Samstag, 1. Juli 2017

Frau Juli novembert

Frau Juli novembert. Eines ihrer Segelöhrchen starb heut Nacht. Tja. Wenn Frau Juli novembert, ist sie wie Fenster an Regentagen. Wie die sind? So: Niemand mag drinnen sein und hinausschauen müssen, und wer außen vor steht, wer hineinsieht, wird klitschnass. Nur die, die sich’s denken, finden irgendwas Romantisches daran.

Fenster an Regentagen bleiben geschlossen. Frau Juli wird also nicht mit der üblichen 90-Grad-Kehre in ihrem Stuhl zoing-doingen und einen Gewitterblick grinsen, sobald man was Blödes sagt wie zum Beispiel „Frau Juli novembert ein wenig.“ oder, erst recht blöd: „Tja.“. Nein. Sie wird die Unterlippe vorschieben und schauen wie ein Regentag am Fenster, also einer, der hinausschaut, einer, von dem man denkt, dass er schön romantisch traurig sei. Ist er aber nicht, denn: Frau Juli novembert!

Gleich wird Frau Juli mit einem Schüppchen – nein, es wird ein Spaten sein, einer, der für ihre Statur und Größe viel zu mächtig ist und sie ausschauen lässt wie einen – und wieder nein, sie würde niemals eine rote Zipfelmütze … in den Garten gehen und ihr Segelöhrchen beerdigen.

Vielleicht, ach, was: hoffentlich, fährt sie danach an die Nordsee, mit dem Rad natürlich, setzt sich an die Uferpromenade oder ins Gras, dass der Wind in ihren Locken zauseln kann. Denn heute ist Juli, zum ersten Mal Juli in diesem Jahr, und die brauchen sie, um sich komplett zu fühlen. Wer? Die See, das Gras, der Wind und der Juli.


Ludwig Janssen © 1.7.2010

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