Sonntag, 18. August 2013

Dem Brathühnchen

Was, Hähnchen, sangst du mir zu später Stunde
denn anderes als Bratenduft, du, die du als Weib
zwischen den andern, gewichtsbestimmt als Gickerl hingst
fingst noch nicht zu krähen an, warst niemals Hahn
und wärst's auch nie geworden, bist gestorben
am Spieße gebraten, Gallus gallus domesticus
Geflügelschere, Schnitt - und Schluss - mit Lustig
gar knusprig lockt dein kippevel, ein letzter Gruß
des Gruselns, als du so hingest, und den Weg
den letzten, gingest, bis in meine Hände, Fett
trieft und ich fülle, zu Lyrik umgebrochen ein Gedicht
zuletzt mit deinen Knöchelchen, Symbol, als Röhren
knochen hohl, für Tempel, Exodus und Not? Seroa?
Nein, nicht in den Fingern eines Christenmenschen
dem du nicht mehr als halbes Hähnchen, duftend Ding.

 
Ludwig Janssen © 3.5.2009

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