gedanke aus gequirlten Quanten
fanden meine Kleinigkeiten sich
zu einem Turm mit Licht
darin, es scheint den Nächten aus
den Rippen Kegel, in der Ferne Leuchten
unbekannten Schiffen oder Nichts

verloren und vergebens
Wert, voller Hoffnungslos
in meinen Händen Sand am Strand
klirren Schneckenhäuschen
Ludwig Janssen © 29.4.2005

Freitag, 31. August 2018

Bin ich der Weg

Bin ich der Weg,
den deine Füße nehmen -
heimwärts,
von verlorenen Hügeln,

Wendet sich jeder Kiesel,
die rundeste seiner Seiten
deinen müden Füßen
hinzuhalten;

Doch sind deine Sohlen dir fern
wie das Knirschen unter deinen Schritten,
das dich einlädt,
umzukehren.

Und so rollen
kleine Steine
verloren talwärts
wie Tränen.

Aus deinen Spuren tröstet Wissen:
Trüge ich dich zu meinem Scheitel,
gälte dein Seufzen
fernen Bergen.

Ludwig Janssen © 16.4.2002

Montag, 27. August 2018

Träumender Wal



Dich träumt ein Wal in einem
Schneckenhaus die Welt dazu
ist Seifenblasen und das All
wie auch der Wal und du ein ewig
Wandern sind darin so klein

in einer Nuss, an einem Baum
der Traum und alle Wale ewig
die Spirale und kaum hältst du an
auf des Schwebens letzter Stufe
hörst du ihn und seine Rufe

Hast in diesem Leben nichts
versäumt ist es doch nur ein Wal
der träumt in einer Nuss und
du träumst ihn, sein irgend
wo irgendwann ist Schluss.

Ludwig Janssen © 2.7.2018